Kann ein herzhaft nagelnder Dieselkombi wirklich Emotionen wecken und Fahrspaß bereiten? Auf der Suche nach einer Antwort hat AUTO BILD SPORTSCARS
Alpina D3 Biturbo Touring,
Citroën C5 Tourer HDi 200 by Carlsson und
Volvo V60 D5 by Heico Sportiv (von links) verglichen.
Auf dem dritten Platz landet der Citroën C5 by Carlsson mit 3,2 von 5 Sternen. Der Franzose bleibt auch nach der Überarbeitung eindeutig ein Cruiser, mimt den Packesel am besten. Größe und Gewicht bremsen ihn auf der Geraden, in Kurven ...
... und schließlich auch in der Punktewertung ein. Daran kann auch seine opulente Serienausstattung, die von Bi-Xenonlicht über elektrische einstellbare Vordersitze bis hin zum Navigationssystem allen Komfort umfasst, nur wenig ausrichten.
Ohne aktivierten Sportmodus wirkt die Automatik des Franzosen beim Anfahren geradezu verschlafen, schaltet extrem früh hoch, zwingt dem C5 einen trägen Charakter auf ...
... und raubt seinem an sich munteren Biturbo-Diesel einiges an Temperament. Der 2,2 Liter große Vierzylinder ist mit 204 PS und 440 Nm das schwächste Aggregat des Vergleichs, ...
... was in Kombination mit 1,8 Tonnen Gewicht zu den bescheidensten Fahrleistungen führt: In 9,4 Sekunden geht es im C5 aus dem Stand auf Tempo 100, maximal sind 225 km/h drin.
Die Rolle des zügigen Gleiters spielt der C5 dagegen überzeugend. Das großzügigste Platzangebot, die höchste Zuladung und eine gute Geräuschdämmung prädestinieren ihn für ausgedehnte Touren.
Dazu garniert die hydropneumatische Federung das Ganze mit schmusigweichem Fahrkomfort, ...
... wenngleich die zum Carlsson-Paket gehörenden 19-Zöller auf Kanaldeckeln ein gewisses Poltern ins Spiel bringen. Bei flotter Landstraßenhatz ist es im Citroën allerdings vorbei mit der Gemütlichkeit, ...
... seine lasche Lenkung meidet jegliche Rückmeldung und geht zu leichtgängig zu Werke. In zügig durchfahrenen Kurven ...
... neigt sich der C5 Tourer kräftig zur Seite und untersteuert mehr als seine Konkurrenten, ...
... dabei geben die wulstig geschnittenen, weichen Sitze zu wenig Seitenhalt.
Auch das Bremspedalgefühl ist recht teigig, die Stopper lassen sich daher nicht optimal dosieren.
Entkoppelt: Auch der Sportmodus der Federung macht aus dem Citroën keinen Racer.
Preislich sortiert sich der Citroën zwischen seinen beiden Konkurrenten ein: Für einen von Carlsson veredelten C5 Tourer werden 45.510 Euro fällig.
Platz zwei geht mit 3,7 von fünf Sternen an den V60. Tuner Heico zeigt eindrucksvoll, warum er den Titel "Recommended by Volvo" trägt – derart engagiert prescht der V60 um die Kurve. Allerdings regiert auch bei Bummeltempo straffe Härte, ...
... der bullige Fünfzylinder lässt sich nicht so fein dosieren wie der Motor des Alpina. Dazu agiert seine Getriebeautomatik zwar lebhafter als in der Serie, im Vergleich zum Alpina aber zögerlicher.
Satt blubbert es aus dem Auspuff des veredelten Volvo V60. Unter Volllast schwillt der Klang auf ein Niagara-Fälle-ähnliches Rauschen an. Bei Lastwechseln zischt es vernehmlich, dazu gesellt sich ein verrucht-dunkles Reihenfünfzylinder-Knurren. Von wegen, Diesel klingt nicht!
Dank elektronisch herbeigeführter Leistungssteigerung schickt der 2,4 Liter große, doppelt aufgeladene Reihenfünfzylinder 230 PS und 460 Nm in den Antriebsstrang. Agiert der D5 im Serientrimm noch leicht verträumt, ...
... schnappt die Heico-Ausführung nach Überwindung einer leichten Turboflaute willig Vortriebsbefehle auf und setzt sie in bulligen Antritt um. Nach 7,4 Sekunden liegt Tempo 100 an, erst bei 235 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Der Heico V60 zaubert beim Kurvenräubern das breiteste Grinsen ins Gesicht. Giftig lenkt er ein, bissig verzahnt sich seine Vorderachse mit dem Scheitelpunkt, ...
