Kaum ist der rund 300.000 Euro teure und 350 km/h schnelle
Lamborghini Aventador käuflich zu erwerben (und eigentlich schon bis Mitte 2012 ausverkauft), hat sich der erste Tuner das Objekt der Begierde zur Brust genommen.
Die britische Tuningschmiede Oakley Design macht hauptsächlich Porsche-Modelle flotter, erntete aber jüngst auch Aufmerksamkeit für die Veredelung eines Ferrari 458 Italia. Jetzt ist also der Aventador fällig, der mit 700 PS aus 6,5 Litern Hubraum schon als Serienmodell in einer eigenen Liga fährt.
Durch extraleichte Felgen, Ausbau des vorderen Differenzials oder einen neuen Auspuff soll das Gewicht des Aventador um insgesamt 130 Kilo schrumpfen, während die Leistung auf 760 PS und das maximale Drehmoment von 690 auf 745 Newtonmeter steigt. Dann treffen 760 Pferde auf rund 1430 Kilo.
Aus dem Lamborghini Aventador LP700-4 wird dann der LP760-2. Heißt übersetzt: Um Gewicht zu sparen, wurde dem Italiener der Allradantrieb genommen, der Oakley-Lambo wird über die Hinterräder beschleunigt. Dazu haben die Briten nach eigenen Angaben die Aerodynamik im Windkanal ausgefeilt.
AUTO BILD durfte den Aventador im Serientrimm bereits fahren: Der
Aventador ist – ganz nach Lamborghini-Sitte – nach einem Kampfstier benannt. Frei übersetzt bedeutet dieser Name "Tritt in den Hintern". Das trifft exakt den Kern der Sache, denn der Aventador verpasst seinem Fahrer gleich zwei davon. Den ersten Tritt gibt es ...
... bei der Frage nach dem Preis. Die Antwort lautet nämlich: 303.450 Euro. Doch wir sollten an dieser Stelle nicht über Geld sprechen, sondern lieber über den Grund für den zweiten Kick in den Hintern. Für den ...
... ist dieses Schmuckstück zuständig. Der 6,5 Liter große Zwölfzylinder motiviert eine stattliche Herde von 700 Pferden nur zu gerne zu einer zünftigen Stampede.
Optisch ist der neue
Lamborghini knackig, rassig, kantig. Der 4,78 Meter lange, 2,26 Meter breite, aber nur 1,14 Meter flache Aventador sieht aus wie ein Kampfjet für die Straße.
Die sehr tiefe Sitzposition nur zwei Handbreit über dem Asphalt muss man mögen – genauso wie das Cockpit, das für die Playstation-Generation gemacht scheint.
Seinen Rucksack verstaut Redakteur Carsten Paulun im 60-Liter-Kofferraum unter der vorderen Haube. Dann ...
... plumpst der 1,93 Meter-Mann in den Fahrersitz, gurtet sich an, greift das mit Alcantara bezogene Mini-Lenkrad. Und drückt den Startknopf.
Das Zwölfzylinder-Inferno erwacht. Vorsichtiges Absetzen des Fußes auf dem Gaspedal. Brooooaarr, alle vier Räder stemmen sich in den Asphalt. Dazu gibt es eine Sinfonie aus Ventil-Rasseln und blubberndem Auspuffgetöse.
Vollgas – da ist er, der Tritt in den Hintern. Selbst bei mehr als 250 Sachen beschleunigt der Aventador noch besser als ein
Porsche 911 beim Überholen.
Fun-Faktor: Geil! Auch wenn die Sicht nach hinten und zu den Seiten im Grunde nicht vorhanden ist und man den vorderen Spoiler nur erahnen kann.
In der Stadt werden die Passagiere übel durchgeschüttelt, doch auf der Landstraße spielt der Kohlefaser-Sportler (das Material stammt aus der Raumfahrt) sein Fliegengewicht von 1575 Kilogramm aus, tänzelt und schwänzelt um jede Kurve. Klasse: das automatisierte Siebengang-Getriebe ...
... und die bissigen Carbon-Bremsen. Der lange Mann und das flache Auto haben sich bestens verstanden. Klar, der
Aventador ist heiß, das finden auch andere. Aber diese Nachfrage ...
