Schroff ragt das Montserrat-Gebirge aus dem Hinterland von Barcelona, streckt sich 1200 Meter hoch zum Himmel. Eine passende Kulisse für den neuen
BMW 3er – ein Typ, der ganz nach oben will. Wir haben die Münchner Mittelklasse als 320d Efficient Dynamics Edition unter die Lupe genommen.
Das Design des sechsten 3ers, Baureihe F30, hat BMW gut hinbekommen. Extraflache Schnauze und energischer blickende Scheinwerfer als beim Vorgänger, ...
... lange Motorhaube und ein nach hinten versetzter Aufbau geben ihm neue Konturen.
Das gilt auch für das Cockpit: Es wirkt deutlich hochwertiger als bisher, mit Schwung und viel Liebe zum Detail gebaut, ...
... sogar eine Anzeige für die Öltemperatur gibt es wieder.
Der iDrive-Monitor steht jetzt frei im Raum, muss sich nicht mehr in seinem sperrigen Guckkasten verstecken.
Man fühlt sich wohl im neuen 3er, die Sitzposition passt bestens, auch Große sitzen hervorragend und finden festen Halt auf bequemen Polstern. Die elektrische Verstellung kostet 1290 Euro Aufpreis.
Der Test-320d war ausgestattet mit der Modern-Line-Ausstattung für 1250 Euro Aufpreis, zu der zum Beispiel der Farbton "Oyster dunkel" gehört, der irgendwie an einen Latte macchiato erinnert, ...
... vor allem aber die Edelholz-Einlage mit einer welligen, geriffelten Oberfläche. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, fühlt sich aber gut an und sieht spektakulär aus.
Im Fond geht es nicht ganz so aufregend zu, die Veränderungen halten sich dort in Grenzen. Und als Raumwunder wird auch dieser 3er nicht in die Geschichte eingehen, ...
... aber immerhin, auch dank der fünf Zentimeter mehr Radstand, gibt es hinten jetzt einen Hauch mehr Platz, BMW spricht von 1,5 Zentimetern mehr Knieraum und acht Millimeter mehr Kopffreiheit.
Die dreigeteilt klappbare Fondlehne kostet beim Diesel 490 Euro extra, ...
... per Zug am Hebel fallen die Sitzlehnen nach vorn. Der Aufpreis ist eine durchaus sinnvolle Investition ...
... zur Erweiterung des 3er-Kofferraums, der 480 Liter verpacken kann.
Ein guter Bekannter ist der Zweiliter-Diesel, der überarbeitet wurde. Das Alu-Triebwerk arbeitet mit einem Turbo, liefert 184 PS bei 4000 Touren und 380 Nm ab 1750 Umdrehungen. Mit seinem stämmigen Drehmoment macht er früh Druck, ...
... tritt kräftig an (0–100 km/h: 8,1 s; Spitze: 225 km/h) und zieht bullig durch. Kein Motor für Hast und Hetze, ...
... sondern eher für die gelassene Reise schnell und souverän. Beim Ausdrehen brummt er durchaus kräftig, laut oder nervig wird das nie.
Serienmäßig liefert BMW ein Sechsgang-Schaltgetriebe, der Testwagen besaß die Achtstufen-Sportautomatik für 2430 Euro. Die macht ihrem Namen Ehre, reagiert tatsächlich schnell und zügig und harmoniert insgesamt bestens mit dem Motor. Obwohl acht Stufen sortiert werden müssen und entsprechend fleißig geschaltet wird, ...
... bekommt der Fahrer vom Ballett der Zahnräder kaum etwas mit. Denn Nervosität liegt dem neuen 3er fern. BMW hat ihn komfortabler ausgelegt als bisher, ...
... die Federung spricht weicher an, nimmt insbesondere kleinere Unebenheiten überraschend souverän. Seine typische Agilität hat er deshalb nicht verloren. Mit der sehr direkten, variabel übersetzten Sportlenkung (450 Euro) ...
... zirkelt der 320d wie gewohnt präzise um die Ecken.
Neu an Bord ist bei allen 3ern der sogenannte Fahrerlebnisschalter, mit dem sich das Auto zwischen Comfort, Sport, Sport plus und Eco Pro abstimmen lässt. Das betrifft das Ansprechverhalten des Motors, die Lenkung, das ESP, die Automatik und die Dämpfer. Das Ganze klingt verspielt, ...
... funktioniert im Alltag aber ganz gut. Im Sport-Modus zum Beispiel strafft der 320d merklich seine Muskeln, hängt energischer am Gas, schaltet später und federt strammer.
Besonders stolz ist BMW aber auf den Eco-Pro-Modus für sparsame Fahrweise, in dem sich bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen lassen sollen. Eine Anzeige im Instrument informiert über zusätzlichen Kilometer Reichweite. Bei unserer Testfahrt tauchten schon nach wenigen Kilometern verhaltenen Fahrens recht optimistische Zahlen auf, ...
... und der 320d fühlt sich dabei gar nicht schaumgebremst an, sondern ist immer noch ganz flott unterwegs. Zu spüren ist die emsige Sparwut weniger am Fahrverhalten als am Komfort: Der Klima-Kompressor wird abgekoppelt, da beschlagen schon mal die Scheiben, und im Sommer wird es wohl auch recht warm im Wagen.
Ab 11. Februar steht der neue 3er beim Händler, die Preise beginnen bei 35.350 Euro – so viel kosten jeweils 320d und 320d Efficient Dynamics Edition. In der Ausstattung "Modern Line" und mit Automatik-Getriebe werden 40.320 Euro fällig.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Der neue 3er ist keine große Überraschung, aber ein wirklich fein gemachtes neues Auto. Man muss sicher kein Prophet sein, ...
... um ihm eine glänzende Zukunft vorauszusagen. Spannend wird, wie er sich im ersten Vergleich gegen Audis gerade gelifteten A4 und die Mercedes C-Klasse schlägt."
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