Auf der
Detroit Auto Show 2010 zeigt
Audi eine kleinere Version des Elektro-Sportwagens e-tron. Die Front des Detroit-Showcars gleicht dem Original wie ein Ei dem anderen, ...
... die Seitenansicht offenbart: Der e-tron hat deutlich abgespeckt, die Karosserie wurde um 33 Zentimeter auf 3,93 verkürzt. An der bulligen Optik, die sich der Elektro-Renner vom Supersportler R8 leiht, ändert das wenig.
Komplett neu gestaltete Heckpartie: Die markanten C-Säulen und die nach vorn versetzte Rückscheibe wirken elegant, die Rückleuchten kennen wir vom ersten e-tron.
Sehr ungewöhnlich: Der neue e-tron verfügt über Heckantrieb. Während der größere Vorgänger mit vier Elektromotoren, Allradantrieb und 313 PS protzte, gibt sich das Showcar. Zwei statt vier E-Motoren, Antrieb nur auf die Hinterachse und 204 PS. An der Reichweite ändert sich nichts: Rund 250 Kilometer im gemischten Fahrbetrieb. Danach ...
... muss der kleine e-tron zum Tanken an die Steckdose. Das dauert bei 230 Volt ca. 11 Stunden, mit Starkstrom sind die Akkus nach zwei Stunden geladen. Vom e-tron Showcar verspricht Audi ein Handling "wie auf Schienen": Beide Motoren, die mittig im Fahrzeug zwischen den Hinterrädern sitzen ...
... lassen sich unabhängig voneinander steuern. Dadurch ermöglichen sie das so genannte "torque vectoring", also das gezielte Beschleunigen einzelner Räder.
Für den Standardsprint auf Tempo 100 sollen so nur 5,9 Sekunden vergehen, für den Spurt von 60 auf 120 km/h veranschlagt Audi 5,1 Sekunden. Wie sich der große Bruder e-tron mit vier E-Maschinen und 313 PS fährt, ...
... hat AUTO BILD schon getestet. Der Audi e-tron ist kein Batterie-Mini, sondern ein abgasfreier Sportwagen.
Bereits 2010 soll eine Kleinserie ans Netz gehen; 2012 wollen die Herren der Ringe bereits 1000 e-tron bauen.
Bei einem mutmaßlichen Preis von über 150.000 Euro liegt den Ingolstädter Ingenieuren offenkundig weniger die Rettung des Weltklimas am Herzen ...
... als vielmehr eine Demonstration dessen, was technisch machbar ist.
Nebenbei soll der abgasfreie Stark-Stromer die Herzen von Sportwagenfans elektrisieren. Das könnte durchaus klappen. Allerdings kommt auf die Fans von schnellen Autos einiges an Umgewöhnung zu.
Optisch bringt der e-tron traditionelle Wertvorstellungen noch am wenigsten ins Wanken. Der rote Renner ruht auf einer verkürzten R8-Plattform, ...
... greift auch beim Design die Grundlinie von Audis Mittelmotor-Sportler auf.
Im Genick des Fahrers, wo sonst ein Achtzylinder hämmert oder zehn oszillierende Kolben mit schmetterndem Crescendo die Lust an der hohen Drehzahl ins Freie trompeten, türmt sich bei ihm jedoch ein riesengroßer Akku auf.
Formschlüssig rastet man in braunen Leichtbau-Schalen ein, ...
... umklammert erwartungsfroh den weißen Lederkranz des tief geschüsselten Lenkrads. Der Druck auf den Startknopf auf dem Mitteltunnel ...
... weckt eine bunte Cockpit-Illumination zum Leben, schärft zugleich den Blick der Spiegel-Kameras fürs aus der tiefen Cockpithöhle kaum zu überblickende Umfeld.
Ein grünes Neonband zwischen den Sitzen signalisiert: randvolle Akkus.
Die Stromspeicher bringen satte 470 Kilo auf die Waage und treiben vier Elektromotoren an, von denen jeder für ein Rad zuständig ist.
Quattro? Ja, aber mal anders. Ein Computerhirn steuert die Kraftflüsse – so, wie es die Lage der Traktion gerade erfordert.
Der formschöne Tacho reicht zwar bis 240 km/h – bei 200 Sachen bremst die Elektronik den Vorwärtsdrang ein. Die Beschleunigung indes kann sich sehen lassen: Ein Tritt aufs Gas ...
... und der e-tron beamt sich mit gefühlten Warp 5 in Richtung Horizont. Stufenlos. Gnadenlos. Vor allem aber: (fast) geräuschlos. Und dadurch irgendwie unspektakulär. Nur Reifenrauschen ist zu hören, leichtes Summen ...
... und beim Bremsen das hintergründige Schaben der Rekuperation. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass die Gänsehaut bei diesem Auto nicht auf dem Trommelfell entsteht, sondern eher beim Blick auf die Stoppuhr.
Für den Spurt von 60 auf 120 km/h weist der Chronograph 4,1 Sekunden aus – zwei Wimpernschläge nur. Es gibt fast keine Sportwagen, die besser sind.
Kehrseite der Medaille: Die 250 Kilometer Reichweite sind ein theoretischer Wert, denn wer dem e-tron die Sporen gibt, ...
... muss bereits nach einer deutlich kürzeren Strecke zum Nachladen an die Steckdose. Das dauert zwei Stunden und erfolgt mittels 400-Volt-Starkstrom.
Auch richtig schnelles Fahren war beim ersten Date mit Audis Zukunft noch nicht drin – der Batterie zuliebe.
Am Strand von Malibu macht der bullige Elektro-Renner auf jeden Fall eine gute Figur.
Ein spezifisches Designelement ist der Frontgrill mit breitem Singleframe-Grill, den schlitzartigen LED-Scheinwerfern und zusätzlichen Lufteinlässen darunter.
Die Abmessungen unterscheiden sich nur geringfügig vom benzinbefeuerten Audi R8: Die Studie misst 4,26 in der Länge, ist 1,90 Meter breit, 1,23 hoch – und bringt dank der schweren Akkus satte 2000 Kilo auf die Waage.
Fazit von Martin G. Puthz: Kein Zweifel: Die dezibelneutrale Stromerei hat ihren Reiz. Technisch fasziniert der e-tron. Ans Herz geht das synthetisch-kühle Fahren mit ihm aber nicht. Zudem wirft der Zukunfts-Audi die Sinnfrage auf: Was soll ein Sportwagen, ...
... der selbst im günstigsten Fall nach 250 Kilometern, in der Praxis deutlich früher stundenlang an die Steckdose muss? Bei der Elektroversion des künftigen Kleinwagens A1 – leider erst für 2013 angekündigt – zeigt Audi hoffentlich mehr Realitätssinn.
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