Der
BMW 1er (2. von rechts) bläst zum Angriff: Mit Turbobenziner stellt sich der kompakte Bayer seinen Klassenkonkurrenten
Opel Astra,
VW Golf,
Ford Focus und
Renault Mégane (von links). Können die vier kontern?
Platz fünf mit 313 von 500 Punkten: Wer als Extremist gegen Allrounder antritt, hat wenig Chancen. Der Mégane begeistert durch seine Dynamik, vernachlässigt dafür den Komfort und vergisst das Spritsparen.
Vergessen wir mal die piefige Punkterechnerei, gratulieren wir stattdessen Renault dafür, dass sie aus dem Mégane einen Charakterdarsteller gemacht haben, der nicht jedem gefällt, dafür aber echte Fans finden kann. Das liegt am Charakter des Mégane, ...
... der sich nicht um Ausgewogenheit kümmert, umso mehr um Dynamik. Gautschigen Komfort gab es bei Renault in den letzten Jahrzehnten nach Meinung der Entwickler genug, und so bieten die Franzosen den TCe 180 nur als GT an. Die zwölf Millimeter tiefergelegte Sportversion verzichtet fast komplett auf Federungskomfort, ...
... rumpelt herb über kleinste Unebenheiten. Dafür kommt hier nur der BMW beim Handling mit, auf Landtouren fetzt der Mégane sicher und agil um Kurven, von der Lenkung präzise geführt.
Überhaupt: Der Renault macht das Tempo – mit dem kernigen Zweiliter, dem der Turbo nicht Konsumverzicht einsäuselt, sondern Leistung abpresst. 180 PS und 300 Nm Drehmoment ...
... sind gut für glatte acht Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 225 km/h Spitze. Den vehementen Vortrieb unterstützt die kurz übersetzte, etwas leierige Sechsgangbox.
Mit seinen einseitigen Talenten kann der Mégane trotz reichhaltiger Ausstattung und günstigem Preis nicht gegen die Allrounder punkten. Zu schwer fallen die wirre Bedienung, ...
der enge Fond und der hohe Verbrauch (9,0 l/100 km) ins Gewicht.
Mit 406 Litern bietet der Mégane-Kofferraum das größte Minimalvolumen, maximal passen 1162 Liter hinter die Heckklappe.
Wir würden Ihnen nicht uneingeschränkt empfehlen, einen 24.650 Euro teuren Renault Mégane TCe 180 GT zu kaufen. Aber wir jubeln Ihnen zu, wenn Sie es dennoch tun.
Platz vier mit 320 von 500 Punkten: Der unkultivierte, müde Antrieb wirft den Astra zurück. Um aufzuholen, fehlen dem nicht sehr geräumigen Opel die Stärken. Hervorragendes Licht und guter Komfort genügen nicht.
Hm, so langsam müssen wir uns von einer gern genutzten Bezeichnung verabschieden. Der Astra galt immer als der "ewige Zweite". Bei den Verkäufen in der Kompaktklasse stimmt das noch, ...
... was die Platzierung in Vergleichstests angeht, nicht mehr. Wie
bei den Dieseln enttäuscht der Astra auch hier mit seinem Antrieb. Wo sind sie nur, die 180 PS und 230 Nm aus dem 1,6 Liter großen Turbo-Vierzylinder? Sie zerren den 1,5 Tonnen schweren Astra ...
... mühsam voran, vom lang übersetzten Sechsganggetriebe zusätzlich gehemmt. So geht es in 8,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 221 km/h. Testverbrauch: 7,9 Liter auf 100 Kilometer.
Die Stärken des Opel liegen auch nicht bei der Fahrdynamik – da verliert er wegen der starken Untersteuertendenz bei feuchter Strecke und seiner rückmeldungstauben Lenkung.
Dagegen überzeugt er mit beflissenem Federungskomfort, wenn das adaptive Dämpfersystem (980 Euro) im Tour-Modus arbeitet.
Für die große Reise bringt er noch bequeme Sitze mit, ...
... aber nur wenig Platz im Fond. Weniger idealgewichtige Passagiere kommen in Reihe zwei nicht so ungedrängt unter. Vorn wie hinten stört der enge Einstieg, ...
... den Fahrer zudem die schlechte Rundumsicht, der enge Fußraum sowie die unübersichtliche Bedienung. Ja, die bemängeln wir wieder, wissend, dass Leser schreiben werden, ...
... man könne sich an die vielen, kleinen Tasten auf der Mittelkonsole bald gewöhnen. Aber es zeichnet gute Bedienung eben aus, dass man sich nicht erst daran gewöhnen muss, sondern dass sie intuitiv gelingt.
