Der neue offene
BMW 6er (rechts) trifft im AUTO BILD-Vergleich auf die Konkurrenten
Jaguar XK (links) und
Mercedes SL – drei Edel-Cabrios zum Träumen. Aber wer erfüllt ihn am besten, den Traum vom Offenfahren auf Wolke sieben?
Platz drei mit 340 von 500 möglichen Punkten: Der
Jaguar XK verlangt durchaus Nehmerqualitäten, die Federung ist zu hart, das Handling vergleichsweise träge. Zwei Attraktionen begeistern allerdings: die aufregende Form ...
... und der temperamentvolle V8-Motor, der sich unter einem schmucklosen Plastikdeckel verbirgt. Das stärkste Aggregat im Test holt aus fünf Litern Hubraum 385 PS und 515 Nm Drehmoment. Super, wie er brozzelt, ballert, giert. Wie er den XK die Straße hinunterpfeffert, vehement, ohne Mühe. Ein Pulsbeschleuniger, ...
... da kann keiner der Kontrahenten mithalten, auch nicht bei den Fahrleistungen: In 4,9 Sekunden geht es im XK auf Tempo 100, erst bei 250 km/h ist Schluss. Allerdings fordert der Jaguar mit 11,7 Litern auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt einen hohen Tribut an der Tankstelle.
Gut abgestimmt: Niemand muss zusätzliche Gänge vermissen, so schön, wie der Sechsstufenautomat mit dem V8 harmoniert. Was dem XK aber auf jeden Fall fehlt, ...
... ist die arttypische Geschmeidigkeit. Stattdessen versetzt seine schlecht ansprechende Federung die Passagiere bisweilen in heftige Bewegungen, und es mangelt auch nicht an kurzen, trockenen Stößen. Die Hoffnung auf Entschädigung ...
... durch überlegenes Handling kann der XK nicht erfüllen: Bei heftigen Lenkmanövern neigt er zum Untersteuern, die rigide ESP-Regelung ...
... vereitelt die Gegenmaßnahmen des Fahrers (auch im Dynamikprogramm), und die Lenkung knausert mit der Rückmeldung.
Von außen betrachtet gibt der XK den Exoten, geduckt, muskulös, aufregend, eine Form zum Schwachwerden. Innen wirkt er dann nur noch halb so exotisch, mal abgesehen vom Versenk-Drehknopf für die Automatik.
Umständlich: die Bedienung per Touchscreen. Bei offenem Dach ist das Display kaum ablesbar.
Die Karosserie des XK, ganz aus Aluminium, umhüllt die Insassen fast bis ans Kinn. Die Übersichtlichkeit mit dem Sehschlitz als Heckscheibe erinnert an einen Gefangenentransporter. Der Kofferraum schluckt – je nach Dachstellung – zwischen 200 und 313 Liter.
Nichts für Sparer, das exklusive Stück: Jaguar berechnet das XK 5.0 V8 Cabriolet mit mindestens 99.100 Euro – teurer ist in diesem Vergleich keiner.
Platz zwei mit 331 von 500 Punkten: Auch im gesetzten Alter ist der
Mercedes SL noch rüstig. Komfortabel, überraschend handlich und dank drehfreudigem V6 nicht zu schlapp. Fahrdynamisch nicht auf BMW-Niveau, aber unterhaltsam. Und mit Blechdach.
Leistung muss der Mercedes-Fahrer im oberen Drehzahlbereich suchen, unten ist beim 3,5 Liter großen V6-Sauger (315 PS, 360 Nm) nicht viel zu holen. Aber es reicht, es macht auch Laune, ...
... und die Werte sind durchaus stammtischtauglich: Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gelingt in 6,1 Sekunden, maximal sind 250 km/h drin. Beim Verbrauch hält sich der SL mit 10,2 Litern auf 100 Kilometer deutlich mehr zurück als der XK.
Schade nur, dass die Siebenstufenautomatik, sich selbst überlassen, zu häufig das Falsche tut – zu spät, zu viel und manchmal auch zu wenig schaltet. Sonst stört beim Umgang mit dem SL aber kaum etwas, ...
... ein Wellness-Zweisitzer ist er, nicht so sportlich wie der offene 6er, auch nicht so steif, ohne dessen Elektronikgarnierung, aber gleichwohl vergnüglich. Die Leichtigkeit und Handlichkeit, mit der sich das Trumm dirigieren lässt, verdutzt, ...
... und seine Lenkung ermöglicht Richtungsänderungen in der beabsichtigten Sorgfalt. Angenehm auch die Federung: Sie garantiert andauerndes Wohlbefinden trotz aller Straffheit. Schöne Überraschung, dieser SL 350.
