Originalität raus, Nutzwert rein: Das scheint die Strategie des Modellwechsels beim
BMW 1er zu sein. Ein wenig größer ist er und wirkt nicht mehr so eigenwillig. Ansonsten ...
... ist er dem Vorgänger wie aus dem Gesicht geschnitten. Etwas verbindlicher schaut er drein, vorn nun verlängert mit leichtem Rüssel. Die Maße: 432 auf 177 Zentimeter (vormals 424 auf 175), der Radstand wuchs um drei Zentimeter auf 269. Einen
VW Golf stellt der 1er bequem in den Schatten.
Spontaner Eindruck nach dem Einsteigen: Hinten besteht Thrombose-Alarm nur noch für Langbeinige. Durchschnittsgrößen langt der Platz nun, die Rückenlehne steht aber noch ziemlich steil.
Vorn bleibt es hingegen beim knappen Schnitt. Wobei das neue Cockpit gefühlt sogar noch mehr einengt. Die Mittelkonsole ist nun fahrerorientiert, aber wuchtiger. Das erleichtert die Bedienung, ...
... schadet aber dem Raumeindruck. Vorteilhaft: Alles sieht hochwertiger aus, mehr wie ein Qualitätsprodukt. Die Schalter und Hebel folgen dem aktuellen BMW-Muster.
Typisch BMW: klare, übersichtliche Instrumente und die Verbrauchsanzeige. Links neben dem Wählhebel der Achtstufenautomatik ...
... sitzt der "Fahrerlebnisschalter". Alle 1er-Modelle haben ihn, wobei je nach Ausstattung zugleich Motorelektronik, Automatik und Lenkunterstützung angepasst werden. Bei der Sparstufe "Eco Pro" regelt er auch Funktionen wie Klimaanlage und sogar die Sitzheizung. Die adaptiven Stoßdämpfer mit "Comfort"- und "Sport"-Modus ...
... lassen sich ebenfalls über ihn bedienen. Auch an Bord: eine Anbindung für das iPhone mit allen Applikationen und Fahrerassistenzsysteme, bei denen sich der 1er nicht lumpen lässt. Gemeinsam mit den ...
... optionalen Xenon-Scheinwerfern wird beispielsweise adaptives Kurvenlicht geliefert. Weiterhin ist in die Nebelscheinwerfer Abbiegelicht integriert und der Regensensor schließt eine automatische Fahrlichtsteuerung und einen Fernlichtassistenten mit ein.
Das Kofferraumvolumen legte um 30 Liter auf nun 360 Liter zu.
Schon auf den ersten Kilometern in der Stadt wird klar: Die Federung spricht viel besser an. Da zahlt sich der Feinschliff am Fahrwerk aus, das prinzipiell vom Vorgänger übernommen wurde. Auf den Landstraßen und Autobahnen erhärtet sich der Eindruck: BMW-mäßig straff ist die neue Abstimmung nach wie vor, aber eben nicht mehr zu straff, erträglich auch auf langen Strecken. Unser Auto, ...
... der Top-Diesel (120d) mit der neuen Achtstufenautomatik, wirkt auf Anhieb erwachsener als der Vorgänger, aber auch unhandlicher. Das breitere Format, die eingeschränkte Übersichtlichkeit machen sich bemerkbar – am Gewicht kann es nicht liegen, denn das Auto soll bei gleicher Ausstattung nicht mehr wiegen als der Vorgänger. In diesem Fall sind das 1440 Kilo.
Schön präzise aber die Sportlenkung (450 Euro) – sie wird mit zunehmendem Einschlag direkter, rein mechanisch.
BMW folgt damit den Spuren von Mercedes und lässt ganz nebenbei die bisherige Aktivlenkung (Lenkübersetzung abhängig von der Geschwindigkeit) fallen. Warum? Um Gewicht zu sparen, und weil diese nur im Verbund mit der Hinterradlenkung optimale Ergebnisse bringe, so heißt es
Der 1er wetzt um die Kurven, wie sich das für einen BMW gehört, leicht untersteuernd nur und dank Diesel-Drehmoments und verständnisvoller Elektronik auch mit dem Gasfuß manipulierbar. Wie schön, dass er ihn noch hat, den Hinterradantrieb.
Der Zweiliter-Diesel, schon immer ein Muskelprotz, steht beim neuen 120d noch besser im Saft (184 PS statt 177, 380 Nm), soll aber weniger schlucken (Normverbrauch: in der Automatikvariante 4,4 l/100 km statt 5,3) und harmoniert optimal mit dem neuen Achtstufen-Vollautomaten. Wer braucht da DSG?
Der Motor brummt jetzt verhaltener, ohne freilich den Selbstzünder verheimlichen zu können. Auffallend auf der Autobahn das Rauschen des Windes, was uns zeigt, dass auch der neue Wagen noch Raum lässt für weitere Verbesserungen. Ansonsten gilt: BMW gibt dem 1er genau das, was er braucht. Und noch ein bisschen mehr.
Fazit von Redakteur Wolfgang König: So wie er aussieht, so fährt er sich: größer, erwachsener, gediegener als der alte 1er. Und deshalb auch nicht mehr so wuselig. Was zählt: Er ist das bessere Allroundtalent, ein Auto, in dem ich freiwillig auch mal 800 Kilometer am Stück fahren würde. Was ich vom Alten nicht behaupten konnte.
Ist er den happigen Preis wert (31.400 Euro als 120d Automatik)? Die finale Antwort kann nur ein Vollwerttest geben.
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