Britischer Humor ist weltberühmt. Das weiß auch
Nissan und vergleicht in einer englischen Kampagne zum
370Z den Flitzer mit der deutschen Konkurrenz. Irgendwie typisch: so richtig lustig finden die deutschen Autobauer das allerdings nicht.
In einer gerade laufenden Werbeaktion dröhnt
Nissan auf riesigen Plakaten "So schlägt man die Deutschen" – eigentlich ein netter Seitenhieb auf das 0:4-Debakel der englischen Nationalmannschaft während der Fußball-WM 2010 gegen Deutschland.
In einem Video rollt ein
Audi TTS durchs Bild, ...
... auf dem der Spruch "Teurer, langsamer und weniger stark als ein
Nissan 370Z" prangt.
... trägt den Spruch "Ich träume davon, so schnell wie ein Nissan 370Z zu sein" auf der Flanke.
Und
Nissan legt nach: Beim Oldtimer-Rennen "Goodwood Festival of Speed" ließen die Japaner gleich mehrere Autos vorfahren, auf denen eine Strichliste vermerkte, wie viele
Porsche,
BMW und
Audi der Fahrer mit seinem Nissan angeblich schon verblasen hat.
Und hier kommt der reale Vergleich: Drei Sport-Coupés, die immer noch mit ihren schönen Rücken entzücken: AUTO BILD SPORTSCARS hat den Nissan 370Z, den Porsche Cayman und den Audi TTS (von links) zur Neuauflage eines alten Dreikampfs auf den Sachsenring gebeten.
Schon einmal sind sich diese drei auf der Rennstrecke begegnet. Aber: Damals war der TTS brandneu, der Nissan hieß noch 350Z und der Cayman stand noch vor seinem Modellpflegeprogramm. Runde zwei im Coupé-Dreikampf ...
... erfolgt also unter deutlich geänderten Vorzeichen. Die Frage lautet: Kann der Audi seinen Triumph aus dem Jahre 2008 wiederholen, oder scheitert er diesmal an seinen erstarkten Gegnern?
Er scheitert. Der TTS wird am Ende Opfer des Sachsenrings, dem gerade die kleinwinkligen Kurven fehlen, die Turbo-Quattros so lieben. Bitter, zumal Audi ein ansonsten tadelloses Preis-Leistungs-Paket schnürt.
Kleinster Hubraum, geringste Zylinderzahl, aber mitnichten das schwächste Aggregat in diesem Vergleich: Aus zwei Litern Hubraum schickt der Turbo-Vierzylinder 272 PS und 350 Nm in den Allradantrieb, doch ...
... das reicht in der Sprintwertung diesmal nur zum letzten Platz. Mit 5,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 muss der Audi beide Konkurrenten ziehen lassen – wenn auch denkbar knapp. Erst danach kehrt sich das Verhältnis um, Tempo 200 erreicht der TTS mit 20,9 Sekunden am schnellsten. Spitze: 250 km/h.
Der Audi zielt vor allem auf Genussdynamiker. Auf solche also, die zunächst gern tiefenentspannt zum Gourmettempel gondeln, um sich die angefutterten Kalorien bei einer anschließenden Landstraßenhatz wieder abzutrainieren. Wirklich ins Schwitzen ...
... kommt man dabei aber nicht: Traktionskompetent und trotz der etwas fluffigen Lenkung absolut narrensicher, ...
... lässt er all jene nur ungläubig den Kopf schütteln, die mit einem hinterlistig lastwechselnden Ur-TT, spoilerlos und ESP-frei, ...
... schon mal jenseits des Grenzbereichs gelandet sind. Entsprechend breit ist das LED-Grinsen, als sich der TTS in die Windungen des Sachsenrings wirft. Und umso größer die Enttäuschung, als er, der haushohe Favorit, ...
... nur als Dritter am Zielstrich anschlägt. Bei seiner schnellsten Sachsenring-Runde bleibt die Uhr für den TTS bei 1:44,74 Minuten stehen.
