Zwölfzylinder seien überholt, beteuert man gern. Dumm nur, dass das mit dem Überholen diesmal schwierig werden könnte. Über 600 PS, Drehmomente, mit denen man anderswo Obstkisten über Autobahnen schleppt, und Topspeeds bis 330 km/h. Dabei ist das Beeindruckende an Bentley Continental GT Speed und Mercedes SL 65 AMG gar nicht mal ...
... die rein rechnerische Möglichkeit, in knapp zwei Stunden von Berlin nach München zu brettern; sondern schlicht die Mühelosigkeit, mit der sie Vortrieb emittieren. Die einstweiligen Topversionen von ...
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Bentley Continental GT sind Death-Metal auf der Stradivari, die Doppel-Whopper der Haute Cuisine, oder besser noch: die Absinthe unter den Bordeaux. Stark, mit wuchtigem Bouquet, stets vollmundig im Abgang und je nach Dosierung desillusionierend oder bewusstseinserweiternd. Santé!
Von außen kaum wahrnehmbar, kultiviert Bentley den Zusatzstoff, der den Conti GT nun noch berauschender macht. Speed – klingt nach Droge und trifft die Sache nicht nur deshalb ziemlich gut.
Der Begriff wurzelt in der ruhmreichen Vergangenheit der 20er-Jahre und macht nun den Conti GT zum schnellsten Bentley aller Zeiten. Um zwölf km/h toppt er die profane W12-Version, deren Sechsliter durch eine freizügigere, im Durchzug markiger baritönende Abgasanlage um 50 PS und 100 Newtonmetern anschwillt.
Der Continental übersetzt sich achtfach, ist schalttaktisch aber nicht ganz so variabel, setzt die Schnitte zudem nicht ganz so akkurat. Und auch sein ...
... Zwölftett verarbeitet Kommandos eher leger. Zu zaghaftes Gasgeben versinkt im pelzigen Ansprechverhalten, scharfes wird abgesoftet, und beim Wegnehmen schnaufen die Lader immer noch ein bisschen nach. Nicht störend, ...
... aber vernehmbar. Irgendwie passt diese zärtliche Art, brutal zu sein, aber hervorragend zum generellen Continental-Stil, der sich auch von Speed nicht das GT verstressen lässt.
Gezündet wird links, aus der Lenksäule wachsen Schaltsensen.
Der GT-Salon lässt sich komplett individualisieren.
Bildschöne Zehnspeicher vergittern die optionale Keramikbremsanlage.
Trotz zehn Millimeter Tieferlegung, geraffter Kennlinien und Luftfedern, die den 2,3 Tonnen bei Bedarf ordentlich Kontra geben, benimmt er sich genau so zurückhaltend, wie es sich für einen echten Royal gehört. Was wirklich in ihm steckt, offenbart er nur auf ausdrücklichen Wunsch, aufdrängen würde er es einem nie.
Oder direkt gesagt: Erst wenn man die Polster, mit denen er einen umpackt, rücksichtslos niedertrampelt und den heckbetonten Allradantrieb mit beherzten Lastwechselschlenzern an der Lenkung antanzt, reitet man den Araber, der tief im Inneren des – sorry! – Brauereigauls lebt. Anders der ...
... SL: Er stellt seine Sportlichkeit nicht nur wegen des Klappverdecks freizügiger zur Schau, bindet Hände und Füße direkter an und wirkt dadurch insgesamt fixierter. Ob er im Ernstfall das dynamischere Auto wäre? Mit ...
... hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit. Nicht nur, dass seine Lenkung den Vorbau um einiges flinker in die Ecken reißt als der Bentley, den man eher in Kurven zu kremen scheint. Sondern vor allem wegen des vorzüglichen Wankausgleichs, ...
... der nun auch die schwerste Motoroption schultern kann. Während bisher der Versuch, die Karosserie in der Waage zu halten, immer wieder in Untersteuern mündete, bringt Active Body Control (ABC) nun Grip und Vorderachslast in Einklang. Das Ergebnis ist ein wunderbar seidiges Kurvengefühl, ...
... das sich bei aller Direktheit eine gewisse Eleganz bewahrt und höchstens darunter leidet, dass Geraden noch um einiges schöner sind.
630 PS und ein Drehmoment, das man zum Schutz des Getriebes auf glatt 1000 Newtonmeter – kein Scherz – begrenzt. Im Unterschied zum Continental jedoch, der den Speed aus einer feisten Basis züchtet, steht der Zwölfzylinder-SL seit der Pensionierung des 600ers für sich selbst.
Drinnen ist der Benz nicht ganz so verspielt, dafür aber ...
... variantenreicher im Dynamik-Set-up.
Der SL hat eine 7G-Automatik, die im SL erstmals für einen V12 arbeiten darf und die Newtonmeter mit ihren sieben Gängen bekömmlicher portionieren kann als der Fünfstufer zuvor.
Keramikbremsscheiben gehen ebenso extra wie die Schmiederäder.
Ob es Zwölfzylinder noch lange geben wird, ...
... steht in den Sternen. So lange es sie aber gibt, sind diese beiden ihre Stars.
Schillernd, glamourös, überirdisch. Der SL sprintet galaktischer und wirkt agiler als der Bentley, der – thank god – auch auf Speed ein GT bleiben darf.
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