Asphaltraketen-Trio in Aktion – mal groß und kantig, mal kompakt und rundlich, mal flach und breit:
Nissan GT-R,
Porsche 911 Turbo S und
Chevrolet Corvette Grand Sport (von links) intepretieren den Begriff Supersportler auch optisch höchst unterschiedlich.
Der
Nissan GT-R zeigt extreme Präsenz. Statt mit einem filigranen Sushi-Filetiermesser haben ihn die Designer wie mit einem Schwert aus Damaszenerstahl grob aus japanischem Sunuke-Holz gehackt, ...
... massig, mit großem Heckspoiler, fertig ist das großformatige Paket, das den Porsche und die Corvette geradezu klein aussehen lässt.
Zudem ist der Nissan laut, wenn das Kraftpaket im Bug mit Kampfschreien aus vier überdimensionalen Auspuffrohren ausatmet.
Trotz annehmbarer Pflichtausstattungsdetails wie Leder und Klimaautomatik fühlt sich der Japaner puristisch an, ...
... fährt sich zudem filigraner, als er aussieht. Unter dem Blech rasselt der GT-R wie eine Horde Samurai, die – klangstark die Schwerter wetzend – auf den Angriff harren. Hier ein Knarzen, dort ein Knacken, jede Kolben- und Ventilbewegung scheint der Pilot einzeln zu registrieren, ...
... und das ist auch kein Wunder, wie Nissan erklärt: "Der GT-R bringt spezielle, für einen Supersportwagen ganz normale Charakteristika mit sich. Beim Bremsvorgang ist eine Geräuschentwicklung nicht auszuschließen, ...
... beim sequenziellen Getriebe werden Sie metallische Geräusche hören." Vollkommen richtig, und eigentlich ist das auch gut so: Der Technik-Soundteppich zieht in seinen Bann und macht Lust, die Schaltpaddel auf eigene Faust zu betätigen, anstatt dem sechsgängigen Doppelkupplungsgetriebe die Arbeit zu überlassen.
Optisch schön angerichtete Bauchmuskel-Spiele im Motorraum des Nissan. Der Biturbo-V6 holt aus 3,8 Litern Hubraum 530 PS und 612 Nm Drehmoment.
Dank Allrad hat der Japaner Traktion im Überfluss, was ihn in glatten drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultiert. Die Spitze gibt Nissan mit 315 km/h an.
Spielerei für die Generation Playstation: Über das Zentraldisplay lässt sich sogar die Stellung von Gas- und Bremspedal oder des Lenkrades visualisieren.
Bis ins kleinste Detail lassen sich im GT-R Dämpfer & Co. anpassen. Dank zahlreicher elektronischer Helferlein ist der Wagen theoretisch auch problemlos von ungeübten Samurai ...
... ohne Rätsel oder Risiken agil pilotierbar. Die Lenkung ist angenehm direkt, der Seitenhalt der Sitze perfekt. Im Nissan sitzt man allerdings gefühlt eher auf der Technik, als wie im Porsche oder auch der Corvette damit zu verschmelzen, ...
... trotzdem bingt der Nissan eine gehörige Portion Rennsport auf öffentliche Straßen.
So einen Supersportler lässt man sich natürlich auch in Japan ordentlich bezahlen: Für den GT-R werden 90.900 Euro fällig.
Gibt es zum
Porsche 911 viel zu sagen? Eigentlich nur ein Wort: perfekt! Doch mit etwas Suche finden sich auch am deutschen Präzisionswerkzeug aus Stuttgart ...
... ein paar kleine Kritikpunkte: So etwa eignen sich die Klappsitze im Fond nur für Mini-Menschen, das Aluminium an der Handbremse ist immer kalt, sodass es einen beim Armablegen friert.
Außerdem ist das Vorfahrt- und Handyfotografier-Flair hier deutlich geringer ausgeprägt als bei Chevy Corvette und Nissan GT-R – trotz des leuchtenden "Indischrot" unseres Testwagens.
Die deutsche Sportwagen-Ikone betörte ab 1964 erst das Inland, um sich danach auf dem gesamten Kontinent und anschließend im Rest der Welt eine Fangemeinde aufzubauen – und dies nicht nur dank ihrer Gesamtrezeptur, ...
... sondern ebenso im Detail. Beispiel gefällig? Der Blick in die Außenspiegel des Turbo S ist ein Erlebnis, die breiten Backen mit ihren Lufteinlässen einfach wunderschön anzusehen, ...
