Wer hoch hinaus will, muss sich an der Spitze messen lassen: Nissans Luxus-Ableger
Infiniti EX trifft auf
Audi Q5,
Mercedes GLK und
BMW X3 (von links). Ein Vergleich der kompakten SUVs mit starkem Diesel.
Der
Infiniti EX hat sich herausgeputzt. Dazu hat er einen mächtigen Motor. Aber das reicht nicht, um die deutsche Konkurrenz wirklich ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.
In erster Linie chic – so erscheint es zumindest beim Blick in den Kofferraum. Tatsächlich geht bei 340 Litern Minimalvolumen zu wenig rein, ...
... hier macht sich die Coupé-Linie der Karosserie negativ bemerkbar. Immerhin lässt sich die Klappfunktion der Rückbank elektrisch betätigen – so wird das Maximalvolumen von 1175 Litern im Handumdrehen erreicht.
Der praktischste Kandidat ist der arg unübersichtliche EX-Flachmann also nicht – das will er durch üppige Ausstattung und Fahrkultur ausgleichen, ...
... was er jedoch nicht vollständig schafft. Zwar arbeitet die Federung ordentlich, allenfalls auf derben Wellen zittert der Infiniti unangenehm nach, ...
... aber der Lenkung fehlt jegliche Rückmeldung, die Übersetzung ist zu indirekt geraten, Getriebe und Motor arbeiten ebenfalls mit gebremstem Schaum.
Der Motor (V6, drei Liter Hubraum, 238 PS) braucht nach dem Tritt aufs Gaspedal länger, bis er sämtliche 550 Newtonmeter Drehmoment ins Feld wirft, ...
... und die Automatik reagiert verzögert auf Kickdown-Befehle und manuelle Gangwechsel.
Bei den Fahrleistungen hat der Japaner gegenüber der deutschen Konkurrenz das Nachsehen: Er sprintet in 8,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 ...
... und erreicht 221 km/h Spitze. Mit 8,7 Litern auf 100 Kilometer verbraucht er zudem mehr als Audi und BMW.
Das ginge sicher besser: Kurze Vordersitzflächen beeinträchtigen den Sitzkomfort. Immerhin ist die Sitzheizung serienmäßig an Bord.
Enge zweite Reihe: Im Infiniti-Fond wird die Luft knapp – hier zumindest vor den Knien zu sehen.
"Connectiviti+ System" heißt die 2400 Euro teure Multimediaanlage im EX. Darin enthalten: Rückfahrkamera, 30-GB-Festplattenspeicher und Touchscreen.
Ein typisches Detail des Infiniti EX: die hübsche Analoguhr als Hingucker im Armaturenbrett.
Durchaus wohnlich: der Arbeitplatz des Infiniti. Wer hier Platz nehmen möchte, muss im Falle des EX30d mindestens 50.150 Euro investieren.
Ein originelles Äußeres bewerten wir hier nicht. Der Rest vom Infiniti ist ordentlich – aber nicht gut genug für BMW und Co. So bleibt am Ende nur der vierte Platz mit 320 von 500 Punkten.
Klare Kante beim Preis: Der
Mercedes GLK ist tatsächlich nicht der Teuerste im Vergleich. Er hat andere kleine Schwächen.
Rums-rums-rums – was ist denn da los? Trotz passabel weicher und weit nachgebender Federung rumpelt es störrisch im GLK-Fahrwerk, ...
... woran die steifen Reifen schuld sind. Die 235/50–255/45er-Mischbereifung auf 19-Zoll-Rädern bescheren dem GLK zwar sehr gute Bremswegwerte (wie BMW unter 36 Metern aus Tempo 100) ...
... und ein erstaunlich williges Einlenkverhalten. Andererseits verhageln die Reifen die Komfortbilanz des Mercedes. Querfugen prallen als spürbare Schläge gegen die steifen Reifenflanken, ...
... im Innenraum zittert und rumort es ständig. Das will nicht so recht zu einem Mercedes passen.
