Drei Fahrspaßgarantien im Formationsflug: Mit dem neuen TT RS will Audi bei den knackigen Sportcoupés eine große Rolle spielen. Porsche Cayman S und Nissan 370Z stellen sich dem Angriff aus Ingolstadt.
Wer hätte das gedacht? In diesem Traum-Trio ist ausgerechnet der Porsche nominell am schwächsten motorisiert. Das heißt aber noch lange nicht, dass er der Konkurrenz hinterherfahren muss.
Der Nissan 370Z belegt mit 293 von 500 möglichen Punkten den dritten Platz. Der Sportwagen alter Schule ist wegen zu vieler kleiner Schwächen gegen die Edel-Deutschen chancenlos. Ein Spaßauto erster Güte ist er trotzdem.
Der Nissan-V6 holt 331 PS und 366 Nm Drehmoment aus 3,7 Litern Hubraum. Obwohl die Maschine bei Höchstdrehzahlen unwillig stöhnt, ...
... schiebt sie den Wagen brachial an. 5,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf Tempo 100 und die mühelos erreichten 250 km/h Spitze beudeten in diesem Vergleich trotzdem nur den letzten Platz bei den Fahrleistungen. Mit 1552 Kilogramm wiegt der Nissan eben auch am meisten.
Der 370Z bleibt selbst bei extremer Kurvenfahrt gutmütig, pendelt ohne Tücke zwischen leichtem Untersteuern und spürbarem Lastwechsel, sodass man sich gut auf ihn einstellen kann. Er ist eine ehrliche Haut, ...
... die im Handling an Porsche 968 und BMW Z3 Coupé erinnert. Verantwortlich dafür sind der gegenüber dem 350Z-Vorgänger verkürzte Radstand und die optimierte Lenkung. Sie bietet ...
... mehr Rückmeldung und macht den Nissan agiler. Das Ergebnis: eine Zeit von 1:43,15 auf dem Contidrom – natürlich nur ohne Drifteinlagen möglich.
Bravo: Auf buckeligen Pisten ist die Federung des 370Z zwei Klassen besser als die des TT RS. Auch wenn die 275er-Reifen auf 19-Zoll-Rädern (1100 Euro) an der Hinterachse mit lauten Abrollgeräuschen nerven.
Viel getan hat sich im Innenraum des Z. Jetzt gibt es einen Startknopf, ...
... größere Instrumente und schönere Materialien, wo immer man hingreift.
Versteckte Informationen: LEDs zeigen Spritvorrat und Wassertemperatur, sind aber schlecht ablesbar.
Die Sechsgangschaltung könnte mehr Leichtgängigkeit vetragen. Dafür hebt sie im Sportmodus beim Runterschalten die Drehzahl an, verhindert so Schleppmomente im Antriebsstrang und das Ausbrechen des Hecks, aber ...
... nach zwei Runden am Limit steigt die Öltemperatur auf 135 Grad. Dann begrenzt die Elektronik die Drehzahl auf 6000 Touren – schnelle Zeiten ade.
Mit 235 Litern hat der Nissan das kleinste Platzangebot fürs Gepäck. Einzüge erschweren zudem die Nutzung des flachen Kofferraums.
Preis-Leistungs-Sieg: Mit 42.290 Euro (inklusive 19-Zoll-Bereifung) ist der Nissan 370Z an der Kasse nicht zu schlagen.
Der Porsche Cayman S belegt mit 298 Punkten den zweiten Platz. Weniger PS und Nutzwert sowie unverschämt hohe Preise verhindern den Sieg. Für Puristen bleibt der entthronte König trotzdem erste Wahl.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Der 3,4 Liter große Sechszylinder mit 320 PS und 370 Nm Drehmoment zeigt sich nur mittels zweier Einfüllöffnungen unter einer Serviceklappe. Dafür kann man die Maschine umso mehr spüren, ...
... wenn man ihr die Sporen gibt. In 4,8 Sekunden stürmt der Cayman S auf 100 km/h und erreicht maximal 275 Sachen.
Der Cayman S ist ein Auto für Könner. Im Grenzbereich ist er weniger gutmütig als TT RS und 370Z. Er zickt und zackt schon mal mit dem Heck. Wenn er mit ausgeschaltetem ESP am Limit bewegt wird, bekommen selbst Profis den irren Blick. Seine Bestzeit auf dem Contidrom: 1:42,90 Minuten.
Erreicht der Cayman S 120 km/h, fährt der Heckspoiler automatisch aus. Bei Tempo 270 erzeugt das kleine Luftleitwerk 14 Kilo Anpressdruck.
Gelbe Sättel stehen bei Porsche für Keramikscheiben, und die sind teuer: Die Zuffenhauser lassen sich die standfesten Stopper mit satten 8033 Euro Aufpreis bezahlen.
So kennt und liebt man Porsche: Das Cockpit strahlt eine unerschütterbare Solidität aus, ...
... die Sportschalensitze sind packend, kosten allerdings auch 2975 Euro extra.
Wie es sich für einen Sportler gehört, liegt der Drehzahlmesser mittig im Cockpit. Bei 6000 Touren legt der Boxer im Heck noch mächtig zu.
