29.12.2011
Autos, die uns fehlen, Teil 4
Folge vier aus unserer beliebten Retro-Serie: zehn Evergreens, fertig zum Wiederbeleben – mit Mercedes C111, Opel Manta und Ford Taunus.
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Sie sind schön, oft originell, manchmal aufregend und immer unvergesslich. Aber viele automobile Schätze sind Vergangenheit. Muss nicht sein, wie unsere Retro-Neuauflagen beweisen. Zum Beispiel dieser preisgünstige Mittelmotorzweisitzer – cool wie eine italienische Sonnenbrille, flink wie ein römischer Borsaiolo (mit Taschendieb nur unvollkommen übersetzt) und knapper als Bunga-Rubys Abendgarderobe.
Das Original: Fiat X1/9 – ein Traumwagen im Taschenformat • geboren: 1972 • verstorben: 1988. Der X1/9 verkörperte den 70er-Traum der besseren Bleifußgesellschaft, besonders der Italo-Abteilung. Der Witz: Das ganze Paket besaß Westentaschenformat, war 3,83 Meter kurz, 1,57 Meter schmal und 1,14 flach. Und mittig grollte ein 1,3-Liter-Motörchen mit 73 PS.
Viel mussten wir nicht tun, um diesen Sportler zu modernisieren, ...
... denn schon mit ein bisschen virtueller Blechkosmetik ist der C 111 wieder absolut auf der Höhe der Zeit. Jetzt liegt es an Mercedes, die Retro-Flunder auf die Straße zu bringen.
Das Original: Mercedes C 111 – die verpasste Chance • geboren: 1969 • verstorben: 1970. Wer sich den C 111 heute ansieht (vor allem die erste Version), könnte glauben, er sei gerade erst gebaut worden. Er trug den Motor standesgemäß in der Mitte und die Flügel konnte er auch spreizen. Sicher, sein Wankelmotor erwies sich als Totgeburt, aber sonst?
Wir glauben, dass die Zeit nun reif ist für einen neuen Manta – vorausgesetzt, er hält sich in Form und Geist an die Originale von einst. Bodenständig muss er sein, den Wow-Effekt muss er haben, sauber gestylt, ...
... frei von modischem Formenterror, und – auch nicht unwichtig – Hinterradantrieb sollte er haben. Motto: Was Toyota GT86 und Subaru BRZ können, dürfte Opel beim neuen Manta ja auch hinbekommen.
Das Original: Opel Manta B – der geile Rochen • geboren: 1975 • verstorben: 1988. Straffe Formen, klare Linien, saubere Flächen und attraktive Proportionen: Alltagstaugliche Coupés mit der Großserientechnik der Limousinen, aber mit eigenem Styling und leichtem Traumwagenflair waren ein Heimspiel für den Manta und sein Pendant Ford Capri – andere versuchten es, ihnen nachzumachen, aber scheiterten.
45 Jahre hat die Ur-Form auf dem geflügelten Buckel. Und sie ist so aktuell wie am ersten Tag. Wir halten den De Tomaso Mangusta ganz einfach für einen der schönsten Sportwagen aller Zeiten, dessen Form es verdient, wiederaufzuerstehen. Zumal sie völlig zeitlos ist, wie unser Entwurf beweist.
Das Original: De Tomaso Mangusta – Rasse hat kein Verfallsdatum • geboren: 1967 • verstorben: 1971. Sein Geheimnis verrät der Name: Mangusta, eine Tiergattung, zu der auch der Mungo gehört – und der killt Cobras. Ein Mittelmotorauto mit dem US-V8 von Ford, das in Italien gefertigt (401 Exemplare) und bei Ghia von Giorgetto Giugiaro eingekleidet wurde. Das Ergebnis war leicht (985 kg), stark (305 PS) und schnell (260 km/h).
Vor 50 Jahren war er ein realisierbarer Traum. Heute fehlt er uns, der Spitti. Wie schön könnte es sein, wenn sich die Autobauer mal wieder auf das Wesentliche, Authentische besinnen würden. In diesem Fall BMW, wo die Namensrechte für Triumph ruhen.
