Auge in Auge mit der Konkurrenz: Der neue
BMW 1er (vorne links) will ganz nach oben und muss sich im Vergleich der Kompakten gegen
VW Golf,
Ford Focus,
Audi A3 Sportback und
Alfa Giulietta (hinten, von links) beweisen. Landet der Bayer am Ende ganz vorne?
Platz fünf mit 316 von 500 Punkten geht nach Italien: Alfa sind keine Autos für Testsiege, sondern unvernünftige Spielereien. Gegenüber dem Vorgänger 147 macht die
Giulietta zum Glück einen deutlichen Sprung nach vorn.
Großer Name, große Gefühle: Dieser Alfa bleibt seinen Markenwerten treu. Die Qualität ist okay, wie bei Ford. Mehr aber auch nicht.
Wen Hartplastikteile, unverkleidete Sitzkonsolen, Knistergeräusche, glatte Drehschalter, merkwürdiges Bedienkonzept oder zu kleine Ablagen stören, der ist kein Typ für diesen Romeo.
Perfektion bezieht sich beim Alfa nicht auf die Verarbeitung, sondern aufs Design – ein leidenschaftlicheres Blechkleid zeigt keiner.
Und reichlich Fahrspaß gibt es dank Dynamik-Schalter auch. Er erhöht nämlich mithilfe von Turbo-Overboost ...
... das Drehmoment des Zweiliter-Vierzylinders (140 PS, 320 Nm) um 30 Newtonmeter und schärft die Kennlinie des E-Gaspedals erheblich.
Quicklebendig hängt der Alfa am Gas, stürmt bis 3500 Umdrehungen wild nach vorn, verliert dann aber die Lust – und klingt stark nach Diesel. Den Sprint auf Tempo 100 absolviert der Italiener in glatten zehn Sekunden, maximal sind 205 km/h drin. Verbrauch: 5,7 l/100 km.
In der Stadt fährt er sich im Dynamic-Modus schon zu nervös, auf der Landstraße dagegen ist das große Klasse.
Alfa steht drauf, Brembo ist drin: Für 380 Euro Aufpreis gibt es eine größere Bremse.
Weniger schön: Nach Schaltvorgängen spricht der Motor jedes Mal mit einer leichten Verzögerung an. Darum hat es auch das Start-Stopp-System nicht leicht, so dass der Fahrer den Motor beim Ampelstart schon mal abwürgt.
Für sportive Fahrweise bieten die Sitze zu wenig Halt, ...
... der Federung gelingt es auf schlechten Straßen nicht, die Karosserie ruhig zu halten.
Auch bei den praktischen Alltagstugenden wie Zuladung (371 Kilo), Kofferraumvolumen (350–1045 Liter) ...
... und Platzangebot für die Passagiere zeigt der Alfa, dass den Italienern schlichtweg andere Werte wichtiger sind.
Platz vier mit 335 von 500 Punkten: Der
Audi A3 Sportback ist mehr als ein teurer Edel-Golf. Doch beim Komforteindruck zeigt sich inzwischen sein Alter. Audi sollte zudem beim Nachfolger die Klimaanlage serienmäßig anbieten.
Der A3 kommt nächstes Jahr neu. Alt wirkt das noch aktuelle Exemplar aber nicht. Die Verarbeitung ist nach wie vor erste Sahne, ...
... der Kofferraum mit seinem Volumen von 370 bis 1100 Litern groß genug.
Nur auf den Rücksitzen kommt das Dach großen Passagieren zu nah. Dafür stimmt die Kniefreiheit in Reihe zwei des Ringträgers.
Obwohl nicht mit Sportfahrwerk ausgerüstet, federt der Testwagen straff. Besonders bei langsamer Fahrt zittert seine Karosserie spürbar, ...
... was zum Glück bei höherem Tempo weniger wird. Insgesamt bietet der A3 hohen Abrollkomfort und viel Fahrstabilität – ein fast idealer Kompromiss.
In vielen Details ist zu spüren, dass sich Audi viel Mühe gibt, den A3 vom Golf abzuheben. So schmeichelt er mit geringerem Kraftaufwand für die Kupplung. Und der 140-PS-Diesel startet mit nur einer kurzen Umdrehung des Zündschlüssels (Easy Start), ...
