Spannende Begegnung:
Audi A4 und
BMW 3er sind für die beiden bayerischen Premium-Autobauer die wichtigsten Modelle. AUTO BILD hat den jüngst modellgepflegten Ingolstädter und den komplett neuen Münchner zum ersten Schnuppervergleich gebeten.
Zwei für alle Fälle: Audi A4 und BMW 3er passen in viele Dienstwagen-Budgets, sie kosten mit ordentlicher Standardmotorisierung weniger als 40.000 Euro, und der missgünstige Reihenhausnachbar ruft weder das Finanzamt noch das BKA, wenn so ein Neuwagen in der Garageneinfahrt steht.
Standardmotorisierung heißt – wenn es Benziner sein sollen – bei den beiden erst kürzlich renovierten Premium-Limousinen jeweils Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzer, wobei es den Audi auch mit einem 120 oder 170 PS starken 1,8-Liter gibt.
Motor der Wahl beim Ringträger ist der 2.0 TFSI mit 211 PS und 350 Nm Drehmoment, der zum Zeitpunkt des Vergleichs nur mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe kombinierbar war. Hurtig geschaltet, ...
... ist der A4 in 6,9 Sekunden 100 km/h schnell, maximal sind 250 km/h drin. Laut Werksversprechen sollen dem A4 auf 100 Kilometer im Schnitt 6,8 Liter Kraftstoff reichen, ...
... der BMW soll sich auf der gleichen Distanz gar mit 6,3 Litern zufrieden geben. Aber nur Sparmeister werden im alltäglichen Verkehr ähnliche Verbrauchszahlen erzielen, ...
... denn es macht einfach zu viel Spaß, die Zweiliter-Turbos mit dem Gasfuß zu fordern. Im BMW, wo die Typenbezeichnung 328i nichts mit dem Hubraum zu tun hat, traben 245 PS und 350 Nm Drehmoment von der Kurbelwelle des Vierzylinders, ...
... der den Wagen in 6,1 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 250 km/h beschleunigt. Der BMW-Motor ist flinker, hängt etwas besser am Gas als die Audi-Maschine, ...
... leidet allerdings ein wenig unter der Start-Stopp-Automatik, die nicht in jeder Lebenslage mit der neuen Achtstufenautomatik harmoniert.
Im Audi sorgt ein anderes Detail für Verdruss: Mit elektrischer Parkbremse, jedoch ohne Berganfahrassistent wird das Anfahren und Rangieren in hügeligem Gelände zur Übungsstunde für gefühlvolles Gasgeben und Einkuppeln.
Womit wir bei den Innenräumen sind: Das A4-Interieur macht jetzt mit leicht geänderter Bedienlogik, locker eingestreuten Chromrähmchen und hübschem Holz auf
A6.
Kühl und luftig geriet der Innenraum des 3ers. Neu ist die deutlichere Fahrerorientierung des Cockpits, eine wiederentdeckte BMW-Tugend.
Die Bedienung der diversen Fahrerassistenzsysteme des A4 ist auf mehrere Ebenen verteilt, ...
... während beim 3er die Knöpfe für Totwinkel-Assistent, Abstandswarner und Spurhaltesystem sauber aufgereiht sind.
Das Raumangebot im Audi-Fond hat sich durch das Facelift nicht verändert, es ist eher knapp als üppig. Die Sitzbank: bequem.
Im neuen 3er gibt es etwas mehr Platz als im Vorgänger, die straffe Bank ist nicht ganz so gemütlich wie die des A4.
Ohne Umklappen passen 480 Liter in den Kofferraum des A4, die Variabilität kostet 290 Euro extra.
Der 3er fasst ebenfalls 480 Liter. Das optionale Umklappen der Rücksitzlehnen ist teurer als bei Audi: 400 Euro.
Doch wie fahren sie nun, die beiden Premium-Mittelklässler? Beginnen wir mit dem BMW, bei dem wir uns schon daran gewöhnt haben, dass sich seit Einführung der bedarfsgesteuerten Servopumpe ...
... ein Weichzeichner über das Lenkgefühl gelegt hat. Das ist beim Neuen nicht anders. Die hundertprozentige Exaktheit, die spontane Rückmeldung früherer Tage hat er nicht, ...
... er wirkt irgendwie verschwommen. Es ändert jedoch nichts daran, dass der 3er bei schneller Kurvenfahrt sehr aufmerksam einlenkt und sich feinfühlig dirigieren lässt.
