Mit dem neuen
Zafira Tourer (rechts) will
Opel endlich wieder für gute Nachrichten sorgen. Im Vergleich der Kompaktvans trifft er auf den Bestseller
VW Touran (links) und auf den
Ford Grand C-Max. Wird der Rüsselsheimer am Ende zum besten Familienfreund?
Platz drei mit 337 von 500 möglichen Punkten: Nur wenige Zähler liegt der
Ford Grand C-Max hinter dem Opel, sein Fahrwerk und der Motor sind top, ...
... die Lenkung direkt und mitteilsam. Sein Platzangebot reicht allerdings nicht an das der Konkurrenz heran.
Unter der Haube des Ford arbeitet ein zwei Liter großer Verirzylinder-Diesel, der 140 PS und 320 Nm Drehmoment in den Antriebsstrang schickt. Der Motor verbraucht mit 6,9 l/100 km in diesem Vergleich am meisten, geht allerdings auch recht quirlig zur Sache und ...
... beschleunigt den Grand C-Max in 10,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 200 km/h.
Überhaupt ist der Grand C-Max der Van für Dynamiker. Er fegt mit seiner direkten Lenkung zielgenauer ums Eck, ...
... muss sich jedoch beim Federungskomfort hinter dem ausgewogenen Volkswagen anstellen.
Bestimmt hat sich jemand bei der Gestaltung des C-Max-Interieurs etwas gedacht. Wir wissen nur nicht, was. Die Bedienelemente scheinen willkürlich verteilt, ...
... der Navi-Bildschirm (840 Euro) ist extrem klein.
Wie im Opel ist der Fahrer auch im Ford relativ passgenau zwischen Tür und Mittelkosole eingemauert. Darunter leidet das Raumgefühl.
Der mittlere Fondplatz hat eher Notsitzfunktion und wird folgerichtig meist ganz umgefaltet. Der Einbau des Kindersitzes gelingt fast so gut wie im Opel, auch der Ford- Van hat gut zugängliche Isofix-Bügel.
Der stufenlose Ladeboden erfreut Hobby-Spediteure, das im Vergleich niedrigste Maximalvolumen von 1742 Litern dagegen weniger.
Die dritte Sitzreihe ist für 700 Euro zu haben. Dahinter bleiben noch mickrige 92 Liter Kofferraum übrig.
Ein Satz noch zu der Schiebetür des Grand C-Max: Sie öffnet konzeptbedingt nur einen recht kleinen Türausschnitt und benötigt zudem beim Öffnen mehr Platz, als man glaubt. Echter Nutzen? Na ja.
Bei den Anschaffungskosten liegt der Kölner Kompkatvan zwischen seinen beiden Konkurrenten. Für einen Grand C-Max 2.0 TDCi in der Ausstattungslinie Titanium verlangt Ford 29.200 Euro – inklusive dritter Sitzreihe und 17-Zoll-Bereifung (550 Euro).
Platz zwei mit 340 von 500 Punkten: Der
Opel Zafira Tourer kommt nicht an den Klassenprimus aus Wolfsburg heran. Dazu ist sein Motor zu schlapp, ...
... das Fahrwerk zu straff und die Raumökonomie nicht gut genug. Positiv sind Platzangebot und Preis.
Wirkt richtig müde: Der Zweiliter-Vierzylinder hat mit 130 PS und 300 Nm nicht nur weniger Power als die anderen beiden Motoren, er muss mit 1,8 Tonnen auch noch mehr Gewicht rumschleppen. Diese Mehrarbeit lässt sich der eher rau laufende Selbstzünder ...
... mit einem Testverbrauch von 6,6 l/100 km entlohnen. Bei den Fahrleistungen landet er hinter den beiden anderen: Bis er Tempo 100 erreicht, vergehen 11,9 Sekunden, maximal sind 193 km/h drin.
In Sachen Federungskomfort enttäuscht der Zafira Tourer. Er ist viel zu straff abgestimmt, ...
... rollt polterig ab und reagiert eher unwirsch auf Unebenbeiten.
Bei einer Gesamtlänge von fast 4,7 Metern fällt es schon etwas schwerer, das Wort "Kompaktvan" zu schreiben. Nun kommt es nicht nur auf die Länge an, sondern auch darauf, wie man sie einsetzt, ...
... doch so richtig opulente Raumfülle bietet der Zafira nicht. Das maximale Ladevolumen ist bei 1792 Litern kleiner als das des Touran und nur unerheblich größer als das des Grand C-Max.
Anders als bei seinen beiden Vorgänger-Baureihen muss die zusätzliche Sitzreihe im Kofferraum nun wie bei VW und Ford extra bezahlt werden (700 Euro). Das ist zwar einerseits verständlich, weil nicht jeder einen Siebensitzer braucht, ...
