Traumcabrios im Formationsflug:
Jaguar XKR,
Alfa 8C und
Porsche 911 Speedster (von links) setzen dem Trend zum Stahlklappdach eine klassische Stoffmütze entgegen. Darüber hinaus verführen sie Frischluft-Enthusiasten ...
... mit viel Flair und starken Motoren: Unter 400 PS wird hier keiner auf die Straße gelassen. Impressionen einer Ausfahrt, von der man träumen darf.
Fangen wir mal mit dem Alfa 8C Spider an, der mehr schöner Schein als Sein ist. Lenkung und Dämpfung des erotischen Italieners wirken wie aus Holz gemacht, ...
... das sequenzielle Transaxlegetriebe hängt mit seinen ausgedehnten Zugkraftunterbrechungen ein gefühltes Technikjahrzehnt hinter modernen Doppelkupplern zurück, ...
... und der 4,7-Liter-V8 (450 PS, 470 Nm) ist trotz des symbolischen Bonus von 10 PS nichts anderes als das, was
Maserati für 80.000 Euro weniger im
GranCabrio verkauft. Immerhin geht es mit dem starken Herzen ...
... im Alfa ordentlich nach vorne: In 4,4 Sekunden erklimmt der Beau die 100-km/h-Marke, erst bei 295 Sachen endet die Beschleunigung.
Aufwand und Ertrag klaffen weit auseinander: Wie es gelang, trotz einer Kohlefaserkarosserie 1,7 Tonnen zusammenzubekommen, wird jedenfalls ebenso Alfas Geheimnis bleiben wie die Antwort auf die Frage, ...
... wie viele düstere Sizilianer es wohl brauchte, um die Zulassungsbehörde von der Legalität der Abgasanlage zu "überzeugen". Denn schon beim Anlassen fetzt der 8C TÜV-Prüfern den Kittel weg. Röhren, hämmern, grölen, mal solo, mal im Kanon, mal als Big Band.
Egal wie, der 8C klingt immer diesen Tick schneller, als er in Wahrheit ist. Obwohl er massiv vorwärtsschiebt, willig nach Kommandos schnappt, ...
... sich biestig in seine Keramikbrembos keilt und sein Drehmoment dank Quersperre weitestgehend verlustfrei auf den Asphalt vulkanisiert, hat er alle Pirellis voll zu tun, einen stinknormalen Neun-Elf in Schach zu halten.
Die große Rolle scheint das für die auserwählten Alfisti jedoch nie gespielt zu haben: 500 Solvente haben ihn gekauft, alle ohne ihn davor gefahren zu sein. Und das zu einem Grundpreis von schlappen 211.285 Euro.
Sound, Design, Flair – der 8C ist das Cabrio der Sinne. Übrigens: Was im Cockpit nach Alu oder Karbon aussieht, ist es auch.
Den 356 Speedster-Kunden dürfte es ähnlich gegangen sein wie denen des limitierten Alfa. Mit dem feinen Unterschied, dass die einigermaßen wissen konnten, was da fahrdynamisch auf sie zukommt. Denn im Gegensatz zum 8C Spider, der mit seinen Markenkollegen allerhöchstens das Scudetto gemein hat, ...
... ist der 201.682 Euro teure Speedster die xte Auflage des vielleicht bewährtesten aller Konzepte, das so famos, wie es seit nunmehr 48 Jahren funktioniert, eigentlich nie hätte funktionieren dürfen. Das Feeling im 911 ...
... ist das immerselbe und, wie nahezu immer, das beste. Um die Handgelenke tänzelt die federleichte Front, ...
... der Gasfuß kitzelt die Hummeln im Hintern, ...
... geschaltet wird das PDK bevorzugt per Paddel, beschleunigt mittels Launch-Control ...
... und verzögert auf Keramik. Dazu adaptive Dämpfer, mechanische Sperre, aufgesäumte Hinterachse ...
... und als Einheizer der 3,8-Liter-Boxer mit Direkteinspritzung und 408 PS, ...
... der den offenen Zuffenhauser in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 und bis maximal 305 km/h schiebt. Schneller ist diesem Traumtrio niemand.
Nüchtern betrachtet ist der Speedster ein neu eingekleideter Carrera GTS, für dessen exklusive Kluft Porsche – ausstattungsbereinigt – rund 50.000 Euro Aufpreis verlangt. Wer ihn versteht, ...
... sieht in ihm jedoch eine der gelungensten Retrointerpretationen unserer Zeit. Im Gegensatz zu vielen anderen seines Schlags zitiert er seine Vorgänger authentisch. Nicht nur in Details wie der flachen Scheibe, ...
... den Höckern auf dem Verdeckkasten ...
... oder den Rädern im Fuchs-Design, ...
... sondern auch charakterlich, weil er eines der allerletzten Cabrios ist, bei denen man noch so richtig draußen sitzen kann. Wie auch der Alfa trägt er sich wie ein ausgeleierter Bikini. Selbst bei hochgefahrenen Seitenscheiben wälzen sich die Elemente ungehemmt durch den Innenraum. Was für ein Kontrast ...
... zum Jaguar. Nicht nur dass er sich im Gegensatz zu den kontinental-europäischen Beinahe-Roadstern selbst bei Tacho zwosechzig noch nach Anorak anfühlt, ...
... er ist auch der Einzige, der die Erwartungen, die er schürt, restlos erfüllen kann. Mit anderen Worten: ein Jaguar wie aus dem Bilderbuch. Die Front zeigt Reminiszenzen an den E-Type, ...
... am Heck weht ein flauschiger Sound-Flokati, ...
... über dem weggefalteten Verdeck streifen die Baumwipfel vorbei, die Navi-Dame veranschlagt fünf Stunden bis Saint-Tropez, und im Unterbewusstsein schlummert die Gewissheit, ...
... die Fahrzeit je nach Wunsch modulieren zu können. Die leichtgängige Lenkung knüpft die Radien nahtlos aneinander, ...
... im Verborgenen betet die Automatik die Gänge durch, ...
... und von unten schmiegt sich der Fünfliter-Kompressor ganz sachte an die Fußsohle. Bis Viertelgas ist er ganz XK, erst danach demaskiert er das R. 510 PS, 625 Newtonmeter, und beides fühlt sich genau so an, ...
... wenn der Jag in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt. Vor allem beim Durchzug, ...
... scheint es den Jaguar einfach wegzureißen. Fahrstufenunabhängig, surreal und wohl unendlich, würde ihm die Political Correctness nicht bei 250 km/h den Hahn zudrehen. Durch die Träume vieler Automobilisten ...
... werden dennoch weiterhin die anderen fahren. Schade, denn im offenen XKR gibt es ehrliches, unkapriziöses Cabriovergnügen. Und es kostet auch "nur" 114.100 Euro, sich diesen Platz für die nächste Ausfahrt zu sichern.
Das Fazit von AUTO TEST-Redakteur Stefan Helmreich: "Emotional überstrahlt der Alfa 8C alles. Er klingt brutal und wäre wohl das beste Auto der Welt, würde er so fahren, wie er aussieht.
Auch beim Speedster gehen Technik und Design getrennte Wege: optisch retro, darunter ganz 911. Nur der offene Jaguar XKR hält genau das, was die klassische Schale verspricht."
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