Korea setzt zum Überholen an: Mit dem neuen
Optima will Kia in der Mittelklasse ganz weit nach vorne fahren. Einer der Gegner ist überarbeitete
Toyota Avensis. Wer hat im ersten Vergleich die Nase vorn?
Deutliche Unterschiede: Während sich Toyota bei der Modellpflege des Avensis mit Feinarbeit im Detail aufhält, bringt Kia mit dem Optima eine Neukonstruktion an den Start. Und was für eine. Vorbei die Zeiten, in denen ein Kia nur billig war.
Der Optima ist eine ausgewachsene Limousine jenseits der Peinlichkeitsschwelle. Mit gelungenen Proportionen, ...
... gefälligen Leuchten ...
... und netten Details wie der an den
Jaguar XF erinnernden C-Säule. Keine Frage, der Optima fällt auf, ...
... ganz im Gegensatz zum Avensis, der grauen Maus. Nichts stört, aber es regt eben auch nichts an. Selbst eingefleischte Markenfans ...
... werden die Änderungen an Scheinwerfern ...
... und Rückleuchten nur beiläufig registrieren.
Im Innenraum des Kia zeigt sich, warum der Ritterschlag von VW-Chef Martin Winterkorn auf der IAA für den koreanischen Konzern berechtigt war. Trotz der geschwungenen Formen finden sich die Finger schnell zurecht.
Die Qualität hält selbst schärfster Prüfung stand: geschäumte Kunststoffe, kein Müffeln, kein Klappern. Dazu (zumindest in der Top-Ausstattung "Spirit") feine Details wie Lenkradheizung, Infinity-Soundsystem, Panoramaglasdach ...
... und voll elektrische Ledersitze.
Fast schon Audi: Kia platziert ein farbiges Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser.
Ganz anders der Toyota. Selbst in der teuersten Executive-Ausstattung liegt trotz Holzimitats und Alcantara-Sitzen ein leichter Grauschleier über dem Interieur, selbst ein
VW-Passat-Innenraum wirkt anregender.
Zwischen den Instrumenten findet sich im Toyota nur eine grobpixelige, bernsteinfarbene Anzeige, ...
... allerdings ist auch der Avensis gut zu bedienen, die Qualität passt. Alles, was anfassbar ist – ob Türöffner, Armaturenbrett, Schalter oder Lenkrad –, wirkt solide und gut verarbeitet.
Platz da: Der Kia bietet selbst für Zwei-Meter-Insassen reichlich Platz, das Glasdach kostet aber Kopffreiheit.
Ausreichend: Der Avensis ist kleiner als der Optima. Unter Platznot leidet aber auch hier niemand.
Auch in Fahrt zeigt sich, dass der Kia das modernere Auto ist. Obwohl der Optima vor allem für die Märkte in den USA und Asien konzipiert wurde, ist er ganz nach Europas Geschmack abgestimmt. Der Kia gibt mit straffem, ...
... aber nicht zu hartem Fahrwerk, direkter Lenkung und knurrigem Diesel den Sportler. Ungewohnt in einem Koreaner. Passt aber prima zu seinem flotten Design – und auch zu einer Mittelklasselimousine. Kia übertreibt es mit der Dynamik nicht – anders als Audi über viele Jahre.
Zum echten Langstreckengleiter taugt der Optima aber vor allem wegen seines gemeinsam mit Hyundai entwickelten 1,7-Liter-Diesels mit 136 PS. Ein echter Sahnemotor, ...
... der vom flotten Antritt (0–100 km/h: 10,6 s) bis zum gelassenen Gleiten eine erstaunliche Bandbreite beherrscht ...
... und nicht mal ein Säufer ist. Im Schnitt sollen dank Start-Stopp-Automatik knapp fünf Liter Diesel für 100 Kilometer ausreichen.
Noch ein wenig sparsamer ist der Toyota. Feinarbeit an Motor und Turbolader senkt den Verbrauch auf 4,5 Liter, ...
... und auch die Geräuschdämmung des Zweiliter-Diesels (124 PS, 310 Nm) ...
... und das Fahrwerk haben die Toyota-Ingenieure gegenüber dem recht raubeinigen Vorgänger überarbeitet. Jetzt überzeugt die Beinarbeit. Der Avensis schafft nun ebenfalls den Spagat ...
... zwischen komfortablem Federn und ausreichender Dynamik. Auch wenn wir die in dem Toyota bisher nicht vermisst haben.
In einem sind sich Japan und Korea einig: Gegenüber den deutschen Platzhirschen halten sie einen deutlichen Preis-Abstand. Der Avensis kostet in mittlerer Sol-Ausstattung 26.800 Euro, rund 4000 Euro weniger als ein ähnlich ausgestatteter VW Passat.
Der Kia ist unterm Strich nicht nur besser, sondern auch noch einmal 2300 Euro günstiger als der Toyota. Beim Koreaner darf mit einem Einstiegspreis von rund 24.500 Euro gerechnet werden.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Stefan Voswinkel: "Respekt, Kia! Diesem Auto steht für einen Erfolg auf dem deutschen Markt nur noch sein Ruf im Weg. Der Optima sieht modern aus, ist ein echter Hingucker. Sein Innenraum ist gut verarbeitet und geräumig, ...
... zudem fährt er mit straff abgestimmtem Fahrwerk und tollem Diesel richtig gut. Ein Geheimtipp in der Mittelklasse – zu günstigen Preisen. Obwohl Toyota bei der Überarbeitung des Avensis viele Kritikpunkte abgearbeitet hat, ...
... fehlt dem Japaner auch künftig jedes Charisma – die Taktik der kleinen Schritte rächt sich. Trotz des sparsamen, spritzigen Diesels, eines komfortablen Fahrwerks und niedrigen Preisen wird es so sicher schwer, auf höhere Stückzahlen zu kommen."
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