Zwei Supersportler im Test

TechArt GT2 Mercedes SL 65 AMG Black Series TechArt GT2 Mercedes SL 65 AMG Black Series

Zwei Supersportler im Vergleich

— 06.05.2009

Scharfes Duo

Mehr geht fast nicht: Mit 580 und 670 PS fordern TechArt GT2 und Mercedes SL 65 AMG Black Series den ganzen Fahrer. Dafür bieten sie aber auch Gänsehaut und Achterbahnfeeling. Ein Vollgas-Vergleich auf dem Hockenheimring.

Mit einer "Schwarzen Serie" verbindet man eher nichts Gutes. "Black Series" klingt dagegen für Kenner nach Verheißung, für manchen gar nach Erfüllung eines Traumes, den das Kürzel AMG allein bislang nicht zu befriedigen vermochte: Nach allen Regeln der Kunst auf die Spitze getriebene Sportlichkeit in einem Modell mit dem Stern, ein Stück dunkler Materie, das das Meer glitzernder Himmelskörper an Kraft bei Weitem übertrifft. Jüngster Streich der Mercedes-Tuning-Abteilung AMG: Der SL 65 AMG Black Series, der schon von außen als Darth Vaders Dienstwagen durchgehen könnte und die dunkle Seite der Kraft mit einem auf 670 Biturbo-PS aufgeblasenen V12 mit sechs Liter Hubraum zelebriert. Weitaus einschüchternder als optischer Auftritt und PS-Leistung jedoch: Das Drehmoment ist elektronisch auf 1000 Nm begrenzt. Weshalb auch "nur" eine extrem lang übersetzte Fünfstufenautomatik zum Einsatz kommt - die einzige im Mercedes-Regal, die diese Leistung nicht mit zerbröselnden Einzelteilen quittiert. Black Series steht aber auch für sportliche Performance auf der Rennstrecke.

Durch den Einsatz von Carbon werden beim Black Series 165 Kilo gespart

Leicht gemacht: Black Series heißt beim SL 65 AMG auch 165 Kilo weniger.

Und da gibt es eine Benchmark: Porsche. Doch endet das Leistungsvermögen derzeit bei 530 PS im serienmäßigen GT2. Also musste ein leistungsgesteigerter GT2 her. Erste Wahl: Der TechArt GT2 mit 580 PS und einer noch heißeren Optik. Während TechArt auf eine von Haus aus sportliche Basis inklusive Serien-Gewindefahrwerk zurückgreifen kann, blieb bei der Metamorphose vom SL 65 AMG zum Black Series kein Stein auf dem anderen bzw. kein Blech beim alten. Bis auf die schon beim Serien-AMG aus Aluminium gefertigten Türen entspricht kein Außenhautbauteil denen des SL 65 von der Stange. Insgesamt wurden durch den Einsatz von Kohlefaser-Verbundstoffen gemessene 165 Kilogramm abgespeckt. Die um 14 Millimeter breiteren Frontkotflügel bestehen ebenso aus dem leichten Material wie Frontschürze und Frontsplitter, Motorhaube, Heckdeckel, Dach und Heckschürze samt Diffusor-Einsatz sowie der ab 120 km/h automatisch ausfahrende Carbon-Heckflügel. Neben der verbreiterten Spur (vorn 115, hinten 103 Millimeter) und extrabreiten Sportreifen (Dunlop Sport Maxx GT auf AMG Doppelspeichen-Leichtmetallfelgen) sorgt auch beim Black Series ein Gewindefahrwerk mit Einstellmöglichkeiten für Dämpfer in Zug- und Druckstufe, Höhe sowie Spur und Sturz für ein optimales Handling auf der Rennstrecke. Verändert wurde auch die Kinematik der Vorderachse, was laut AMG zu einer um acht Prozent direkteren Lenkübersetzung führt.

Der TechArt GT2 verzichtet optisch auf reine Effekthascherei

Optisch zurückhaltend: TechArt verzichtet beim GT2 auf Spoilerprotzerei.

