Wie schlägt sich
VW gegen Herausforderer
Hyundai, wenn es auch um den Kaufpreis geht? Wenn der Preis pro Testpunkt den Ausschlag gibt? Nach dem 2:1 für die Koreaner im
ersten Teil des großen Preis-Leistungs-Vergleichs will VW in den Duellen
Polo gegen
i20,
Golf Plus gegen
ix20 und
Passat Variant gegen
i40 zurückschlagen.
Mit Kleinwagen kennen sich Koreaner gut aus. Aber kann der
Hyundai i20 auch gegen den Klassenprimus
VW Polo bestehen?
Schon beim Öffnen der Hyundai-Tür wird der Unterschied deutlich: Sie wirkt blechern. Innen folgen ein glänzendes Kunststoff-Lenkrad ...
... und viel Hartplastik. Der i20 verströmt noch das Korea-Flair der frühen Jahre, ...
... Rumpel-Fahrwerk, mäßige Bremsen, lärmender Vierzylinder und starke Untersteuer-Tendenz inklusive. Nein, so kann er einen Volkswagen ...
... qualitätsmäßig nicht packen. Denn der Comfortline-Polo schmeichelt mit hochwertiger Anmutung. VW hat ihm nicht nur optisch eine ordentliche Portion Golf-Gene mitgegeben. Straffe Sitze, ...
... klares Cockpit-Layout ...
... und flutschige Schaltführung: Er macht einen durch und durch ausgereiften Eindruck.
Nur beim Antrieb liegt der etwas stärkere i20 mit seinem 1,2 Liter großen Vierzylinder (78 PS, 119 Nm) auf Augenhöhe. Er ist genauso schnell, ...
... schluckt einen Tick mehr (6,0 l/100 km) und spurtet etwas besser von der Ampel weg (0–100 km/h: 13,0 s). Das ist kein Wunder, ...
... denn im Polo-Bug sitzt der drehmomentschwächere Dreizylinder (1,2 Liter, 70 PS, 112 Nm), ...
... der zudem beim Beschleunigen (0–100 km/h: 14,0 s) an den Sound einer rauschenden Klospülung erinnert. Auf 100 Kilometer rinnen 5,7 Liter Super durch die Brennräume.
Wie der i20 schiebt auch der Polo bei scharfer Fahrweise untersteuernd über die Vorderräder. Beim langsamen Dahinrollen in vom Bauamt vernachlässigten Nebenstraßen ...
... schüttelt das VW-Fahrwerk die Insassen ordentlich durch – eine typische Kleinwagen-Eigenart.
Trotzdem: Als reine Transportmittel sind beide Autos sehr gute Alltagsbegleiter, wobei der i20-Kofferraum mit 295 bis 1060 Litern etwas mehr verpackt ...
... als das Gepäckabteil des Polo, das 280 bis 952 Liter groß ist.
Da der i20 1.2 Comfort mit 14.250 Euro nur rund zehn Prozent günstiger ist und weniger Komfortausstattung mitbringt als sein Konkurrent, reicht es für den Hyundai nicht. Bei 282 von 500 Zählern in der Endabrechnung kostet jeder Punkt bei den Koreanern 50,53 Euro, ...
... beim VW nur 49,17 Euro. Ein klarer Preis-Leistungs-Sieg für den Polo 1.2 BMT Comfortline (15.685 Euro), der auch die Eigenschaftswertung mit 319 Punkten deutlich gewinnt.
Das Fazit: "Am Polo führt in der Kleinwagenklasse kein Weg vorbei, sein Konzept ist ausgewogen wie kaum ein zweites. Auf rund vier Meter Länge bietet er ausreichend Platz für vier Personen und Gepäck, federt erwachsen und kostet unterm Strich nur wenig mehr als der Hyundai. Auch der i20 ...
... ist kein schlechtes Auto, gefällt mit seinem quirligen Motor und sportlichem Fahrverhalten. Trotzdem ist der Polo nicht nur das bessere Auto, sondern als Preis-Leistungs-Sieger auch der bessere Kauf." Wolfsburg schafft den Ausgleich.
Hyundai vs. VW: 2:2.
