Ist
Mercedes in der sportlichen Mittelklasse jetzt ganz oben? Das neue
C 63 AMG Coupé könnte es schaffen, den Erzrivalen
BMW M3 endlich zu überflügeln. AUTO BILD hat die beiden Konkurrenten zum Vergleich gebeten.
Aus dieser Perspektive dürfte die beiden so ziemlich jeder Autofahrer kennen. Wenn die Topmodelle von
C-Klasse und
3er ihre insgesamt 877 PS entfesseln, dann geht es im Raketentempo nach vorne. Welcher bietet am Ende das bessere Gesamtpaket?
Platz zwei geht mit 325 von 500 möglichen Punkten an den Sternträger, bei dem es der Hubraum macht: Die Wucht seines Triebwerks ist atemberaubend, ...
... und so klingt es auch. Was dem
C 63 AMG fehlt, um es nach ganz oben zu schaffen, ist die Finesse des M3 in Sachen Fahrdynamik. Dafür ist er vergleichsweise preisgünstig.
Von wegen Downsizing: Unter der Mercedes-Haube gibt es noch keinen Turbo, sondern einen Fullsize-V8 – mit 457 PS und 600 Nm Drehmoment aus 6,2 Litern Hubraum wuchernd und ...
... hoch drehend: 5000 Umdrehungen sind ihm gerade recht, 7200 Touren kann er, ...
... dabei atmet er tief durch. Saftig satter Bass dringt aus vier Brülleisen, die in dieser Klasse zum Standard-Programm gehören.
Im Benz sortiert die bekannte AMG-Automatik die sieben Stufen – nicht übel, ...
... aber teils störrisch und beim Runterschalten nicht immer termingerecht.
Die Fahrleistungen in Zahlen: In 4,6 Sekunden erreicht der C 63 AMG Tempo 100, schießt bereits nach 15,1 Sekunden über die 200 km/h-Marke ...
... und ist gut für maximal 250 Sachen. Wer die Tachonadel bis auf 280 klettern sehen will, muss dafür 3213 Euro extra an Mercedes überweisen – und bekommt zur angehobenen Höchstgeschwindigkeit auch noch ein Fahrsicherheitstraining.
In Kurven leistet sich der Mercedes mehr Eigenleben. Er arbeitet intensiver in den Federn, ...
... lenkt nicht so präzise wie sein Münchner Konkurrent. Obendrein trägt er vorn 120 Kilo mehr, schiebt stärker über die Vorderräder, ...
... um dann, wenn der Hammer fällt, weit das Heck herauszuhängen – kein Problem, weil gut beherrschbar.
Standard beim C 63 AMG: 18-Zoll-Räder mit Mischbereifung (235/40 vorn, 255/35 hinten).
Der Arbeitsplatz im C 63 AMG: Hier findet der Fahrer ein aufgewertetes C-Klasse-Cockpit, Siebenstufenautomatik mit manueller Schaltoption über Wippen am Lenkrad und ...
... bequeme Sportsitze.
Durchaus alltagstauglich: Wer will (oder muss), kann im C 63 AMG Coupé 450 Liter Gepäck verstauen.
Wenn es nach Punkten auch nicht für den obersten Platz auf dem Podest reicht, Preis-Leistungs-Sieger wird der Stuttgarter doch: Für ein C 63 AMG Coupé verlangt Mercedes 72.590 Euro – das ist viel, aber immer noch billiger als ein M3.
Der Altmeister unter den kompakten Sportcoupés bleibt auch in diesem Vergleich die Nummer eins, setzt sich am Ende mit 340 von 500 Punkten gegen den Mercedes durch. Für den
BMW M3 sprechen ...
... sein toller Jubel-V8, die ausgefeilte Fahrdynamik, und der irre Sound. In der Testversion ist er aber leider auch irre teuer.
Das Herzstück des M3: Der vier Liter große V8 versorgt den Münchner Modellathleten mit 420 PS und 400 Nm. Seinen Drehmomentnachteil gegenüber dem C 63 AMG ...
... macht er mit einer kürzeren Übersetzung wett. Mehr noch: Er hat das fabelhafte M-Doppelkupplungs-Getriebe, ...
... das die Gänge reinschießt wie Gewehrsalven, einstellbar und auch im Automatikmodus perfekt.
Der BMW-V8 fühlt sich obenherum wohler, dreht locker bis 8300 Touren, legt noch spontaner los als das Mercedes-Aggregat und ...
... beherrscht die ganze Bandbreite eines sportlichen Soundtracks: Mal trällert er Arien, mal schmettert er im hellen Tenor, mal stimmt der Motor sonor einen Bariton an.
Beim Sprint auf Tempo 100 ist der M3 mit 4,5 Sekunden marginal schneller als der C 63 AMG, er erreicht 200 km/h dafür erst nach 15,5 Sekunden. Wie beim Mercedes ...
... greift auch beim BMW bei 250 Sachen die Elektronik in den Vortrieb ein. Es geht natürlich auch hier schneller: 280 km/h Spitze kosten bei den Bayern 2450 Euro – Fahrsicherheitstraining inklusive.
Jeder M3-Eigner sollte sich so einen Spielplatz abseits öffentlicher Straßen suchen, denn sonst ist dieser Freudenspender ja nur die Hälfte wert. Stets aufs Neue ist es ein Genuss, ...
... wie er singt und tanzt, wie sich seine Schnauze am Kurveneingang festsaugt, wie er sich gegen das äußere Vorderrad lehnt und akkurat reinzirkelt.
Zugegeben, dieses M3-Exemplar verfügt über das "Competition-Paket" mit 19-Zoll-Rädern ...
... sowie mannigfaltigen Einstellmöglichkeiten (Lenkung, Stoßdämpfer, Motorsteuerung, ESP) – das macht ihn erst richtig gut (aber auch richtig teuer).
Hart abgestimmt: Auf Autobahnen und Landstraßen fehlt es beiden Kandidaten nicht an trockenen Stößen. Überraschend aber: Der BMW erkauft seine überlegene Sportlichkeit keineswegs mit Komfortnachteilen, ...
... mal abgesehen von der Geräuschentwicklung, die auf Dauer gewaltig an den Nerven der Passagiere sägt. Das M3-Ambiente entspricht weitestgehend dem der zahmen 3er, ...
... die Sitzposition ist ein wenig zu hoch geraten.
Auch hier kann man einpacken, mit 430 Litern Fassungsvermögen fällt der M3-Kofferraum aber etwas kleiner als der seines Konkurrenten aus.
Sonderangebot ist irgendwie anders: Für den BMW M3 werden 80.310 Euro fällig. Im Preis eingerechnet sind das M-DKG (3900 Euro), das Competition-Paket (4300 Euro) sowie M-Drive (520 Euro).
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Wolfgang König: "So viel ist klar: Ich werde sie vermissen, diese Sauger, die Meister der hohen Drehzahlen, die reinrassigen Sportmotoren. Turbos mögen dem Zeitgeist entsprechen, ja, stark sind sie auch, ...
... aber sie leiden nun mal unter Charakterschwäche. Schon deshalb begrüße ich das neue C 63 Coupé, den Kompakthammer von AMG, auch wenn er nicht ganz den sportlichen und motortechnischen Reiz des M3 bietet. Der ist (und bleibt) eben ein ganz besonderer."
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