250 km/h – eine magische Grenze. Wer einen Geschwindigkeitsrausch erleben will, muss nicht gleich seinen Bausparvertrag lösen. AUTO BILD sagt, welche Typen die 250-km/h-Hürde knacken – und was Gebrauchtkäufer beachten sollten.
Alpina stellt Kleinserien auf
BMW-Basis her und ist viel mehr als nur ein Edel-Tuner. Dieser Alpina B3 3.3 Touring von 2001 basiert auf dem
328i der Baureihe E46. Kostenpunkt: für 7990 Euro. Der Haken: Auf dem Tacho stehen 294.300 Kilometer. Allerdings kam bei 134.000 ein Austauschmotor rein.
Edel-Dreier: 2001 wurden mit üppiger Ausstattung (unter anderem Navigationssystem, Lederpolster, 18-Zoll-Räder, ESP) um die 50.000 Euro fällig. Sein 3,3-Liter-Reihensechszylinder leistet 280 PS. Erst bei Tempo 262 ist Schluss mit Vortrieb.
Der B3 spielt dennoch nicht den ungestümen Krawallbruder, sondern gibt die komfortable Sportskanone, die ab Leerlaufdrehzahl Druck macht. Das ist beim AUTO BILD-Testwagen auch nach knapp 300.000 Kilometern so. Die Wasserpumpe ist neu, das Automatikgetriebe überholt.
Okay, der Ledersitz auf der Fahrerseite ist leicht lädiert. Problem beim
E46: Gelegentlich kommen Elektronik-Macken vor. Wie zum Beispiel defekte Sitzbelegungsmatten auf der Beifahrerseite, dann leuchtet das Airbaglämpchen.
Der Alpina B3 hat die gleichen Schwachstellen wie die bürgerlicheren E46. Sind die Querlenkerbuchsen ausgeschlagen, gleich neue Querlenker von
Meyle einbauen, die halten länger. Auch Radlager, Stabilisatorlager und Hinterachsbuchsen sind häufig verschlissen.
Austauschkandidat: Der Austauschmotor hat rund 160.000 Kilometer gelaufen und ist bestens in Form. Das revidierte Automatikgetriebe schaltet sauber und leckt nicht.
Wer sich einen Alpina B3 kauft, fährt keinen
BMW von der Stange, sondern einen veredelten Sportler, der auch nach Jahren von einer Fachwerkstatt gewartet werden muss. Und das kostet.
Drei Jahre lang, von September 2001 bis September 2004, hat
VW den
Passat mit acht Zylindern und 275 PS angeboten, in der Handwerker- und Familienausführung Variant und als Limousine, der bevorzugten Form für Finanzbeamte und Lateinlehrer.
Nach acht Jahren und 219.000 Kilometern steht so ein Über-
VW bei Gebrauchtwagenhändler R&B Automobile in Hamburg. Schwarzmetallic, innen cremefarbenes Leder, Navigationssystem, Xenonscheinwerfer, elektrische Sitzverstellung, sauber, abgestempeltes Scheckheft. Für 6999 Euro.
Bei der Probefahrt zickt die Servolenkung. Leitung leck, die Werkstatt
hat das am nächsten Tag repariert. Trotzdem müssen wir lachen, als sich beim sanften Tritt aufs Gaspedal eine Gruppe Teens umdreht: Hat die Spießerkarre gerade wie ein Achtender geröhrt?
Zwei Jahre vor Markteinführung der Oberklasse-Limousine
Phaeton präsentierte
VW mit dem W8 einen echten Edel-
Passat. Sein Tacho geht bis 300 km/h. Lederpolster, Navigationssystem und Tiptronic kosteten allerdings extra.
Bei 15.000 (3000 in Deutschland) verkauften Exemplaren wird der ehemalige Über-
VW namens
Passat W8 mal ein Klassiker. Wenn er durchhält. Denn nicht nur der Vier-Liter-Achtzylinder hat so seine Macken.
Viele Probleme teilt sich der W8 mit seinen
Passat-Brüdern. Dazu gehören marode Antriebswellen, zu großes Lenkungsspiel und spätestens nach neun Jahren werden die Bremsschläuche porös.
Spezielles W8-Problem: Machen sich die Nockenwellenversteller im Leerlauf und Teillastbereich durch Ruckeln bemerkbar, hilft nur das Auslesen des Fehlerspeichers. Sind sie wirklich defekt, macht die
VW-Werkstatt Folgendes: Motor raus, Verstellergehäuse tauschen, Zylinderkopf zusammenbauen, Motor wieder rein. Kostet bis zu 4000 Euro.
"Ja, das Coupé
Fiat Turbo schafft 250 km/h", sagt AUTO BILD-Kollege Manfred Klangwald, "aber wie oft?" Für 25.559 Euro war das Coupé mal das Sonderangebot in der 250-km/h-Liga. 20 Ventile, 220 PS, fünf Zylinder röhren gewaltig. AUTO BILD titelte 1997: "Hier brennt die Luft".
Jetzt tränen die Augen: Schöne Form, Platz für vier, aber leider ohne TÜV. Kfz-Meister Fritz Pancinko vom Autohaus Ellerbek bietet dieses rote Coupé an. Für gerade einmal 4950 Euro.
Das avantgardistische Design des Coupés hat die Autoliebhaber Ende der 90er-Jahre in zwei Lager gespalten: Die Einen verabscheuten den
Fiat einfach nur als potthäßlich, die Anderen liebten seine Formen.