Wenn Nutzwert und niedrige Kosten im Fokus stehen, dann wird es richtig eng für den Golf im Kampf gegen die Konkurrenz aus Korea. Oder nicht?
Hyundai ix20 und
VW Golf Plus im Duell.
Ist das erste Kind unterwegs, ist Schluss mit Sportwagen. Praktisch und preiswert müssen Familienautos sein. Bei Hyundai und VW übernehmen ix20 und Golf Plus die Rolle der Pampers-Bomber perfekt, ...
... auch wenn der ix20 vom Kleinwagen i20 abstammt und der Golf eine halbe Nummer größer ist.
Denn die Koreaner haben ihre Hausaufgaben gemacht: Obwohl der ix20 gut zehn Zentimer kürzer ist als der Golf Plus, steht er ihm in puncto Platzangebot weniger nach, als die Papierform vermuten lässt, ...
... auch wenn es sich hinten im Golf Plus etwas besser sitzen lässt als im ix20.
Nur bei Qualität und verwendeten Materialien merkt man dem Golf an, dass er aus der nächsthöheren Klasse stammt. Überraschend: Wo im Golf auf dem Navibildschirm noch eine pixelige Punktmatrix flackert, ...
... strahlt im ix20 ein Display mit der Brillanz eines Smartphones. Ansonsten ist die Qualität eher mau, ...
... harte Kunststoffe und billige Details prägen das Interieur des Hyundai.
Beim Kofferraumvolumen glänzt der Koreaner: Hinter die Heckklappe des ix20 passen 440 bis 1486 Liter, ...
... der Golf Plus muss da mit 395 bis 1450 Litern passen.
Wenig Unterschiede gibt es trotz gegensätzlicher Konzepte im Antriebskapitel. Der Golf beschleunigt ein wenig träger (0–100 km/h: 11,1 s; Vmax: 195 km/h) und bietet ähnlichen Durchzug, ...
... kann sich aber beim Testverbrauch (7,4 l/100 km) trotz weniger Hubraum (1,4 Liter, 122 PS, 200 Nm) und moderner Turboaufladung nicht vom konventionellen Hyundai absetzen. Grund ist das um rund 200 Kilogramm höhere Leergewicht des Golf Plus, ...
... das ihm andererseits beim Komfort einen leichten Vorteil bringt. Er liegt satter auf der Straße und federt besser ...
... als der nervös und ein wenig kleinwagenhaft wirkende Hyundai.
Im Bug des ix20 arbeitet ein 1,6 Liter großer Vierzylinder mit 125 PS und 156 Nm Drehmoment, ...
... der den Koreaner in 10,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt und für 184 km/h Spitze gut ist. Der Verbrauch liegt mit 7,3 Litern auf 100 Kilometer einen Zehntelliter unter dem des Golf Plus.
In der Testwertung kann sich der Golf Plus 1.4 TSI Comfortline (354 Punkte) mit 23 Punkten Vorsprung gegen den kleineren ix20 durchsetzen. Bei einem Preis von 24.305 Euro (inklusive 17-Zoll-Bereifung für 955 Euro) kostet jeder Punkt 68,66 Euro.
Der ix20 1.6 Style ist mit 21.300 Euro deutlich günstiger als sein Konkurrent und kann das Duell unterm Strich mit 64,35 Euro pro Punkt klar für sich entscheiden.
Das Fazit: "Auch als Plus führt am Golf kein Weg vorbei, sucht man ein ausgereiftes Auto ohne nennenswerte Mängel. Er bietet einen fein verarbeiteten, ergonomisch nahezu perfekten Innenraum. Die Sitzposition ist angenehm hoch, ...
... das Platzangebot besser als beim kleineren Hyundai. Der ix20 kann – obwohl er auf einem Kleinwagen basiert – trotzdem in allen Punkten gut mithalten. Weil er deutlich billiger, aber kaum schlechter ist, gewinnt er das Preis-Leistungs-Duell."
Hyundai vs. VW 3:2.
Der
VW Passat Variant ist bei den Familien-Kombis eine feste Größe. Hyundai kontert mit dem auffällig gestylten
i40. Steckt unter dem hübschen Blechkleid auch ein Sieger?
