Schräge Typen für die Oberklasse:
Audi A7,
Mercedes CLS und
BMW 5er GT lassen mit ihrer modischen Extravaganz klassische Limousinen wie Langweiler dastehen. AUTO BILD hat die viertürigen Coupés zum Vergleich gebeten.
Die drei Konkurrenten fahren mit starken Sechszylinder-Dieseln unter der Haube vor – die Leistungsspanne reicht von 245 bis 265 PS. Wer schiebt sich damit am Ende in der Gesamtwertung ganz nach vorne?
Der
Mercedes CLS überzeugt mit elegantem Auftritt, luxuriöser Ausstattung, kräftigem Motor und umfangreicher Sicherheitsausstattung, ...
... aber er ist etwas kleiner und auch teurer als seine beiden Konkurrenten. So reicht es am Ende nur zu 355 von 500 Punkten und Platz drei in diesem Vergleich.
Die stärkste Maschine im Testfeld ist der Mercedes-V6 mit 265 PS und satten 620 Nm Drehmoment. Der Dreiliter ist ein bulliger Typ mit viel Dampf im Keller, durchzugsstark und souverän, der mit einem warmen, heiseren V6-Grundton freundlich brabbelt.
Auch die sanft und schnell reagierende Siebenstufen-Automatik passt bestens zum Charakter eines gepflegten Luxus-Gleiters, ...
... der auch die schnelle Gangart beherrscht, wenn es gefordert ist. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Mercedes in 6,3 Sekunden, erst bei 250 km/h mischt sich die Elektronik in den Vortriebsdrang ein.
Der CLS fährt ohne Allradtechnik und Luftfederung vor, dafür mit 19-Zoll-Rädern (2321 Euro extra). Die sind keine gute Wahl, ...
... denn besonders die 285/30er-Walzen an der Hinterachse ruinieren den an sich harmonischen Fahrkomfort. Der CLS rollt damit poltrig ab, ...
... was sich im Coupé und in der Luxusklasse nicht gehört. Grundsätzlich fährt sich der CLS straff und energisch, fühlt sich schwerer an als etwa der Audi – obwohl er mit 1864 Kilogramm ganze 112 Kilo leichter ist als der Ringträger.
Am Arbeitsplatz erwartet den CLS-Piloten ein etwas verspieltes, verfeinertes E-Klasse-Cockpit ...
... mit einem sehr einfach zu bedienenden Comand-Navi.
Im Fond des CLS gibt es nur ein eingeschränktes Platzangebot, es wirkt etwas eng in Reihe zwei.
Nicht variabel: Der Mercedes-Kofferraum schluckt immer 520 Liter.
Gewohntes Bild an der Kasse: Traditionell vorn liegt Mercedes bei den Preisen, der CLS 350 CDI bringt es mit 19-Zoll-Rädern auf satte 65.748 Euro.
Der
BMW 5er GT hat vielleicht eine gewöhnungsbedürftige Form, aber er bietet bemerkenswert viel Platz und ...
... ein schlüssiges Raum-Konzept. Zudem ist das Fahrverhalten des großen
5ers erstklassig. In der Endabrechnung macht das 368 Punkte und Platz zwei.
Der Dreiliter-Reihensechser mit 245 PS und 540 Nm Drehmoment kommt an den massiven Druck der Audi- und Mercedes-Motoren zwar nicht ganz heran, ...
... er muss aber auch 2,2 Tonnen schleppen. Wer den Wagen deshalb für behäbig hält, der wird überrascht sein: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der 5er GT 6,9 Sekunden und schafft 235 km/h Spitze. Noch beeindruckender ist ...
... das dynamische Talent des mit xDrive-Allradantrieb für 2600 Euro und Adaptive Drive (mit verstellbaren Dämpfern) für 3000 Euro ausgerüsteten Autos. Dirigiert von der präzisen Lenkung ...
... geht er fast aufreizend locker um die Ecken. Dabei – und hier punktet er besonders – federt er eine ganze Klasse geschmeidiger als Audi und Mercedes. Ein prima Fernreise-Auto, dieser fahraktive Raumkreuzer.
