Der Amsterdamer Ingenieur Sjef Peeraer parkt seinen Toyota Prius immer unter einem Laternenpfahl. Dann tankt er seinen Wagen auf: Stecker rein ins Prius-Heck, zweiter Stecker in den Laternenpfahl. "Den Strom zahle selbstverständlich ich", versichert er.
Eine Kilowattstunde kostet in Deutschland um die 18 Cent. Bei sechs kW, die der Plug-in auf 100 Kilometern verbraucht, plus 2,5 Liter Sprit, kommt der Prius auf weniger als fünf Euro. Hört sich gut an!
Als Agent arbeitet Peeraer für Amberjac, einer Firma in England, die sich auf Lithium-Hochleistungsbatterien für Elektrofahrzeuge spezialisiert hat. Der Plug-in-Prius ist eines ihrer Prestige-Projekte, trotzdem kein einmaliges "Bitte-nicht-anfassen"-Ausstellungsstück.
Für 12.750 Euro wird jeder Serien-Prius von Amberjac in einen Plug-in verwandelt. Dafür muss die Nickel-Metall-Hydrid-Batterie aus- und eine leistungsstärkere Neun-kW-Litium-Ionen-Batterie eingebaut werden. Die Toyota-Garantie erlischt.
Das Ladegerät zum Auftanken der Batterie sitzt im Kofferraum.
Um Tempo 50 herum ist der Benzinverbrauch gleich null. Und das 50 Kilometer lang. Auf der Autobahn schaltet sich der 78-PS-Benziner zu, der Spritverbrauch steigt an.
Stromzähler: Die nachgerüstete Anzeige informiert über die abgerufene Leistung.
Wo ist hier die nächste Tankstelle, um ein wenig Strom zu schnorren? Nur als Versuchsballon, denn der Hybrid braucht circa sieben Stunden, um komplett aufzuladen.
Und hier die Tops und Flops unter den Öko-Projekten der Vergangenheit. Zunächst die Tops: 1. Plug-in-Systeme. Toyota zieht den Stecker: Schluss mit Hybriden, die ihre Energie ausschließlich onboard erzeugen müssen. Ab 2009 darf der Prius fremd aufladen. An der Steckdose.
Durch sogenannte Plugin-Hybride vergrößert sich die elektrische Reichweite, Spritverbrauch und CO2-Ausstoß sinken. Nicht nur Toyota entwickelt Plug-in-Hybride. Unter anderem planen Nissan und GM Serienmodelle.
2. Elektroautos. Lieber Batterie statt BMW: Viele Stars in Hollywood begraben ihre SUV-Allüren. Stattdessen fahren sie Elektroautos wie den Tesla Roadster. Zwar ist dessen Batterie-Technik noch nicht ausgereift, der Kaufpreis mit 100.000 Dollar ...
... .. zu hoch – aber kommt Zeit, kommt Serienreife. Der US-Autobauer General Motors (GM) will bis 2010 sein erstes eigenes Elektroauto zu einem Preis von unter 30.000 Dollar auf den Markt bringen.
Das wäre früher als geplant: Bisher hatte GM erklärt, Ende 2010 mit der Serienfertigung des Volt unter der Marke Chevrolet beginnen zu wollen.
Binnen vier Jahren soll der Opel Flextreme über die Straßen stromern. Im Elektrobetrieb kommt der Rüsselsheimer 55 Kilometer weit, die Akkus sind in drei Stunden aufgeladen.
Dass Sauberkeit nicht immer auch mit Langeweile einher geht, beweist nicht nur der Tesla Roadster, sondern ab 2009 auch der Fisker Karma, ...
... oder der Mindset.
Als echter Naturbursche gibt sich der Venturi Eclectic. Er fährt mit Sonne und Wind.
3. Brennstoffzelle. Ja, sie kommt. Nein, sie kommt nicht. Ja! Nein! Doch! So liest sich die Brennstoffzellen-Diskussion der letzten 20 Jahre in Kurzform. Fest steht: Wenn Wasserstoff als Kraftstoff eine Zukunft hat, dann nur mit Brennstoffzelle als Stromerzeuger.
Denn sie ist dreimal effizienter als ein Verbrennungsmotor. Durch eine chemische Reaktion erzeugt sie Strom, der einen Elektromotor antreibt.
4. Leichtbau. Was die Ingenieure in moderne Autos stecken, schmeckt uns Autofahrern gut: mehr Komfort, mehr Sicherheit. Am Ende steigt der Spritverbrauch. Deshalb muss abgespeckt werden. Audi und Jaguar arbeiten mit Alu, andere Hersteller sparen durch Kunststoffteile.
5. Erdgas und Autogas. Mit zunehmenden Spritpreisen steigt auch die Zahl der Erdgas- und Autogasfahrzeuge. Da sie am Tropf fossiler Kraftstoffe hängen, sind Gasautos weniger sexy als Elektrowagen. (Foto: Autogas-Anlage)
Trotzdem besitzen sie unschlagbare Vorteile: Man kann sie Hier und Heute kaufen, für die Hälfte des Super-Spritpreises betanken. Der neueste Trend: Turbo-Motoren, demnächst im VW Passat. (Bild: Erdgasantrieb)
Weiter geht es mit den Flops. 1. Kernkraft-Autos. Ford zeigte 1985 die Studie Nucleon, in Frankreich baute Simca den Fulgur – ein Flachbau mit Kuppeldach, Heckflügeln und genügend Platz für Brennstäbe. Die Stilllegung der Atom-Autos erfolgte noch vor Joschka, Renate & Co.
2. Pressluft-Motor. Wird aus dem Furz ein Donnerhall? Seit Jahren basteln tapfere Tüftler an einem Auto, das Luft tankt ...
... und Luft ausstößt. Der Pressluftmotor funktioniert wie ein Verbrennungsmotor.
Verdichtete, minus 25 Grad kalte Luft reagiert mit der Umgebung und treibt das Auto so an – ein Traum. Der einer bleiben wird. Erfolgsversprechender: Druckluft-Hybrid von Bosch.
3. VW 3-Liter-Lupo. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer zu früh kommt – auch. Der Dreiliter-Lupo hatte alles, was wir uns heute wünschen: Leichtbau, Start-Stopp-Automatik, gute Aerodynamik. Heute wäre der kleine VW (1999-2005) ein Vorbild: absolut lupenrein.
4. Wasserstoff-BMW. Wer seine Zukunftstechnologie mit Promis anpreisen muss, hat ein Problem – mit der Umweltbilanz. Zurzeit entsteht der Sprit überwiegend aus Erdgas mit hohem Energieaufwand. Weshalb H2 viel zu schade ist, um es zu verbrennen.
5. Propeller-Fahrzeug. Viel Wind um nichts: In den 50er Jahren konstruierten zwei Argentinier das so genannte Aero-Auto mit Luftschraube und Chevy-Sechzylinder. Zwar fuhr das Auto, trotzdem erlitt es eine Bruchlandung.
6. Extrem-Aerodynamik. Autos mit dem CW-Wert eines Bleistiftes droht starker Gegenwind. Weil sie die Auflagen für Fußgängerschutz und Crash-Tests nicht erfüllen, sterben sie den Heldentod: ambitioniert, erfolglos.
7. Turbinen-Auto. In den 50ern entwickelten Hersteller wie GM so genannte Turbinenfahrzeuge. Diese tankten wie Flugzeuge Kerosin und stellten Geschwindigkeitsrekorde auf. Allerdings auch Verbrauchsrekorde. Was dazu führte, dass die abgehobene Idee wieder verworfen wurde.
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