Der
Kia Rio (links) mischt derzeit die Kleinwagenklasse auf. Kann sich der Koreaner auch gegen den jüngst überarbeiteten
Nissan Micra (Mitte) und gegen den neuen
Toyota Yaris (rechts) durchsetzen?
Platz drei geht mit 385 von 500 Punkten an den Nissan: Früher ein Star unter den Kleinen, ist der
Micra nun ein Verlierer. Lieblose Verarbeitung, ...
... schlechten Komfort und das knappe Raumangebot kann auch der energische und sparsame Motor nicht ausgleichen.
Als einziger Testkandidat setzt der Micra auf einen Dreizylinder – und Aufladung per Kompressor. Der Verdichter plustert den 1,2-Liter-Motor auf 98 PS und 142 Nm, die allerdings erst bei untypisch hohen 4400/min erreicht werden. Unterhalb von 1200 Touren arbeitet die Maschine als klassischer Sauger, ...
... was den Spritkonsum niedrig halten soll. Im Verbrauch liegt der Micra (5,7 l/100 km) tatsächlich 0,4 Liter pro 100 km unter den anderen. Doch auf der Autobahn fängt er dann das Saufen an, ...
... zudem stört die unharmonische Kraftentfaltung im Stil früher Turbomotoren, der volle Schub setzt erst bei 3500/min ein – und zwar so, als sei dem Micra ein Lieferwagen ins Heck gedonnert. So geht es in 10,7 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 183 km/h.
Über Landstraßen schunkelt der stark unterdämpfte Micra, während der Fahrer im hakeligen Fünfganggetriebe herumrührt und mit der unverbindlichen Lenkung versucht, den Kurs in seinem Sinne zu beeinflussen. Weil das ESP autoritär und früh regelt, ...
... bleibt alles sorgenfrei. Doch auch beim mäßigen Federungskomfort und dem hohen Geräuschpegel fragt man sich, ob das der alte Micra nicht besser konnte als der neue.
Den Micra steckt Nissan in Indien zusammen. Höflich formuliert gibt es da durchaus Verbesserungspotenzial in puncto Sorgfalt und Materialgüte. Das zeigen wackelige Cockpitverkleidungen.
Mit seinen hochbockigen, knapp geschnittenen und rutschigen Ledersitzen (Option) fällt der Micra in Sachen Reisekomfort ab. Vier Passagiere kommen hier mit knappem Kopfraum vorn und im engen Fond nur gedrängt unter.
Nettes Gimmick: Stellt Start-Stopp den Motor ab, zeigt ein Display an, wie viel CO2 dadurch gespart wird – rund ein Kilo auf 1000 km.
Nur beim Micra klappen Sitzlehne plus -bank und hinterlassen eine hohe und ebene Ladefläche. Dem mit 1132 Litern größten Maximalvolumen ...
.. steht der mit 265 Litern kleinste Kofferraum in diesem Testfeld gegenüber.
Für den Nissan Micra 1.2 DIG-S muss man bei einem Preis von 17.040 Euro am tiefsten in die Tasche greifen. Dafür gibt es den kleinen Japaner in der reichhaltig ausstaffierten Tekna-Ausstattung inklusive Navi, schlüssellosem Zugang und Panoramadach.
Auf den zweiten Platz fährt mit 300 von 500 Punkten der Toyota: Flockiges Handling und eine ordentliche Federung zum akzeptablen Preis genügen nicht, ...
... um den günstigeren, größeren und noch solideren Kia zu besiegen. Der alte
Yaris hatte da ein paar Ideen mehr.
Mit seinen 99 PS und 1225 Nm aus 1,3 Litern Hubraum wirkt der Toyota-Vierzylinder etwas matt, auch wenn das Temperament für die Stadt reicht. Aber, hey, wir sind hier in der 100-PS-Klasse, da darf man auch ein wenig Reisetalent erwarten. Doch was sich beim Yaris ...
in den oberen Übersetzungen der hakeligen Sechsgangbox im Bereich über 120 km/h an Tempozuwachs abspielt, verdient den Namen Beschleunigung nicht mehr. Gegen den Mangel an Durchzugskraft hilft nur Drehen, ...
... dann plärrt der Motor, zeigt wenigstens etwas Tatkraft. Mit glatten zwölf Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 175 km/h Spitze hat der Yaris die schwächsten Fahrleistungen in diesem Vergleich. Sein Verbrauch: 6,1 Liter auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt.
Ordentlich in Fahrt: Der Yaris kann sich mit der zielgenauen Lenkung, dem agilsten Fahrverhalten, ...
