Zwölf Winterreifen der Dimension 195/65 R 15 T

Zwölf Winterreifen der Dimension 195/65 R 15 T im Test Zwölf Winterreifen der Dimension 195/65 R 15 T im Test

Zwölf Winterreifen der Dimension 195/65 R 15 T

— 24.10.2002

Heiße Gummis für kalte Tage

Sicher durch den Winter? Eigentlich kein Problem. Nur: Der richtige Reifen muss es sein. Welcher, verrät der AUTO BILD-Winterreifentest.

Deutschland größter M+S-Markt der Welt

Kaum haben die Sommercafés und Gartenlokale ihre Stühle reingeholt, schon rollt AUTO BILD mit Winterreifen an. Wir meinen, genau rechtzeitig, denn ab sofort kann es draußen ganz anders aussehen: weiß und glatt. Und jeder kennt das Chaos, wenn das Bremsen Rutschen bedeutet, Kreuzungen verstopft sind und der Heimweg dreimal so lange dauert.

Und woran liegt es? Jawohl, an den Reifen. Sommerreifen unterm Auto sind im Winter etwa so sinnvoll wie Inlineskates auf der Eisbahn. Wer jedoch früh genug den Gummi wechselt, muss sich nicht durch den Winter schummeln.

Gemeinhin tun wir Deutsche das auch nicht. Keine andere Nation ist so eifrig, wenn es ums Thema Sicherheit und Winterreifen geht. Fast jeder zweite Autofahrer wechselt das Profil rechtzeitig. Für die Reifenfabrikanten sind wir zurzeit der größte M+S-Markt der Welt.

Forschen nach der besten Gummilösung

Winterreifen sind, auch wenn sie nicht danach aussehen, wahre Hightech-Produkte. Sie müssen den Spagat schaffen, auf trockenem Asphalt, nasser Fahrbahn und fest gefahrener Schneedecke zu greifen. Außerdem möglichst alle ihre Eigenschaften behalten bei Temperaturen von frühlingshaften plus 20 bis arktischen minus 25 Grad Celsius. Das klappt manchmal mehr, manchmal weniger gut.

Zwölf Reifen haben wir für den diesjährigen Wintertest herangezogen, bekannte Hersteller ebenso wie Produkte aus der zweiten Reihe. Auch wenn Namen und Bezeichnungen oft nicht verändert werden, ganz so gleich wie die Vorjahresmodelle sind die neuen Angebote nicht. Denn die Reifenhersteller forschen alle ständig nach der besten Gummilösung. Motto: Die Mischung macht's. Beispiel: Michelin Alpine. Er hat den gleichen Namen wie sein Vorgänger, aber deutlich bessere Eigenschaften. Einziger optischer Hinweis: Auf der Flanke steht die Kennung A2.

Sämtliche Nass- und Trockentests fahren wir auf dem so genannten Contidrom-Gelände von Continental in Hannover, das optimale Voraussetzungen hierfür bietet. Die Schnee- und Eistests werden in Nordschweden abgespult, bei Temperaturen von null bis etwa minus sechs Grad Celsius.

Bestseller: die Größe 195/65 R 15 T

Doch welche Reifengröße testen – angesichts des schier unüberschaubaren Angebots? Ganz klar, den Bestseller im Programm: die Größe 195/65 R 15 T. Sie passt nicht nur auf die frontgetriebenen Autos wie Passat, Golf, Audi A3 oder A4, sondern auch auf Hecktriebler vom Format Dreier-BMW und Mercedes-Benz C-Klasse.

Mit dem BMW 316i compact hatten wir einen besonders gut geeigneten Testwagen. Er besitzt ein ausgewogenes Fahrverhalten, ein straffes Fahrwerk, eine gefühlvolle Lenkung mit guter Rückmeldung und ist weitgehend kurvenneutral. Das heißt: Er übersteuert weder, noch untersteuert er. Alles gute Voraussetzungen, das Gripverhalten von Reifen zu prüfen.

Das "T" in der Reifengröße steht für eine zulässige Geschwindigkeit von bis zu 190 km/h. Für die Hersteller ein dankbares Tempo, denn so müssen sie den bereits erwähnten Spagat zwischen guten Laufeigenschaften bei hohem Tempo und griffigem Bremsverhalten bei Schnee und Nässe nicht ganz so breit anlegen. Dadurch ist unter anderem eine weichere Gummimischung möglich, die auch noch bei niedrigen Temperaturen elastisch bleibt.

Lamellen-Profil sorgt für Klebe-Effekt

Wichtig in diesem Zusammenhang: Oft ist von Experten der Reifenindustrie zu hören, man solle schon ab Temperaturen von weniger als plus sieben Grad Celsius auf Winterreifen umrüsten. Das mag für Z-Reifen (z. B. Porsche, Ferrari) gelten, nicht aber für das T-Modell. Denn dazu waren unsere gemessenen Bremswerte auf trockener Piste zu schlecht. Also, liebe Hersteller, wenn schon solche verkaufsfördernden Empfehlungen, dann bitte auch bessere Bremswerte liefern.

Die stimmten zumindest auf Schnee, der Paradedisziplin der Winterpneus, die bis zu 2000 Lamellen im Profil aufbieten können. Diese Mini-Schlitze im Gummi sollen das Verzahnen der Schneedecke mit dem Reifen ermöglichen. Es entsteht dabei eine Art Klebe-Effekt, ähnlich wie beim Rollen einer Schneekugel auf Neuschnee.

Ohne Chance in dieser Disziplin: der Sommerreifen. Er legt mehr als doppelt so lange Bremswege hin. Deutlicher lässt sich die Gefahr kaum darstellen. Und wir reden hier von Stadttempo: 50 km/h ...

Gute Winterreifen sind leiser geworden

Der Lamellen-Effekt funktioniert auch auf glattem, nassem Untergrund (Ampelbereich, Markierungsstriche). Vorausgesetzt, die Lamellen sind richtig geschnitzt. Eine Wissenschaft für sich, wie unser Test zeigt; denn genau diese Feinprofile machen den Unterschied. Fulda und Semperit beispielsweise legen gut acht Meter längere Bremswege hin als der Bridgestone.

Auch im Schnee-Handling auf einer leicht ansteigenden Kurvenstrecke hinterlässt der Fulda keinen guten Eindruck. Er braucht ebenso wie der Pneumant fast fünf Sekunden länger als der Pirelli und der Vredestein. Einziger Trost: Mit Sommerreifen wäre der Autofahrer in dieser Situation buchstäblich durchgedreht.

Insgesamt erfreulich, dass gute Winterreifen heute wesentlich leiser geworden sind. Früher hatten sie einfach nur grobes Profil, entsprechend nervig laut waren die Abrollgeräusche bei höherem Tempo auf trockener Straße. Aktuelle Winterreifen lärmen nicht mehr als Sommerreifen. Doch dies ist natürlich kein Grund, das Winterprofil solange aufgezogen zu lassen, bis vor den Straßencafés wieder Stühle stehen.

Den kompletten Reifentest mit allen Daten erhalten Sie zum Preis von 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie auf diesen Link, und Sie gelangen zum Download-Bereich.

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