Warum soll man Ganzjahresreifen pauschal verteufeln, falls und wenn sie ausreichend Sicherheit bieten? Schon deshalb und auch wegen der hohen Zahl von Leseranfragen zu diesem Thema haben wir in unserem diesjährigen Winterreifentest für Allradfahrzeuge nicht nur ...
... acht Winterreifen zum Tanz auf Eis und Schnee geladen, sondern auch den derzeit anerkannt besten Ganzjahresreifen: Den Pirelli Scorpion STR. Außerdem dabei: Der Pirelli Scorpion Ice & Snow. Zudem aus Deutschland der Continental CrossContact Winter, ...
... aus den Niederlanden der Vredestein Wintrac 4 Xtreme, aus Finnland der Nokian WR und aus den USA der seit Jahren bewährte Goodyear Wrangler Ultra Grip. Neben diesen in Deutschland bekannten und auch relativ hochpreisigen Kandidaten baten wir zusätzlich ...
... drei weniger geläufige Marken zum Test, die besonders günstige Preise versprechen: aus Korea den Hankook Icebear W300, aus Taiwan den Maxxis Victra Snow SUV und aus den USA den Cooper Discoverer M+S.
Unter exakt überwachten Bedingungen ging der Opel Antara in Nordschweden für uns auf Testfahrten.
Traktion Schnee: Continental, Vredestein und Pirelli bieten die größte Zugkraft. Aber auch der mitgetestete Pirelli-STR-Ganzjahresreifen liegt noch eindeutig im grünen Bereich. Enttäuschend ist nur die mäßige Zugkraft des veralteten Goodyear Wrangler UG.
Bremsen Schnee: Auch hier enttäuscht der schon etwas ältere Goodyear, stellt aber keine Gefahr dar. Erstaunlich gut bremst dagegen der Pirelli-STR-Ganzjahresreifen, der sich in dieser Disziplin keineswegs vor echten Winterreifen verstecken muss.
Handling Schnee: Die Geschwindigkeiten auf dem Handlingkurs liegen zwar nahe beieinander, aber Maxxis und Goodyear erfordern wesentlich mehr fahrerisches Können. Auch dem Ganzjahres-Pirelli mangelt es hier etwas an Ausgewogenheit.
Slalom Schnee: Der amerikanische Cooper zeigt hier der teuren Konkurrenz, wie man trotz Billigtechnik die größte Seitenführung auf Schnee erreicht. Auch hier hält der Ganzjahres-Pirelli gut mit. Enttäuschend vor allem der taiwanesische Maxxis.
Aquaplaning: Die tiefe Wasserlache meistern alle Kandidaten gut. Unangefochtener Meister in Sachen Längs-Aquaplaning ist ausgerechnet der Billig-Maxxis. Mit großer Profiltiefe und V-Profil verdrängt er das Wasser gekonnt.
Kurven-Aquaplaning: Auch in der Kurve müssen die Kandidaten Standhaftigkeit gegenüber plötzlich auftretenden Wasserlachen beweisen. Auch hier ist der Maxxis Testsieger. Alle anderen haben aber auch keinerlei Probleme in dieser Disziplin.
Handling Nässe: Drastische Unterschiede gibt es bei Nässe. Die teuren Europäer haben hier die Nase vorn und überzeugen mit Gutmütigkeit. Maxxis und vor allem der Cooper verlieren in Kurven viel zu viel Seitenführung. Das ESP muss dauernd eingreifen.
Kreisbahn Nässe: Auf der bewässerten Kreisbahn zählen bei konstantem Lenkeinschlag nur Seitenführung und Haftung. Hier sieht man, wie wenig Seitenführung der Cooper aufbaut. Er rutscht einfach geradeaus. Spitze: Vredestein, Continental und Nokian.
Bremsen Nässe: Guter Nässegrip und ein stabiles Profil garantieren kurze Bremswege. Die auf Nässe schwachen Kandidaten von Maxxis und Cooper kommen bei der Vollbremsung als Letzte zu stehen, der Cooper braucht dafür zusätzliche 22,6 Meter!
Handling Trockenheit: Auch auf trockener Piste zählt neben der Rundenzeit die subjektive Beurteilung der Testfahrer. Der Pirelli landet gezeitet auf dem zweiten Platz, kassiert aber die meisten Sympathiepunkte. Der amerikanische Cooper verliert auch hier.
Bremsen Trockenheit: Prinzipbedingt bremst bei Trockenheit der weniger lamellierte Ganzjahres-Pirelli am besten. Die Winterreifen von Pirelli, Continental und Goodyear kommen hier über mäßige Noten nicht hinaus. Der Cooper bremst allerdings richtig miserabel.
Vorbeifahrgeräusch: Bei der Vorbeifahrt am Mikrofon werden die Schallwellen exakt aufgezeichnet. Der Hankook ist der Leiseste, es liegen aber alle sehr nahe beieinander und machen insgesamt erfreulich wenig Lärm. Deutlicher zu hören ist nur der Cooper.
Rollwiderstand: Ein niedriger Rollwiderstand hilft beim Spritsparen, das Sparpotenzial beträgt hier theoretisch etwa fünf Prozent. Bei Pirelli und Cooper wird offenbar nicht so auf den Rollwiderstand geachtet. Spitze in dieser Disziplin: der Hankook.
Federungs-/ Abrollkomfort: Heutige Winterreifen mit ihrem feinen Lamellenprofil rollen prinzipbedingt weicher und geschmeidiger ab als die meisten Sommerreifen. Trotzdem liegt hier ausgerechnet der einzige Ganzjahresreifen in Front. Eher steif: der Maxxis.
Fazit: Es gibt immer noch drastische Unterschiede zwischen den Vertretern des Segments Winterreifen. Dass teure Markenreifen dabei nicht zwingend Spitzenleistungen bringen, zeigt der veraltete Goodyear. Dass Billigreifen durchaus empfehlenswert sein können, zeigt der Hankook.
Dass sie auch ein Sicherheitsrisiko bergen können, zeigt der Cooper. Überraschendste Ergebnis: Ein Ganzjahresreifen kann auch auf Schnee mit echten Winterreifen mithalten. Das zeigt Pirelli. Trotzdem: Insgesamt Testsieger sind Nokian, Continental und Vredestein.
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