... dem besten Federungskomfort und den bissigsten Bremsen in der Eigenschaftswertung eng an den Testsieger heranschieben.
Innen fehlt es dem Toyota an Extravaganz. Er zeigt sich leicht bedienbar, bieder und solide, ...
... aber die kratzempfindlichen Oberflächen trüben den Gesamteindruck.
Zusätzliches Auge über dem Kennzeichen: In die Club-Version packt Toyota ...
... eine Rückfahrkamera. Das leicht bedienbare und reichhaltig ausgestattete Infotainmentsystem ist Serie, es lässt sich für 550 Euro um ein Navi erweitern.
Schlechter Ratgeber im Drehzahlmesser: Die Schaltanzeige überschätzt die schwer zu unterschätzende Durchzugskraft des Motors.
Pilot und Co rücken im Yaris eng zusammen. Den Vordersitzen mangelt es an Seitenhalt.
Die höhere Karosserie erlaubt eine aufrechtere Sitzposition im Fond. Den möbliert Toyota mit einer nun nicht mehr verschiebbaren, kaum ausgeformten Rückbank.
Kleiner Laderaum mit Stufe: Ins Heck des Yaris passen zwischen 286 und 856 Liter.
Etwas billiger als der Micra: Für den Yaris 1.33 Dual-VVT-i Club verlangt Toyota 16.800 Euro.
Platz eins mit 315 von 500 Punkten: Der
Kia Rio schafft einen lockeren Sieg, trotz Fahrwerkschwächen, müden Motors ...
... und der nicht ganz überzeugenden Bremsleistung. Doch er ist solide, geräumig, günstig – und dazu ganz unpeinlich.
Sein höheres Gewicht gleicht der Rio bei den Fahrleistungen durch den stärksten Motor aus. Dabei entwickelt der müde ansprechende 1400er (109 PS, 137 Nm) ...
... trotz der kurzen Drehzahlsprünge des präzisen Sechsganggetriebes nur verhaltenes Temperament, ...
... es reicht aber immerhin, um mit 11,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 183 km/h Spitze den Toyota hinter sich zu lassen. Der Verbrauch liegt bei 6,1 Litern auf 100 Kilometer.
Noch fehlt dem Rio Feinschliff – ein wenig bei Bremsleistung sowie der Abstimmung des unterdämpften und zu straff gefederten Fahrwerks, ...
... und ein wenig mehr bei der ESP-Regelung. Bei starken Lastwechseln hängt das Heck ein Stück raus, bevor das System etwas unentschlossen eingreift.
Wie hochwertig selbst Hartplastik wirkt, wenn es nett gemasert ist und ein wenig Chrom glitzert, beweist der Rio. Am leicht bedienbaren Arbeitsplatz ist alles solide verarbeitet, ...
... nett gemachte Schalter runden das Bild ab.
Hier finden mobile Musicplayer Anschluß: Aux-in und iPod-/USB-Port sind sereinmäßig an Bord.
Der Kia nimmt eine überragende Rolle ein – in der Länge. Der Toyota ist 16, der Micra gar 26,5 Zentimeter kürzer. Dafür allerdings fällt der Vorsprung des Rio beim Raumangebot zumindest gegenüber dem Yaris überschaubar aus.
Beim Rio mit seiner hohen Innenkante klappen nur die Rücksitzlehnen um, so steigt die Ladefläche leicht an. Liegt der doppelte Ladeboden unten, bleibt der breite Rahmen im Weg. Maximal schluckt das Gepäckabteil 923 Liter, ...
... in fünfsitziger Konfiguration lässt der Rio dem Gepäck immerhin noch 288 Liter übrig.
Beim Bezahlen unschlagbar: Mit sieben Jahren Garantie und dem günstigsten Preis (14.960 Euro) sichert sich der Kia Rio 1.4 Edition 7 mit großem Vorsprung das Kostenkapitel.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Sebastian Renz: "Spätestens jetzt müssen sie bei Toyota und Nissan den Schuss gehört haben. Auf die Frage, welche Wettbewerber sie am meisten fürchten, antworten fast alle Massenhersteller: Hyundai/Kia. Zu Recht, ...
... denn der Rio lässt Micra und Yaris wenig Chancen. Dabei zählten die Japaner vor Kurzem noch zu den Herausforderern von Polo und Corsa. Jetzt überrascht vor allem das schlechte Abschneiden des Micra. Der war mal ein Trendsetter in seiner Klasse, jetzt ist er bestenfalls noch Durchschnitt."
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