Zweikampf in der Formel 1

Weltmeister Fernando Alonso Weltmeister Fernando Alonso

Zweikampf in der Formel 1

— 01.08.2006

Kirchengeläut und Alarmglocken

Nach Ferraris Doppelsieg in Hockenheim wird die Luft für Renault immer dünner. Aber noch ist positives Denken bei den Franzosen angesagt.

Flavio Briatore schmauchte im Motorhome von Renault eine Zigarre. Normalweise sind dick gerollte Rauchwaren den Siegern der Formel 1 vorbehalten, Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug pflegt nach Triumphen der Silbernen kubanischen Tabak zu paffen. Teamchef Briatore stellte mit der Zigarre indes nur Gelassenheit zur Schau. "Das Wichtigste nach so einem Wochenende ist, Ruhe zu bewahren", mahnte der Italiener. "Wir müssen jetzt positiv denken", ergänzte sein Pilot Fernando Alonso.

Die Weltmeister kassierten beim Großen Preis von Deutschland die bitterste Niederlage in den vergangenen zwei Jahren. Alonsos Vorsprung von 25 Punkten vor vier Wochen schmilzt. "Zahlen sind eigentlich unwichtig, aber eine ist uns lieb", sagte Hockenheim-Sieger Michael Schumacher. "Die elf, die Zahl der Punkte, mit der Alonso noch führt." Die Betonung liegt auf noch. Wenn Ferrari das Tempo durchhält, werden die Roten beim Italien-Grand-Prix am 10. September in Monza, dem 15. von 18 Rennen, die Führung in der Gesamtwertung bei Fahrern und Konstrukteuren erobert haben.

Glückliche Ferraristi Massa und Schumacher nach dem Doppelsieg in Hockenheim.

Während wie immer nach einem Ferrari-Sieg in Maranello die Kirchenglocken läuteten, dürften in den Renault-Fabriken Enstone und Viry-Chatillon die Alarmglocken schrillen. Warum die blau-gelben Renner im Ranking der schnellsten Runden nur auf den Plätzen acht und neun lagen, eine Zehntelsekunde vor Vitantonio Liuzzis Toro Rosso – darüber rätseln selbst Renault-Fachleute. "Wir glauben das Problem verstanden zu haben, wissen es aber nicht genau", bilanzierte Entwicklungschef Pat Symonds.

Wenn diese spannende Weltmeisterschaft überhaupt einen Schönheitsfehler hat, dann den, dass Rad-an-Rad-Duelle zwischen den Titelaspiranten ausbleiben. Zu klar schlägt im Verlauf der Saison das Pendel aus. Wenn überhaupt finden Positionswechsel beim Boxenstopp statt. Schumacher scheint derzeit so unerreichbar zu sein wie nach dessen Durchmarsch von Monte Carlo bis Kanada vor einem Monat.

Die Ausgeglichenheit der Protagonisten in den Cockpits führt dazu, dass die Arbeit in den Formel-1-Laboren das Pilotenduell überlagert. Renault frisiert seit 2005 das Fahrwerk mit einem so genannten Schwingungsdämpfer. Der Wagen soll ruhiger auf der Piste liegen und die Reifen schonen. Der Automobilweltverband Fia hat das System erst verboten, dann wieder zugelassen. Aber nachdem das Gremium der Regelhüter gegen die Entscheidung der eigenen Rennkommissare Protest eingelegt hatte, verzichtete Renault in Hockenheim auf den Dämpfer - aus Angst nachträglich disqualifiziert zu werden.

Der Schwingungstilger, rechnet ein Renault-Mann vor, hätte Alonso auf dem Hockenheimring um mindestens drei Zehntelsekunden pro Runde schneller gemacht. Er hätte wohl auch die Blasenbildung auf der Reifenoberfläche gehemmt. In Runde 61 rutschte Alonso von der Strecke. Was für Schumacher-Manager Willi Weber ein Anzeichen von Nervenflattern war ("Alonso wird langsam nervös"), lag auch an ramponierten Reifen.

Die Luft wird dünner für Weltmeister Fernando Alonso. Doch noch gibt sich der Spanier relativ gelassen.

Das Renault-Team ist bei den Erklärungsversuchen für die Schlappe nicht um das Thema Reifen herumgekommen. "Die Situation war noch schwieriger, als wir befürchtet hatten", jammerte Pat Symonds. Michelin als Sündenbock. "Wir hatten etwas zu aggressives Material", lamentierte Nick Shorrock, der Rennsport-Direktor der Firma aus Clermont-Ferrand. Renault hatte zwar die härtere der beiden zur Verfügung stehenden Mischungen gewählt, die aber erwies sich immer noch als zu weich. Für den Grand Prix in Ungarn am Sonntag (06. August), wo möglicherweise noch höhere Temperaturen herrschen, werde Michelin die nötigen Schlüsse ziehen, sagte Shorrock.

Viel Spielraum bleibt nicht. Die Reifenentwicklung für das Rennen ist abgeschlossen, seit vergangenem Wochenende gilt ein generelles Testverbot. Ferrari verdankt den Erfolg nicht zuletzt Bridgestone. Der japanische Hersteller hat so große Fortschritte gemacht, dass es sich Schumacher sogar leisten konnte, in Hockenheim den weicheren Typ zu verwenden. Es war sein 89. Sieg. Für Schumacher aber dürfte die Zahl elf größere Bedeutung haben.

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