Das gelingt dem A4 nicht so gut. Seiner ebenfalls neuen elektromechanischen Lenkung wurden so nachhaltig jegliche Antriebseinflüsse ausgetrieben, ...
... dass sie schon zu leichtgängig und mitteilungsarm ist. Beiden Autos gemeinsam ist, ...
... dass die Entwicklungsabteilungen – überspitzt gesagt – einen Teil der Abstimmungsarbeit an den Kunden outsourcen. Mittels Fahrerlebnisschalter (Serie bei BMW) ...
... und Audis Drive Select (200 Euro) können Gaspedalkennlinie, Lenkunterstützung und beim adaptiven Fahrwerk (jeweils 1100 Euro extra) ebenso die Dämpferabstimmung in mehreren Stufen verändert werden.
Das ist gar nicht nötig, denn bei beiden Limousinen ist die Normalabstimmung für die meisten Situationen ausreichend. Der BMW scheint auf kurze Unebenheiten etwas sanfter anzusprechen, ...
... der Audi etwas straffer und unnachgiebiger. Sehr steif und sauber verarbeitet wirken beide, auch wenn sie Vorserienautos mit einem größeren Handarbeitsanteil sind.
Was sie kosten? Der Audi A4 als Fronttriebler mit selbstschaltender Multitronic in der einfachsten Ausstattungsvariante Attraction 37.350 Euro, ...
... 39.660 Euro sind für den BMW 328i mit Automatik-Schaltbox mindestens zu entrichten – in dem Preisbereich sicher kein alles entscheidender Unterschied.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Heinrich Lingner: "Auch wenn der BMW 328i ein komplett neues Auto ist, kann er seinem bayerischen Konkurrenten beim ersten Treffen nicht die Lederhosen ausziehen. Getriebe und Motor sind allerdings erste Sahne, das agile Fahrwerk ist es ebenfalls. Und schöner als sein Vorgänger wirkt der neue 3er sowieso.
Völlig neu ist der Audi A4 nicht, vielmehr hat der 2008 präsentierte A4 ein umfangreiches Facelift erhalten. Die Feinarbeiten an Design, Innenraum und Technik haben ihn für die nächsten Jahre aufgefrischt. So bleibt der deutsche Dreikampf mit dem neuen 3er und der modellgepflegten C-Klasse spannend."
Zum Abschluss noch ein kleiner Ausflug in die Modellhistorie, angefangen mit Audi. 1972: Mit dem superleichten Audi 80 beginnt in Ingolstadt und Wolfsburg eine neue Zeitrechnung, Motoren von 55 bis 110 PS.
1978: Der B2 genannte Nachfolger kommt und bildet die Basis für den allradgetriebenen Urquattro, einen Audi-Meilenstein.
1986: Der B3 setzt mit cW 0,29 einen Rekord. Er ist voll verzinkt und eines der solidesten Autos überhaupt.
1994: Der 80 heißt ab jetzt A4, der TDI schafft den Durchbruch. Es gibt sogar einen Dieselhybrid namens Duo.
2000: Der B6 ist unauffällig, aber gut – und verkauft sich prächtig. Es gibt ihn wieder als Cabrio, das Facelift von 2004 läuft als B7.
2008: Der B8 basiert, wie auch sein Coupé-Ableger A5, auf dem neuen Modularen Längsbaukasten. Bis 2012 im Programm.
Die Geschichte des BMW 3er. 1975: Der BMW E21 kommt als zweitürige Limousine. Vom 315-Sparmodell mit 75 PS bis zum Topmodell 323i mit 143 PS.
1982: Mit dem E30 wird der 3er zur Modellfamilie, es gibt ihn als Kombi, Cabrio und mit Dieselmotor. Für viele der schönste 3er.
1986: Der M3 wird zum Erfolg. Das Rezept: kleine Karosserie mit Flügel, Renn-Vierzylinder mit 200 PS und straffes Fahrwerk.
1990: Der E36 setzt den Erfolg des Vorgängers nahtlos fort. Und es gibt weitere Ableger: Compact und Z3 sind ebenfalls 3er.
1998: Der E46 bleibt neun Jahre im Programm, die Motorenpalette wird weiter gefächert mit bis zu 360 PS.
2007: Am Bangle-Design des E90 scheiden sich die Geister. Ein Erfolgsmodell ist er dennoch. Als M3 mit 420-PS-V8.
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