In ihrer dritten Generation soll der
Mercedes ML (links) endlich ganz nach vorne fahren, aber die Gegner sind stark. Im AUTO BILD-Vergleich geht es gegen
VW Touareg (Mitte) und
BMW X5 (rechts). Welches große Diesel-SUV überzeugt am Ende am meisten?
Auf den dritten Platz fährt mit 373 von 500 möglichen Punkten der
VW Touareg V6 TDI: Seine Stärken sind der (relativ) geringe Verbrauch, der (relativ) günstige Preis ...
.. und diese eindrucksvolle Qualität. Ansonsten fehlt es dem vergleichsweise schwerfälligen VW aber an Höhepunkten.
Unter der Haube des Wolfsburger SUV arbeitet ein Sechszylinder-Diesel, der aus seinen drei Litern Hubraum 245 PS und 550 Nm Drehmoment schöpft. Die Maschine ...
... beschleunigt den Touareg in 7,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 220 km/h. Damit ist der VW marginal langsamer als die Konkurrenz, aber er gehört noch zu den SUVs, ...
... die ihre Tonnage nicht verheimlichen können. Beim Kurswechsel spürt der Fahrer die Massenträgheit, während das Schiff die Schlagseiten wechselt. Das Steuer reagiert vergleichsweise träge, ...
... und auf schlechten Fahrbahnen geht es auf den Sitzen turbulent zu wie in stürmischer See.
Auch auf der Autobahn bleibt der VW nicht immer gelassen: Seine Federung reagiert auf kurze Stöße unwirsch, ...
... raue Beläge sorgen für laute Abrollgeräusche.
Übersichtlich und nüchtern, aber auch hochwertig und äußerst solide: Das Touareg-Cockpit strahlt die Solidität eines Panzerkreuzers aus. Leicht verstaubt wirkt er in Gesellschaft seiner beiden Konkurrenten, ...
... daran ändert auch die – abschaltbare –Start-Stopp-Automatik nichts (im BMW nicht erhältlich). Immerhin verhilft sie dem Touareg zu einem kleinen Verbrauchsvorteil: Mit 8,2 Litern auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt genehmigte er sich am wenigsten.
Die Sitzposition in Reihe zwei ist tiefer als in BMW und Mercedes, die Sitzfläche kürzer, wodurch die Auflage für Langbeinige ungenügend ist. Die Füße der Fondpassagiere passen zudem nicht unter den (heruntergefahrenen) Vordersitz. Auch hinter den verstellbaren Rückenlehnen ...
... ist der Touareg nicht gerade üppig: Minimal 580 ...
... bis maximal 1642 Liter schluckt das Gepäckabteil des VW.
Gut: Per Knopfdruck lässt sich das Heck und damit die Ladekante absenken (Option).
Preis-Leistungs-Sieger: Der VW Touareg V6 TDI BlueMotion kommt mit 56.805 Euro deutlich günstiger als seine Kontrahenten, wirkt aber eher teurer. Im Preis eingerechnet sind die Luftfederung für 2640 und die 19-Zoll-Bereifung für 1815 Euro.
Platz zwei mit 378 von 500 Punkten geht nach München: Wenn es um die Abstimmung von Fahrwerken geht, liegt BMW vorn. Das beweist auch der
X5, ...
... er macht dem Fahrer Laune und verwöhnt zugleich mit Komfort. Bessere Bremsen, und er wäre Erster.
Für die Freude am Fahren – gemeint ist die forcierte Gangart – bleibt indes immer noch BMW zuständig, das beweist der X5 nachdrücklich. Sein drei Liter großer Reihensechszylinder (245 PS, 540 Nm) knurrt, röhrt ...
... und legt dabei los wie ein von der Leine gelassener Rottweiler. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt in 7,4 Sekunden, maximal sind 222 km/h drin. Beim Verbrauch liegt der X5 mit 8,7 Litern auf 100 Kilometern allerdings hinten.
In Kurven scheint der BMW eine Tonne leichter zu sein als seine Konkurrenten, so agil wetzt er hindurch. Leichtgängige, präzise Lenkung, ...
... subtile Elektronik, die beste Automatik im Vergleich, da stimmt alles.
Im Gegensatz zu Mercedes und VW begnügt sich der BMW mit Stahlfedern (die hinteren Luftbälge dienen der Niveauregulierung), unser Testwagen verfügt aber zusätzlich über "adaptive Drive" (adaptive Stoßdämpfer, Wankausgleich).
BMW kann inzwischen auch Federung. Unsere stark gefurchte Komfortstrecke steckt keiner so gelassen weg wie der X5. Sehr beeindruckend.
An seinem Arbeitsplatz fühlt sich der X5-Fahrer fast wie in einer normalen Limousine. Willkommen: die gute Übersicht nach vorn.
