Von wegen Lifestyle-Kombi: Die beiden Testkandidaten
BMW 5er Touring und
Mercedes E-Klasse T-Modell beweisen, dass es sie noch gibt, die richtig großen Lademeister.
Hat der Benz auch im Ziel die Nase vorn? Im Duell der Oberklasse-Kombis entscheiden nur Nuancen über Sieg oder Niederlage.
BMW wie
Mercedes, jeweils mit Dieselmotor unter der Haube, bieten Spitzentechnik.
Es reicht nicht ganz für den Stuttgarter: Der Edel-Kombi mit Stern verdient sich 381 von 500 möglichen Punkten, und er verliert damit nur knapp, weil er weniger Antriebskultur ...
... und Komfort bietet. Für das
Mercedes E-Klasse T-Modell sprechen aber der geringere Diesel-Durst und das bessere Rüstzeug für den Einsatz als Lastesel.
Aus 2143 cm³ Hubraum stellt der mittels zweier Turbolader unter Druck gesetzte Mercedes-Motor 170 PS und 400 Nm Drehmoment bereit. Dabei erinnert der raue Vierzylinder-Selbstzünder des Mercedes stets an ein typisches Taxi, ...
... beim starken Beschleunigen zeigt die Siebenstufen-Box deutlichen Wandlerschlupf – es ist halt kein Sportkombi, dieses T-Modell, ...
... was auch die Fahrleistungen beweisen: In 9,3 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 216 km/h – der BMW ist in beiden Disziplinen schneller.
Leider leistet der Wagen auch bei der Mercedes-Kernkompetenz Komfort nichts Überragendes. Auf schlechten Straßen ...
... reagiert die Vorderachse zu nervös und könnte feine Unebenheiten besser herausfiltern.
Reiseriese: Das bessere Raumgefühl und das größere Platzangebot finden die Passagiere in der E-Klasse.
Vorbildlich: Die bequemen Sitze des Mercedes werden über Schalter in der Tür verstellt.
Nicht ganz so schnell wie der elektronische Pfadfinder im BMW: Das Navi berechnet einen per Spracheingabe formulierten Routenwunsch in einer Minute und 13 Sekunden. Auf dem großen Bildschirm ...
... kann auch der Dieselkonsum – hier direkt nach dem Kaltstart – grafisch dargestellt werden. Im Testdurchschnitt kommt der E 220 CDI T mit 6,8 Litern auf 100 Kilometer aus. Das ist sparsamer als der BMW, der sich 7,1 Liter genehmigt.
Wenn das wichtigste Kombi-Kaufkriterium maximale Kofferraumgröße ist, führt kein Weg am Mercedes vorbei. Obwohl die E-Klasse in den Außenmaßen kürzer und schmaler baut als der 5er Touring, bietet sie mindestens 695 Liter, ...
... maximal fast zwei Kubikmeter (1950 Liter) Stauvolumen und übertrumpft den Konkurrenten damit deutlich. Auch bei der Zuladung (549 Kilogramm) hat der Benz mehr zu bieten.
Der helle Teppichstoff sieht edel aus, ist aber nicht ideal für rustikale Hobbys: Wer hier dreckige Gummistiefel oder Reitutensilien einlädt, darf lange putzen.
Teuer: Für einen E 220 CDI Blue Efficiency als T-Modell verlangt Mercedes 49.766 Euro. Darin enthalten sind 321 Euro für die Direktlenkung, 982 Euro für die 17-Zoll-Bereifung und 2559 Euro für die 7G-Tronic Plus, die 76 Prozent aller Käufer eines 220 CDI T gleich mitbestellen.
Schnell, agil und trotzdem komfortabel. Der
BMW 5er Touring ist ein Allround-Talent und bietet gegen Aufpreis Optionen, ...
... die Mercedes nicht liefern kann. Dazu gehört zum Beispiel ein Head-up-Display. Beim Laderaum-Volumen zieht er den Kürzeren, aber es reicht in der Endabrechnung zu 385 Punkten und Platz eins.
Etwas stärker, etwas leichter, etwas schneller – der BMW-Motor (184 PS, 380 Nm) ist mit zwei Litern Hubraum zwar kleiner und wird nur von einer Turbine aufgepumpt, dennoch leistet er 14 PS mehr, ...
... und so fährt der 5er der Doppelturbo-E-Klasse davon: Bis Tempo 100 erreicht ist, vergehen im 5er 8,7 Sekunden, maximal sind 220 km/h drin. Entscheidender als das Tempoprestige ...
... sind aber die höhere Laufkultur und das noch geschmeidigere Getriebe des Bayern, ...
... das mittels Wippen auch manuell geschaltet werden kann. Die Sportautomatik samt Sportlenkrad ist für 2490 Euro mit an Bord.
Der BMW fährt sich nicht nur agiler als die E-Klasse, er rollt auch weicher ab und schaltet flinker, ...
... insgesamt läuft er kultivierter und wirkt besser gegen störende Verbrennungsgeräusche isoliert, ...
... nicht nur für einen Oberklasse-Kombi ein klares Plus. Es sind darüber hinaus die kleinen Komfort-Nuancen, die für den BMW sprechen. Beispiel Navigation: Im 5er errechnet die Elektronik ...
... einen gesprochenen Routenwunsch in nur 42 Sekunden. Der riesige Farbmonitor zeigt dank Connected Drive Informationen aller Art – sogar Niederschlagsradar oder Bilder vom Zielort lassen sich aufrufen.
Der BMW-Laderaum ist kleiner als der seines Stuttgarter Konkurrenten: In fünfsitziger Konfiguration schluckt der 5er Touring 560 Liter, ...
... maximal passen 1670 Liter ins Heck, die Zuladung fällt mit 483 Kilogramm ebenfalls kleiner aus als bei Mercedes. Dafür ist die Ladekante höher – 62 statt 57 Zentimeter.
Vorsicht vor fallenden Rücksitzlehnen: Wie im Mercedes können die hinteren Lehnen auch im BMW per Fernentriegelung flachgelegt werden.
Praktisch: Beim Touring lässt sich die Heckscheibe serienmäßig separat öffnen. Das kann das T-Modell auch gegen Aufpreis nicht.
Preis-Leistungs-Sieger: Für einen BMW 520d Touring werden 46.840 Euro fällig. Im Preis enthalten sind die Sport-Automatik (2350 Euro), Dynamische Dämpfer Control (1300 Euro) und Sportlenkrad (140 Euro).
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Es sind nur Mini-Nuancen, wie bessere Geräuschdämmung, kultivierteres Schaltgefühl oder besserer Abrollkomfort, ...
... die dem 5er den runderen Auftritt bescheren. Das Auto wirkt technisch konzentrierter und fährt sich sportlicher. Kein Wunder, ...
... denn BMW betreibt mehr konstruktiven Aufwand im Detail. Zum Beispiel mit einer aufwendigen Aktivlenkung, die Mercedes nicht mit seiner simpleren Direktlenkung schlagen kann."
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