Mittelklasse-Kombis auf artfremdem Gebiet: Mit starken Benzinmotoren treten
VW Passat Variant,
Volvo V60,
Ford Mondeo Turnier,
Audi A4 Avant und
BMW 3er Touring (von links) auf dem Sachsenring gegeneinander an. Wie viel Sport steckt in den Lademeistern?
Bis auf den Volvo wirken die Kombis unschuldig und harmlos wie ihre Diesel-Geschwister. Fahrdynamisch sollten sie jedoch deutlich mehr bieten, ...
... schließlich stecken unter den Hauben durchaus vielversprechende Aggregate mit Leistungen zwischen 211 und 240 PS. Emotionale Offenbarungen kann diese Konstellation aber nicht zutage fördern; dafür ist das Kombisegment schlicht zu pragmatisch gestrickt.
Und so bleibt ein
VW Passat Variant auch als 2.0 TSI einfach das, was er eben schon immer sein sollte: ein Raumökonom mit Stil. Elegant, stimmig ...
... und innen stets auf Maß geschneidert. Aus ergonomischer Sicht leistet sich das VW-Cockpit keine Fehltritte. Voraussetzung: der mindestens 495 Euro teure Touchscreen-Bildschirm.
Licht und Schatten: Das Passat-Gestühl bietet sehr hohen Sitzkomfort, aber kaum Seitenhalt.
Erwartungen, die GTI-Maschine könnte das milde Passat-Wesen zumindest im Ansatz nachschärfen, kann man sich getrost schenken. Der Wolfsburger inszeniert seine 211 PS extrem gesittet, ...
... sein Turbovierzylinder zieht gut durch (0–100 km/h: 7,3 s) und dreht fleißig hoch, ...
... bearbeitet die 235er-Vorderräder letztlich aber viel kultivierter als im Golf, ...
... was nicht zuletzt auch am länger übersetzten Getriebe liegt. Für Tacho 250 ist der Transporter-Ersatz bei ausreichendem Anlauf aber allemal gut.
Beim
Ford Mondeo Turnier schiebt sich die Nadel gern auch mal bis ans Skalenende bei 260. Woraus allerdings niemand ableiten sollte, dass der Kölner ein sportlicheres Gemüt hätte. Im Gegenteil, ...
... er wirkt selbst im gestreckten Galopp ähnlich aufreibend wie ein wohltemperierter Kamillentee. Der Mondeo ist ein Gleiter par excellence. Ein Kombi, der sanft abrollt, geschmeidig beschleunigt, seelenruhig liegt, ...
... seinen Fahrer mit opulenter Ausstattung umsorgt, niemals aber auch nur einen Gedanken an übertriebene Dynamik verschwendet.
Selbst sein serienmäßiges Doppelkupplungsgetriebe arbeitet eher wie eine sauber abgestimmte Wandlerautomatik.
Wie geschaffen für entspanntes Herumlümmeln: Die Mondeo-Polster sind sehr bequem, bieten überraschend guten Halt.
Erst die Messwerte belegen: Der riesige Ford täuscht die Sinneswahrnehmung gewaltig. Er spurtet flott (0–100 km/h: 7,4 s), verzögert fadingfrei und beweist jenseits von 200 km/h einen ausgesprochen langen Atem. Verantwortlich dafür ...
... ist der Turbo-Vierzylinder unter der Haube, der aus zwei Litern Hubraum satte 240 PS und – mit Overboost – bis zu 360 Nm Drehmoment holt.
Längsdynamisch kann dem Mondeo in diesem Quintett der
Audi A4 Avant das Wasser reichen. Was auf den ersten Blick vielleicht etwas verwundert, ...
... schließlich strampelt in seinem Bug derselbe 211-PS-Viertöpfer wie im Passat. Audi verhilft dem Motor mittels variablem Ventilhub an der Auslassseite aber zu 350, statt zu 280 Nm Drehmoment. Das ist genug, ...
... um auch im hohen Gang lässig durchzuziehen. In 7,1 Sekunden sprintet der A4 aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht 242 km/h Spitze.
Einen schmusigen Abrollkomfort à la Passat oder Mondeo darf der Audi-Pilot dabei allerdings nicht erwarten. Mit seinem Standardfahrwerk rollt der Ringträger recht hölzern ab, Querfugen bringen ihn ebenfalls etwas aus der Ruhe.