Zum Ausgleich entschädigt die hemmungslos zubeißende V6-Maschine, die 231 PS und 540 Nm Drehmoment in den Allradantrieb schickt. Der CDI liefert gefühlt bereits ab Standgas (tatsächlich bei rund 1600 Touren) vollen Druck, ...
... die Siebenstufenautomatik (mit manueller Schaltoption über Wippen am Lenkrad) sortiert fehlerfrei die Gänge. So kommt hier der angenehme Bären-Charakter eines starken Diesel-SUV besonders wohlig rüber, ...
... und das lässt sich auch mit Messwerten belegen: Der Mercedes absolviert den Prestigesprint in 6,9 Sekunden und schafft maximal 225 km/h, was aber leider mit dem höchsten Testverbrauch von neun Litern auf 100 Kilometer bezahlt werden muss.
Ein echter Sportler ist der GLK nicht. Zu gefühllos ist die Lenkung, zu hochbeinig wirkt der GLK in Wechselkurven.
Dazu kommt, dass sich der Mercedes eher eng anfühlt, ...
... das Platzangebot im Fond fällt allenfalls passabel aus. Gut: Die Sitzflächen sind angenehm straff gepolstert.
Ein Lademeister sieht anders aus: Im Kofferraum (450–1550 Liter) hat der GLK deutlich weniger Platz als seine deutsche Konkurrenz.
Untypischerweise günstiger ist als der Rest des Feldes: Für einen GLK 350 CDI 4Matic berechnet Mercedes 49.391 Euro – inklusive der 19-Zoll-Mischbereifung für 1196 Euro.
Ein bisschen sportlich, passabel komfortabel, ausreichend Platz – der GLK setzt sich mit keiner Eigenschaft (außer Sicherheit) positiv ab. So muss er sich mit 349 von 500 Punkten und Platz drei begnügen.
Im Grunde seines Herzen ein Sportler: stramm abgestimmt, dazu eine Doppelkupplungsautomatik – so greift der
Audi Q5 die SUV-Herde an.
Unseren Messwerten nach ist der Ringträger ein Schummler: Er sprintet deutlich langsamer als der X3, hängt den Werksangaben bei 7,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 um acht Zehntelsekunden hinterher, ...
... schaltet aber immerhin dank seiner Siebengang-S-tronic sauber und zügig hoch. Beim Anfahren ruckt es gelegentlich in der Doppelkupplung, ...
... beim Herunterschalten (Kick-down) lässt sich der Audi immer einen Wimpernschlag mehr Zeit als die konventionellen Automaten von Mercedes und BMW
Im Audi sorgt ein V6 mit 240 PS und 500 Nm Drehmoment für Bewegung. Der Dreiliter-TDI läuft besonders samtig und leise, ...
... schiebt den Q5 auf 225 km/h Spitze und verbraucht mit 7,9 Litern auf 100 Kilometer im Testdruchschnitt fast so wenig wie der BMW.
Der Federungskomfort leidet unter der straffen Abstimmung, nach Bodenwellen taucht der Q5 (gefühlt) nur wenige Millimeter ein, ...
... statt die Passagiere kuschelweich abzufangen, staucht der Q5 die Mitfahrer in die Sitzflächen.
Deutlich luftiger als in GLK und EX geht es im Fond des Q5 zu. Die Bank ist zudem gegen Aufpreis verschiebbar.
Wichtige Inhalte des MMI-Festplatten-Navigationssystems plus: 7-Zoll-Farbmonitor, Multifunktionslenkrad, 3-D-Darstellung. Preis im Paket: 2925 Euro
Variabel auf Knopfdruck: Die adaptive Dämpferregelung kostet 1100 Euro.
Das zweitgrößte Gepäckabteil des Vergleichs: Hinter die Klappe des Audi passen immer mindestens 540 Liter, liegen die Rücksitzlehnen flach, gehen 1560 Liter ins Heck.
