Heute noch auf der AUTO BILD-Teststrecke, morgen schon auf der Kö, dem Jungfernstieg und in Schwabing – aber wohl nie im Gelände.
Audi Q3,
Range Rover Evoque und
BMW X1 (von links) sind für den Boulevard gemacht. Mit welchem von den dreien ist man am besten unterwegs?
Der dritte Platz geht mit 328 von 500 Punkten an den
Evoque. In der Eigenschaftswertung liegt der Range mit gutem Komfort, viel Platz und toller Verarbeitung ...
... nur ein paar Punkte hinter den anderen. Nur Fahrdynamik und der viel höhere Preis werfen ihn zurück.
Mehr Aufmerksamkeit als er, erregte in diesem Vergleich keiner: Der Range Rover Evoque ist ein Typ, nach dem man sich umdreht. Zwar geht es hier nicht um äußerliche Vorzüge, ...
... sondern um innere Qualitäten, doch der Evoque kann auch da auftrumpfen. Im Interieur hat sich der edle Stil der High Society ...
... in die Kompaktklasse herunterbemüht. Nicht alles lässt sich ungeübt bedienen, aber Verarbeitung und Materialien übertreffen Q3 und X1. Außerdem gibt es hier den meisten Platz, das beste Raumgefühl ...
... und mit 1445 Litern das größte Maximalvolumen hinter der Heckklappe. Die Ladefläche steigt bei umgeklappten Sitzlehnen an.
In Sachen Minimalvolumen liegt der Range mit 420 Litern auf dem Niveau des BMW, ist aber 40 Liter kleiner als der Audi.
Die Massivbauweise des Range – er wiegt 230 Kilogramm mehr als der Q3 – kostet ihn trotz mehr Leistung etwas Temperament und erhöht den Verbrauch (7,1 l/100 km). Doch die grummelige, durchzugswuchtige 2,2-Liter-Maschine (190 PS, 420 Nm) ...
... treibt ihn in Kooperation mit der souveränen Sechsstufenautomatik gelassen an, ...
... bei den Fahrleistungen liegt er mit 8,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 195 km/h Spitze leicht hinter seinen beiden Konkurrenten. Das passt zum entspannteren Handling, ...
... es ist so agil wie möglich, ohne die gediegenen Grundwerte eines Range Rover infrage zu stellen. Lange Federwege, das Terrain-Response-System, ...
... hohe Bodenfreiheit und knappe Überhänge bescheren ihm als Einzigem echte Offroadkompetenz.
Unglücklich: Der Range verdirbt seinen an sich guten Federungskomfort mit aufpreispflichtigen 20-Zoll-Rädern. Sie ruinieren den Abrollkomfort, ohne der Fahrdynamik zu nutzen.
Teuer: Für einen Range Rover Evoque SD4 in der Ausstattungslinie Prestige werden 49.360 Euro fällig. Im Preis eingerechnet sind die 20-Zoll-Bereifung (330 Euro) und das Automatik-Getriebe (2330 Euro).
Knapp geschlagen: Auf den zweiten Platz fährt mit 355 von 500 Punkten der
Audi Q3. Der sparsame und energisch motorisierte Ringträger verliert den Sieg wegen Schwächen in der Bedienung ...
... und dem etwas schlechteren Komfort. Kleinigkeiten, die in diesem engen Rennen den Ausschlag geben.
Die Ingolstädter schürten über Monate Vorfreude und Interesse am Q3, zeigten mal eine Skizze, mal das ganze Auto, ließen Journalisten sich erst nur reinsetzen, dann fahren. Und ja, das hielt das Interesse am Q3 warm – bis der Evoque kam und dem Audi die Show stahl.
Audi, sonst Meister der stilvollen Einrichtung, möbliert den Q3 nüchtern. Er sieht mehr nach
A1 als
A3 aus. Kurze Fondtüren erschweren den Einstieg auf die bequeme Rückbank, ...
... die Vordersitze sind selbst in ihrer tiefsten Position noch zu hoch.
Am großen Kofferraum (460 Liter) stört die hohe und sehr breite, nur zum Teil kratzgeschützte Ladekante. Zudem klappt die Hutablage nicht mit der Heckklappe hoch, ...
... und bei umgeklappten Rücksitzlehnen bleibt eine Stufe im Laderaum (1365 Liter). Allerdings liefert Audi ohne Mehrpreis einen Zwischenboden. Weil er dem Testwagen fehlt, verliert der Q3 Punkte in Bedienbarkeit und Variabilität.
