Die Konkurrenz ist stark, das Klassenniveau hoch: Kann die
Mercedes B-Klasse (rechts) da noch auftrumpfen? Ein erster Vergleich mit
VW Golf Plus,
BMW X1 und
Ford C-Max (von links) klärt, wo noch Platz ist für den Baby-Benz.
Auf den vierten Platz fährt mit 327 von 500 Punkten der
Ford C-Max. Der Kölner Van überzeugt mit seinem vielseitig variablen Innenraum und einem günstigen Preis bei guter Ausstattung, ...
... aber im Fond ist er nur für Kinder bequem, und beim Fahren zeigt er Schwächen.
Sie haben Kinder und ein begrenztes Budget. Sie wünschen sich ein Auto mit den Vorzügen eines Vans, dazu kompakt, ...
... fein ausgestattet und technisch up to date. Premium ist Ihnen gleichgültig. Falls das so ist, dann kann der Vierte in diesem Vergleich durchaus die erste Wahl sein.
Er bietet mit bis zu 1723 Litern den größten Laderaum, Verwöhnausstattung ohne Aufpreisschock, viele Sicherheitsvorrichtungen, ...
... seine Rückbank ist dreigeteilt, die Sitze sind verschiebbar (nach hinten und innen), doppelt umklappbar und herausnehmbar, ...
... er federt komfortabel, zieht kraftvoll durch (0–100 km/h: 9,9 s; Vmax: 201 km/h), ist schön handlich – kein Loser also, der C-Max. Woran hapert's? Wie so oft sind es die Details, ...
... die den wackeren Van Punkte kosten. Der Fondraum zum Beispiel: Kinder genießen hier eine tolle Aussicht, aber Erwachsene kleben unter der Decke, kauern auf schmalen Sitzen – kein Spaß.
Oder der Antrieb: Mit 140 PS und 320 Nm hat der zwei Liter große Vierzylinder genug Kaft, aber spätestens ab 4000 Touren brummt einem der Schädel, so dröhnt der Diesel, ...
... außerdem hakelt die Schaltung.
Am Cockpit durften sich offensichtlich die Designer austoben, ...
... aber die Knopfsammlung in der Mitte war nicht ihre beste Idee, ...
... und den Mini-Monitor liest man am besten mit dem Fernglas ab.
Schließlich verträgt auch die Fahrdynamik noch Feinarbeit. Kurven nimmt der Ford willig, aber mit deutlicher Schlagseite. Die leichtgängige Lenkung geizt mit Gefühl, ...
... und ihr sehr direktes Ansprechen passt nicht zur weichen Abstimmung des Fahrwerks. Fazit: Nicht alles ist maxi am C-Max.
Der Billigste in diesem Vergleich: Inklusive des 850 Euro teuren Ausstattungspakets "Titanium X-II" kostet der Ford C-Max 2.0 TDCi 27.300 Euro.
Platz drei geht mit 334 von 500 Punkten an den
BMW X1: Ohne Allradantrieb ist der Münchner eher ein Kombi auf Stelzen als ein SUV, ...
... nicht so praktisch wie ein Van, aber vergnüglich auf BMW-Art. Er bräuchte allerdings mehr Power.
Kompakt-Van, Kompakt-SUV – die Unterschiede verwischen. Jedenfalls bietet der X1 nicht weniger Platz als Autos dieser Klasse, die sich Van nennen, ...
... nur der maximale Laderaum fällt mit 1350 Litern knapper aus. In fünfsitziger Konfiguration passen aber immerhin 420 Liter hinter die Heckklappe.
Schön hoch sitzt es sich auch, die Übersichtlichkeit nach schräg vorn profitiert von den steileren Fensterpfosten.
Ohne die Last des Allradantriebs – beim X1 sDrive werden nur die Hinterräder angetrieben – wirkt der BMW wie befreit. Angenehm gepolsterte Sitze, eine Federung, ...
... der BMW inzwischen das Federn beibrachte (zumal, wie hier, bei Verzicht auf die harten Runflat- Reifen): Nur große Verwerfungen bringen den X1 noch aus dem Konzept.
Die präzise, leicht knochige Schaltung und ausgeprägte Agilität verströmen das geschätzte BMW-Flair.
Und der Premiumanspruch lässt sich im Cockpit mit dem großen, iDrive-gesteuerten Monitor und der soliden Verarbeitung zumindest partiell nachvollziehen.
Weniger passend indes das Temperament. Der Zweiliter-Diesel, obwohl mit der höchsten Katalogleistung (143 PS, 320 Nm) ausgestattet, ...
... wirkt müde, zusätzlich geschwächt vom zu lang übersetzten sechsten Gang. So geht es im BMW in 9,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 200 km/h.
Wie sonst nur der Mercedes nutzt BMW den Verbrauchsvorteil einer Start-Stopp-Automatik, die hier allerdings ruppiger agiert. Das langt freilich nicht: Mit 6,1 Litern pro 100 Kilometer liegt der X1 am oberen Rand des Test-Spektrums.
In der Summe seiner Qualitäten ist der BMW X1 sDrive 18d ein vergnügliches Auto, das den Wunsch nach mehr PS weckt. Aber mit einem Preis von 30.200 Euro auch ein ziemlich teures.
Für den Herausforderer
Mercedes B-Klasse reicht es zu 347 von 500 Punkten – und damit landet der Stuttgarter auf Platz zwei. Guter Komfort, ein ausgeprägtes Sicherheitsgefühl ...
... und der kultivierte Diesel prägen seinen Charakter. Aber er ist teuer und mager ausgestattet.
