Die Pflicht hat der BMW X3 im 100.000-km-Dauertest erledigt: kein Totalausfall, keine größeren Reparaturen, agiles Fahrverhalten, zeitgemäßer Verbrauch. Die Kür – steht hier für Premium-Qualität – hat der X3 weniger souverän gemeistert.
Auf kleinen Schotterpisten abseits der Autobahn konnte der X3 seine Handling-Qualitäten unter Beweis stellen. Die werden jedoch erkauft mit einem zu harten Fahrwerk.
Der 150-PS-Diesel enttäuschte ebenfalls. Er arbeitete ruppig und laut, zudem leidet er unter einer Anfahrschwäche. Um zügig voranzukommen, mussten die Tester häufig schalten. Seit Herbst 2007 liefert BMW einen neuen, 177 PS starken Zwei-Liter-Diesel, der spürbar kräftiger und kultivierter läuft.
Im Winter schlug sich der X3 mit den Dunlop SP Wintersport sehr gut. Das Allradantriebssystem xDrive funktioniert tadellos. Die Antriebskraft wird über eine Lamellenkupplung stufenlos auf die Antriebsachsen verteilt.
Mögen Fahr- und Triebwerk umstritten gewesen sein, bei der Bewertung der Alltagsqualitäten waren sich alle Tester einig: außen kompakt, innen geräumig, mit bequemen Sitzen und problemloser Bedienung.
Der X3 in seinem Element: Auf kurvenreichen Landstraßen gefiel der kompakte BMW.
Die eleganteste und verbrauchsgünstigste Art, Fahrräder zu transportieren: Träger aus dem Zubehör, schnell befestigt auf dem Kugelkopf der Anhängekupplung.
Guter Zugwagen: Die Anhängekupplung kostet 770 Euro und lässt sich leicht montieren. Die maximale Anhängelast beträgt 1,7 Tonnen.
Im Lederlenkrad sind Multifunktionstasten für den Tempomat, Radio und Telefon integriert. Bei der Bedienung des CD-Radios Business half die Betriebsanleitung.
Der Lack ist ab: In Weiß kommt hier das Grundmaterial des Lenkrads zum Vorschein. Derartige Benutzungsspuren erwartet man nicht bei BMW – und schon gar nicht nach 70.000 km.
Für die Sitze gab es viel Lob, sie sind ideal für lange Strecken. 2010 Euro Aufpreis kostete das Leder-Ambiente. Es ist nicht nur schick, sondern auch sehr robust.
Das Gepäckabteil (480 Liter/bei umgelegter Rücksitzbank 1560 Liter) ist für grobe Transporte viel zu schade. Die Verzurrschienen am Boden gehören zum Ablagenpaket – für stolze 330 Euro Aufpreis.
Das ist okay: Der Verbrauch lag im Durchschnitt bei 8,9 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Kein schlechtes Ergebnis für ein SUV mit 1,9 Tonnen Leergewicht und fast 200 km/h Spitze.
Bei der Zerlegung eines Dauertestwagens kommen alle Schwächen ans Tageslicht. Im Kern präsentiert sich der X3 solide: Lackstärke in Ordnung, gute Hohlraumversiegelung, keine nennenswerten Verschleißspuren an Motor und Getriebe.
Bei Kilometerstand 60.360 streikte der elektrische Fensterheber in der Fahrertür. BMW tauschte den Elektromotor und die Führungsschienen auf Garantie. Sonst hätte die Reparatur rund 400 Euro gekostet.
Scheuerstelle: Fahrertür und B-Säule haben sich aneinander gerieben. Das beweisen Spuren im Lack von Tür und B-Säule. Ursache ist ein geringes Spaltmaß an dieser Stelle. Eine Kleinigkeit, aber an einem Premium-Auto nicht zu tolerieren.
Schmutzfalle: Die hintereinander angeordneten Kühler sind an den Unterseiten dicht verbunden, oben aber nicht. So können Feuchtigkeit und Schmutz oben hineingelangen und sich unten sammeln. Ein potentieller Korrosionsherd.
Gequält: Im Fahrtenbuch finden sich häufig Einträge zur Anfahrschwäche des Testwagens. Folge: höherer Gaseinsatz beim Anfahren, also stärkere Belastung der Kupplung. Die Spuren sind an der Druckplatte zu finden. Dank ihrer massiven Auslegung ist die Funktion aber weiter gewährleistet.
Feuchtgebiete: Der Deckel des links an der Spritzwand sitzenden Verteilerkastens ist perfekt abgedichtet. Aber an der Rückseite kann Nässe eindringen.
Eine Folge der eingedrungenen Feuchtigkeit im Verteilerkasten sind korrodierte Steckverbindungen wie hier an einem Relais. Fehler durch oxidierte Elektroanschlüsse traten noch nicht ein, wären jedoch nur eine Frage der Zeit gewesen.
Rostig: Über Anrostungen am Achsträger und deren Folgen braucht man nicht zu streiten. Die Materialstärke verhindert auf lange Zeit Folgeschäden. Sicher erwartet aber kein BMW-Fahrer nach nur zwei Jahren solch einen Anblick an seinem Fahrzeug.
Angegriffen: Das Notrad wird unter dem Wagenheck transportiert. Gut geschützt ist das schmale Ersatzrad (135/90 R17) dort offensichtlich nicht. Rost und Schmutz haben an der Oberfläche des Stahlrads ihre Spuren hinterlassen. Keine gute Lösung.
Sparsam: Bei der Befestigung der Hitzeschutzbleche am Wagenboden oberhalb des Auspuffs fehlten bei der Enduntersuchung zwei Schrauben – und das offensichtlich schon bei der Montage. Alle übrigen Schrauben waren korrekt angezogen.
Am Abgassystem traten seit Kilometerstand 18.500 wiederholt Undichtigkeiten auf. Zunächst ermittelte BMW einen Defekt an der Bypassleitung des Turboladers, bei erneuter Beanstandung einen gelockerten Temperatursensor am Katalysator (Bild).
DEKRA-Sachverständige ermittelten keine Nachlässigkeiten beim Korrosionsschutz in den Hohlräumen, hier zeigte der X3 gewohntes BMW-Niveau.
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