Den sportlicheren Charakter des Q3 fördern der drehfreudige Zweiliter-TDI (177 PS, 380 Nm) ...
... und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Kürzere Gangsprünge und das geringste Gewicht ...
... sichern dem Audi die besten Sprintzeiten (0–100 km/h: 8,2 s) – bei niedrigstem Verbrauch (6,4 l/100 km), den die Freilauffunktion der S tronic noch weiter mindern kann.
Nicht optimal: Der elektromechanischen Lenkung des Audi fehlt es selbst in der Dynamik-Stellung bei geringerer Servo-Unterstützung an Rückmeldung.
Auch die Dämpferhärte lässt sich im Q3 variieren. Die straffe Grundabstimmung kommt aber im Comfort-Modus immer noch durch.
Preislich liegt der Audi Q3 2.0 TDI quattro mit 38.225 Euro zwischen seinen beiden Konkurrenten. Mit an Bord sind Drive select für 200 Euro, die Dämpferregelung für 980 Euro und das Fahrerinformationssystem für 245 Euro.
Platz eins geht mit 357 von 500 Punkten an den BMW X1. Keiner hier beherrscht die Fahrdynamik besser als das Münchner Premium-SUV. Dazu bietet es hier die höchste Variabilität ...
... und federt am angenehmsten. Ansonsten verkneift sich der X1 Schwächen, schafft so den knappen Sieg.
Die Materialien im BMW-Innenraum sind nicht edler als im Audi, wirken dafür aber etwas besser abgestimmt, ..
... bei Platzangebot und Verarbeitung liegt der X1 auf einem ähnlichen Niveau wie der Q3.
Bei der Bedienung verschafft er sich unter anderem mit der besseren Infotainment-Struktur Vorteile. Gegenüber iDrive erweisen sich das weniger intuitive MMI des Audi und auch der unpräzise, berührungssensible Monitor des Evoque als unterlegen.
Das kleinste Gepäckabteil im Vergleich: Minimal schluckt der BMW 420 Liter, ...
... maximal passen 1350 Liter ins Heck. In Sachen Variabilität bietet der X1 dafür mit seiner dreigeteilten, neigungsverstellbaren Rücksitzlehne am meisten.
Ihren selbst gelegten Anspruch beim Antrieb können die Bayerischen Motoren-Werker hier nicht erfüllen. Dem Zweiliter-Diesel des X1 (177 PS, 350 Nm) mangelt es noch immer an Laufkultur, ...
... dafür überbrückt die fein gestufte, weich schaltende Automatik die kleine Anfahrmüdigkeit. Bei lockerer Fahrt wählt das Getriebe passgenau aus sechs Stufen, ...
... auf flotteren Landpartien zappt der Fahrer besser mit den Schaltwippen, als dem hochtourigen S-Modus zu vertrauen. Die Fahrleistungen in Zahlen: Von 0 auf Tempo 100 sprintet der BMW in 8,5 Sekunden, er erreicht maximal 213 km/h. Verbrauch: 6,8 l/100 km im Testdurchschnitt.
Bei der Fahrdynamik bleibt der X1 vorn, sein Allradsystem präferiert im Gegensatz zu dem des Audi die Hinterachse. Das sorgt für agileres Handling, ...
... zudem leistet sich die BMW-Lenkung zugunsten der Präzision höhere Lenkkräfte.
Zu Beginn seiner Karriere noch ziemlich bolzig, wurde der X1 von BMW subtil gepflegt (sanftere Feder-Dämpfer-Abstimmung) und federt nun am ausgewogensten.
Auch der Preis-Leistungs-Sieg geht nach München: Für einen X1 xDrive 20d berechnet BMW 37.650 Euro – inklusive Automatik-Getriebe (2050 Euro), Performance Control (150 Euro) und Servotronic (250 Euro).
Das Fazit: "Mit winzigem Vorsprung holt der vor zwei Jahren vorgestellte BMW X1 den Sieg nach München. Allerdings erklärt sich der zweite Platz des Audi Q3 durch Kleinigkeiten, in einem Vergleich mit anderen Versionen kann sich das Ergebnis drehen. Womöglich liegt da auch der Range weiter vorn – hier scheitert er am hohen Preis und den Nachteilen der 20-Zoll-Bereifung."
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