Das Original: Triumph Spitfire • geboren: 1962 • verstorben: 1980. Sorgloses Al-Fresco-Vergnügen in schickem Gewand, mit röhrendem Auspuff und verknoteten Haaren, am besten zu zweit im romantisch-intimen Cockpit. À la Spitfire eben, einem der preisgünstigsten, liebenswertesten, erfolgreichsten Vertreter der Roadster-Spezies.
Flach, fließend, faszinierend und mit Hinterradantrieb: So könnte er anrollen, der neue Rover. Wir wünschen ihn uns zurück, ...
... diesen Engländer. Doch Rover ist tot, wer könnte ihn also heute bauen?
Das Original: Rover SD1 – Ehre, wem Ehre gebührt • geboren: 1976 • verstorben: 1986. Der Trend geht zum viertürigen Coupé? Was für ein alter Hut: Der 3500, Modellcode SD1, war ein flacher Viertürer, mit Schrägheck, großer Heckklappe und variablem Kofferraum. Wahlweise würde er heute auch als "Shooting Brake" durchgehen. Vor allem aber sah der SD1 sensationell gut aus, mit seiner Front, die beim Ferrari 365 GTB/4 abgeguckt war.
Wenn Ästhetik und Eleganz mehr zählen als Macho und Krawall: Wir finden, Ferrari ist reif für einen neuen GTC. Und so stilvoll sollte er aussehen.
Das Original: Ferrari 330 GTC Speciale – Temperament in Nadelstreifen • geboren: 1966 • verstorben: 1968. Der 330 GTC von 1966 war eines der letzten Ferrari-Coupés für den sogenannten Herrenfahrer – keine lauten Akzente, keine extrovertierte Sportlichkeit. Mit anderen Worten: Playboys, Fußballer und Popstars waren hier an der falschen Adresse, beim GTC dominierte zurückhaltende Pininfarina-Eleganz.
Gutes Design ist zeitlos. Deshalb braucht es nicht viel, um den Alfasud nach 41 Jahren formal in die Jetztzeit zu transportieren. Optisch ist das Ganze sicher noch steigerungsfähig (wir sind halt alle kein Giugiaro), aber fällig, so oder so.
Das Original: Alfa Romeo Alfasud • geboren: 1971 • verstorben: 1983. als der Sud herauskam, war er ein kleines Juwel, technisch, aber auch optisch. Die Form: ein klassischer Giorgetto Giugiaro, schlicht, aber perfekt proportioniert und wahrlich zeitlos. Die Technik: eigenständig mit Boxermotor und hochwertigem Fahrwerk. Der Alfasud war leicht, geräumig, kultiviert, vor allem aber lag er besser als alles, was in seiner Klasse kreuchte und fleuchte.
Sicher, die Front ginge vielleicht noch etwas besser, aber sonst? Wannenglück im Stil der neuen Zeit.
Das Original: Ford Taunus 17M P3 – Avantgarde statt Brot und Butter • geboren: 1960 • verstorben: 1964. nur ganz wenige Autos seiner Zeit brachen formal derart radikal mit den Konventionen wie der P3. Ovale Scheinwerfer, gebogene Seitenfenster, gute Aerodynamilk statt Trapezlinie mit Chromschnörkeln und Heckflossen, Hinwendung zur Keilform (vorn flach, hinten hoch), schon lange bevor sie Trend wurde – nie wieder war Ford so mutig wie damals.
Minimaler Einsatz, maximaler Fahrspaß: das Frogeye-Rezept. Überzeugende Nachfolger des Austin Healey Sprite fehlen bis heute. Höchste Zeit für einen neuen Versuch.
Das Original: Austin Healey Sprite – sei ein Frosch • geboren: 1958 • verstorben: 1961. Wegen seiner abstehenden Scheinwerfer wurde er Frogeye genannt. Die erhielt er nur aus Kostengründen, und schon bei der ersten Modellüberarbeitung, 1961, verschwanden sie wieder. Erst Jahre später erreichte das Charaktergesicht Kultstatus. Sein Liebreiz wurde erkannt, sein Minimalismus fand neue Liebhaber, der Frogeye-Sprite wurde zum Klassiker.