Komfortabel gepolsterte, großflächige Sitze mit guter Beinauflage, ausreichend Knieraum in Reihe zwei. Überraschung: In Verbindung mit der schluckfreudigen Federung bietet der BMW den besten Rücksitzkomfort in diesem Trio.
Hier passt mehr rein, als es beim flüchtigen Blick den Anschein hat: Das Gepäckabteil hat minimal 620 Liter Ladevolumen, ...
... maximal schluckt der BMW 1750 Liter.
X5-Typisch: die geteilte Heckklappe.
Schon deutlich teurer als der VW: BMW verlangt für den X5 xDrive 30d 60.920 Euro – inklusive Niveauregulierung für 790 Euro, 19-Zoll-Bereifung für 1210 Euro, Adaptive Drive für 3290 Euro und Aktivlenkung für 1130 Euro.
Der erste Platz geht mit 380 von 500 Punkten nach Stuttgart: Der
Mercedes ML ist geräumig, er ist stark, leise und sicher. Er ist handlich für ein SUV, meist auch komfortabel, ...
... und er schmutzt dank Harnstoffeinspritzung und Euro 6 kaum. Da kann dem Sternträger sogar der gesalzene Preis den Punktesieg nicht nehmen.
Schon die Papierform macht klar: Der neue Benz übertrifft seine Widersacher in der Leistung, vor allem aber im Preis. Nackt kostet der ML 350 CDI Bluetec bereits knapp 59.000 Euro, 6500 mehr als der (keineswegs lumpige) Touareg. Mit den wichtigsten Extras des Testautos (Luftfederung, Wankstabilisierung, 19-Zoll-Räder) ...
... kommen 65.396 Euro zusammen. Dafür erhält der Kunde freilich einen Wagen, der optisch hohen Respekt gebietet. Da sichert das größere Maul die Position im oberen Bereich der Machoskala.
Auch innen leuchtet ein, warum ein ML so viel Geld kostet: Es sieht richtig nobel aus. Die Stilisten haben sich diesmal Mühe gegeben. Der Trend geht in diesem SUV-Segment sichtlich in Richtung Luxusklasse.
Sachlich gesehen überzeugt im ML besonders das Platzangebot. Die Passagiere sitzen sehr entspannt in luftiger Höhe auf bequemen Polstern.
Auch hinten mangelt es nicht an Platz auf den relativ weich gepolsterten Sitzen mit neigungsverstellbarer Rückenlehne. SUV-Vorteil: Der Ein- und Ausstieg ist hier besonders bequem – da gleicht der ML seinen Konkurrenten.
Sein Trumpf ist die Größe des Laderaums: Wenn anspruchsvolle Transportaufgaben anstehen, dann sollte es der Mercedes sein. Minimal schluckt der ML 690 Liter, ...
... liegt alles flach, passen maximal 2010 Liter hinter die Heckklappe. Auch bei der Zuladung von 630 Kilogramm liegt der Mercedes vorn. Noch ein Vorteil: die ebene Ladefläche.
Die Kür des ML ist das Reisen, und zwar das entspannte. Das drei Liter große V6-Triebwerk (258 PS, 620 Nm) stemmt das schwere Gefährt (leer 2,3 Tonnen, voll beladen 2,95) ...
... ohne große Mühe und akustisch dezent in 7,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und auf bis zu 224 km/h (Verbauch: 8,6 l/100 km). Wind- und Reifengeräusche bleiben dezent im Hintergrund, ...
... und die Luftfederung bügelt die Unebenheiten der Autobahnen und Fernstraßen sauber weg. Sehr angenehm, dieser Komfort.
Gleichwohl zeigen sich auf schlechten Fahrbahnen die Grenzen des Fortschritts: Nun kommt der Mercedes plötzlich nicht mehr zur Ruhe, verteilt auch mal heftige Stöße. Ein Trost: Die neue, leider extrem teure (3689 Euro) Wankstabilisierung ...
... lindert das Übel (sie hält die Karosserie im Lot) und nutzt obendrein dem Handling. Wechselkurven nimmt der neue ML viel leichtfüßiger und kursstabiler als der Vorgänger. Nur das grob zupackende ESP stört bisweilen.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Hauchdünn, der ML-Vorsprung. Tatsächlich sind der Mercedes und der BMW praktisch gleichwertig, ...
... nur besitzt eben jeder seinen eigenen Charakter: der BMW wieder einmal das Auto für den flotten Fahrer, der Mercedes eher die Wahl für entspanntes Reisen. Wobei er fahrdynamisch gegenüber dem Vorgänger erheblich gewonnen hat.
Der preisgünstigere VW indes kann in diesem Trio nicht glänzen. Er ist weder dynamisch noch besonders komfortabel oder ungewöhnlich geräumig."
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.