Wenn diese rassigen Roadster unterwegs sind, herrscht Sturmwarnung: Wer
BMW Z4 35is,
Nissan 370Z und
Audi TT RS (von links) offen genießen will, sollte sich warm anziehen. AUTO BILD hat die drei offenen Fahrspaß-Garanten miteinander verglichen.
Konkurrenten mit unterschiedlichen Charakteren: frischer Fernost-Flitzer trifft auf Bayern-Bomber und rasanten Ringkämpfer. Was alle eint: reichlich Dampf unter der Haube – zusammen entfesseln sie über 1000 PS.
Frischluft-Finale:
BMW Z4 sDrive 35is (links),
Nissan 370Z Roadster (vorne) und
Audi TT RS Roadster (hinten) haben sich ein starkes Rennen geliefert. Das Nachsehen in diesem Testfeld ...
... hat der Japaner mit 292 von 500 möglichen Punkten: Schaltung, Lenkung, Fahrwerk, Motor – in fast allen Punkten muss sich der
Nissan 370Z Roadster hinten anstellen und landet auf Platz drei. Für ihn sprechen aber sein verlockender Preis und der ehrliche Charakter.
Der 3,7-Liter-V6 kommt längs unter die Haube, die Domstrebe soll die Steifigkeit verbessern. Ordentlichen 323 PS steht ein eher bescheidenes Drehmoment von 363 Nm gegenüber, ...
... das erst bei 5200 Umdrehungen anliegt. Flaute herrscht auch beim Sound: Der V6 klingt wenig aufregend – da hätte der Z Besseres verdient –, aber ...
... er schiebt ordentlich an, ohne dass er
Audi und
BMW wirklich folgen könnte. In 6,1 Sekunden ist der 370Z aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht maximal 250 km/h. Auch wenn er lansamer als die beiden Deutschen ist, Spaß bereitet der
Nissan dennoch, ...
... weil er nicht so synthetisch-perfekt daherkommt wie der Audi. Ein Auto wie Männer eben – ehrlich und nicht ganz fehlerfrei. Die Lenkung erfordert Kraft, die Schaltung viel Nachdruck, ...
... die Kupplung eine trainierte Wade – den
Nissan 370Z muss man erobern. Wer das auf sich nimmt, wird auf der Rennstrecke mit mächtig Dampf und ehrlichem Quertreiben belohnt.
Nissan versteht den Fahrersitz als Arbeitsplatz. Viel einfaches Plastik, ungeschickt platzierte Schalter und starke Windgeräusche ab 200 km/h ...
... machen den
Nissan 370Z zur Angelegenheit für harte Hunde. Da verwundert das vollelektrische Dach (wie Audi und BMW) fast.
Gute Zutaten fürs Roadster-Vergnügen: Die drei zusätzlichen Rundinstrumente auf der Mittelkonsole sehen wunderbar aus, ...
... der Sport-Modus gibt beim Runterschalten Zwischengas – traumhaft.
Einer seiner größten Pluspunkte ist sein Preis: Verglichen mit den Anschaffungskosten für die beiden Konkurrenz-Produkte liegen die 45.590 Euro für den
Nissan 370Z Roadster schon fast im Schnäppchen-Bereich. Die 1100 Euro für die 19-Zöller sind da übrigens schon eingerechnet.
Platz zwei mit 319 Punkten geht an den
Audi TT RS: Der Ingolstädter klingt nicht nur am aufregendsten, er ist auch der Schnellste – bezahlt diesen Titel aber mit mäßigem Komfort und unzeitgemäßem Durst. Deshalb muss der RS am Ende den BMW ziehen lassen.
Der Fünfzylinder ist wieder da. Im Top-TT reicht es bei 2,5 Liter Hubraum für stramme 340 PS und 450 Nm Drehmoment ...
... bei bummeligen 1600 Touren. Die hohe Leistungsausbeute wird möglich, weil ein fetter Turbo mit 1,2 Bar Ladedruck nachhilft – und das ohne bemerkenswertes Turboloch. So gerüstet ...
... lässt der rasante Ringträger seinen beiden Konkurrenten in Sachen Fahrleistungen keine Chance: Nach nur 5,3 Sekunden erreicht der TT Tempo 100 und darf dank kostenpflichtiger Vmax-Anhebung 280 km/h rennen.
Im Audi geht es heftiger zur Sache als im BMW. Doch dafür entschädigt der Fünfzylinder mit Gänsehaut-Grollen, Oscar-verdächtiger ESP-Abstimmung und makelloser Handschaltung. Ganze Lkw-Kolonnen ...