Und hier sind zwölf weitere automobile Remakes aus dem Jahre 2011. Den Anfang macht der Alfa Giulia Sprint GT mit dem ...
... Blick der Giulia 1300 Coupé. Das Original: Alfa Giulia 1300 Coupé • geboren: 1963 • verstorben: 1976. Giorgio Giugiaro modellierte ihn in seinen besten Jahren, als er noch beim Karosserieschneider Bertone arbeitete. Und das erklärt vieles: die tollen Proportionen, das Schlichte, Zierliche, aber Respekt-einflößende, dieses Charaktergesicht mit offener Fuge unter der Motorhaube.
So oder so ähnlich könnte er aussehen, der "New Healey". Wichtig: nur ein leichtes,
kompaktes Stoffdach, flache, schmal gerahmte Frontscheibe sowie eine knapp sitzende Kluft.
kompaktes Stoffdach, flache, schmal gerahmte Frontscheibe sowie eine knapp sitzende Kluft.
Das Original: Austin Healey 3000 • geboren: 1956 • verstorben: 1967. Er ist die Inkarnation des englischen Roadsters – herb, männlich, romantisch und ungeheuer anziehend. Besser kann ein Vertreter dieser Spezies nicht aussehen, das gilt bis heute. Warum zieht BMW (im Besitz der Markenrechte) also nicht die Schublade auf und holt uns diesen Schmachtfetzen zurück?
Auch von einem neuen BMW 507 träumen wir. Das Kleid muss aber bitte knalleng sitzen und sich dicht über das Chassis schmiegen. Nur dann bekommt die Wiederauflage die Idealfigur des Vorbilds.
Das Original: BMW 507 • geboren: 1955 • verstorben: 1959. Nicht umsonst gehört dieser BMW zu den teuersten Klassikern (600.000 Euro aufwärts). Erstens: Es wurden nur 252 Stück gebaut. Und zweitens: Er sieht irre gut aus. Dass BMW die historische Steilvorlage nicht verwandelt, ist schwer zu verstehen. Sicher, mit dem Z8 hatten sie es versucht, aber halt nicht konsequent.
Zurück zur großen Klasse: Ein neues großes Mercedes Coupé in klassischem Stil braucht diese Welt! Die verwaiste Marktnische der Edelcoupés wartet geradezu darauf, von Mercedes wieder besetzt zu werden. Auf dem Papier zumindest haben wir es schon mal versucht: ein Coupé in neuer alter Pracht, ein Mercedes auf Augenhöhe mit den Bentley und Rolls-Royce dieser Welt.
Das Original: Mercedes W 111/112 • geboren: 1961 • verstorben: 1971. W 111/112 nennt der Werkscode die S-Klasse-Generation, auf der das Coupé basiert. Der Volksmund spricht von "Heckflosse", wobei das namensstiftende Merkmal bei den Zweitürern fehlte. Ihr Credo war die zurückhaltende Eleganz – eine Qualität, die bei Mercedes inzwischen unter die Räder gekommen ist.
Der Citroën SM war sicherlich nicht der zuverlässigste, aber er war der perfekte Citroën: mutig, komfortabel und einfach anders. Heute wäre er das Auto, mit dem Citroën an die alte Größe anknüpfen könnte – abseits vom Terror sinnentleerter Formen. Unser Vorschlag: ein GT abseits aller Konventionen, nur echt mit verdeckten Hinterrädern.
Das Original: Citroën SM • geboren: 1970 • verstorben: 1975. Zu Lebzeiten wurde das ausladende Grand Tourisme Coupé einfach nicht richtig verstanden. Schon die Bezeichnung fanden einige missverständlich – dabei stand das "M" ja für "Maserati" (woher der V6-Motor stammte) und keineswegs für "Maso". Auch wenn es Leute gab, die darin keinen Unterschied sahen.