Kostspielig: Den Q5 3.0 TDI quattro führt Audi mit 50.400 Euro in der Preisliste. Das adaptive Fahrwerk (1100 Euro), Audi drive select (300 Euro) und die verschiebbare Rückbank (200 Euro) sind schon eingerechnet.
Kleine Komfortmängel und ein nicht ganz so souveränes Automatikgetriebe wie beim BMW – schon verpasst Audi den Anschluss. Und den Sieg: Platz zwei für den Q5 mit 367 Punkten.
Ein fehlerfreier Auftritt: schnell, genügsam und dabei auch zur Arbeit zu gebrauchen – so gewinnt der
BMW X3 am Ende unser Derby.
Kurz gesagt: Der X3 kann nahezu alles am besten. Je nach Fahrwerkeinstellung der 1100 Euro teuren Dämpferregelung fährt das bayerische Kompakt-SUV zackig durch Kurven, ...
... oder er trägt die Insassen unbehelligt von kaputtem Asphalt über wellige Landstraßen.
Auf Querfugen reagiert die Federung des X3 unsensibel, hier bäumt er sich meist einen Tick zu weit auf. Die Lenkung vermittelt viel Gefühl für die Fahrbahnoberfläche, dabei reagiert der schwere Wagen sauber auf Kurskorrekturen.
Der Motor ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben: vibrationsarm, wenn auch kerniger als der TDI von Audi, aber dafür angenehm gleichförmig – so schnurrt der Dreiliter-Reihensechser durchs Drehzahlband und bringt seine Leistung (258 PS, 560 Nm) aus jeder Lage.
Gleichzeitig sortiert die feine Achtstufenautomatik die Gänge tadellos, lässt den Motor bissig am Gas hängen. Kein Wunder, ...
... dass der X3 die Konkurrenten im Sprint und im Durchzug (besonders von Tempo 80 auf 120) stehen lässt. Tempo 100 steht bereits nach schlanken 6,3 Sekunden an, maximal sind 235 km/h drin. Und das bei einem Verbrauch von nur 7,7 Litern im Testdurchschnitt – der Bestwert.
Schönheitsfehler: X3-Passagiere haben wertvolle Zentimeter weniger Platz als im Audi, und zum Sicherheitsniveau des Mercedes fehlen ein Knieairbag sowie Fahrlichtautomatik.
Hinten geht es in etwa so geräumig zu wie im Q5. Im BMW bietet die Sitzfläche aber mehr Komfort.
Das Navi mit iDrive-Bedienung für mindestens 3720 Euro (im Paket) verfügt über einen üppigen 8,8-Zoll-Bildschirm und eine zwölf GB große Festplatte.
Gestartet wird per Knopfdruck, gestoppt automatisch. Die Funktion ist per Taste deaktivierbar.
Auch ganz hinten ganz vorne: Mit einem Fassungsvermögen von 550–1600 Litern übertrumpft der X3 die Kofferräume der Konkurrenz teilweise deutlich.
Mit 50.650 Euro – inklusive Dämpferregelung und Performance Control für 1100 Euro sowie variabler Sportlenkung für 300 Euro – ist der BMW X3 xDrive 30d das teuerste Auto dieses Vergleichs. An seinem Preis-Leistungs-Sieg ändert das aber nichts.
Der Bayer trifft die optimale Mischung aus Fahrspaß und Reisekomfort. Schnell und sparsam ist er auch noch. So gewinnt der Alleskönner BMW X3 mit 370 von 500 möglichen Punkten.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Der EX ist beileibe kein schlechtes Auto. Aber hier trifft er auf besonders starke Gegner. Besser gesagt: auf die Besten. In der Klasse der kompakten SUV ...
... teilen sich X3, Q5 und GLK die Spitze unangefochten untereinander auf. Das zeigt der deutliche Punkteabstand, mit dem der Japaner diesen drei starken Typen hinterherfährt. Dass der Infiniti eindeutig anders, ...
... also formal origineller ist, steht allerdings genauso außer Frage. Ob er damit schicker ist? Das ist Geschmackssache."
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