Wer ist der König der Kompakten? Der neue
BMW 1er (links) hat sich den Hängebauch wegtrainiert, wirkt auch technisch fitter. So gerüstet tritt er an zum ersten Vergleich gegen
Audi A3 Sportback,
VW Golf und
Alfa Giulietta.
Ordentlich was unter der Haube: Die vier Testkandidaten werden von den jeweils stärksten Dieseltriebwerken ihrer Baureihe befeuert. Das Leistungsspektrum reicht von 170 bis 184 PS.
Auf dem geteilten dritten Platz landet mit dreieinhalb von fünf Sternen der
Audi A3 Sportback. Obwohl er kurz vor seiner Pensionierung steht, hält der Ingolstädter ordentlich mit. Die Einbußen im Kostenkapitel sind letztlich aber zu groß, ...
... als dass sie der gute Komfort und der geräumige Innenraum wettmachen könnten. Auch der Verbrauch ist inzwischen zu hoch.
Der 2.0 TD (170 PS, 350 Nm) ist sicherlich einer der besten Diesel, den man in der Kompaktklasse haben kann. Doch obwohl er ...
... vorbildlich start-stoppt (per Tastendruck abschaltbar), sensibel anspricht, ansatzlos auf die Drehzahlleiter hechtet und kraftvoll von Sprosse zu Sprosse klimmt, ...
... ist ihm der neue Zweiliter des BMW längsdynamisch stets einen Tick voraus. Im Audi geht es in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 224 km/h. Der Verbrauch nach ECE-Norm liegt bei 5,7 Litern auf 100 Kilometer.
Einigermaßen mit dem BMW mithalten kann der betagte A3 Sportback beim Komfort. Der Audi gibt sich alle Mühe, Asphaltfalten einigermaßen aus der Wahrnehmung zu bügeln. Die Lenkung agiert jederzeit unaufgeregt.
Dass ihm zu seinem bayerischen Dauerrivalen dennoch dieses Quäntchen fehlt, wird er verschmerzen können, zumal sich die Karrieren der beiden nur um wenige Wochen überschneiden.
Zum alten Eisen abstempeln lässt sich der A3 dennoch nicht: Qualitäts- und Materialanmutung setzen noch immer Maßstäbe, ...
... die Raumausnutzung der verlängerten Sportback-Karosserie ist, abgesehen von den seltsam hoch montierten Sitzen, tadellos.
Perfekt: die Bedienung im Lenkrad mit Tasten und Walzen.
Mit 370 Litern bietet der A3 Sportback das größte Minimalvolumen. Mit 1100 Litern Maximalvolumen bleibt dem Audi aber nur Platz drei.
Für einen A3 Sportback 2.0 TDI Ambition mit DSG verlangt Audi 31.700 Euro. Nur der BMW ist in diesem Vergleich noch teurer.
Platz drei, die Zweite: Mit dreieinhalb von fünf Sternen fährt auch der Alfa auf den dritten Rang. Das hinreißende Design, das hübsch dekorierte Cockpit und das faire Preisniveau täuschen ein wenig darüber hinweg, ...
... dass die
Giulietta in allen harten Kapiteln merkbar hinterherfährt. Ein schlechtes Auto ist sie nicht, Fahrwerk und Motorabstimmung wirken aber inhomogen. Bei ihr liegt die Krux in solchen Kleinigkeiten ...
... wie dem an sich guten Sechsganggetriebe, das aber etwas definierter hätte geraten dürfen, ...
... dem umständlichen Navi mit seiner muffigen Ansagerin, ...
... dem etwas eingelaufen wirkenden Fond, ...
... dem mit 350 bis 1045 Litern kleinsten Gepäckabteil im Vergleich ...
... oder der ausgeprägten Anfahrschwäche (0–100 km/h: 8,0 s) – alles Macken, die der im Grunde bullige Zweiliter (170 PS, 350 Nm), der, auch dank Start-Stopp, vorbildliche Verbrauch (4,7 l/100 km) ...
... und die sehenswerte Inneneinrichtung nicht vollends ausmerzen können. Doch was sagen Alfisti darauf gern? Das seien keine Schwächen, das sei Charakter? Ärgerlich nur, ...
... dass man eben jenen Charakter mit dem Adaptivsystem DNA etwas verwürzt. Im Normalmodus scheint es den Vierzylinder einzuschläfern, lässt ihn lustlos am Gas baumeln und ...
... verlagert den Ansprechbereich des Gaspedals so weit nach unten, dass der Eindruck entsteht, die Giulietta wolle sich vor Befehlen drücken. Klickt der Regler jedoch Richtung Dynamik, ...
... will sie auf einmal die Bestie sein, zu der sie der Diesel trotz Overboostfunktion niemals machen wird. Urplötzlich wirkt sie aggressiv, schnappt hinterlistig nach der Fußsohle und portioniert Gasbefehle derart unmäßig, ...
... dass man sich beim Einkuppeln gern an die allererste Fahrstunde erinnert fühlt, als man mit Anfahrdrehzahl dreitausend in seine Autofahrerkarriere startete.
Nicht ganz sauber abgestimmt: Das Fahrwerk der Giulietta poltert recht unbeholfen über Kanten.
Ganz klarer Gewinner in Sachen Preis: Die Alfa Giulietta 2.0 JTDM Turismo bleibt mit 27.100 Euro als einziges Auto in diesem Vergleich unterhalb der 30.000-Euro-Grenze.
Der zweite Platz geht mit vier von fünf Sternen an den
VW: Als GTD entfacht der
Golf die Emotionen, die seinen Standardkollegen oftmals fehlen, ...
... insgesamt kostet ihn das statische Sportfahrwerk (Adaptivdämpfer optional) aber den Sieg. Bei der Raumausnutzung bleibt er mit seiner boxartigen Form das Maß der Dinge.
