Die deutschen Business-Limousinen bleiben bei diesem Vergleichstest mal in der Garage: Sechs starke Automatik-Diesel aus vier verschiedenen Ländern treten gegeneinander an. Wie gut sind die Importeure?
Komfort zählt beim
Saab 9-5 nicht zu den herausragenden Stärken. Kleine Fahrbahnstöße gibt er auf den 2610 Euro teuren 19-Zöllern des Testwagens ...
... störrisch weiter in die hart gepolsterten, aber seitenführungsstarken Sitze. Gröbere Gemeinheiten der Straßenbauer verarbeitet er leicht taumelig mit unschönem Vorderachspoltern. Das Karosseriedesign ist zurückhaltend und elegant zugleich.
Hinter dem kühl eingerichteten, nicht sonderlich bedienfreundlich gestalteten Cockpit des großen
Saab 9-5 erinnert vieles an die
Saab-Wurzeln im Flugzeugbau. Die großen Runduhren mit Ladedruckanzeige (rechts oben) sind tyisch
Saab. Viele Komponenten stammen von Ex-GM-Konzernschwester
Opel.
Bei mehr als fünf Meter Länge ist im Saab 9-5 Platzmangel kein Thema. Auch ...
... hinten gibt es fürstlich viel Beinraum – fast so viel wie im
Skoda Superb. Nur der Einstieg durch die flachen Türen ist etwas mühsam.
Der Zwei-Liter-TiD-Motor – von
Saab-Haustuner Hirsch Performance von 160 auf 180 PS gepusht – und die Automatik harmonieren nicht gut. Eher enttäuschende Fahrleistungen sind das Ergebnis.
Man kann den
9-5 wegen seiner heimeligen Innenraum-Atmosphäre wirklich mögen und sieht ihm gern manche Schwächen nach. Doch objektiv ist er ein mit Mühe durchschnittliches, dabei nicht billiges Auto (Testwagenpreis: 42.019 Euro).
Platz 6 mit 317 Punkten.
Als einzige der getesteten Limousinen treibt der
Jaguar XF die Hinterräder an. Dadurch handelt er sich einen störend dicken Mitteltunnel im hinteren Fußraum ein.
Ein ZF-Automatikgetriebe lässt den nicht bis zur Unhörbarkeit weggedämmten und trotz Start-Stopp-Automatik nicht sehr sparsamen Motor (Testverbrauch: 7,2 Liter) bei konstantem Tempo mit wenig Drehzahl arbeiten oder unterstützt ihn sehr gut bei Sprinteinlagen.
Fahrer und Beifahrer erleben den sehr gut verarbeiteten, etwas kühl eingerichteten
Jaguar als eng geschnitten. Zwischen ihnen sitzt eine dicke Mittelkonsole – und die eher schmalen Polster sind nichts für Bud-Spencer-Figuren.
Kühle Cockpit-Atmosphäre – auf Wunsch mit reichlich Leder (Armaturenbrett-Oberseite und Türverkleidungen: 1500 Euro).
Der ausgeprägte Mitteltunnel ist dem Heckantrieb geschuldet. Doch hinten will man ohnehin nicht zu dritt sitzen: Das Dach ist so stark eingezogen, dass die Köpfe der Außensitzenden auf Kontakt zum weit herabreichenden Dach gehen – und Beinraum gibt es auch nicht reichlich. Die ...
... Qualitäten des
Jag, des teuersten Autos (Testwagenpreis: 46.420 Euro) dieser Runde, liegen anderswo. Zum Beispiel in der Kombination des 190 PS starken Biturbo-Vierzylinder von Peugeot mit einer Achtstufenautomatik von ZF. Die ...
... lässt den nicht sehr sparsamen Motor (7,2 Liter im Schnitt) bei konstantem Tempo mit wenig Drehzahl arbeiten oder unterstützt ihn sehr gut bei Sprinteinlagen. Zu denen anmimiert das handliche, etwas zu straffe Fahrwerk trotz der leichtgängigen Lenkung. Platz 5 mit 344 Punkten.
So mancher kennt das von All-Inclusive-Urlauben. Im Prospekt liest sich alles wunderbar, doch dann ist vor Ort doch vieles ganz anders als erhofft. So ähnlich könnte es Käufern eines
Renault Latitude gehen.
Denn der ist kein echter
Renault, sondern ein Samsung. Dort, in Korea, wurde er entwickelt und wird er gebaut.
Wohlfühlen kann man sich im
Latitude – den ehrgeizige Manager den
Renault-Händlern als mäßig verarbeitetes Kuckucksei ins Nest gelegt haben – daher nur bei sehr geringer Erwartungshaltung.
Die Ausstattung ist zwar wirklich grandios, reicht vom Navigationssystem bis hin zu elektrisch einstellbaren Ledersitzen mit Massagefunktion für den Fahrer, ...
... doch sonderlich gut verarbeitet ist der Korea-Franzose nicht. Die Bedienelemente des Cockpits stammen überwiegend aus großen Renault-Modellen. Und all der Luxus kann nicht übertünchen, dass an fast allen Ecken und Enden der Feinschliff fehlt. Das ...
... Fahrwerk nämlich stößt und stampft, der im Grunde angenehme Motor (173 PS) ist schlecht gedämmt und wirkt in Kombination mit der Automatik müde. Die Konkurrenz fährt dem angestrengt wirkenden
Latitude gnadenlos weg und verbraucht zum Teil auch noch weniger (Testverbrauch 7,1 Liter/100 km).
Man kann den 31.590 Euro teuren
Latitude nicht kaufen, sondern nur (sehr günstig) leasen. Verständlich, denn der Wertverlust wird gewaltig sein.
