Von wegen angenehme Ruhe. In unseren Autos geht es zu wie am Arbeitsplatz: laut. Wie laut, das hat AUTO BILD in einem großen Lärmtest untersucht – und 15 Autos untereinander verglichen.
Der unangenehmen Akustik auf der Spur: Mit einem genormten Mikrofon hören die Ingenieure im schalltoten Raum bei Opel in Rüsselsheim genau hin.
Das Geheimnis des Lärms: Geräusche mit einer Frequenz von mehr als 1000 Hz gehen uns tendenziell besonders stark auf die Nerven. Dazu müssen sie keineswegs besonders laut sein. Es genügt schon ein leises Zischen.
In der Kompaktklasse stellt sich der Opel Astra mit Benziner als klassischer Sauger und als Turbo der Lärmmessung. Als Diesel tritt er gegen den Golf TDI an.
Unter Brüdern: Im Labor trifft der Astra 1.6 mit Benziner auf den Astra 1.7 CDTI mit Common-Rail-Diesel.
Das Nageln im Leerlauf ist nicht zu überhören, aber bei höheren Drehzahlen wirkt der Opel-Diesel nicht unangenehm laut.
Die Geräuschvorteile des Benziners beschränken sich auf wenige Betriebspunkte. Im oberen Geschwindigkeitsbereich ist er nicht leiser.
Ergebnis des Tests: alles halb so schlimm mit den nagelnden Dieseln. Der Selbstzünder belastet die Trommelfelle nicht mehr als der Benziner – zumindest im Falle des Astra.
Beim Hochdrehen liegen Diesel und Benziner über einen weiten Bereich auf gleichem Niveau. Nur zwischen 1700 und 2500 Umdrehungen ist der Benziner deutlich leiser. Vor allem ...
... im Leerlauf zeigt das Spektrogramm, dass sich der Benziner auf niedrige Frequenzen beschränkt (unten). Ganz anders sieht die Sache ...
... beim Diesel aus: Die Spitzen in dieser Grafik markieren die Verbrennungsimpulse – das Nageln also. Aber Diesel ...
... ist nicht gleich Diesel. Im Akustiklabor zeigen sich die Nachteile der Pumpe-Düse-Technik des VW Golf gegenüber ...
... dem Common-Rail-Aggregat des Opel Astra. Klares Geräuschbild: Der Opel nagelt weniger, weil er etwas weniger Druck in den Brennräumen erzeugt.
Die Messung entspricht nicht ganz dem subjektiven Geräuscheindruck: Ab 2500 Umdrehungen läuft der Opel leiser. Vorteile gibt es aber auch im Drehzahlkeller.
Eine spannende Frage: Schont der Turbo die Ohren? Aufgeladen kitzelt der Astra 75 PS mehr aus dem 1,6-Liter-Aggregat und gemeinhin wird vermutet, dass ...
... die Turbine die Schwingungsimpulse des Motors beim Ein- und Ausatmen besonders effektiv filtert. Unsere Messungen zeigen aber, dass ...
... Sauger und Turbo beim Hochdrehen keine signifikanten Unterschiede im Geräuschpegel aufweisen. Die Abweichung liegt im Bereich der üblichen Streuung.
Isoliert wie in der Luxusklasse? Für den Octavia bietet Skoda erstmals in dieser Preisklasse teures Dämmglas an. Hält der Schallschutz akustisch, ...
... was er optisch verspricht. Zwei Scheiben sollten doch sicher deutlich weniger Geräusche in den Innenraum lassen ...
... als eine Einfachverglasung. Um das zu überprüfen hat AUTO BILD den Skoda mit einer Lautstärke von 105 Dezibel beschallt.
Die Kurven zeigen die Pegelminderung bis zum Erreichen der Ohren. Ergebnis: Vorteile bringt das Doppelglas nur bei hohen Frequenzen.
Bedeuten mehr Zylinder weniger Krach? Die Frage beantworten BMW 320i und BMW 325i. Und zwar eindeutig.
Technik-Trick: Der Vierzylinder soll mit Ausgleichswellen akustisch im Zaum gehalten werden, aber ...
... gegen den Sechszylinder hat er trotzdem in Sachen Lärm keine Chance: Beim 325i ist oben im Frequenzspektrum fast alles im blauen Bereich. Und blau bedeutet leise.
Klare Sache: Spätestens ab 2500 Umdrehungen spielt der Sechszylinder seinen Geräuschvorteil aus. Obwohl er höher dreht ist er selbst an der Drehzahlgrenze noch deutlich leiser. Bei niedrigeren Tourenzahlen fällt der Unterschied dagegen kaum auf.
Ist das Belchdach-Cabrio wirklich leiser als die Stoffdach-Variante? Zum Vergleich stehen sich der BMW 3er und der Audi A4 mit Akustikverdeck (225 Euro Aufpreis) gegenüber.
Im Labor werden die Autos mit 105 Dezibel beschallt. Ergebnis: Bei den Frequenzen unter 1000 Hertz filtert das Stahldach im Schnitt 41 Dezibel weg, das Stoffdach nur 37. Subjektiv ist der Audi aber gar nicht so viel lauter ...
... als der BMW, weil er über 1000 Hertz, wo man den Schall als besonders lästig empfindet und der Wind zischt, genauso zuverlässig Lärmquellen filtert.
Interessant wird die Frage nach Stoff- oder Blechdach, wenn es beides für ein und dasselbe Auto gibt. Mazda bietet den kleinen Roadster ...
... MX-5 sowohl mit klassischer Stoffmütze als auch ...
... mit Blechdach an. Wem seine Ohren lieb sind, sollte nicht lange überlegen und zum MX-5 CC greifen, denn ...
... die Messung zeigt: Wenn der Lärm von außen kommt, hat ihm das dünne Stoffdach wenig entgegenzusetzen.
In der Königsklasse der Leisetreter kommt es zum Vergleich zwischen Lexus LS 460, BMW 750i und Mercedes-Benz S 500.
Auf der Teststrecke gilt für die Luxuslimousinen Tempo 180. Von den V8-Motoren ist da nichts mehr zu hören. Die Geräuschquellen sind vor allem die Reifen und der Fahrtwind.
Im Akustiklabor untersuchte AUTO BILD dagegen nur die Antriebsgeräusche. Das Ergebnis: Die S-Klasse säuselt etwas lauter.
Bei höheren Drehzahlen (3800 bis 4600 und von 5300 bis 6000/min) fällt der Mercedes etwas aus dem Rahmen. Er klingt zwar anregend, aber die Geräuschkurve zeigt: Die Konkurrenz dreht leiser hoch.
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