Ausgerechnet mit einem Kombi und damit dem für
Jaguar wohl untypischsten aller Konzepte greifen die Briten in der Oberklasse an. Wir haben den
Audi A6 Avant zum ersten Gipfeltreffen mit dem brandneuen
XF Sportbrake in die schottischen Highlands mitgebracht.
Der Wow-Faktor – immer noch die stärkste Waffe eines Jaguar – passt. Auch als Lastesel beherrscht der XF die Kunst des großen Auftritts, zumal er sich mit 4,97 Meter Länge vier Zentimeter mehr streckt der Audi A6 Avant.
Während der Jaguar mit seinem Bootsheck und schwarzen D-Säulen nach Golfplatz und Boulevard aussieht, wirkt der nüchterne, etwas sterile Audi wie der Prototyp eines Vertreter-Gefährts.
Schöne Kombis heißen Avant? Zumindest im direkten Vergleich überzeugt der Sportbrake mehr.
Die Eintrittskarte in den Club der Edelfrachter hat Jaguar aus dem Stand jedenfalls problemlos gelöst. Zumal der Brite auch praktisch kann. Das Kofferraumvolumen von 550 bis maximal 1675 Liter ...
... erreicht das Format des A6 Avant, der zwischen 565 und 1680 Liter verpackt.
Die Rücksitze lassen sich hier wie dort ganz einfach mit zwei kleinen Hebeln vom Laderaum aus zu einer ebenen Fläche umlegen – ganz schön praktisch.
Mit einem Vierzylinder-Diesel geht Jaguar auch beim Antrieb in die Offensive. Das gab es zuletzt 2009 im X-Type. Shocking! Möglich macht das eine French Connection, ...
... denn der 2,2-Liter-Vierzylinder stammt aus der Entwicklungsabteilung von Peugeot/Citroën (PSA). Während PSA dem Biturbo 204 PS entlockt, reichen den Briten 200. Dank 450 Newtonmetern Drehmoment ...
... geht der Diesel alles andere als zimperlich zu Werke. Beim Beschleunigen lässt er zwar immer wieder die für Jaguar unwürdig kleine Zylinderzahl knurrig erkennen, sprintet mit 8,8 Sekunden aber ausreichend flott auf Tempo 100.
Vor allem die serienmäßige Achtstufenautomatik trägt zum gelungenen Eindruck bei. Sie überspielt nicht nur gekonnt eine leichte Anfahrschwäche und wechselt nahezu unmerklich die Gänge, ...
... sie senkt auch die Drehzahl. Bei Tempo 200 liegen im höchsten Gang gerade mal 3000 Touren an. Kein Wunder, dass der XF mit einem Spatzendurst von 5,1 Litern 100 Kilometer weit kommen soll.
Dabei hilft das ebenfalls serienmäßige Start-Stopp-System, das unauffällig wie ein guter Butler den Motor im Stand abschaltet und beim Lösen der Bremse wieder startet. Ärmlich wirkt dieser Antrieb trotz des Vierzylinders nicht.
Die Briten setzen auf eine straffe Abstimmung. Lange Wellen bügelt das mit serienmäßiger Luftfederung an der Hinterachse versehene Fahrwerk ordentlich aus, ...
... doch bei groben Sünden der Straßenbauer vergisst es seine guten Manieren. Die ungewohnte Härte bricht zwar niemandem einen Zacken aus der Krone, sie passt nur nicht so recht zum edlen Charakter des XF. Wir würden im Jaguar jedenfalls lieber sanft gleiten.
Audi bringt in der 200-PS-Klasse zwar einen standesgemäßen Sechszylinder (drei Liter Hubraum, 204 PS, 400 Nm) an den Start, ...
... der bei der Version mit Vorderradantrieb aber nur mit einem stufenlosen Multitronic-Getriebe kombiniert werden kann.
So jault der Selbstzünder beim Beschleunigen (0–100 km/h: 7,4 s; Vmax: 230 km/h) wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten ist. Vorsprung durch Technik?
Wenigstens ist auch der Audi vorbildlich auf niedrigen Verbrauch getrimmt. Mit einem Normwert von 5,2 Litern soll er nur minimal mehr verbrauchen als der Jaguar.
Vorteile kann der Audi bei der Fahrwerkabstimmung herausfahren. Mit der 1950 Euro teuren Luftfederung an Vorder- und Hinterachse gelingt ein nahezu perfekter Kompromiss zwischen Komfort und Fahrspaß.
Bei den Preisen herrscht Einigkeit zwischen beiden Herstellern. Der Jaguar XF Sportbrake 2.2D kostet mindestens 48.550 Euro, ...
... und damit ausstattungsbereinigt bis auf wenige Euro so viel wie der A6 Avant 3.0 TDI (ab 48.200 Euro).
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Stefan Voswinkel: "Der charmante Sportbrake ist eine Bereicherung für die Oberklasse. Technisch fährt er auf Augenhöhe mit dem Audi A6 Avant, ...
... um ihn in der Stilwertung zu überholen. Im Vergleich wirkt der Ingolstädter trotz feinen Sechszylinders eine Spur schlichter."
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