Diese beiden sind nichts für Spritsparer und Öko-Aktivisten. Ganz im Gegenteil. Hybrid-Fahrer, die ihrem Autochen jeden Zehntelliter Kraftstoff abknausern, werden sich sicher vom neuen
Audi RS 4 und dem
Porsche Panamera GTS provoziert fühlen, ...
... schließlich sind die beiden mit ihren hochdrehenden Achtzylinder-Saugern vermutlich die Letzten ihrer Art, bevor auch ihre Nachfolger in Zukunft elektrifiziert und mit kleinen, aufgeladenen Motoren auf Effizienz getrimmt werden. Ein Vergleich mit ganz viel Fahrspaß, ...
... denn hier geht es nicht darum, Antworten auf die Fragen der zukünftigen Mobilität zu finden. Porsche und Audi lassen es noch mal richtig krachen.
Auf dem Papier haben die Konzernbrüder eine Menge gemeinsam: fetter V8, Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe und Platz für vier Passagiere plus Gepäck. Doch während Audi seinen A4 durch die hauseigene quattro GmbH aufrüsten lässt, ...
... hat Porsche den Panamera ganz ohne Kompromisse und Rücksicht auf bestehende Plattformen konstruiert. Und das merkt man dem Dicken aus Zuffenhausen schon beim Einsteigen an: Satt fällt die schwere Tür ins Schloss, ...
... der Fahrer sitzt angenehm tief auf kleinen, sportlich konturierten Sitzen. Fast automatisch fallen die Hände auf das kleine, mit Alcantara bezogene Lenkrad. Wäre da nicht die enorme Breite des Panamera, könnte der Fahrer meinen, in einem Elfer zu sitzen.
Auch das Ambiente des Porsche entspricht der gehobenen Preisklasse: Der Armaturenträger ist (gegen Aufpreis) fein beledert, Nähte wie mit dem Lineal gezogen, ...
... selbst bei genauem Hinschauen wirkt alles mit viel Liebe zum Detail gefertigt.
Porsche zeigt – zumindest in diesem Vergleich – dem Haptik-Weltmeister Audi, wie hochwertige Innenräume gebaut werden. Selbst wenn es beim RS 4 nur wenig zu beanstanden gibt, ...
... ist ihm mit seinem höheren Plastikanteil und einfacherer Anmutung die bürgerliche Abstammung anzumerken.
Auch beim Platzangebot kann der Audi nicht mithalten, der Kombi ist eine Nummer kleiner als der Porsche, ...
... vor allem im Fond des Panamera sitzt es sich auf ausgeformten Einzelsitzen mit reichlich Platz für Kopf und Beine wie in der Businessklasse eines Langstreckenfliegers.
Der Audi kontert mit fünf Sitzplätzen und seinem 490 bis 1430 Liter großem, variablem Laderaum.
Ins Heckk des Panamera passen zwischen 445 und 1263 Liter – was für einen Sportler seines Kalibers aller Ehren wert ist.
Platzangebot? Kofferraum? Nicht wirklich wichtig, es geht hier um Spaß. Also Motor an. Der 4,8 Liter große V8 des Porsche weckt seine 430 PS und 520 Nm ...
... mit einem heiseren Schrei aus seinen beiden doppelten Endrohren, der die Nachbarn aus dem Bett fallen lässt.
Der RS 4 hingegen gibt sich dezenter, klingt nicht ganz so aufdringlich wie der GTS – und ist musikalisch trotzdem talentiert. Audi hat mit dem 4,2-Liter-V8 (450 PS, 430 Nm) richtigen Ton getroffen.
Wahlhebel auf D, los geht's. Schon auf den ersten Metern fällt auf, ...
... wie heftig Audi den RS 4 abgestimmt hat. Der Testwagen ist mit dem "Sportfahrwerk plus" ausgestattet, das die Wahl lässt zwischen hart, ganz hart – und der völligen Verweigerung zu federn.
Selbst Strecken, die von der letzten Fahrt mit einem anderen Auto als topfeben in Erinnerung blieben, schütteln die Insassen des RS4 durch.
Solche halbstarken Manieren hat der Porsche nicht nötig, ...