Eine Neuauflage des 850 Spider könnte der Fiat-Traum schlafloser Nächte werden: ein offener Sportwagen im Taschenformat. So eine Miniflunder, konsequent umgesetzt (am besten mit Mittelmotor), würde auch heute ins Schwarze treffen.
Das Original: Fiat 850 Spider • geboren: 1965 • verstorben: 1973. Er war erschwinglich, und er sah aus wie ein geschrumpfter Traumsportwagen, Maßstab 1:1,5 vielleicht. Und er war als Fahrmaschine durchaus ernst zu nehmen. Geboren wurde er in Fiats besten Jahren, aber der Versuch, es ihm später mit X 1/9 und Barchetta gleichzutun, misslang.
Auch Opel hatte mal einen ganz eigenen Stil. Und er war sogar richtig knackig. Doch auf einen Wurf wie den Commodore B warten wir bis heute, wenn auch ohne große Hoffnung. Statt auszubrechen und sich an der eigenen Tradition zu orientieren, spielt Opel im Design auf Nummer sicher. Wie die Alternative aussehen könnte, sehen Sie hier: Commodore B+, der Opel zum Anbeißen.
Das Original: Opel Commodore • geboren: 1972 • verstorben: 1977. Die Jahreszahlen gelten für den Commodore B. Denn dieser Typ hat bei Opel den Höhepunkt im Nachkriegs-Design markiert. Die klaren Linien, das äußerst straff sitzende Blech, die leckeren Proportionen des Hecktrieblers, das alles lässt die Handschrift von GM-Designchef Bill Mitchell erkennen.
Keine Schnörkel, kein modischer Firlefanz, nur Funktion und klare Linien: Diese Qualitäten des Renault R16 wünschen wir uns auch von seinem Nachfolger, den wir so schmerzlich vermissen.
Das Original: Renault 16 • geboren: 1965 • verstorben: 1980. Es war die Zeit, ausgetretene Pfade zu verlassen, das Auto anders zu definieren. Und Renault mischte vorn mit: Als der R 16 anno 1965 an den Start rollte, war er konkurrenzlos. Einen Viertürer mit Schrägheck, großer Heckklappe und variablem Innenraum, den gab es sonst nirgends.
Der wahre Volvo: Große, geräumige Kombis waren einst die Spezialität der Marke. Warum keine Neuauflage? Leider hat sich der schwedische Hersteller entschlossen, im stilistischen Mainstream mitzuschwimmen. Hier deshalb der Volvo, wie er sein sollte.
Das Original: Volvo 760 Kombi • geboren: 1985 • verstorben: 1998. Sie nannten sich abwechselnd 740, 760, 940, 960 oder V90, aber im Grunde waren sie immer dieselben, blieben sich stets treu. Die eckigen Kombis waren nicht nur äußerst geräumig, sondern auch überdurchschnittlich sicher und langlebig. Genau das, was die Form suggerierte.
So wird er richtig: Der VW Beetle als Zweisitzer à la Hebmüller mit flacher Frontscheibe und Langheck. Der neue Beetle eignet sich als Basis blendend, wie man sieht. Mal ehrlich, wer wollte da noch so einen Stutzstummel wie den Mini Roadster?
Das Original: VW Käfer Typ 1 Hebmüller Cabrio • geboren: 1949 • verstorben: 1950. Der Käfer als Roadster, alles schon mal da gewesen. Ja, wirklich, anno 1949. Damals bestellte VW 2000 offene Zweisitzer beim Karosseriebauer Hebmüller. Leider wurden nur 696 Stück gebaut, denn die Fabrik brannte ab. Höchste Zeit also, dass der Hebmüller-VW wiederbelebt wird.
Und zum Schluss noch ein großes Lob an unseren Hausdesigner Radovan Varicak aus Toronto, Kanada. Mit Fantasie und Einfühlungsvermögen hat er unsere Retro-Ideen umgesetzt. Sie führen uns vor Augen, dass Retro durchaus vorwärtsgewandt sein kann.
Noch mehr Lust auf alte neue Klassiker im neuen Gewand? Hier geht es zum ersten Teil der Autos, die wir vermissen. Und hier finden Sie Teil 2.
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