In der Regel muss der Golf als Gegenpol zur sinnlichen Giulietta herhalten. Doch nicht so hier und heute, nicht als GTD. Seine karierten Sitze, ...
... die freche Optik und die dynamische Auslegung machen ihn zum unmittelbarsten Verwandten des
GTI, ...
... seine hervorragende Ergonomie, die spürbare Solidität und ...
... der ausgewachsene Innenraum indes wohl auf ewig zum Primus der Zulassungsstatistik. Nicht nur in Reihe zwei ist Platz, ...
... auch im Gepäckabteil bietet der VW mit 1305 Litern Volumen am meisten. Minimal liegt der Golf-Kofferraum bei 350 Litern auf dem Niveau der Giulietta.
Wie im A3 wirkt die Kombination aus TDI und DSG auch beim Golf quietschfidel. Einziger nennenswerter Unterschied dabei, ...
... dass VW den GTD (170 PS, 350 Nm) von den effizienzsteigernden Maßnahmen des hauseigenen BlueMotion-Programms ausgrenzt. Soll heißen: Statt wie alle anderen schon beim Ausrollen den Motor stillzulegen, ...
... dieselt er an Ampeln munter weiter. Das große Drama ist das angesichts eines Verbrauchs von 5,4 Litern auf 100 Kilometer (ECE) in der Praxis zwar nicht, ...
... allerdings summiert es sich gemeinsam mit dem hölzernen Abrollkomfort des Standardfahrwerks zu einem Rückstand auf den BMW, den selbst die klassischen Golf-Tugenden nicht mehr aufholen können. Zudem sprintet der GTD mit 8,1 Sekunden bis Tempo 100 am langsamsten.
Gewohnt hochpreisig: Für einen Golf GTD mit DSG verlangt VW 31.440 Euro – und bleibt damit nur knapp unter dem A3 Sportback.
Platz eins mit vier von fünf Sternen: Seine gewohnt gute Fahrdynamik und sein ungewohnt wattiger Komfort bescheren dem neuen
BMW 1er einen Einstand nach Maß, ...
... die beeindruckende Verbrauchsbilanz fängt das hohe Preisniveau etwas ab. Ein richtig teures Vergnügen bleibt er jedoch nach wie vor. Unter dem hippen Dress der neuen Urban-Line, die gemeinsam mit ihrem Sport-Pendant fortan 1900 Euro über der Basisversion rangiert, ...
... hat BMW sein Einstiegsmodell ordentlich renoviert. Die laschen Saugmotoren weichen aufgeweckten Turbos, optional lassen sich diverse Assistenzsysteme zubuchen, ...
... die Rückbank klappt dreigeteilt (sie erweitert den Kofferraum bei Bedarf von 360 auf 1200 Liter), ...
... und den vormals hautengen Fond säumen eine tief montierte Rückbank sowie der um drei Zentimeter gewachsene Radstand etwas auf.
Zugelegt hat der 1er aber vor allem beim Fahrkomfort. Im Gegensatz zur ersten Generation, die einem jede noch so winzige Bodenwelle gegens Steißbein drosch, streicht selbst das statische Standardfahrwerk Verwerfungen nun sauber glatt.
TwinPower nennt BMW seine neue Turbotechnologie, was allerdings nur nach Doppelturbo klingt. Gegenüber dem Vorgänger stieg die Leistung des 120d dennoch um sieben auf 184 PS, die 380 Newtonmeter ...
... wölben sich als 1000 Touren breites Maximalplateau über die Drehzahlmitte, und dank der feingeschliffenen Efficient-Dynamics-Komponenten soll sich der Schnittkonsum nun auf beachtliche 4,5 Liter pro 100 Kilometer drücken lassen.
Bemerkenswert am BMW-Organ ist aber vor allem die Kraftentfaltung. Kein übermotiviertes Lospumpen, das die Traktionselektronik zügeln müsste, kein schwerfälliges Anfahren, ...
... kein Einknicken obenraus, sondern sauber dosierter Dieselschub, der dauerhaft, aber nicht unangenehm voranstrebt. So geht es in 7,3 Sekunden auf Tempo 100, erst bei 228 km/h endet der Vortrieb. Vollenden lässt sich die feine Charakteristik ...
... mit der Achtstufenautomatik (ab 2150 Euro). Sie schmiegt sich mit flinken Reaktionen und glatten Übergängen wunderbar ins dynamisch-komfortable Gesamtbild.
Hübsch gemacht: Die weißen Akzente der Urban-Line setzen sich im sichtlich aufgewerteten Cockpit fort.
Start-Stopp und Rekuperation sind Serie, genauso wie ein spezielles Fahrprogramm, das dabei hilft, das Spritsparpotenzial auch auszuschöpfen. Genial: Das Eco-Pro-Programm rechnet die Einsparungen in Bonuskilometer (blaue Ziffern) um.
Anschaulich: Optional wird der momentane Verkehrsfluss in Form roter (Stau) und grüner (keine Behinderung) Linien in die Navi-Karte projiziert. Der Pferdefuß an der Sache ...
... ist wie so oft nur der Preis. Der 1er war premium und ist es nach wie vor. Mit einem Grundpreis von 29.250 Euro liegt er als 20d glatt 450 Euro über seinem Vorgänger, ...
... womit sich die neuerdings serienmäßig installierte Klimaanlage schon wieder zur Hälfte relativiert. Packt man sich Verlockungen wie die Urban-Line ...
... oder die Sportversion des Automatikgetriebes noch oben drauf, landet man ratzfatz tief in den Dreißigtausendern – im Falle des Testwagens bei exakt 33.300 Euro.
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