Sport-Chrono-Paket: Bei Renn-Hektik ist die Stoppuhr-Bedienung zu kompliziert.
Die im Testwagen verbaute Porsche-Doppelkupplung (PDK) ist grundsätzlich gut, aber teuer (2945 Euro). Und die Schaltknöpfchen am Lenkrad sind zu klein. Schaltwippen wären eindeutig besser.
Insgeamt bietet der Porsche 410 Liter Ladevolumen, aufgeteilt auf zwei eher kleine Einheiten. In den Kofferraum im Bug gehen 150 Liter, ...
... unter die Heckklappe passen noch einmal 260 Liter.
Kostbar: Der Preis des Porsche Cayman S in diesem Vergleich summiert sich auf 81.231 Euro. Schuld daran tragen Keramikbremsen, Sport-Chrono-Paket, PDK, 19-Zoll-Bereifung, Hinterachssperre, PASM und Sportschalensitze.
Unerwartet souverän holt der Audi TT RS mit 321 Punkten den Gesamtsieg in diesem Vergleich. Besonders überzeugend sind das gelungen abgestimmte (im Alltag allerdings zu harte) Fahrwerk und ...
... der grandiose Fünfzylinder-Turbo. Mit bis zu 1,2 Bar Ladedruck werden aus 2,5 Litern Hubraum 340 PS und 450 Nm Drehmoment gequetscht. Damit geht der Ringträger ...
... ab wie die Feuerwehr: Nach 4,5 Sekunden steht Tempo 100 an, ...
... auf 200 km/h spurtet das Turbo-Tier fast zwei Sekunden schneller als der Cayman S, und auf freier Strecke läuft er ihm davon. Für 1600 Euro Aufpreis regelt er erst bei Tempo 280 ab; dem Porsche geht bei 275 km/h die Luft aus – ein kleiner, aber feiner Punkt fürs Prestige.
Im Grenzbereich zeigt der Allrad-Audi eine frontbetonte Untersteuer-Tendenz. Dass er dennoch agil um die Ecken wetzt, liegt am zweistufigen ESP. In Sportstellung wird der Fahrer nie unnötig bevormundet. Feinfühlig balanciert die Elektronik den TT RS durch die Kurven.
Porsche-Killer: Mit 1:42,70 Minuten auf der Handlingstrecke des Contidroms bei Hannover nimmt der Audi dem Mittelmotor-Sportler Cayman zwei Zehntel ab.
Starres Geflügel: Im Gegensatz zu den Abtriebshilfen seiner zivileren TT-Brüder steht der Heckflügel beim RS fest.
Verbesserungsbedarf bei der Bremse: Nach mehreren Runden schmilzt der Pedal-Druckpunkt wie Eis in der Sonne; kein Vergleich zur standfesten Keramikbremse des Porsche.
Das Cockpit setzt Maßstäbe in Sachen Qualität: Im TT RS freut sich der Fahrer über eine stilsichere Designerkanzel mit ...
... Instrumenten, die aus tiefen Höhlen leuchten.
Applaus: Der Audi ist der erste Testkandidat, mit dem wir im ESP-Sportmodus schnellere Zeiten erzielen als bei deaktiviertem Schleuderschutz.
Die straffe Federung stört: Auf schlechten Straßen schießt sie die Passagiere katapultartig aus den Schalensitzen (2855 Euro). Zum Glück gibt es Abhilfe. Für 1100 Euro Aufpreis liefert Audi adaptive Dämpfer (Magnetic Drive) mit Normal- und Sporteinstellung.
Auch Normalfahrern, die nicht auf letzter Rille durch die Lande pfeifen, hat der Audi viel zu bieten. Notsitze im Fond, klappbare Rückenlehnen und dadurch bis zu 700 Liter Kofferraum machen ihn zum besseren Alltags- und Urlaubsauto, ...
... allerdings sollten normal große Erwachsene nicht auf die Idee kommen, in Reihe zwei auf Reisen zu gehen. Die Kopffreiheit reicht nicht einmal für die Ultrakurzstrecke.
Audi verlangt für das Topmodell der Baureihe mindestens 55.800 Euro. Dafür gibt es den Testwagen leider nicht. Der hat noch 19-Zöller, Vmax-Anhebung und Schalensitze an Bord – macht inklusive TT 61.755 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Na also, geht doch: Audi schlägt Porsche. Scheiterte der R8 noch am 911, zieht der TT RS am Cayman S vorbei. Günstiger, praktischer und mit mehr Power, ...
... so ist er der bessere Allrounder. Nach verlorener Übernahmeschlacht gegen VW ist das Ergebnis für Porsche pikant: Denn die Stuttgarter firmieren bald neben Audi unter einem Konzerndach – und dann trägt der Sieger auch noch vier Ringe. Nissans 370Z ...
... ist nur Dritter, aber kein Verlierer. Er glänzt als Sympathieträger: Nach Punkten hat er keine Chance gegen die Konkurrenz. Bei der weicheren Fahrspaß-pro- Euro-Relation liegt er vorn."
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