TechArt verfeinerte den Serien-GT2 äußerlich durch ein Aerodynamik-Kit, das Front- und Heckschürze, verschiedene Blenden, den Dachspoiler inklusive einstellbarer Abrisskante sowie Seitenschweller umfasst. Das Ergebnis unterstreicht den sehr sportlichen Auftritt des GT2, verzichtet aber angenehm zurückhaltend auf reine Effekthascherei. In Sachen Alltagstauglichkeit hat der TechArt dem SL sogar ein großes Plus voraus: Über den Noselift, der über einen Schalter im Dachhimmel betätigt wird, lässt sich der TechArt vorn um 60 Millimeter anheben und ist so auch parkhauskompatibel. Man muss nur bereit sein, für den Lift knapp 4300 Euro auszugeben. Das verstellbare Gewindefahrwerk blieb unangetastet und bietet die vom GT2 bekannten, elektronischen Dämpfer-Voreinstellungen durch PASM (Porsche Active Suspension Management). Optisch reizvoll und leicht sind die einteiligen TechArt Formula III Felgen, auf denen Michelin Pilot Sport Cup Plus Semislicks (Satz: 8651 Euro) für optimalen Grip sorgen. Vorausgesetzt, sie sind ordentlich warmgefahren, was bei den zum Testzeitpunkt herrschenden Temperaturen von etwa fünf Grad über null nicht einfach ist. So erklärt sich auch, dass die ermittelten Fahrleistungen beider Boliden nicht das tatsächliche maximal erreichbare Potenzial darstellen und den Herstellerangaben (Black Series: 3,8 s; TechArt: 3,5 s für den Spurt von 0 auf 100 km/h) um rund zwei Zehntelsekunden hinterherhinken. Doch sind auch Werte knapp über (Black Series) oder deutlich unter (TechArt) vier Sekunden nicht nur auf dem Papier sehr eindrucksvoll.

Wer einen der beiden Supersportler maximal beschleunigt, ist um eine fast traumatische Erfahrung reicher. Die aberwitzige Kraft des Black Series kommt völlig ansatzlos und ohne Verzögerung. Das macht es auch etwas knifflig, schlupffrei und gerade vorwärtszukommen, denn bei zu viel Gaseinsatz neigen die reichlich dicken 325er bei jeder Drehzahl zur völligen Haltlosigkeit – den richtigen Gang vorausgesetzt, denn das Getriebe ist eben sehr lang übersetzt, was auch die vergleichsweise schlechten Elastizitäts-Werte im fixierten 4. und 5. Gang erklärt. Im passenden Gang, oder im Automatikmodus des schnell schaltenden Automatikgetriebes, entfesselt der Black Series einen brachialen Druck, der erst deutlich jenseits der 250 km/h etwas nachzulassen scheint. So mühelos der SL 65 die Kraft aus seinen zwölf Töpfen schüttelt, so spektakulär ist die begleitende, dunkel brodelnde Geräuschkulisse. Schade nur, dass viele Feinheiten wie etwa das rotzige, dumpfe Bollern im Schiebebetrieb besser von außen als von innen zu hören sind.

Nicht minder eindrucksvoll presst sich der TechArt mit Wolllust dem Fahrtwind entgegen, doch beginnt bei ihm der Brutalo-Schub erst bei etwa 3000 Touren. Was nach Turboloch klingt, ist jedoch nur ein etwas weniger spitzes Anfallen des maximalen Drehmoments, was unter dem Strich eine gleichmäßigere und besser fahrbare Leistungsausbeute bedeutet. Dazu spielt der TechArt einen harten, metallisch gefärbten Sound, der bei geöffnetem Klappenauspuff zwar nicht die typische Trompetenfanfare der Boxer-Sauger bei hohen Touren moduliert, sich aber kreischend in die Gehörgänge bohrt. Und zwar auch in die der Insassen, und nicht überwiegend in die der Passanten wie der Black Series. 

Weitere Details zu den beiden brachialen Pulsbeschleunigern gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

Autor: Ralf Kund

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