Hübsch gemacht: Fürs Foto rollte der TTS auf 19-Zöllern, dem Messauto genügten 18-Zöller.
Gut: Mit warmen Bremsen kommt der Audi aus Tempo 100 nach 35,5 Metern zum Stehen. Besser: Die Konkurrenz stoppt mindestens einen Meter eher.
Traditionsgemäß besteht der TT-Tankdeckel aus gebürstetem Aluminium. Das 60-Liter-Reservoir dahinter erleichtert der Audi alle 100 Kilometer um 10,8 Liter Super plus im Schnitt.
Der TTS zeigt ein eigenständiges Cockpit mit zum Fahrer geneigter Mittelkonsole, ...
... flockiger Sechsgang-Schaltung und ...
... unten abgeflachtem Lenkrad.
Preislich sortiert sich der TTS zwischen seinen beiden Konkurrenten ein. Audi verlangt für das Coupé 45.700 Euro – ohne Extras. Mit an Bord sind immer adaptive Dämpfer.
Der zweite Rang in diesem Vergleich ist nicht besetzt, dafür gibt es einen geteilten ersten Platz – und da landet der Porsche Cayman. Trotz seines Leistungsdefizites von 66 PS hält er mit dem 370Z tapfer mit, ...
... fährt ihm auf der Landstraße gefühlt sogar um die Ohren. Nur im Kostenkapitel schaut der Zuffenhauser schon in der Grundausstattung gehörig in die Röhre.
Motor im Verborgenen: Der 2,9 Liter große Sechszylinder-Boxer zeigt nur seine Einfüllstutzen für Wasser und Öl. Mit 265 PS und 300 Nm Drehmoment arbeitet hier die schwächste Maschine des Vergleichs, ...
... trotzdem krault das Porsche-Aggregat Kennern motortechnischer Feinkost überaus erregend durch die Unterarmhärchen. Wegen seiner Akustik, die je nach Gaspedalstellung zwischen Klimpern und Brüllen changiert. Und weil er seine Kraft mit dieser Mischung aus Zärtlichkeit und Vehemenz entfaltet, ...
... zu der wohl nur Sechszylinder-Sauger aus Zuffenhausen in der Lage sind: Tempo 100 erreicht der Cayman als Zweiter nach 5,7 Sekunden, erst danach fährt er der Konkurrenz hinterher, knackt nach 21,9 Sekunden die 200-km/h-Marke. Einsame Spitze: 265 km/h.
Auf der Rennstrecke zuhause: Der Mittelmotor-Porsche tendiert charakterlich klar in Richtung Vollblutsportler, saugt Streckenverläufe aller Art ...
... einfach unter seinem drahtigen Körper hindurch und wippt die Topografie dabei sanft mit der quergesperrten Hinterachse (1131 Euro) mit. Trotzdem reicht es nicht ...
... zur schnellsten Zeit auf dem Sachsenring. Mit 1:43,72 Minuten muss sich der Cayman mit dem zweiten Platz auf der Piste begnügen.
Optionale 19-Zöller (2606 Euro) verhüllen die im Vergleich beste Bremse: Die Anker hinter den filigranen Alus zwingen den Cayman nach 34,3 Metern aus Tempo 100 in den Stillstand.
Den Porschefahrer empfängt im Cayman eine hautenge Pilotenkanzel mit großartiger Sportwagenergononmie und hochwertigen Materialien. Das Highlight ...
... ist die ultradirekte Lenkung.
Die guten Vollledersitze lässt sich Porsche mit 3076 Euro extra bezahlen, ...
... das manuelle Sechsgang-Getriebe ist inzwischen serienmäßig an Bord.
Auf Knopfdruck giftiger: Die Sport-Taste schärft die Gasannahme, die PASM-Taste die Dämpfer. Das adaptive Fahrwerk schlägt beim Cayman mit 1547 Euro zu Buche.