Im 5er GT blickt man auf ein feines Cockpit mit Verwöhn-Ambiente, relevante Fahrzeugfunktionen ...
... werden über ein iDrive mit logischer Bedienung gesteuert.
Der Bayer überragt die beiden Schönlinge der Konkurrenz um einen halben Kopf, was spürbare Vorteile bringt: Die Insassen genießen mehr Platz und ein luftigeres Raumgefühl. Man sitzt herrschaftlich im BMW, aufrecht und erhaben, ...
... und besonders im Fond kann man es sich gemütlich machen – auf längs verschiebbaren Einzelsitzen mit verstellbarer Lehne.
Der Trick mit der Heckklappe: Der BMW 5er GT öffnet entweder nur eine kleine ...
... oder alternativ die ganz große Klappe. Das Gepäckabteil zeigt sich variabel, es lässt sich durch umlegen der Rücksitzlehnen von 440 auf 1700 Liter vergrößern.
Der spezielle Stil geht auch bei BMW ins Geld, die Bayern berechnen für den 530d GT inklusive Allrad, 19-Zoll-Reifen und Adaptive Drive 62.300 Euro. Kleiner Hinweis: Ab Januar 2011 steigt dessen Grundpreis um 200 auf 55.400 Euro.
Der
Audi A7 ist nicht nur schön, sondern er überzeugt auch mit vielen inneren Werten. Er ist geräumig, praktisch und ...
... zeigt eine tolle Verarbeitung. Zudem ist er schnell und hat einen souveränen Antrieb. So fährt der Ringträger in diesem Vergleich mit 376 von 500 möglichen Punkten auf den ersten Platz.
Ein gutes Team: Der drehfreudige Dreiliter-TDI mit 245 PS und 500 Nm Drehmoment läuft bemerkenswert leise, schiebt entschlossen an und ...
... harmoniert bestens mit dem aufmerksamen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Genau so sollte ein sportliches Coupé sich bewegen, ...
... die dynamische Note passt zur Optik. In der Sprintwertung liegt der Audi vorne, Tempo 100 ist nach 6,1 Sekunden erreicht. Spitze: 250 km/h.
Den Test-A7 hat Audi mit Luftfederung (1950 Euro), quattro-Allradantrieb und Sportdifferenzial (1050 Euro) auf den AUTO BILD-Test vorbereitet. Mit diesem Technik-Paket ...
... fühlt er sich schlanker an, als dieser füllige Bursche mit seinen 1976 Kilo Leergewicht tatsächlich ist, ...
... er fährt sich leichtfüßig und handlich.
Eine gediegene Materialauswahl, feine Details und sorgfältige Verarbeitung zaubern bei allen drei Autos mehr als einen Hauch Luxus ins Abteil – immer mit einem eigenen Stil. Mit der größten Finesse ist aber wie stets der Audi eingerichtet, dessen Hochglanz-Cockpit mehr
A8 als
A6 ist.
Audi verschwendet wie Mercedes keinen Gedanken an verschiebbare Rückbänke. Im A7-Fond hat man im Vergleich zum CLS aber mehr Platz und eine bequemere Sitzposition.
Wie BMW riskiert auch Audi in Sachen Kofferraumzugang eine große Klappe – dahinter, beziehungsweise darunter lassen sich je nach Stellung der Rücksitzlehnen zwischen 535 und 1390 Liter Gepäck verstauen.
Preis-Leistungs-Sieger: Für den A7 3.0 TDI verlangt Audi 63.240 Euro – Luftfederung, Doppelverglasung, quattro-Antrieb und 19-Zoll-Räder sind da schon mit eingerechnet.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Es muss nicht immer der graue Einreiher sein und nicht das Stufenheck. Die Schräghecks A7, 5er GT und CLS bringen Abwechslung in die Oberklasse. Am besten macht das der Audi, ...
... der schnell, schön und praktisch ist. Beim BMW gefällt vor allem der prächtige Innenraum. Und der hinreißende Mercedes liegt zwar nach Punkten dahinter, aber nicht nach Sympathien."
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