Der Innenraum des italienischen Sportlers ist aber nicht nur futuristisch. Mit feinstem italienischem Leder zeigt Fiat, dass man italienisches Design aus modernen und klassischen Elementen durchaus sehr gut kombinieren kann.
Der Wartungsaufwand speziell beim 20V Turbo ist hoch. So baut die Fiat-Werkstatt beim Zahnriemenwechsel (Empfehlung: nach 75.000 km oder alle fünf Jahre) den Motor aus. Für diese Zwölfstundenreparatur werden je nach Stundenlohn mindestens 1000 Euro fällig.
Typische Schwachstelle des
Fiat ist der Abgaskrümmer, der oft zu Rissen neigt und undicht wird. Man hört es (Motor läuft rau), man riecht es (Abgasduft beim Kaltstart), man sieht es (Ruß am Hitzeschutzblech).
Lebensversicherung bei allen 250-km/h-Boliden: die Räder. Beim
Fiat haben Rad und Reifen am Bordstein genagt. Und so werden 250 km/h zur Gefahr. Deshalb empfiehlt sich grundsätzlich eine Kontrolle der Räder, denn die Geschwindigkeit wird schließlich über das Gummi auf die Straße gebracht.
Das Coupé
Fiat 2.0 20V Turbo ist ein echter Exot in der 250-km/h-Klasse. Tipp: Ein unverbasteltes Exemplar aus seriösem Vorbesitz kaufen – und vorher eine gute Werkstatt suchen.
Weiterer 250-km/h-Kandidat:
Audi S8 4.2 Quattro, erhältlich ab 5.500 Euro. V8 mit 4,2 Liter Hubraum und 340 PS, von null auf 100 km/h in 5,5 Sekunden (Schaltgetriebe), bei 250 km/h automatisch abgeregelt. 1996 setzte der Audi S8 mit diesen Werten Maßstäbe.
Jetzt steht er beim Fähnchenhändler für kleines Geld, aber mit Navi, Leder und Xenon. Und folgenden Problemen: Typ D2 (1994–2002) litt anfangs unter anfälligen Automatikgetrieben, Kraftstoffpumpen, Scheibenwischermotoren und Lichtmaschinen, das Lenkungsspiel ist im Alter zu groß.
Mercedes 600 SE/600 SEL, ab 5400 Euro: Einst war der
W 140 (1991–98) Dienstwagen der späten Bonner Republik. Sein V12 leistet 408 PS. Abgesehen vom Verbrauch von bis zu 20 Liter Super, macht der Motor selten Probleme. Aber das hohe Gewicht beansprucht das Lenkgetriebe. Typische Macke: sich auflösende Isolierung des Kabelbaums führt zu Elektronikproblemen.
Bei gutem Wartungszustand eine Empfehlung: Der
BMW M5 der Baureihe
E34 (ab 6000 Euro) schafft 254 km/h, gönnt sich 16,4 Liter Super, und er macht dank 315 PS und Hinterradantrieb jede Menge Spaß. Anfällig: die Gummilager beider Achsen, auch Rost ist beim teilverzinkten E34 ein Thema – am Tankdeckel, an der Wagenheberaufnahme, an den Türkanten.
Der
Porsche 928 ist auf dem besten Weg zum Klassiker. Aber es gibt noch Schnäppchenangebote um die 5000 Euro. Wer sich so einen 4,7 Liter starken V8 mit 310 PS zum Preis einer großen Vespa zulegt, sollte aber genügend Geld für Reparaturen einplanen. Neue Bremsscheiben und -beläge, ein neuer Zahnrimen – und schwupps, sind locker 2000 Euro weg.
Ölverlust an der Kurbelwelle ist typisch (dann muss der Motor raus, Kosten: 2000 Euro), die Buchsen der Querlenker sind labil (Austausch an der Vorderachse: 1300 Euro).
Jaguar XJR 4.0 ab 5900 Euro: Dank Kompressor schickt der Sechszylinder-Motor des XJR 4.0 satte 320 PS auf die Hinterachse, das reicht für Tempo 250. Aber die Kosten! Viele der Billigangebote sind mit Vorsicht zu genießen, undichte Auspuffkrümmer sowie ein rumpelndes und somit defektes Differenzial an der Hinterachse kommen vor.
Der
Audi S4 Avant (ab 6900 Euro) bietet viel Platz für Hund und Kind. V6-Biturbo, 265 PS, 250 km/h, 14,8 Liter Super plus. Macken teilt sich der S4 (1997–2001) mit seinen Brüdern auf der B5-Plattform: Wenn es vorn knarrt, müssen meist neue Querlenker rein. Feuchtigkeit in Mikroschaltern lässt Fensterheber und Zentralverriegelung verrückt spielen.
Im Herbst 1994 war er der Traum aller Auto-Freaks:
BMW 750i, V12 mit 5,4 Litern und 326 PS. 90.000 Euro war der Preis, nackt. Wer sich diesen Traum nach 15 Jahren für 3500 Euro beim Fähnchenhändler erfüllt, sollte Zweierlei wissen.
Erstens: keine Garantie. Zweitens: den gleichen Betrag für Reparaturen einplanen. Leere Batterien aufgrund der zahlreichen elektrischen Helfer kommen beinahe standardmäßig vor, ebenso wie ausgeschlagene Spurstangen wegen des hohen Gewichts.
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