... dabei neigt sich der Schwede kaum zur Seite und untersteuert mit Abstand am wenigsten. Das sehr straff abgestimmte Sportfahrwerk von Heico ist für ambitionierte Piloten jeden Cent wert, ...
... fordert im Gegenzug aber gewisse Abstriche beim Fahrkomfort. Kurze Stöße dringen spürbar durch, ...
... auch wegen der mit drei Bar Fülldruck operierenden Reifen. Die Serienbremsen dürften darüber hinaus bissiger und feinfühliger ansprechen – hierfür hält Heico eine Sportbremse bereit.
Dezente Aufwertung: Heico reichert das avangardistisch-kühle Interieur mit Fußstütze und Schalthebel aus Aluminium an.
Die Automatik des Volvo arbeitet zügiger als die des Citroën, aber gemächlicher als das Getriebe im Alpina.
Teurer Blickfang: Der 19-Zoll-Komplettradsatz Volution VII ist Bestandteil des grandiosen fahrdynamischen Gesamtpakets, kostet happige 4200 Euro ...
... und treibt den Preis des Volvo V60 D5 by Heico Sportiv auf 51.201 Euro – das mit Abstand teuerste Auto dieses Vergleichs.
Platz eins mit 3,8 Sternen: Am Ende muss man dem Alpina D3 seinen ausgewogenen Komfort ebenso zugutehalten wie die Tatsache, dass er trotz Leistungsnachteil und entsprechend schlechterem Leistungsgewicht gegenüber dem Heico etwas bessere Beschleunigungswerte ...
... und eine etwas höhere Endgeschwindigkeit erreicht. Dazu bremst er am besten, knausert am meisten mit dem Sprit und offeriert seine feinfühlig agierende Motor-Getriebe-Kombination zu einem angemessenen Preis.
Sehr kultiviert: Der zwei Liter große Biturbo-Vierzylinder im D3 spricht am sensibelsten an und dreht bis 5200 Touren. Seine 214 PS und 450 Nm Drehmoment ...
... sorgen für die besten Fahrleistungen des Vergleichs: Den Sprint von 0 auf Tempo 100 erledigt der veredelte Dreier in 7,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 241 km/h, ...
... aber akustisch macht der Wagen nicht besonders an. Mehr Schein als Sein, entweicht den schimmernden Endrohren nur schnöder Dieselklang.
Agil wetzt der Alpina durch die Biegungen. Nicht nur sein im Vergleich zur Konkurrenz spürbar geringeres Gewicht, auch die exakt arbeitende Lenkung spenden viel Fahrspaß, ...
... fein nuanciert reagiert sie ab der Mittellage auf Lenkbefehle und liefert genügend Rückmeldung über den Gripzustand der Vorderräder. Am Kurvenausgang punktet der D3 Biturbo Touring mit guter Traktion, ...
... bleibt auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten lange neutral, bevor er sachte über die Vorderräder samt einer gesunden Portion Seitenneigung zum Kurvenaußenrand schiebt ...
... und das ESP zum Eingriff zwingt. Seine Bremsen glänzen zudem mit feiner Dosierbarkeit und straffem Pedalgefühl.
Idealer Partner für den Motor ist die hellwache Sechsstufen-Automatik, ...
... die Schaltbefehle auf Knopfdruck spontan umsetzt.
Sicherer Arbeitsplatz: Die Sportsitze mit Alpina-Logo in der Lehne geben guten Seitenhalt.
Klassisch: Vielspeichenräder, hier in 18 Zoll, genießen bei Alpina eine lange Tradition ...
... und gehören beim D3 Biturbo Touring zum Serienumfang. Mit 41.850 Euro ist der Dreier das günstigste Auto in diesem Vergleich.
Das Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Frank Wiesmann: "Sparsam, flott, komfortabel, dynamisch und vor allem ausgewogen: Der Alpina mischt in jeder Disziplin stets vorn mit, leistet sich keine Schwäche und gewinnt verdient, ...
... wenn auch nur knapp. Der von Heico veredelte V60 rückt ihm mit konsequent sportlichem Fahrwerk und unglaublich anmachendem Klangteppich sehr dicht auf die Pelle. Das stämmige, ungehobelte Nordlicht behält dabei seine Ecken und Kanten, ...
... weckt somit also auch die meisten Emotionen. Citroën stellt schließlich den talentiertesten Kombi, aber keinen guten Sportler."
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