Die Rundenzeit immer im Blick: Eine Stoppuhr auf dem Armaturenträger gibt es mit dem Sport-Chrono-Paket.
Wer nach dem teuersten Auto in diesem Coupévergleich sucht, wird bei Porsche fündig: Der Cayman kostet mindestens 50.314 Euro. Zwischen dem Zuffenhauser und ...
... dem zweiten Erstplatzierten liegt preislich ein ganzer Peugeot 207. Und nicht nur an der Kasse vermag der Nissan 370Z zu überzeugen.
Etwas antik wirkt der 3,7 Liter große V6-Sauger (331 PS, 366 Nm). Die bullige Maschine mit der ruppigen Kraftentfaltung wirkt wie ein Bergbaumalocher unter Gehirnchirurgen, ...
... hat aber mit dem schwersten Auto im Feld (1540 Kilogramm) wenig Mühe und macht es zum Sprintsieger: In 5,6 Sekunden stürmt der 370Z aus dem Stand auf Tempo 100 und ...
... liegt nach 21 Sekunden bei der 200-km/h-Marke nur eine Zehntelsekunde hinter dem TTS. Bei 250 Sachen greift dann die Elektronik ein. Auf Landstraßen wirkt der Nissan etwas zu starr, verkantet auf Bodenwellen in seiner etwas laschen Lenkung und grätscht mit Sidesteps in die anvisierte Fahrlinie, ...
... etwa wenn ein Gullydeckel von unten gegen die 19-Zöller patscht. Besser sieht es dann auf der Rennstrecke aus: Während der Audi primär auf seinen quattro-gestützten Turbobonus baut, ...
... der Porsche alles auf die Kurvenkarte setzt, verquickt der 370Z beide Talente zu einem in der Addition schnelleren Kompromiss. Seine Rundenzeit von 1:43,53 Minuten bringt ihn am Ende vor der Konkurrenz ins Ziel.
Schön: Bei abgeschaltetem ESP, wenn die Kraftkeule des V6 ungehemmt auf die 275er-Hinterwalzen einprügeln darf und Kurven nur noch im 45-Grad-Winkel durchs Frontvisier streifen, müssen sich selbst Porsche-Jünger ganz schön auf die Zunge beißen, um nicht ins Schwärmen zu geraten.
Stark: Hinter den fünfarmigen Schmiederädern packt die Bremse kräftig zu und stoppt den Nissan aus Tempo 100 nach 34,5 Metern – der Porsche steht nur 20 Zentimeter eher.
Die Optik passt: Kürzer und breiter als sein Vorgänger, mit stark gepfeilten Leuchteinheinten vorne und hinten sowie ...
... einem fiesen Überbiss, unterstreicht der 370er die kultige Z-Formensprache mit einem zornigen Unterton.
Hübsch gemachtes, allerdings nur mäßig verarbeitets Nissan-Cockpit mit auf den Fahrer fixierten Instrumenten, Navi-Pult und viel Aluimitat.
Man sitzt zwar bequem im Nissan, hat jedoch ständig das Gefühl, irgendwas zurechtzupfen zu müssen. Das liegt weniger an den Sitzen, die einen nun mit sportlicher Fürsorge umarmen, ...
... als vielmehr an der Tatsache, dass die Japaner alles Flehen nach einer axial einstellbaren Lenksäule beharrlich ignorierten.
Kleiner Knopf, große Wirkung: Im S-Modus gibt der Wagen selbstständig Zwischengas, ...
... wenn der Fahrer die sechs Gänge des manuellen Getriebes wechselt. Dabei muss der linke Fuß beim Runterschalten jedes Mal einen bleischweren Antriebsstrang verkuppeln.
Beim Bezahlen schlägt die große Stunde des Nissan: Die Japaner widerstanden der Versuchung, den Z im Zuge des Modellwechsels heimlich ins Hochpreisgefilde umzutopfen und bieten das Coupé weiterhin konkurrenzlos günstig an. Der Grundpreis des 370Z: 38.690 Euro.
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