Platz 4 mit 348 Punkten.
Sein Fünfzylinder-Diesel adelt den
Volvo S80 D5 zum automobilen Kulturgut. Denn lange wird es dieses Triebwerk nicht mehr geben, Volvo bereitet den Wechsel zu aufgeladenen Vierzylindern vor.
Vorbei das weiche Grummeln von vorn, das nach einer langen Nacht mit vielen Zigaretten und viel Aquavit klingt. Und das schnell in ein bassiges Trommeln übergeht, wenn sich das Gaspedal tief in die hochflorige Auslegeware senkt.
Dann geht es auch mächtig voran mit 215 PS und 420 Newtonmetern, die die Vorderräder in engen Kurven schon mal scharren und pfeifen lassen. Doch so nehmen nur Unwissende den Volvo ran.
Weiche, große Sitze ohne viel Seitenhalt. Aber mit klappbarer Lehne rechts für Langholztransporte.
Der Innenraum ist hervorragend verarbeitet, das Lederlenkrad liegt angenehm in der Hand. In der Mittelkonsole drängeln sich viele kleine Knöpfchen.
Genügend Platz im Fond, gut gedämmte Fahrgeräusche und eine dank Dämpferverstellung (im Paket 1350 Euro extra) sehr kommode Federung: gute Reise, selbst Kurven machen Spaß.
Der gut abgestimmte und leise
Volvo ist also eine wahre Wohltat auf langen Strecken. Sein prächtiger Motor (215 PS) taugt dabei als Kaufargument für sich.
Das Navisystem ist noch immer nicht top? Geschenkt. Dieser
Volvo wirkt. Nicht sofort. Eher nachhaltig.
Platz 3 mit 352 Punkten.
Nach einer Reihe wenig überzeugender Mittelklasselimousinen hat
Peugeot mit dem
508 offenbar zu alter Stärke zurückgefunden.
Das wiegende Federn, mit dem ein
Peugeot früher gefiel, beherrscht der 508 zwar nicht – sondern rumpelt ein wenig hölzern und ...
... auf langen Wellen wegen der unterdämpften Hinterachse kräftig wippend über schlechte Landstraßen. Doch dafür ist er trotz der erst schwergängigen, dann spitzen Lenkung sehr fahrsicher.
Das Cockpit des
508 ist reich bestückt und wirkt hochwertig. Die vielen Tasten
im Lenkrad fordern allerdings etwas Gewöhnungszeit. Das Navigationssystem ist serienmäßig.
Etwas mehr Platz in der zweiten Reihe, wo Passagiere ohne viel Seitenhalt und nahe den Dachpfosten sitzen, wäre nett.
Der 204 PS starke Zwilling des Jaguar-Biturbos geht geschmeidig und kräftig ans Werk – und die früher für ihre suboptimalen Gangwechsel gescholtene Automatik lässt den sparsamen Vierzylinder (Testverbrauch 6,6 Liter) so oft wie möglich bei mittleren Drehzahlen performen, statt ihm niedrigere Gänge aufzunötigen.
Das ist motortechnische Souveränität, die Spaß macht. Und beim Blick in die Ausstattungsliste geht die Sonne auf: Bi-Xenon- Scheinwerfer, ein (etwas wirres) Navisystem, elektrisch einstellbare Sitze, Head-up-Display und vieles mehr sind Serie in der Ausstattungslinie GT. Platz 2 mit 355 Punkten.
Dem großen
Skoda Superb haben nicht nur wir schon viele lobende Worte gewidmet. Und auch in dieser Runde entpuppt er sich als das Auto, das unter dem großen Strich den besten Eindruck macht.
Das Fahrwerk ist eher straff als schmuseweich, aber harmonisch abgestimmt.
Weniger schön: Aktuelle Assistenzsysteme (Spurhalte- oder Totwinkelassistent) gibt es nicht.
Der Sitzkomfort stimmt – sowohl hinten als auch vorn hinter dem sauber verarbeiteten Armaturenbrett. Da ist der relativ schmal geratene Innenraum nur ein Schönheitsfehler.
Hier nimmt man gern Platz: Den
Superb versteht man auch ohne Betriebsanleitung, denn die Bedienung ist durchdacht und logisch. Guter Qualitätseindruck.
Dass er in der zweiten Reihe so viel Beinraum bietet wie sonst nur Staatskarossen mit extralangem Radstand, ist bekannt.
Der kräftige Diesel (Testverbrauch 6,8 Liter) läuft nicht flüsterleise, dreht aber feurig bis 4500 Umdrehungen, das Doppelkupplungsgetriebe harmoniert bestens mit ihm: blitzschnelle Gangwechsel, kaum Ruckeln, dazu Schaltwippen am Lenkrad für die wilden Momente im Leben des
Superb-Fahrers.
Nettes Detail im Alltag: Zum XXL-Kofferraum geht es nicht nur durch einen kleinen Ausschnitt, sondern wahlweise auch durch eine Heckklappe. Fazit: So sehen Sieger aus – Platz 1 mit 381 Punkten.
Gesamt-Fazit: Der Sieg des Skoda ist eindeutig, er gewinnt nicht nur die Testwertung klar, sondern reiht sich auch bei den Kosten knapp hinter dem günstigen Renault ein. Der Superb kann eben einfach vieles sehr gut und nichts richtig schlecht. Darin unterscheidet ...
... er sich vor allem vom Renault Latitude. Der rettet sich nur wegen seiner sehr günstigen Kostenbilanz auf den vierten Platz. Peugeot, Volvo und Jaguar bieten ein attraktives Kontrastprogramm für Individualisten, wobei der fahraktive XF unter seinem hohen Preis leidet.
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