Mit 370 Litern bietet der Astra immerhin den zweitgrößten kofferraum dieses Vergleichs. Maximalvolumen: 1235 Liter.
Für den Astra 1.6 Turbo Innovation werden 26.810 Euro fällig – inklusive FlexRide Fahrwerk (980 Euro) und Sportfahrwerk (180 Euro). Ausstattungsbereinigt kostet der reichhaltig ausstaffierte Opel – er kommt unter anderem mit dem hervorragenden adaptiven Bi-Xenon-Licht AFL+ – übrigens nur knapp 1000 Euro weniger als die Nummer eins dieses Vergleichs.
Platz drei mit 328 von 500 Punkten: Der neue BMW 1er macht vieles besser, aber nicht alles anders als sein Vorgänger, federt ordentlich, hat mehr Platz, ohne das Handling zu vernachlässigen. Der dröge Turbomotor enttäuscht.
So weit ist es gekommen, dass BMW meint, ein 1er müsse federn können, Platz für vier haben und einen Motor, dessen vornehmster Charakterzug Enthaltsamkeit (7,9 l/100 km) ist. Was ist nur aus dem 1er geworden? Antwort: Wieder ein 1er, ...
... trotz all der Änderungen, die man nicht alle für Verbesserungen halten muss. Größere Abmessungen schaffen Platz, ...
... hinten reicht es nun für Erwachsene, ...
... auch wenn Raumfülle, wie zum Beispiel der 360 bis 1200 Liter große Kofferraum, kaum zu den Kaufargumenten zählen wird.
Dafür sind bei BMW eher die Motoren verantwortlich – wobei uns die Zweiliter-Sauger der letzten Generation nicht in vehementester oder durchzugsstärkster Erinnerung blieben. Aber sie hatten einen Stil, der zum 1er passte. Dagegen wirkt der neue 1,6-Liter-Turbo (170 PS, 250 Nm) – sorry – belanglos.
Ja, er schiebt drehmomentwuchtig (0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 225 km/h), dreht auch, aber ohne Klang und Entschlossenheit der BMW-eigenen Motoren. Der Vierzylinder motorisiert leicht abgewandelt auch den Peugeot 3008 THP 155. Will ich so was in einem BMW, fragst du dich als Fahrer, ...
... aber nur, bis du auf eine verschlungene Landstraße biegst. Dann hast du dafür keine Zeit mehr. Weil der 1er dich komplett integriert. Mit Spitzenhandling, das die hochpräzise, ...
... direkte Sportlenkung (450 Euro) weiter schärft. Mit sachten Heckschwenks bei Nässe, bei denen das ESP dir erst selbst die Chance gibt, sie einzufangen, bevor es beherzt eingreift.
Ja, er federt jetzt. Ja, er ist geräumiger. Ja, er wäre gern mehr wie der Golf. Aber nein, das ist ihm nicht wirklich gelungen, ...
... daher ist er auf seine Art den hohen Preis wert. BMW berechnet für den 118i 30.600 Euro. Mit an Bord des teuersten Autos dieses Vergleichs sind zu diesem Preis das adaptive Fahrwerk (1100 Euro), die variable Sportlenkung (450 Euro) und 18-Zoll-Bereifung (2300 Euro).
Platz zwei mit 332 von 500 Punkten: Sein kräftiger, sparsamer und kultivierter Motor verhilft dem preiswerten Focus zur Silbermedaille. Auch gut: Raumangebot, Assistenzsysteme. Negativ: Lastwechselkicks.
Ford hat mit dem Focus III ein Weltauto gebaut, und wer es allen recht machen will, läuft Gefahr, ein Allerweltsauto zu schaffen. Das erklärt womöglich die Karosserieform des Focus, die wenig prägnant erscheint, ...
... an der aber bis auf die schlechte Rundumsicht nur wenig auszusetzen ist. Für die Größe (4,36 Meter) etwa könnte das Platzangebot etwas üppiger, der Einstieg bequemer und das Raumgefühl luftiger sein. Auch bei der Ergonomie ...
... gibt es noch Optimierungspotenzial. Wie im Opel sind auch im Ford viele Tasten und Schalter auf der Mittelkonsole verteilt.
In Reihe zwei ist das Raumangebot ordentlich, für Größere ist der Kopfraum etwas knapp. Der Türausschnitt hinten ist etwas klein geraten.
Das Gepäckabteil des Ford schluckt minimal 363 Liter. Mit 1148 Liter bietet der Kölner Kompakte das kleinste Maximalvolumen in diesem Vergleich.
