Keine bühnenreife Vorstellung: Insgesamt stand der Dauertest-Touran 18 Tage außerplanmäßig in der Werkstatt – da hätte man fast schon campieren können. Schlechter schnitt noch nie ein Dauertestwagen ab.
Pleiten, Pech, Touran. Die Geschichte fing schon völlig verkorkst an. Im Mai 2003 meldete AUTO BILD: VW stoppt die Touran-Auslieferung. Doch als im November 2004 dann endlich der Dauertest-Touran vor der Tür steht, ist zunächst alles vergessen.
Der Touran hat bequeme Sitze, bietet viel Platz, einen variablen Innenraum, einen kräftigen, spurtstarken Motor und ein tolles DSG-Getriebe.
Weiterer Vorteil des Touran: Im Dauertest-Mittel reichen ihm 8,1 Liter/100 Kilometer. Wer es sparsam angehen lässt, kommt mit nur 5,8 Liter über die Runden. Dann reicht sein 60 Liter Spritvorrat für mehr als 1000 Kilometer ohne Tankstopp. So viel zu den guten Seiten des VW-Kompaktvans.
Bei Kilometerstand 6980 bog der VW das erste Mal in seine Stammwerkstatt ab. Hässlich baumelt eine Gummidichtung unter der Fahrertür heraus. Werkstattbesuche sind seitdem an der Tagesordnung. Egal ob Motor-, Elektrik- oder Verarbeitungsmängel – der Touran hat alles zu bieten.
Ein kurzer Auszug aus der Mängelliste: Bremslichtfassung defekt, gerissene Abgasrückführung, Beifahrer-Seitenairbag defekt, Hupe defekt, Nebelscheinwerfer feucht.
Der 140 PS starke Pumpe-Düse-TDI ist sparsam und durchzugsstark, läuft aber unkultiviert. An permanentes Brummen und Vibrationen sollten sich die Insassen gewöhnen. Schlimmer: Im Test nervte er mit einem defekten Zylinderkopf und einer undichten Abgasrückführung.
Schnörkellos und klassisch: Das VW-Cockpit mit großen Rundinstrumenten und dem zentralen Infodisplay ist praxisgerecht. Die Qualität überzeugt jedoch nur im Neuwagen-Zustand – nach 100.000 km ist an einigen Stellen der Softlack abgeplatzt.
Praktisch: Große Staufächer am Dach erleichtern das Verstauen zahlreicher Gegenstände in Reichweite.
Ebenso überzeugt das Platzangebot. Motto: außen kantig, innen riesig. Die Sitze haben die Laufleistung von 100.000 km unbeschadet überstanden.
Zwischen den Stoßstangen misst er kurze 4,39 Meter, bietet aber Raum für sieben Passagiere. Oder für fünf, dann mit Hund und viel Gepäck (bis 695 Liter).
Werden die Fondsitze umgeklappt, fasst der Kofferraum bis zu 1913 Liter. Alles sauber durchdacht, variabel, schnell um-, aus- und wieder einzubauen.
Das Konzept des Touran überzeugte die Redaktion und machte ihn bei Fernreisen beliebt. Leider verliefen diese nur selten problemlos, 18-mal musste der Touran in die VW-Werkstatt.
Am Ende Ärger: Kurz vor Dauertest-Schluss streikte das Heckklappenschloss. Beladen wurde dann über die hinteren Türen.
Polarisiert: Den Blinker im Außenspiegel empfinden manche Fahrer als störend.
Kopflos: Acht lange Tage Zwangspause in der Werkstatt, bis ein neuer Zylinderkopf geliefert und montiert war. Grund: Wasserverlust durch einen Riss im Zylinderkopf. Da war selbst ...
... die Hupe nach 64.814 Kilometern sprachlos.
Dickes Ende: Der falsch diagnostizierte Turboladerschaden nach Leistungsverlust bei Kilometer 97.033 rundet die negative Bilanz ab. Der Tausch einer defekten Unterdruckdose hätte ausgereicht!
Es gibt auch gute Nachrichten über den Touran. Bei der umfassenden Abschlussuntersuchung zeigte sich: Die Rostvorsorge ist perfekt, der Pumpe-Düse-Diesel auch nach 100.000 Kilometern noch in Topform.
Spurensuche mit dem Storz-Endoskop. Der Sachverständige von AUTO BILD, Wolf Gudlat, untersucht mit einer flexiblen 3,8-mm-Sonde die Oberflächen der Wasserkanäle im Touran-Zylinderkopf.
Positives Powerpack: Das Doppelkupplungspaket des DSG-Getriebes hat die Übertragung des kräftigen Drehmoments (250 Nm bei 1900/min) ohne sichtbare Verschleißspuren überstanden.
Heizzentrale: Der Zuheizer von Webasto unterstützte den abwärmearmen Diesel kräftig, sorgte in den Winterhalbjahren zuverlässig für wohlige Wärme.
Sauber geschaltet: Der futuristisch wirkende Schaltschieberkasten ist Gehirn und Herz des Direktschaltgetriebes DSG.
Das Geheimnis des DSG: Beim Beschleunigen ist stets der nächsthöhere Gang vorgewählt, beim Verzögern der niedrigere. Es sind immer zwei Gänge parallel eingelegt: Während eine Kupplung für kraftschlüssige Verbindung sorgt, ist die andere Kupplung geöffnet und hält den nächsten Gang parat – ohne Zugkraftunterbrechung.
Das DSG überzeugte die meisten Testfahrer. Etwas auszusetzen gab es bei der Anfahrverzögerung: Bei getretener Bremse kuppelt das DSG aus, ein sofortiges Losfahren wie bei einer Wandlerautomatik erfolgt nicht. Weiterer Nachteil: Am Hang rollte der Touran trotz eines eingelegten Ganges zurück.
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