... während dieser beim VW gedreht und gehalten werden will, um den Motor anzulassen. Dazu trumpft Audi mit einem Start-Stopp-System auf, verbraucht aber mit 5,6 Litern auf 100 Kilometer trotzdem etwas mehr Diesel als der Golf.
Am Gewicht kann es kaum liegen – beide sind fast gleich schwer. An besseren Fahrleistungen auch nicht, ...
... im Gegenteil: Der Audi verfehlt seine Werksangabe zur Beschleunigung um 0,8 Sekunden. In 9,9 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100. Spitze: 210 km/h.
Auch die Lenkungen sind in Audi und Golf nicht identisch. Im A3 wirkt sie einen Tick zu leichtgängig und zeigt so bei flotter Kurvenfahrt wenig Rückmeldung. Na ja, er ist halt doch nicht mehr der Jüngste, dieser Audi, ...
... was sich auch daran zeigt, dass er als einziger Testkandidat serienmäßig keine Klimaanlage an Bord hat.
Sportliches Styling, viel Sicherheitstechnik und gutes Platzangebot zeichnen den
Ford Focus aus. Doch bei Motortechnik und Komfort hat er leichten Nachholbedarf. Am Ende reicht es zu 341 von 500 Punkten und damit zu Platz drei.
Erst rund ein halbes Jahr auf dem Markt und schon nicht mehr ganz aktuell. So bietet der Focus weder ein Start-Stopp-System, ...
... noch lässt sich ein verstellbares Fahrwerk ordern. In diesem hochklassigen Umfeld kann er deshalb beim Fahrkomfort nicht voll überzeugen.
Dazu kommt das wenig übersichtliche Cockpit ...
... und der nicht optimal positionierte Schalthebel. Aber der Focus ist ein Typ, der auf Nummer sicher geht. Denn keiner sonst in diesem Testfeld bietet einen Fahrlichtautomaten serienmäßig.
Dazu kommt eine ganze Armada an aufpreispflichtigen Assistenten wie Notbremssystem, Spurhaltehelfer, ...
... Totwinkelwarner und Schildererkennung. Bei so viel Technik wäre ein größerer Monitor und eine verständlichere Bedienung wünschenswert.
Die Fahr- und Verbrauchstests absolviert der Ford ordentlich. Sein zwei Liter großer Vierzylinder-Diesel mit 140 PS und 240 Nm Drehmoment ...
... schiebt ihn in 9,5 Sekunden in den dreistelligen Tempobereich und bis auf maximal 207 km/h. Auf 100 Kilometer genehmigt sich der Ford im Schnitt 5,7 Liter.
Sein Alltagsnutzen ist fast auf Golf-Niveau – und trotzdem bleibt er eine graue Maus. Überbordende Fahrfreude (BMW), ...
... hohes Qualitätsgefühl (Audi) oder außergewöhnliches Exterieur-Design (Alfa) hat er nicht im Programm.
Gut: Trotz seines flachen Dachs hat der Ford auf der Rückbank Golf-Format.
In einem Punkt ist er einsame Spitze: Fast 600 Kilo Zuladung schafft sonst keiner. Ein echter Lastesel, dieser Ford, mit seinem 363 bis 1148 Liter großen Kofferraum. Wer das gegen den vergleichsweise günstigen Anschaffungspreis aufwiegt, ...
... erhält fürs Geld einen hohen Gegenwert. Und da das Kostenkapitel die starke Seite des Focus ist, sollte Ford unbedingt bei den Wartungsintervallen nachbessern: Ein Jahr oder alle 20.000 Kilometer sind heute nicht mehr zeitgemäß.
Größer, stärker und sparsamer als der Vorgänger kommt der Hecktriebler
BMW 1er mit 350 von 500 Punkten nah an den Testsieger heran. Für einen Sieg müsste er aber vier Vollwert-Plätze bieten.
Ja, der 1er ist größer geworden. Nein, eine Vollwert-Limousine mit vier echten Sitzplätzen für Langstreckenfahrten ist er immer noch nicht. Aus dem 2+2-Sitzer ist ein 2+2,5-Sitzer geworden – immerhin. Das Größenwachstum (8,5 Zentimeter länger) ...
... fällt mit einem Zentimeter mehr Kniefreiheit im Fond bescheiden aus. Auf den Rücksitzen bleibt es eng, ...