Seit dem Facelift von 2008 hat der SL sein Breitmaulgesicht, sonst ist er fast noch so wie anno 2001 bei seiner Vorstellung. Lange her, ...
... folglich sind Details wie das Comand-System schon verstaubt. Aber angenehm fürs Auge ist dieses SL-Ambiente immer noch, ...
... und heimelig ist er auch: die großzügigen Sitze, die praxisgerechte Bedienung mit reichlich Stauraum, die genialen Nackenwärmer in den Sitzlehnen (595 Euro).
Das Verdeck besteht aus Blech. Objektiv ist das ein Vorteil, wenn man mal vom kleinen Restkofferraum von 235 Litern absieht, wenn es geöffnet ist.
Der Billigste im Bunde: Ein Mercedes SL mit der Nummer 350 und 315 PS kostet 89.250 Euro, verfügt er wie hier über die Sportautomatik, sind es 89.548.
Der erste Platz geht mit 360 von 500 Punkten an den
BMW 6er. Er ist perfekt wie der
5er, nur eben offen und mit zwei Türen. Und etwas sportlicher. Toll die Verbindung von Fahrdynamik und Komfort. Der Sechszylinder im Bug ist keine Temperamentsbestie, ...
... aber mit 320 PS aus drei Litern Hubraum stark genug. Dank Turbo fallen 450 Nm Drehmoment bei nur 1300 Umdrehungen über den Antrieb her. Enorm. Und so fühlt er sich auch an: bulliger Antritt ersetzt feuriges Temperament, sehr bekömmlich, ...
... zumal die Achtstufenautomatik immer perfekt mitspielt. Nur das häufige Rauf- und Runterschalten auf der Autobahn sollte sie sich abgewöhnen.
Der Fahrspaß in Zahlen: Mit 5,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 landet der BMW zwischen XK und SL, wie seine Konkurrenten schafft er maximal 250 km/h. Erfreulich der Verbrauch: Als einziger im Test bleibt der offene 6er mit 9,7 Litern auf 100 Kilometer unter der Zehn-Liter-Grenze.
Auf den anspruchsvolleren Strecken offenbart der 6er die Bandbreite seines Könnens. Er ist kein Leichtfuß, keiner, den der Pilot aus dem Handgelenk steuert. Aber wer es ernst meint mit dem Schnellfahren, erlebt ein Kurventalent der Extraklasse: kein Wanken, straffe, direkte Lenkung, ...
... verzögerungsfreies Einlenken dank Hilfestellung per Hinterradlenkung, sehr hohe Stabilität in Wechselkurven. Und wer die Elektronik zurücknimmt (vierstufig), darf den Kurs gern mit dem Gasfuß manipulieren. Das Beste an diesem Chassis: Der Komfort kommt nicht zu kurz, denn zu allem Überfluss federt so ein 6er schonend, selbst im Sport-Modus.
Der BMW lässt keinen Zweifel daran, dass seine Passagiere fünf Sterne buchen. Man sinkt auf zigfach verstellbare Ledersessel, aufpreispflichtig zwar, aber vom Feinsten. Ihr Verstellbereich ist so groß, dass nur Zwei-Meter-Männer die Grenzen erreichen, ...
... aber eingemauert fühlen sich die Insassen trotzdem – von der hohen Bordwand, dem schwellenden Cockpit, und den mächtigen Fensterpfosten.
Klassisch: Das Dach über den BMW-Insassen ist aus Stoff. Im geschlossenen Zustand verkleinert es den Kofferraum von 350 auf 300 Liter.
Mindestens 83.300 Euro verlangt BMW für einen offenen 640i. Den Testwagen optimierten "Adaptive Drive" (aktive Wankabstützung, variable Stoßdämpfer) für 3970 Euro, "Integral-Aktivlenkung" (variable Lenkübersetzung, Hinterradlenkung) für 1950 Euro sowie 19-Zoll-Räder (2600 Euro). Macht 91.820 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Der 6er demonstriert solide Arbeit. Er ist optisch leichter verdaulich als sein Vorgänger und zeigt beim Fahren mehr Feinschliff. Wie der 5er eben, und genauso vorbildlich, ...
... aber irgendetwas fehlt mir – der Charakter vielleicht, die Emotionen, die ein solches Auto eigentlich wecken sollte. Erfreulich, wenngleich leicht verstaubt, der SL,...
... als 350 überraschend leichtfüßig und immer noch der Wohlfühlroadster. Zum Dahinschmelzen dagegen der XK. Wenn er nur etwas geschmeidiger wäre."
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