Zwei starke Polo GTI im Test

VW Polo GTI Cup Edition – Junius Polo GTI-R VW Polo GTI Cup Edition – Junius Polo GTI-R

Zwei starke Polo GTI im Test

— 26.03.2007

Nachgeladen

Völlig überzeugen konnte der Polo GTI bisher nicht. Sowohl VW als auch Tuner Junius schicken sich an, dieses Manko mit besser munitionierten Varianten des Giftzwergs zu beheben.

Mit der Familienehre ist das so eine Sache. Leichtfertige Nachkommen können den mühsam erarbeiteten Ruf blitzschnell ramponieren. Bei der weltberühmten GTI-Sippe entpuppte sich 2006 ausgerechnet der 150 PS starke Polo als der Prinz Charles des PS-Adels – nicht unsympathisch, aber recht langweilig und alles andere als herausragend. Der knallharte Messalltag förderte beim Wolfsbuger Kleinwagen nicht zu übersehende Schwächen zutage – vor allem was Lenkung und Bremsanlage anbelangt. Grund genug für VW, sich vom eigenen Markenpokal inspirieren zu lassen und mit dem Polo GTI Cup Edition ein Upgrade mit 180 PS bereitzustellen. Auch Alexander Junius, MTM-Stützpunkthändler und seit Kurzem selber im Tuning-Geschäft tätig, erkannte das Optimierungspotenzial des Serien-Polo-GTI.

Bei der Optik trägt der Serien-Polo dicker auf

Zwei Giftzwerge: VW und Tuner Junius schärfen den Polo GTI.

Seine Antwort auf das "Haustuning" aus Wolfsburg hört auf den Namen Junius Polo GTI-R und lässt beeindruckende 232 PS auf die Vorderachse los. Leistungstechnisch stellt der Junius Polo seinen Widersacher klar in den Schatten. Optisch kehren sich die Verhältnisse aber überraschenderweise um. Mit mächtiger, maschendrahtbespickter Stoßstange "in Motorsport-Optik" macht der Cup Edition Vordermännern und -frauen klar, dass hier kein 55 PS starker Basis-Polo hinterherschleicht. Stärker konturierte Seitenschweller, eine wuchtige Heckschürze und der von Volkswagen Individual gestylte Dachkantenspoiler beseitigen letzte Zweifel abgehängter Verkehrsteilnehmer. Hier fehlt wirklich nur noch der Klebepfeil für die Abschleppöse. Einzig die aus den Radkästen ragenden Gummi-Begrenzungen trüben das pistentaugliche Erscheinungsbild.

Keine Zurückhaltung unterm Blech

Eher James Bond als Hulk: Der Junius ist schlagkräftig aber dezent.

Der Junius Polo spielt dagegen eher James Bond als den unglaublichen Hulk: Schlagkräftig, aber dezent. Nur seine Aufkleber erregen Aufmerksamkeit, ansonsten kommt der silberne Testwagen ebenso zurückhaltend daher wie der lediglich durch den Doppelrohrauspuff erkennbare Serien-Polo-GTI. Innen entspricht der getunte Polo ebenfalls seiner Ausgangsbasis. Wie der Cup-Edition-Kollege verzichtet er auf jegliche Aufwertung, was jedoch kein Grund zum Trübsalblasen ist. Schließlich gab es an der Ergonomie des sportlichen Kleinwagens schon vorher kaum etwas zu meckern, weder an der Bedienung, noch an den bequemen, seitenhaltreichen Sportsitzen. Zurückhaltung übt Junius unterm Blech dagegen keineswegs. Mit größerem KKK-Turbolader, anderen Einspritzdüsen, neuer Abgasanlage und entsprechend abgestimmter Motorelektronik gesellen sich 82 zusätzliche Pferde unter die Haube.

VW betreibt deutlich weniger Aufwand. Die 30 Mehr-PS des Cup Edition sind das Ergebnis eines verstärkten Ansaugschlauchs sowie neu abgestimmter Motorelektronik. Der Fünfventiler des Werks-GTI dreht sich gern die Seele aus dem Leib. Erst bei 7000 Umdrehungen fordert der Drehzahlbegrenzer den Griff zum Schaltknauf. Zu diesem greift man angesichts der exakten, nicht zu leichtgängig einrastenden Gänge gerne. Diese Strapazen belohnt der Cup Edition mit 7,5 Sekunden auf 100 km/h (Polo GTI: 8,0 Sekunden). Der Tacho verharrt auf ebener Autobahn bei 240 km/h, was echten 225 km/h entspricht. Hier kann sich der deutlich potentere Junius-Polo spürbar absetzen. Ab 3000 Umdrehungen spricht der Turbo etwas ruckartig, dafür aber umso heftiger an und schiebt den Kleinwagen unnachgiebig bis Tacho 260 nach vorn – 241 km/h laut GPS-Gerät. Mit einem sechsten Gang wäre vielleicht noch mehr drin. Auch in der Beschleunigung düpiert der Junius seinen Widersacher aus Wolfsburg klar. 6,3 Sekunden genügen für die Hatz aus dem Stand auf 100 km/h, begleitet von deutlichem Turbopfeifen. Angesichts der ungünstigen Wetterbedingungen am Messtag (drei Grad Celsius) eine starke Leistung des Fronttrieblers. Weiterer Pluspunkt: Die optionale Sportkupplung mit verstärkten Scheiben und neuer Druckplatte hielt der Messtortur problemlos stand.