Dagegen distanziert der Focus seine Kontrahenten mit dem Motor. Das 1,6-Liter-Triebwerk (182 PS, 240 Nm) ...
... legt energisch und homogen los (0–100 km/h: 8,3 s; Vmax: 222km/h), zeigt gute Manieren und verbraucht am wenigsten (7,6 l/100 km) – freundlich unterstützt vom leichtgängigen, präzisen und passend abgestuften Sechsganggetriebe.
Weniger überragend stellt sich der Focus dagegen bei seiner früheren Lieblingsdisziplin an. Obwohl der Federungskomfort sich nicht wesentlich verbessert hat, ...
... wirkt der Focus im Handling nun müder und wogiger als sein Vorgänger – dem wäre ein Renault Mégane wohl nicht um die Außenspiegel gefahren.
Dazu kommen kleine Schwächen bei der Fahrsicherheit: Auf feuchter Bahn reagiert der Ford mit deutlichen Heckschwenks auf Lastwechsel. Das ESP regelt das zu spät, dann aber rigide.
Dafür punktet der Focus mit seinem günstigen Preis von 25.200 Euro (inklusive 17-Zoll-Bereifung für 350 Euro), der reichhaltigen Ausstattung und den umfangreichen, optionalen Assistenzsystemen – genug für Platz zwei.
Platz eins mit 356 von 500 Punkten: Auf der kleinsten Fläche bietet der Golf den meisten Platz. Mit hervorragender Fahrsicherheit und feinem Komfort punktet er sich weit voraus. Der Motor sollte sparsamer sein.
Wir wissen, dass viele von Ihnen den Golf für überschätzt halten. Aber ein Vergleichstestergebnis ist keine Geschmacksfrage, sondern Resultat eines umfassenden Testprozederes. Aber vielleicht stört Sie ja vor allem, dass es oft so klingt, als habe der VW keine Schwächen. Hat er.
Wir schauen mal. Antrieb: 160 PS haben sich schon mal energischer angefühlt, mit 8,2 l/100 km liegt der Verbrauch des sehr leisen und kultivierten 1,4-Liter-Benziners etwas hoch, ...
... und dass er erst durch einen Kompressor, dann per Turbo zwangsbeatmet wird, zeigt sich durch einen kleinen Ruck beim Wechsel der Verdichter. Immerhin geht es im Golf in 8,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und bis auf maximal 220 km/h.
Und noch etwas, was besser ginge: Die Sechsgangbox könnte bei schnellen Wechseln präziser rasten.
Karosserie? Hm, tadellose Verarbeitung, am meisten Platz, leichteste Übersicht, ...
... aber, ha!, einfallslose Variabilität. Dafür gibt es im Golf-Fond den meisten Platz und die beste Isofix-Verankerung.
Apropos Platz: Ins Heck des Golf passen zwischen 350 und 1305 Liter – das ist das größte Maximalvolumen des Vergleichs.
Komfortmängel? Vergessen Sie’s. Keiner federt hier besser, wirkt leiser, platziert die Passagiere bequemer. Fahrdynamik: Ja, im Vergleich zu Mégane und 1er fährt er sich ein bisschen unbeteiligt, ...
... lenkt nicht so agil und ansatzlos. Aber die Fahrsicherheit ist überragend. Das ESP leitet den Golf enorm sicher am Grenzbereich entlang, regelt sacht, präzise und genau im richtigen Moment. Lastwechsel? Minimal.
Jetzt zum Geld. Er hat die adaptiven Dämpfer dabei, die kosten 975 Euro, ...
... aber selbst damit ist der Golf 1.4 TSI Highline (26.060 Euro) nicht absurd teuer. Ausstattungsbereinigt kosten Astra/Focus nur knapp 1000 Euro weniger. Die holt der Golf im Wiederverkauf rein. Vielleicht können wir uns so einigen: Der Golf ist nicht perfekt, aber hier ist eben auch keiner besser.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Sebastian Renz: "Dass der Golf gewinnt, überrascht keinen, der große Abstand zum Zweiten schon. Oder die Tatsache, dass sich der Focus am BMW vorbeischiebt – wegen des Motors. Der ist beim BMW ein Schwachpunkt, ansonsten bleibt sich der 1er trotz aller Änderungen treu ...
... und stellt das fahraktivste Auto seiner Klasse. Trotz seines hohen Preises liegt er damit vor dem Opel. Wegen der massiven Antriebsschwäche bleiben Siege für den Astra derzeit außer Reichweite. Wie für den Mégane TCe 180 GT. Aber der will es nicht anders. Was ihn auch zu einem Sieger macht."
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