Dafür umschmeichelt das Cockpit seine Passagiere nach Kräften. Kein Wettbewerber versprüht eine ähnlich überzeugende Mixtur ...
... aus technisch kühler Solidität und detailverliebter Perfektion. Etwas anders ...
... sieht die Sache beim Volvo V60 aus. Zwar versucht der Schwede durchaus, modische Akzente zu setzen, macht von außen mit Abstand am meisten her, ...
... wird letzten Endes aber Opfer seiner fummeligen Bedienlogik. "Schwebende Mittelkonsole" hin, Aludekor her, ...
... spätestens beim Versuch, sich durch das mittige Knöpfchen-Ensemble zu navigieren, findet der Spaß für Volvo-Novizen ein ziemlich jähes Ende. Eines sollte man dem V60 dabei allerdings zugute halten: Einige seiner Tasten stecken aus löblicher Überzeugung im Instrumententräger, ...
... traditionell nehmen die Schweden das Thema Sicherheit für die Passagiere ja besonders ernst. Und so lässt sich auch der V60 mit zahlreichen Assistenzsystemen anfüttern, ...
... welche bei der Konkurrenz längst noch nicht zum Standardsortiment zählen. So wachen gegen 1950 Euro Aufpreis Kameras und Sensoren über Abstand, Spur und toten Winkel. Und auch den sportlichen Zuschnitt ...
... betreiben die Schweden konsequenter als ihre Mitbewerber. So staffiert die Ausstattungslinie R-Design den V60 nicht nur mit optisch reizvollem Beiwerk aus, sie bestückt ihn auch mit 18 Zoll großen 235er-Gummis sowie einem sauber abgestimmten Sportfahrwerk.
Im V60 T5 ackert nichts anderes als der Mondeo-Motor. Allerdings erlauben sich die Schweden bei der Interpretation des Antriebs einige Freiheiten, ...
... koppeln die Maschine mit einem manuellen Sechsganggetriebe (bei Ford ab Oktober 2011 erhältlich) und stutzen via Elektronik auch den Drehmomentgipfel um 20 Nm. Beim Wettsprinten (0-100 km/h: 7,5 s) verliert der Schwede dadurch einige Zehntel, ...
... das Ansprechverhalten im unteren und mittleren Drehzahlbereich profitiert dafür allerdings spürbar.
Eine Sonderrolle spielt der
BMW 3er. Nicht nur weil er seine Vierzylinder-Rivalen beim Thema Laufruhe in Grund und Boden säuselt, sondern auch weil er sich als Einziger den Sauerstoff noch auf ehrlichem Wege in die Brennräume saugt.
Natürlich braucht es dabei hohe Drehzahlen, um kraftvoll durchzuatmen. Doch diese seien ihm gegönnt, ...
... schließlich überzeugt sein manuelles Sechsganggetriebe als herzerfrischend knackiger Taktgeber.
Abgesehen vom souveränen Turboschub aus der Drehzahlsenke steht der drei Liter große Reihensechszylinder (218 PS, 270 Nm) seinen aufgeblasenen Konkurrenten kaum nach. Im Gegenteil: Er ist ehrlicher, direkter, ...
... vor allem aber wandlungsfähiger. Mal Genussmotor, mal Drehzahlhengst, mal dezenter Leisetreter, mal sonorer Opernsänger. Mit 7,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 248 km/h Spitze liegt er auch bei den Fahrleistungen vorne.
Nach guter alter BMW-Tradition funktioniert auch die Rollenverteilung beider Achsen, hinten wird angetrieben, vorn die Richtung dirigiert. Ein Erbe der aktuellen Firmenphilosophie ist dagegen die 225er-Einheitsbereifung mit Runflat-Technologie.
Sachlich, kühl und dank iDrive wunderbar aufgeräumt: Das 3er-Cockpit geizt vielleicht mit Charme, ...
... ist für den Piloten aber ausgesprochen übersichtlich. Und der fragt sich: Kann der 325i das ewige Versprechen vom Klassendynamiker eigentlich auch einlösen?
Die Entscheidung fällt am Sachsenring. Erster Proband: der VW Passat. Trotz seiner potenten Antriebseinheit und dem aufpreispflichtigen Adaptivfahrwerk ...
... fühlt sich der VW im wilden Auf und Ab der Rennstrecke relativ unwohl. Seiner fein austarierten Lenkung stehen ausgeprägte Wankbewegungen ...