Um gleich auf die Anfangsfrage zurückzukommen: Wo ist die Lücke für die B-Klasse? Bei den Vans ist sie jedenfalls nicht, trotz Hochbaus, ...
... denn der Fondraum ist einfach nicht variabel genug (selbst die längsverstellbare Rückbank kostet Aufpreis).
Außerdem hocken die Mitfahrer hinten untypisch tief, eingemauert von hohen Bordwänden. Der Platz reicht, aber die Sitzlehnen sind steil, die Sitze kurz – auf die Dauer kein Vergnügen.
Auch vorn lassen die Polster zu wünschen übrig, denn die Sitzflächen bieten kaum Halt.
Van-verdächtig ist immerhin der große Laderaum: Ins Heck des Benz passen zwischen 486 und 1545 Liter.
"Sport-Tourer" nennt das Mercedes die B-Klasse und liegt damit daneben: Von Sport kann beim getesteten Modell nicht die Rede sein. Schon eher von Tourer, ...
... die Schokoladenseite findet sich nämlich in der Sparte "angenehmes Fahren". Da zeigen sich auch die Vorzüge des sogenannten Sportpakets (viel Optik, 17-Zoll-Räder, gelochte Bremsscheiben vorn, Lenkung mit variabler Übersetzung, adaptive Stoßdämpfer), ...
... denn Sport bedeutet hier keineswegs bretthart. Stattdessen reduziert das Fahrwerk zuverlässig Karosseriebewegungen (kein Wanken, kein Schaukeln), steckt kurze Stöße weitgehend weg.
Weitere Highlights: ein kultivierter Dieselmotor (1,8 Liter Hubraum, 136 PS, 300 Nm), ...
... der die B-Klasse in 9,4 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 210 km/h beschleunigt, ...
... hervorragende Bremsen, straffe, direkte Lenkung, niedriger Verbrauch (5,5 l/100 km) auch dank des unaufdringlichen Start-Stopp-Systems ...
... sowie viele Sicherheitsvorrichtungen – eine Menge also. Was wünschen wir uns da noch? Weniger Geiz bei der Ausstattung und mehr Premium in der Qualität.
Keine Überraschung: Mit 31.381 Euro ist der Mercedes B 200 CDI BlueEfficiency das teuerste Auto in diesem Vergleich. Das Sportpaket für 1571 Euro ist im Preis schon eingerechnet.
Auf den ersten Platz fährt mit 353 von 500 Punkten der
VW Golf Plus. Er glänzt mit geräumiger, praktischer, solider Karosserie, ...
... guter Ausstattung und agilem Handling. Unverständlich nur, dass er so hart federt.
Ja doch, wieder mal Platz eins für den Golf. Warum? Weil er einfach deutlich preisgünstiger ist als der Mercedes, zumal gemessen an der Ausstattung. Vergisst man die Kosten, liegt hingegen die B-Klasse (ganz knapp) vorn.
Was kann der Golf sonst, was der Herausforderer mit dem Stern nicht kann? Er bietet vorn und hinten das bequemere Mobiliar, ...
... Fondpassagiere sitzen höher auf einer verstellbaren Rückbank. Das Raumgefühl ist luftiger, alle genießen eine bessere Sicht.
Hochwertig, übersichtlich und im Design gewohnt nüchtern. Die Verarbeitung lässt noch mehr Feinschliff erkennen als die B-Klasse, ...
... ebenso die Schaltung, und im Verbrauch liegt er mit 5,5 l/100 km zumindest nicht schlechter (ohne Start-Stopp-System).
Weil er rund 15 Zentimeter kürzer ist als die Konkurrenz, fällt der Laderaum mit 395 bis 1450 Liter kleiner aus. Ansonsten tut der Golf Plus tut das, was Gölfe in Vergleichstests immer tun: Er sammelt fleißig und unauffällig Punkte, ...
... weil er sich nur in ganz wenigen Bereichen Schwächen leistet. Bei unserem Testwagen ist das vor allem der Federungskomfort. Um den Aufbau in Kurven in Schach zu halten, ...
... ist er hart abgestimmt. So ratterte dieser Hochdach-Golf auf der Autobahn über die Querwellen und bolzte über die Komfortteststrecke, ...
... als wäre er eine Sportlimousine. Dass er entsprechend präzise und schnell um die Kurven rannte, machte die Sache nicht besser.
Unpassend ruppig aber auch der Diesel: Der Zweiliter-TDI (140 PS, 320 Nm) ...
... zeichnet sich, abgesehen von seiner Anfahrschwäche (0–100 km/h: 9,9 s; Vmax: 204 km/h), durch ein rustikales Geräuschbild aus – das glatte Gegenteil des geschmeidigen Mercedes-Motors.
Der Wolfsburger ist also kein perfekter Sieger, schon gar kein K.o.-Sieger, aber alles in allem doch ein verdienter, ...
... der am Ende auch den Preis-Leistungs-Sieg abräumt. Für den Golf Plus 2.0 TDI Highline verlangt VW 28.380 Euro – inklusive elektronischer Differenzialsperre für 205 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Die B-Klasse führt uns vor: Die Grenzen des Machbaren sind in der Kompaktklasse heute sehr eng. Große Sprünge sind da nicht drin, ...
... egal ob Premium oder nicht. Immerhin gelingt es Mercedes, noch einen kleinen Vorsprung herauszufeilen: Aus der Fahrerperspektive ist die B-Klasse hier das angenehmste Auto. Rundum kompetent wie immer der Golf, ...
... der von einem günstigeren Preis profitiert. Auf den Plätzen, aber nicht abgeschlagen die agile SUV-Alternative von BMW und der familienfreundliche Ford."
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