Mit so einem Luxus-Schlitten fühlt man sich wie ein König. Und diese rasenden Chefsessel gibt's für ganz kleines Geld. Aber Vorsicht: Die laufenden Kosten sind nicht von Pappe, und wer beim Kauf nicht genau hinschaut, endet nach wenigen Reparaturen als Bettler. AUTO BILD präsentiert drei billige Luxus-Liner und zeigt ihre Schwächen auf: BMW 735i, Audi A8 und Lexus GS 430.
Der BMW 7er. Elegant ist er ja, kein Zweifel. Und komfortabel. Dieses scheckheft-gepflegte Exemplar wird wohl viel Spaß und wenig Ärger machen. Über die Kosten muss man sich allerdings im Klaren sein: Allein 1183 Euro Steuer und Haftpflicht (bei 100 Prozent). Plus 14,5 Liter Super auf 100 Kilometer.
Schauen wir uns den 5555-Euro-BMW genauer an. Zündung ein – schon wird ein typischer 7er-Defekt sichtbar: Pixelfehler im Display, der Kilometerstand ist schlecht lesbar. Das "
7-Forum" weiß Rat, es gibt spezialisierte Reparaturbetriebe (Kosten ca. 150 Euro). Geht also noch.
Fazit: So ein bayerischer Chefsessel kann ein guter Kauf sein. Allerdings: Bitte nur mit Serviceheft und ohne Reparaturstau kaufen, Billig-Exemplare scheiden somit aus. Und bedenken, dass der Unterhalt extrem teuer ist: Verbrauch, Versicherung, Reparaturen – all das kann das Budget sprengen.
Orpheus in der Unterwelt: Kfz-Meister Andreas Blendek (50, rechts) zeigt AUTO BILD-Redakteur Andreas May den wunden Punkt aller 7er, die anfällige Vorderachse.
Wir bleiben im Untergrund: Wie steht's mit Ölverlust? Ein häufiges Altwagen-Problem, auch bei vielen BMW tropft Öl aus Motor, Automatikgetriebe oder Differential. Dieser Wagen weiß nichts davon – alles trocken, alles gut.
Beim TÜV leistet sich der 7er nur zwei typische Mängel: Erstens das zu große Lenkspiel, verursacht durch verschlissene innere Gelenke an den vorderen Spurstangen. Auch die Silentbuchsen der Querlenker bekommen Luft.
Zweites TÜV-Problem: die labile Hinterachse. Deren Fahrwerksbuchsen gelten als Austauschkandidaten, sie haben unter dem hohen Fahrzeuggewicht und schlechten Straßen zu leiden. Unser Tipp: Viele Fahrwerksteile gibt es in stabiler Ausführung von
Meyle.
Das ist mal ein Motor – ja genau, da in der Mitte, unter der Plastikabdeckung. Was sich so bescheiden versteckt, ist ein souveräner Achtzylinder. 235 PS holt er aus dreieinhalb Litern Hubraum, reißt mit maximal 320 Newtonmetern an der Hinterachse. Und hält dabei fast ewig.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den
Audi A8 einst salonfähig gemacht: A8 ist das Kanzler-Auto, basta. 1998 kassierte Audi für die Basisausstattung eines 3.7 quattro 55.700 Euro. Und heute? 3990 Euro kritzelt der Fähnchenhändler mit Edding auf die Scheibe. Was kann man da erwarten?
So ein Maschinchen macht Freude: Ein Achtzylinder, 3,7 Liter groß, mit 230 PS. Das reicht für knappe 250 km/h Höchstgeschwindigkeit. Aber weiß man, wann der Zahnriemen zuletzt gewechselt wurde? Der ist alle 120.000 Kilometer fällig, der Wechsel dauert fünf Stunden. Das kostet.
Uii, echtes Leder! Wie das schon duftet ... und das Interieur ist hier richtig gut in Schuss. Schön und gut, aber ein Blick ins Handschuhfach holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn dort finden wir eine alte Rechnung: Inspektion, Öl, Zündkerzen, Bremsen haben vor drei Jahren 2298 Euro und 52 Cent gekostet.
Das amtliche Chef-Gefühl kann also im Unterhalt richtig ins Geld gehen. Will man das überhaupt wissen, wenn man sich auf den Ehrenplatz vor diesem Cockpit freut? Man will nicht, und doch sollte man sein Budget entsprechend planen.
An der Tankklappe nagt der Gilb. Nicht schön, aber als Schaden überschaubar. Sehen wir es positiv: Früher war eine 13 Jahre alte Limousine meist komplett zerfressen.
Fazit: Der alte Nobel-Audi überzeugt: Der Motor ist sofort da, läuft ruhig und sanft. Auch die Karosserie macht insgesamt einen guten Eindruck. Zwei, drei Kratzer und der Gilb am Tankdeckel sind ein Fall für den Lackdoktor, die Lüftungsgitter vorn fehlen. Na und, bei dem Preis?
Der Kanzlerwagen zum Vespa-Tarif macht Freude, verspricht entspanntes Komfort-Cruisen. Aber ein Rest-Risiko bleibt. Der AUTO BILD-Kummerkasten meldet Probleme mit den Automatikgetrieben der Baujahre 1996 und 97. Wehe, wenn da was kaputtgeht ...
Ein Nobel-Schlitten für kühne und kühle Rechner: Dieser 1998er Lexus ist kein
GS 430, sondern der sehr ähnliche, aus den USA importierter GS 400. 5550 Euro soll er kosten, allerdings ohne Garantie und, aufgrund eines Einbruchs, ohne hintere Dreiecksscheibe und ohne Navigationssystem.
Wo einst das Navi-Display saß, klafft jetzt ein fieses Loch. Das wenig exklusiv erscheinende, japanisch-hellgraue Interieur wirkt dadurch nicht besser.
Der Kabelbaum zum Navi-Steuergerät ist einfach abgeschnitten, das erschwert die Reparatur. Gut, was fehlt, lässt sich ersetzen. Wir erfragen also bei Lexus den Preis für ein neues Display: 7300 Euro. Fehlt auch die Steuereinheit im Kofferraum, kommen weitere 8000 Euro hinzu, ohne Einbau – Wahnsinn!
Vergessen wir also die Navigation – eine Radioblende in der Mittelkonsole und ein Stadtatlas in der Ablage tun's auch. Wir wagen jetzt kaum noch, nach dem Preis für die Dreiecksscheibe zu fragen. Und werden überrascht: Schlappe 33 Euro ruft Lexus auf, dazu eine Stunde Arbeitszeit. Na also.
Der dicke Achtzylinder (4,3 Liter, 283 PS) gilt als problemlos – sofern rechtzeitig bei Kilometerstand 150.000 der Zahnriemen gewechselt wird. Ob das allerdings bei unserem US-Reimport der Fall ist, weiß niemand.
Der GS gilt als solides, haltbares Auto, der Servicemeister von Lexus sagt: "Nur Öl, Bremsen, Zündkerzen – die ganz normale Wartung halt."
Fazit: Ein Lexus GS 430 mit fettem Achtzylinder – so was gibt es eigentlich gar nicht für 5000 Euro, seriöse Modelle kosten das Doppelte und sind entsprechend besser. Bei dubiosen Importen aus den USA können wir nur sagen: Vorsicht!
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