... erstaunte sogar
Lamborghini: "Am Aventador besteht ein noch nie dagewesenes Interesse.", sagte Stephan Winkelmann, Präsident und CEO von Lamborghini. Die erste Jahresproduktion ist bereits ausverkauft. Und das, bevor die Auslieferung überhaupt angelaufen ist.
Gern benennt die Sportwagenschmiede ihre Renner nach besonders tapferen Kampfstieren. Und über "Aventador" steht geschrieben, dass er 1993 in der Arena Plaza de Toros in Saragossa den Titel des tapfersten Stieres verliehen bekam. Tapfer müssen auch Kaufinteressenten sein, ...
... denn sie bekommen auf Anfrage ein ganz und gar unerfreuliches Wort zu hören: Warteliste. Wer sich heute draufsetzen lässt, ...
... dessen Name braucht nun schon weit über ein Jahr, um ganz nach oben zu rutschen.
Quasi zum Trost und zum Anstacheln der Vorfreude hat der Bolide eine
eigene Webpage bekommen. Dort können Sehnsuchtsgeplagte die Möglichtkeiten zur ...
... Personalisierung des Aventador erproben und zudem ein Video sehen.
Zu den harten Fakten: Die Leistung des 6,5-Liter-V12 steigt auf 700 PS. 690 Newtonmeter ...
... maximales Drehmoment liegen bei 5500/min an und werden über ein neu entwickeltes Getriebe in den Asphalt gebrannt.
Natürlich öffnen die beiden Türen des Kohlefaser-Monocoques nach oben, Tradition verpflichtet eben.
Der Aventador leistet acht Prozent mehr als der Vorgänger
Murciélago, verbraucht aber 20 Prozent weniger. Im Drittelmix sind es allerdings ...
... immer noch 17,2 Liter im Schnitt, die rasant aus dem 90-Liter-Tank rinnen. Macht 398 Gramm CO2 pro Kilometer, die durch diese dicken Rohre geblasen werden.
Die Heckleuchten sind selbstredend in LED-Technik ausgeführt.
Das automatisierte Schaltgetriebe ISR (Independent Shifting Rod) mit sieben Fahrstufen soll superschnelle Schaltzeiten auf der Rennstrecke mit hohem Komfort im Normalbetrieb kombinieren.
Wo dieser Schriftzug auftaucht, ist Sport angesagt: Wer mit sich und seiner Magengrube im Reinen ist, kann im
Aventador in 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen und an der 350-km/h-Marke kratzen.
Dank des für diese Leistungsklasse sehr niedrigen Fahrzeug-Trockengewichts von nur 1575 Kilogramm liegt das Leistungsgewicht bei nur 2,25 Kilogramm pro PS. Möglich macht es unter anderem das Monocoque aus Kohlenstofffaser-verstärkten Kunststoffen.
Der Fahrer des Aventador LP 700-4 darf auf den permanenten Allradantrieb vertrauen – die 4 in der Modellbezeichnung erinnert daran. Im Antriebsstrang verteilt eine elektronisch gesteuerte Haldex-Kupplung die Antriebsmomente zwischen vorne und hinten.
Der Zwölfender will beatmet werden, entsprechend groß fallen die Lufteinlässe aus.
Der Motor ist ein extrem leistungsstarkes und drehfreudiges, dabei aber sehr kompaktes Kraftpaket. Auch das Gewicht ist mit 235 Kilogramm extrem gering.
Innen sitzt der Starterknopf unter einer roten Klappe im Mitteltunnel, es geht futuristisch zu.
Wie in einem Flugzeug werden die Instrumente auf einem TFT-LCD-Flüssigkristall-Flachbildschirm mit innovativen Anzeigekonzepten dargestellt.
Ein zweiter Bildschirm gehört zum serienmäßigen Multimedia- und Navigationssystem. Darunter sitzen diverse Schalter und die Klimabedienung. Über das sogenannte Drive Select Mode-System lässt sich die Charakteristik des Lambo-Flaggschiffs ...
... (Motor, Getriebe, Differenzial, Fahrdynamikregelung, Lenkung) in den drei Stufen Strada (Straße),
Sport und Corsa (Rennstrecke) den individuellen Wünschen des Fahrers anpassen.
Die Sportsitze sind natürlich in feines Leder gekleidet.
Im Herbst 2011 werden die ersten Kampfstiere ausgeliefert.
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