... da fällt es nicht immer leicht, mit den Augen die vor einem dahinfliegende Straße zu fixieren. Wie auch der GT-R hat der Turbo S immer Schub parat, selbst jenseits der 250 km/h, ...
... wofür im Porsche ein ebenso explosiver Treibsatz an der Hinterachse verantworlich ist: Der doppelt aufgeladene Sechszylinder-Boxer schöpft seine 530 PS und 700 Nm Drehmoment aus exakt 3800 cm³ Hubraum.
Nicht ganz so spurtstark wie der Nissan: Von 0 auf Tempo 100 braucht der Turbo S 3,3 Sekunden, danach geht es ohne nennenswerten Schubverlust bis auf 315 km/h Spitze.
In Sachen Querdynamik ist der Porsche noch einen Tick besser der Nissan. Seine Lenkung ist noch direkter, ...
... wobei Seitenhalt und Bequemlichkeit der Sitze perfekt sind. Nur das Ein- und Ausfädeln des Körpers vor dem Eiscafé will gelernt sein, um keine Häme zu ernten. Das geht in Nissan und Corvette deutlich souveräner.
Definitiv ein paar Worte gebühren an dieser Stelle noch der Keramikbremse: Mit ihr verzögert der 911 nicht, er scheint förmlich den Anker zu werfen.
Abschließend ist bei diesem Auto festzuhalten: Der 911 ist ein Mythos, so abgenutzt dieses Wort im heutigen Sprachgebrauch auch sein mag. Er steht seit mehr als 40 Jahren für deutsche Ingenieurskunst auf vier Rädern und wird diesen Ruf wohl auf ewig verteidigen.
Wer diese(n) Schwelle(r) regelmäßig übertreten will, muss vorher eine hohe finazielle Hürde nehmen: Porsche lässt sich den 911 Turbo S mit stolzen 173.241 Euro bezahlen.
Wechseln wir an dieser Stelle von den imaginären Bergstraßenkehren, aus denen man sich mit der Porsche-Kombination aus Allrad und Doppelturbo geradezu herauskatapultieren kann, zum relaxten Cruisen über den Ocean Drive in Miami. Mit der
Corvette Grand Sport ...
... könnte man zwar mit 300 km/h durchs Land fliegen. Doch warum? Kaum eingestiegen, weckt die Amerikanerin Sehnsüchte, mit ihr entspannt dahinzurollen. Sie ist wie die kubanische Zigarre im Handschuhfach, wird im richtigen Augenblick intensiv genossen.
Unter Volllast ist der V8 (437 PS 575 Nm) mit dem mit 6,2 Litern größten Hubraum (dafür ohne Biturbo-Unterstützung wie die anderen) im Testtrio angenehm präsent, ...
... beim Gleiten mit der unaufgeregt agierenden Wandlerautomatik dafür flüsterleise im Hintergrund. Da vernimmt man selbst noch das Geschrei der Möwen.
Ihre Kraft leitet die Amerikanerin wie gewohnt ausnahmslos an die Hinterachse weiter, ein deutlicher Traktionsnachteil im Kontrahenten-Vergleich. So braucht die Corvette bis Tempo 100 4,7 Sekunden – und schafft maximal 300 km/h.
Zum alten Eisen gehört sie trotz Querblattfedern oder Zweiventil-Technik deshalb noch lange nicht. Das aktive "Selective Ride"-Fahrwerk mit magnetisch aufgeladenen Metallpartikelchen im Öl hilft der Corvette im hoch angesiedelten Grenzbereich.
Die Lenkung agiert ausreichend direkt, wenngleich nicht so präzise wie bei 911 oder GT-R, ...
... auch in Sachen Seitenhalt der Sportsitze könnte sich die Vette eine Scheibe Finesse vom Nissan-Gestühl abschneiden, die strammen Schalen des Porsche müssen es nicht gleich sein.
Die Grand-Sport-Version der Corvette trägt rote Streifen an den Kotflügeln. Mit einem Preis von 83.250 Euro ist sie gewissermaßen das Schnäppchen in diesem Vergleich
Das Fazit von AUTO TEST-Redakteur Björn Marek: "Drei Kontinente, drei Supersportler, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennoch haben Porsche, Nissan und Corvette eines gemein, ...
... sie lassen uns in Traumwelten abschweifen, wecken automobile Sehnsüchte. Danke!"
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