Die Wahrheit liegt auf der Rennstrecke

Blaskonzert: Das Werkstuning klingt satter als der Junius-Polo.

Soundcheck: Während das Junius-Auto bei hoher Drehzahl herzhaft röhrt, fällt es im unteren Drehzahlbereich hinter den Polo Cup Edition zurück. Grund: Zugunsten besserer Luftführung und spontanem Laderansprechen wurde ein eigens angefertigtes Alurohr samt neuem Schubumluftventil verbaut, das die werksseitig montierte Verbindungsleitung vom Saugrohr zur Motortrennwand von VW ersetzt. Diese teure Spezialanfertigung installierte Junius aber nur beim Test wagen, Kundenautos müssen mit der Werkslösung vorliebnehmen. Der Cup Edition klingt im unteren Drehzahlbereich wie ein Großer und erinnert klanglich entfernt an einen Fünfzylinder. Sprint und Sound sind jedoch nur die halbe Wahrheit. Die frechen Flöhe sollen vor allem auf dem Rundkurs dort begeistern, wo dergewöhnliche Polo GTI zuletzt schwächelte.

Cup-Edition vorbildlich neutral

Zügig: Nach 1:56,53 Minuten stoppt die Uhr für den Polo GTI Cup Edition.

Nach zwei Aufwärmrunden bitten wir den Polo Cup Edition zum Tanz in der Motorsport Arena Oschersleben. Schon nach wenigen Kurven stellen wir fest: Es hat sich was getan. Zwar verfügt er über das gleiche, spurtreue Sportfahrwerk wie sein 30 PS schwächerer Bruder, vermittelt aber wegen der 17-Zoll-Räder (Polo GTI: 16 Zoll) mehr Fahrbahnkontakt. Dazu verhält sich der Cup-Edition-Polo auch bei heftig provozierten Lastwechseln vorbildlich neutral, keine störenden Antriebseinflüsse zerren in der Lenkung. Größter Fortschritt sind allerdings die auf 312 Millimeter gewachsenen Bremsscheiben (GTI: 286 mm). Auch nach einigen engagierten Runden ist kein Fading zu spüren, der Pedaldruck wandert allenfalls leicht nach hinten. So stehen am Ende 1:56,53 Minuten auf der Uhr. Die 150-PS-Basis benötigt 1:57,27 Minuten.

Während der Cup Edition knisternd abkühlt, bekommt das Junius-Auto den Rundkurs in der Magdeburger Börde unter seine 17-Zoll-Contis. Die stehen in Verbindung mit einem KW-Fahrwerk. Das bringt den Polo dem Asphalt 30 Millimeter näher und mit vergnüglichem, gut kontrollierbarem Übersteuern das Gefühl, mit einem Hecktriebler durch die Biegungen zu preschen. Die höhere Leistung fordert in engen Kurven einen Tribut in Form von leichtem Lenkungszerren, was aber die Stimmung am Volant nicht weiter trübt. Derart dynamisiert, distanziert er sich mit 1:56,09 Minuten knapp eine halbe Sekunde vom Cup Edition – wir hätten mehr erwartet. An der Vorderachse reiben sich die gleichen 312-Millimeter-Scheiben wie im Konkurrenten auf. Belag und Vier-Kolben-Sattel stammen jedoch von AP-Racing. Standfestigkeit ist auch hier kein Thema, allerdings fallen die ermittelten Bremswege deutlich schlechter aus als beim Cup Edition.

Junius macht durstig

Eine weitere unschöne Nebenerscheinung: Schleifende Räder in schnell gefahrenen Kurven. Wenig Verständnis dürften manche Fahrer zudem dem raubeinigen Federungskomfort des Junius-GTI entgegenbringen. Auf der Autobahn hoppelt man ständig auf und ab, jede noch so kleine Unebenheit dringt zum Fahrer durch. Hier federt das Cup-Edition-Fahrwerk weicher. Ein weiterer Minuspunkt des Junius-Polo ist sein erhöhter Spritkonsum. Die Zeche für sein Spurtvermögen zahlt man an der Zapfsäule. Heftige 12,9 Liter Super Plus zieht der Junius-Polo im Schnitt durch die Einspritzdüsen. Mit 10,4 Litern saugt der Cup Edition wesentlich gemäßigter am Kraftstoffvorrat, vom normalen Polo GTI (8,6 Liter) gar nicht zu reden.

Beim Preis liegt Junius ebenfalls vorn – respektive hinten. Mit 30.836 Euro kostet das Tuningauto 11.000 Euro mehr als die Basis. Dafür bekommt man aber auch eine pistentaugliche Rennsemmel reinsten Wassers. Der fast 8000 Euro günstigere Cup Edition fährt sich weniger messerscharf, aber nicht langweilig. Beide machen die Marotten des Basis-GTI vergessen. Es scheint also, als hätten sich gleich zwei würdige Nachfahren für das schwarze Schaf Polo GTI gefunden. Die Familienehre wäre also wiederhergestellt.

Autor: Frank Wiesmann

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