... in den Kofferraum (360–1200 Liter) passt eine Einkaufstüte mehr als vorher. Das wird kein Grund sein, ihn zu kaufen, ...
... sondern dieser hier: Der 1er fühlt sich jetzt fast wie ein
3er an. Sein kräftiger Diesel (zwei Liter Hubraum, 143 PS, 320 Nm) ist besser gedämmt. Er drückt den BMW ...
... über die Hinterräder noch mächtiger nach vorn (0–100 km/h: 9,2 s; Vmax: 212 km/h) und beherrscht den Spagat zwischen Spaß und Sparen wie kein Zweiter.
Mit dem adaptiven Fahrwerk (1100 Euro) federt er wahlweise betont komfortabel oder sportlich straff.
Auch die Sportlenkung (450 Euro) ist ihr Geld wert, ...
... so agil bewegt sich kein A3 oder Golf. Für Fahrdynamik-Fans bleibt der Heckantrieb somit das Maß der Dinge.
Zur Serie gehört im neuen 118d der Fahrerlebnisschalter neben dem Schaltknauf. Wer hier den Eco-Pro-Modus aktiviert, macht aus dem 118d ein Sparschwein, ...
... das Klimaanlage, Sitzheizung und Motorsteuerung in den Geiz-Modus schaltet. Und das funktioniert gut, wie unsere Messungen bestätigen: Statt 5,7 Liter Diesel ...
... verfeuert der Motor in der Sparstellung 0,3 Liter weniger auf der AUTO BILD-Verbrauchsrunde. In Sachen Technik und mit seinem variablen Fahrerlebnis bekommt der 1er also eine glatte Eins.
Das alte Lied: Deutschlands Bestseller
VW Golf beherrscht alle kaufentscheidenden Punkte am besten, landet mit 358 von 500 Punkten auf Rang eins. Er hat viel Platz, ist sparsam und glänzt mit guter Verarbeitung.
Den Zweiliter TDI mit 140 PS und 320 Nm unter der Haube, ...
... dazu das adaptive DCC-Fahrwerk ...
... und Highline-Ausstattung – ja, so sieht ein Traum-Golf aus. Perfekt ist der VW dann trotzdem nicht. Denn auf das Start-Stopp-System muss der Highline-Besteller verzichten, während es bei anderen Ausstattungen für ärgerliche 400 Euro (Blue-Motion-Paket) angeboten wird. Was soll das?
Ansonsten liefert der VW die gewohnt souveräne Vorstellung ab. Beste Raumausnutzung mit dem größten Platzangebot in Reihe zwei ...
... und dem größten Maximalvolumen im Kofferraum (350–1305 Liter) ...
... kombiniert mit hohem Antriebskomfort und Perfektion im Detail sind unschlagbare Argumente, ...
... mit den Ledersitze für 1945 Euro lässt sich der Golf zudem zum Nobelauto veredeln.
Mit den verstellbaren Dämpfern schafft der VW eine beachtliche Spreizung zwischen Komfort- und Sportfederung, ...
... allerdings ohne die Güte des BMW zu erreichen. Im Grenzbereich zeigt er mehr Tendenz zum Untersteuern und weniger Präzision in der Lenkung. Sein Vorsprung zum BMW 1er ist also geschrumpft, ...
... in Sachen Fahrleistungen unterliegt er dem Bayern schon jetzt: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Golf 9,4 Sekunden, er schafft maximal 209 km/h. Beim Verbrauch liegt er mit 5,4 Litern auf 100 Kilometer allerdings ganz vorne.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Der 1er wird Zweiter. Gewonnen hat er trotzdem. Fahr- und Komfortgefühl sind besser als beim Vorgänger. Auch das Ambiente im Cockpit wirkt jetzt hochwertiger. Dass er am Golf nicht vorbeikommt, liegt am geringeren Platzangebot und höheren Preis.
Die Anschaffungskosten wiederum sind das Hauptargument für den Focus. Er hat weder große Stärken noch Schwächen – ein Auto für kühle Rechner. Eine Giulietta lehrt solche Rationalisten das Fürchten. Sie ist kleiner und nicht so perfekt. Trotzdem kann man sich in sie verlieben. Unsterblich sogar."
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