"Wer sagt, dass Mittelklasse nicht Spitzenklasse sein kann?", so provokant bewirbt Hyundai den i40. Doch ist das große Selbstbewusstsein gerechtfertigt? Kann der Korea-Kombi gegen den Passat bestehen? Klare Antwort: nein!
Er macht zwar auf den ersten Blick einen hochmodernen Eindruck und schmeichelt im Cockpit mit edler Materialanmutung, ...
... doch dann geht es los: Der Hyundai hat mit 553 bis 1719 den kleineren Laderaum, kann mit 516 Kilogramm auch deutlich weniger zuladen ...
... als der Passat, der 604 Kilogramm schleppen kann. Das Gepäckabteil des VW schluckt zwischen 603 und 1731 Liter ...
... und gefällt mit schönen Detaillösungen wie der Fernentriegelung der Rücksitzlehnen.
Auch beim Verbrauch liegt der Koreaner hinten: Der i40 genehmigte sich im Testdurchschnitt glatte sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer, ...
... während der Passat Variant sich auf der gleichen Distanz mit 5,5 Litern zufrieden gab.
Aber immerhin kann der i40 mit der viel umfangreicheren Serienausstattung und den besseren Bremsen punkten. Beim Antriebs- und Abrollkomfort fehlt ihm jedoch ein ganzes Stück Feinschliff zum Passat.
Weil sein hubraumschwächerer Motor (1,7 Liter, 136 PS, 330 Nm) den Drehmomentgipfel erst bei 2000 Touren erreicht, ...
... zeigt der i40 im Stadtbetrieb stets eine kleine Anfahrschwäche (0–100 km/h: 10,8 s). Auf der Autobahn (Vmax: 200 km/h) produzieren die A-Säulen deutlich vernehmbare Windgeräusche. Und auf schlechten Straßen ...
... federt er spürbar rustikaler als der Volkswagen, der das alles gelassener und souveräner absolviert.
Kein Wunder also, dass der Hyundai dem Fahrer ein trägeres Fahrgefühl vermittelt. Schnelle Landstraßentouren bereiten jedenfalls keinen uneingeschränkten Spaß. Zumal die gefühllose Lenkung zu wenig Rückstellkräfte überträgt.
Im Passat sorgt ein zwei Liter großer Vierzylinder für Vortrieb. Die 140 PS und 320 Nm Drehmoment reichen, ...
... um den VW in glatten elf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 210 km/h zu beschleunigen.
Seine Nachteile kann der Hyundai 1.7 CRDi Premium mit günstigerem Preis und den deutlich besseren Garantien nicht ausgleichen. Jeder seiner 347 Zähler im Testergebnis muss mit 93,89 Euro bezahlt werden, ...
... und damit liegt am Ende der VW deutlich vorn. Da der Passat Variant 2.0 TDI BMT Comfortline mit 33.356 Euro nur 776 Euro teurer ist als sein Konkurrent, er aber 375 Zähler holt, kostet hier jeder Punkt nur 88,97 Euro.
Das Fazit: "Wer einen großen Diesel-Kombi kauft, will viel Platz, praktische Detaillösungen und einen sparsamen Antrieb. Das alles bietet der Passat in einem Maß, das überzeugt. Besonders bei Thema Komfort und Fahrerlebnis ...
... kann er sich deutlich fühlbar vom Newcomer aus Korea absetzen. Der i40 ist alles andere als ein schlechtes Auto, doch angesichts der relativ kleinen Preisdifferenz zum VW, heißt der klare Sieger Passat Variant." Endstand Hyundai vs. VW: 3:3.
Wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht? Hyundai und Volkswagen trennen sich im großen Preis-Leistungs-Vergleich von AUTO BILD unentschieden. Eine Sensation – gegen die scheinbar allmächtigen Volkswagen. Das haben die Koreaner vor allem der in den vergangenen Jahren deutlich verbesserten Qualität ihrer Produkte zu verdanken. Motoren, Getriebe, Fahrwerke, ...
... Hyundai kann problemlos gegen Mitbewerber wie Opel und Ford bestehen. Gegen Volkswagen hingegen tun sich die Koreaner schwerer. Die Autos aus Wolfsburg leisten sich kaum Schwächen. Aber sie sind teuer, das letzte Quäntchen Qualität lässt VW sich gut bezahlen.
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