... und starkes Untersteuern gegenüber. Hohe Kurventempi bleiben trotz Breitreifen ein frommer Wunsch. Die Bestzeit: 1:51,06 Minuten.
Etwas besser schlägt sich der durchzugsstarke Audi. Der Ingolstädter fährt dank seiner potenten Kraftquelle die schnellste Zeit in Sektor eins, ...
... erweist sich in den kurvigen Passagen aber als äußerst zwiespältiges Vergnügen. Seine Vorderachse ist dem Motordrehmoment nicht immer gewachsen, ...
... bei zu forschem Gaseinsatz torkelt der A4 untersteuernd von der Ideallinie. In den schnellen Ecken fehlt es dagegen der Hinterachse an Seitenführung. Bestzeit: 1:50,58 Minuten.
Anders beim Ford: Der Kölner radiert in engen Ecken zwar ebenfalls kräftig über seine Vorderräder, bleibt bei hohem Tempo dafür aber ausgewogener. Zudem kompensiert er mit seinem Antritt so manche Zehntel, ...
... welche er in Omega und Queckenbergkurve liegen lässt. Eine bessere Zeit vereitelt dafür das Powershift-Getriebe, das seine Ritzel meist absolut planlos umherschiebt. Am Ende bleibt die Stoppuhr bei 1:50,50 Minuten stehen.
Derlei Nachlässigkeiten sind dem Volvo-Piloten dank der exakten Handschaltung fremd. Überhaupt spielt der V60 querdynamisch in einer ganz anderen Liga als VW, Audi und Ford, ...
... er bietet hohen Grip an der Vorderachse, dreht auf Lastwechsel-Kommando kontrollierbar ein und trifft dank zielgenauer Lenkung jeden Scheitel auf den Zentimeter.
Die schnellste Runde (1:47,69 Minuten) kann sich der Schwede damit sichern, den Sieg verpasst er letztlich aber doch um Haaresbreite. Weshalb?
Weil der 325i den Rundstreckentanz noch etwas leichtfüßiger darbietet. Der Bayer lenkt zwar nicht ganz so freudig ein wie der Volvo, zirkelt dafür aber flinker um die schnellen Ecken, ...
... dank Hinterradantrieb beschleunigt er auch besser aus Kurven heraus, was sein Leistungsmanko auf der Geraden teilweise kompensiert.
Eine gefühlvolle Lenkung und standfeste Bremsen komplettieren schließlich seine rundum gelungene Vorstellung, in einen Drift lässt sich der 3er nur mit viel Geschick zwingen. Mit einer Zeit von 1:47,74 Minuten bleibt er nur fünf Hundertstel hinter dem Volvo.
Platz fünf: VW Passat Variant 2.0 TSI mit drei Sternen (3,1) • Längsdynamik: drei Sterne • Querdynamik: zweieinhalb Sterne • Alltag: fünf Sterne • Preis/Leistung: dreieinhalb Sterne • Emotion: eineinhalb Sterne • Grundpreis: 33.675 Euro.
Platz drei: Ford Mondeo Turnier 2.0 EcoBoost mit drei Sternen (3,3) • Längsdynamik: dreieinhalb Sterne • Querdynamik: drei Sterne • Alltag: viereinhalb Sterne • Preis/Leistung: vier Sterne • Emotion: eineinhalb Sterne • Grundpreis: 34.100 Euro.
Platz drei: Audi A4 Avant 2.0 TFSI mit drei Sternen (3,3) • Längsdynamik: dreieinhalb Sterne • Querdynamik: drei Sterne • Alltag: viereinhalb Sterne • Preis/Leistung: drei Sterne • Emotion: zweieinhalb Sterne • Grundpreis: 36.750 Euro.
Platz zwei: Volvo V60 T5 R-Design mit dreieinhalb Sternen (3,4) • Längsdynamik: drei Sterne • Querdynamik: vier Sterne • Alltag: vier Sterne • Preis/Leistung: drei Sterne • Emotion: drei Sterne • Grundpreis: 39.550 Euro.
Platz eins: BMW 325i Touring mit dreieinhalb Sternen (3,5) • Längsdynamik: drei Sterne • Querdynamik: vier Sterne • Alltag: vier Sterne • Preis/Leistung: drei Sterne • Emotion: dreieinhalb Sterne • Grundpreis: 37.900 Euro
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