... denn trotz der 20-Zoll-Bereifung des Testwagens (1589 Euro) bietet der Panamera einen brauchbaren Komfort – selbst in der härtesten Stufe ist er angenehm zu fahren.
Auf der Autobahn hingegen nähern sich Porsche und Audi an. Während sich die Luftfederung des Panamera verhärtet, fängt der Audi bei höheren Geschwindigkeiten an, etwas verbindlicher zu federn. Trotzdem ist der Ingolstädter auch hier im Nachteil.
Während der GTS selbst in schnell gefahrenen Kurven sogar durch fiese Bodenwellen kaum aus der Ruhe zu bringen ist und stur dem eingeschlagenen Weg folgt, ...
... wirkt der Audi unruhig. Wo der Panamera völlig unbeeindruckt bleibt, wird im RS 4 das Heck leicht, und das – toll abgestimmte – ESP muss ihn auf Kurs halten. Und wie sieht das Ganze auf der Rennstrecke aus? Auf zum Contidrom, ...
... wo der RS 4 im Vorteil sein sollte – hier zählen Gewicht und Leistung. Der Audi ist knapp 100 kg leichter und 20 PS stärker als der Porsche. Doch schon vor der Spitzkehre verliert der RS 4 Zeit, ...
... beim scharfen Anbremsen pendelt der Audi um die Längsachse. Selbst für Profis wird eine schnelle Runde im RS 4 zum Ritt auf der Kanonenkugel. Und auch in den Kurven des hinteren Streckenteils wirkt der Audi nervös, ...
... untersteuert im Grenzbereich und schiebt Richtung Kurvenausgang. Harmlos, aber alles andere als sportlich. Kein Wunder, dass der Kombi mit einer Zeit von 1:36,17 Minuten ...
... eine halbe Sekunde auf den Panamera verliert, der auch auf dem Handlingkurs zu Hause wirkt ...
... und die 3,8 Kilometer lange Strecke in 1:35,68 Minuten absolviert. Souverän, ohne große Neigung nimmt er jede Abbiegung, ...
... staucht dank der Keramikbremsen (9187 Euro) seine Insassen zusammen, ...
... um mit leichtem Heckschwenk davonzueilen. Unterm Strich gewinnt der Panamera also die Eigenschaftswertung deutlich. Der Porsche leistet sich kaum Schwächen und zeigt, ...
... dass die Zuffenhausener mehr als nur Sportwagen können – und das hat seinen Preis: Für den Panamera GTS werden inklusive aller Extras (siehe Tabelle im Artikel) satte 134.716 Euro fällig. Ein durchaus happiger Preisunterschied ...
... von über 40.000 Euro zum ebenfalls mit reichlich optionaler Ausstattung bestückten RS 4 Avant, für den Audi in der getesteten Version 92.650 Euro verlangt.
Platz zwei mit 482 von 700 Punkten: Der Panamera macht es einem trotz extrovertierten Auftritts schwer, ihn nicht zu mögen. Er bietet Platz, ist komfortabel ...
... und brennt auf der Rennstrecke Rundenzeiten in den Asphalt, die jedem Sportwagen zur Ehre gereichen würden. Einzig der irrwitzige Preis trübt die Freude.
Platz eins mit 485 von 700 Punkten: Das Bruder-Duell im VW-Konzern geht ganz knapp an den Audi. Allerdings nur, weil er so viel günstiger ist als der Panamera.
In der Eigenschaftswertung kann der knüppelhart abgestimmte RS 4 nicht mithalten – auch wenn er ein faszinierender Kombi mit Suchtpotenzial geworden ist.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Stefan Voswinkel: "Wer ein vernünftiges Auto sucht, ist hier fehl am Platz. Porsche und Audi setzen sich mit Panamera GTS und RS4 über jede Umweltdiskussion hinweg – erobern dafür aber alle sportlichen Herzen. Porsche baut unterm Strich das deutlich bessere Auto, ...
... fein austariert und mit ausgeprägtem Talent für Rennpisten. Der Audi ist härter abgestimmt und enger, bietet aber einen variablen Kofferraum und fünf Sitzplätze. Das reicht nicht, um die Eigenschaftswertung zu gewinnen. Einzig der niedrigere Preis rettet seinen knappen Testsieg."
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