Bilder-Geschichten: Der Haufen Schrott mit dem niedlichen "Baby an Bord"-Aufkleber, wie er zu Tausenden auf dem Heck von Autos prangt, sagt mehr als tausend Worte. Wer hier ...
... nichts fühlt, ist entweder ein hoffnungsloser Dummklumpen oder will es einfach nicht kapieren. Die Kampagne zeigt auch Fotos von Menschen, die im Arrangement mit Kreuz und Namen wie Todesanzeigen wirken. Jede soll für sich stehen - und jede widmet sich dem Thema "unangepasste Geschwindigkeit", wie es meist im Polizeibericht steht.
Auch hier der gleiche Effekt: Jeder von uns hat schon mal einen gesehen von den zumeist selbst fabrizierten Slogan irgendwelcher Abiturienten, die voll Stolz auf die eigene Leistung daraus ein naiv-fröhliches Bekenntnis machen. Und so kann das enden, suggeriert das Plakat schon beinahe sarkastisch.
Die drei könnten in dem Abi-Schlitten gesessen haben. "Fuhren gerne sportlich", heißt es subtil unter der "Todesanzeige" der jungen Leute. Die Taktik dahinter: Keine Schuldzuweisung, aber ein deutlicher Hinweis. Und: alles nette Typen, könnten nebenan wohnen.
Und hier gleich die nächste Tragödie: Ein Hochzeitspärchen, offenbar direkt nach der Trauung verunglückt. Geballt wirkt das wie Super-Soap. Alle Plakate zusammen wären schwer zu verkraften. Jedes für sich dagegen wirkt lange nach, macht nachdenklich.
Sind das die beiden? Auch hier bleibt viel Raum für die Phantasie - wie in jeder gut erzählten Geschichte. "Wie eine Sprungschanze: Sie muss gut gebaut sein, aber springen muss letztendlich der Zuschauer", sagte kürzlich der österreichische Regisseur Michael Haneke ("Funny Games"). Der Aufprall nach dem Sprung tut dem Betrachter der DVR-Plakate jedenfalls richtig weh.
Gut vernetzt: Viele Partner trugen die Kampagne. Hier Manfred Bandmann vom DVR (von links) mit den Partnern Axel Ekkernkamp (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie), Ina Kutscher (Initiative "Jeden kann es treffen") sowie Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee.
Kleine Denk-Male: Ob der bildgewaltige Appell "Runter vom Gas!" damit etwas bewirkt hat? Beweisen lässt sich so etwas vorläufig noch nicht.
Aber die drastische Wirkung der ungemein dramatischen Bild-Geschichten wird sicher niemand bestreiten. Nun hat die Kampagne von berufener Seite höhere Weihen erhalten: Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (KWA) hat ihr den Siegtitel in der Kategorie "Gesellschaftliche Projekte" verliehen.
Der "Effie" genannte Preis wird jedes Jahr verliehen, 2009 nahmen 130 Einsendungen in 15 Kategorien daran teil. Die Jury besteht aus Vertretern der Werbung, Medien, Agenturen und Marktforschungsinstituten. Sie lobten ...
... "Runter vom Gas!" vor allem für seine einprägende Wirkung: Man hat errechnet, dass über 50 Millionen Deutsche die Kampagne kennen.
In den Medien wurde mehr als 250 Mal darüber berichtet. Jeder fünfte hat bereits mit Freunden und Bekannten darüber gesprochen. Damit ist "Runter vom Gas!" die erfolgreichste Initiative für Verkehrssicherheit, die es bisher in Deutschland gegeben hat.
Die Kampagne habe nicht nur durch gut orchestrierte Kommunikation ihre Wirkung entfaltet, sondern auch durch die orchestrierte Aktion vieler Kampagnenpartner. Polizisten, Feuerwehr, Bußgeldstellen – bei "Runter vom Gas!" haben sich viele Menschen beteiligt, für die Verkehrssicherheit Teil ihrer täglichen Arbeit ist.
Preis-Träger: Michael Schulze von der Werbeagentur Scholz & Friends (von links) mit DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf und Dr. Arnold Höllrigl vom Bundesverkehrsministerium bei der Preisverleihung. "Mit einer emotionalen Ansprache möchten wir die Verkehrsteilnehmer für das Risiko überhöhter Geschwindigkeit sensibilisieren", sagt DVR-Präsident Walter Eichendorf. Auch in Zukunft.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.