... frisst die RS-Rakete im Zeitraffer und rennt fröhlich pfeifend in den Begrenzer. Gegenüber diesem furiosen Feuerwerk nimmt sich das tolle Handling beinah schon langweilig aus, ...
... im Sportmodus seziert das ESP Kurven so präzise und schnell, dass es einem fast schon unheimlich ist.
Verarbeitung und Materialauswahl lassen im Top-TT Sorgfalt und Hingabe erkennen, die Sitze umschließen den Fahrer wie Abrahams Schoß, das Stoffverdeck steht dem Blechdach des BMW kaum nach, ...
... einzig die Kante der Mittelkonsole nervt, beschert dem Fahrer blaue Flecken am rechten Knie.
Beim Sortieren der Motorkraft vertraut
Audi auf ein manuelles Sechsgang-Getriebe. Direkt in der Nähe des knackig kurzen Knüppels ...
... liegt die kleine Taste für das Plus an Fahrspaß: Wer das "S" drückt, versetzt den Audi in den Sportmodus.
Bei den Fahrleistungen ist der einzige Allradler im Test ganz vorne, beim Preis leider auch: Für einen offenen TT RS verlangt Audi mindestens 58.650 Euro. Magnetic Ride (1100 Euro) und die Anhebung auf 280 km/h (1600 Euro) verteuerten den Testwagen auf 61.350 Euro.
Der
BMW Z4 gewinnt, weil er den Spagat zwischen Alltag und Angasen am besten hinbekommt. Starker Motor, hohe Fahrdynamik, trotzdem noch genug Restkomfort – dieser Mix bringt in der Endabrechnung 333 Punkte und damit Platz eins.
Trotz der 35 im Namen hat man es im
BMW-Bug mit einem Dreiliter-Sechszylinder zu tun – natürlich in Reihe und längs eingebaut. Zwei kleine Turbolader verhelfen dem Z4 zu 340 PS und ...
... 450 (mit Overboost 500) Nm Drehmoment – bei 1500 Touren! Vom brünstigen Brüllen des 35is erfährt die Umwelt noch mehr als der Fahrer selbst. Gerade obenraus dreht der von zwei kleinen Turbos befeuerte Dreiliter wie ein Berserker.
Der Z4 35is mit seinem traumwandlerisch schnellen Doppelkupplungsgetriebe bleibt nur anfangs hinter dem ebenfalls 340 PS starken TT RS zurück, ...
... holt dann aber mächtig auf. So schlägt er seinen Ingolstädter Konkurrenten beim Sprint auf Tempo 200 in 19,1 Sekunden um drei Zehntelsekunden. Für den Stadardsprint braucht der Z4 5,7 Sekunden, ...
... die Tachonadel kann maximal bis zur 250-km/h-Marke klettern – und so muss der BMW den elektronisch unbegrenzten Audi ziehen lassen.
Auf der Rennstrecke überrascht der Z4 dann trotz Sportfahrwerks mit deutlichen Aufbaubewegungen. Auch wenn die präzise Lenkung und ...
... die feinfühlig regelnde Elektronik für schnelle Rundenzeiten und ordentlich Spaß sorgen, ist der 35is nur bedingt als M-Ersatz geeignet.
Auch im Z4 sitzt man wie im Audi in einem schmalen Tunnel, stößt aber nirgendwo an. Im Gegenteil. Alles passt wie maßgeschneidert, als sei es um den Fahrer herumkonstruiert worden.
Allein die Automatik braucht Feingefühl. Schnelle Wechsel zwischen D und R enden oft mit einem sanften Gong und der falschen Fahrstufe. Bei geöffneter Tür springt der Gang raus – sicher, aber gewöhnungsbedürftig.
Wie straff hätten Sie es denn gern? Die Fahrdynamik-Kontrolle ist beim Z4 35is genau wie die Automatik serienmäßig an Bord.
Beim Preis sortiert sich der BMW hinter dem Audi ein: Für einen Z4 sDrive 35is werden 56.750 Euro fällig.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka: "Mit jedem dieser drei Rasse-Roadster würde ich sofort eine stürmische Straßenaffäre eingehen. Am liebsten mit dem TT RS. Der offene Audi geht gewaltig und ...
... klingt kolossal – nur schade, dass der Durst die Beziehung auf Dauer belastet. So wird der Z4 35is zur besten Wahl. Der BMW bietet Vernunft und Vergnügen auf hohem Niveau, ...
... ein Typ für die Langzeit-Liebe. Der aufregende, aber alles andere als fehlerfreie 370Z ist genau das Gegenteil. Ein heißer Flirt, der im Alltag aber nervt."
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