... doch verzichtet Opel damit ohne Not auf ein bisheriges Charaktermerkmal des Zafira. Immerhin bleibt bei versenkter dritter Reihe im Opel am meisten Stauraum übrig.
Wahre innere Größe zeigt sich im Opel nur auf der Fondsitzbank, das hat echte Limousinen-Qualitäten. Störend sind jedoch die straffen Sitze, die zudem wenig Seitenhalt bieten, weshalb die Passagiere haltlos hin und her rutschen.
Mustergültig: Der Kindersitzeinbau gelingt dank freiliegender Isofix-Bügel in Sekundenschnelle.
Bekanntes Bild: Das Cockpit des neuen Zafira bietet wenig Überraschendes, es orientiert sich an dem von
Astra und
Insignia.
Nicht nur den Look, auch den unlogischen Dreh-Drück-Steller hat der Zafira von Astra und Insignia übernommen. Der Navimonitor (ab 750 Euro) sitzt mittig im Cockpit.
Ginge es nur ums Geld, läge der Opel vorn: Inklusive dritter Sitzreihe und dem Lounge-Sitzsystem (295 Euro) kostet der Zafira Tourer 2.0 CDTI Ecoflex Edition 28.700 Euro – und wird damit Preis-Leistungs-Sieger.
Platz eins mit 353 von 500 Punkten: Alles wie gehabt, der rundum ausgewogene und harmonische
VW Touran lässt der Konkurrenz keine Chance, ...
... seine Erfolgsgeheimnisse sind innere Größe, sparsamer Motor und ein kommodes Fahrwerk.
Kultiviert: Der Zweiliter-TDI des VW (140 PS, 320 Nm) ist nicht nur einen Hauch laufruhiger und leiser als die Motoren Ford und Opel, ...
... sondern zudem noch sparsamer (6,1 l/100 km) und lebendiger. Nur der überlange sechste Gang bremst ihn bei der Elastizitätsmessung etwas aus, ...
... ansonsten ist er längsdynamisch auf der Höhe des Grand C-Max: In 10,7 Sekunden geht es im Touran aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 201 km/h.
Beim Federungskomfort muss sich die Testkonkurrenz hinter dem ausgewogenen Volkswagen anstellen, ...
... der allerdings auch mit dem aufpreispflichtigen adaptiven Fahrwerk DCC für 975 Euro Aufpreis anrollte.
Das beste Raumgefühl für den Fahrer gibt es im Touran. Anders als bei Ford und Opel ist der VW-Fahrer nicht ganz so zwischen Fahrertür und Mittelkonsole eingemauert.
Der Arbeitsplatz gefällt mit ebenso einfacher wie narrensicherer Benutzerführung, ...
... nur der zu tief liegende Navimonitor (ab 835 Euro) stört im Touran.
Wer seinen Kompaktvan häufiger als Fünfsitzer nutzen will, wird mehr Gefallen am Touran als an den anderen beiden Testkandidaten finden: Er bietet drei vollwertige Sitze im Fond, die sich einzeln falten und ausbauen lassen.
Fummelig: Wegen der versteckten Isofix-Befestigungen ist der Einbau des Kindersitzes mühsamer als bei der Konkurrenz.
Einen durchgehend ebenen Ladeboden gibt es im Touran nicht, dafür ein maximales Ladevolumen von fast zwei Kubikmetern (1913 Liter) – der Bestwert des Vergleichs.
Die dritte Sitzreihe gibt es beim Touran für 725 Euro. Sie lässt noch 121 Liter Kofferraumvolumen übrig.
Der VW Touran ist als 140-PS-Diesel erst ab Comfortline lieferbar, was ihn zum teuren Vergnügen macht. Dazu kommen im Falle des Testwagens der Aufpreis für das Adaptiv-Fahrwerk DCC, die dritte Sitzbank und 17-Zöller. So ausstaffiert kommt der Touran 2.0 TDI auf 31.800 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Heinrich Lingner: "Ausgewogenheit mag so manchem als Sekundärtugend erscheinen. Bei Automobilen für den praktischen Alltag zahlt sie sich aus. Der Touran gewinnt, ...
... weil er viele unauffällige Stärken, dagegen jedoch kaum echte Schwächen hat. Der Neuling aus Rüsselsheim kommt da nicht ganz heran. Vor allem die Raumausnutzung ist schlechter, ...
... und bei Antrieb und Fahrwerk kann der Zafira Tourer keine Glanzlichter setzen. Der Grand C-Max kann vor allem mit seinem agilen Fahrwerk gefallen."
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