Alles neu beim
Mercedes ML? Weniger, als man vielleicht denken könnte. Bei gleichem Radstand wie beim Vorgänger macht ihn das geänderte Design wuchtiger, das vier Zentimeter flachere Dach lässt den Innenraum leicht schrumpfen. Die interessanteste Neuheit allerdings ...
... steckt unter der Haube: Mit dem 250 CDI Bluetec soll der Vierzylinder-Diesel auch bei den großen SUVs salonfähig werden. Das 2143 cm³ große Biturbo-Aggregat schickt 204 PS und 500 Nm Drehmoment in den Antriebsstrang ...
... und schiebt die M-Klasse mit der gleichen Urgewalt an wie der abgelöste, nicht gerade als Schlaffi verrufene 300 CDI. Weder an der Ampel (0–100 km/h: 8,7 s) noch auf der Autobahn (Spitze 210 km/h) fehlt dem kleinen Kraftzwerg das Temperament, ...
... ein Druck auf die S(port)-Taste kitzelt letzte Pferdchen wach. Die Akzeptanz des Vierzylinders entscheidet sich im Gefühlsbereich, zwischen Ohr und Ego. Stört das leichte Nageln, wenn der ML im Parkhaus startet oder beim Kick-down, ...
... wenn der Vierer bis in den roten Bereich dreht? Das klingt für die Passagiere, je nach Geschmack, entweder unwürdig oder vertretbar – weil das breite Grinsen für den Fahrer ...
... an der Tankstelle folgt: Im Testschnitt schluckte der Knauser-ML trotz der breiten 19-Zoll-Räder 7,7 Liter Diesel, mit grünem Gasfuß auf der Sparrunde nur 6,8 Liter. Ein SUV, das nicht säuft ...
... und dank Harnstoff-Einspritzung die Abgasnorm Euro 6 erfüllt. Der 26-Liter große Adblue-Tank hinter dem blauen Einfüllstutzen reicht für 25.000 Kilometer.
Auch der Basis-ML spielt den Mercedes unter den SUVs: Die feste Burg, die auch mit dem einfachen Stahlfahrwerk lautlos viele Schläge wegschluckt, ist kein Fall für Dynamiker, ...
... das Getriebe ruckt gelegentlich beim manuellen Herunterschalten, ...
... die weiche Federung lässt den Brocken ordentlich schaukeln, und das ESP muss im Ernstfall ungewohnt hart zubeißen. Da legte der Vorgänger feinere Manieren an den Tag.
Im Cockpit wurde rustikale Gelände-Optik radikal hinausgefegt, dafür fehlen einige vertraute Mercedes-Heimatgefühle ...
... wie der dicke Multiknubbel links, den dieser glattgebügelte Jungspund ersetzt. Die Finger trauern still.
Nach wie vor gibt es viel Platz im ML-Fond, aber man sitzt tiefer auf kürzeren Polstern als früher.
Der ML beherrscht die Rolle des Lastesels: In den Kofferraum (690 Liter) passt eine Tasche mehr als in den des
E-Klasse-Kombis, ...
... liegt alles flach, schluckt das Gepäckabteil üppige 2010 Liter. Dazu kommen eine hohe Zuladung (728 Kilogramm) und fast drei Tonnen Anhängelast. Ärgerlich: Ein Laderaumrollo lässt sich Mercedes extra bezahlen.
Auch der günstigste ML verlangt bei einem Grundpreis von 54.978 Euro (ML 250 CDI Bluetec) schon ein prall gefülltes Konto, entschädigt jedoch mit umfangreicher Ausstattung, bestem Werterhalt und unerreichtem Spar-Können.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: "Wäre da nicht der kleine Spardiesel, könnte man fragen: Wieso nennt Mercedes diesen ML neu? Das SUV ist doch beinahe der Alte – ein bisschen wuchtiger, aber nicht größer, geräumiger oder sportlicher. Er bleibt das komfortable, leise Dickschiff, ...
... das mit neuen Assistenzsystemen auf den letzten Stand gebracht wird. Den flotteren Part wird bald ein ML Coupé übernehmen. Die Überraschung liefert der Diesel. Leise und stark, passt er zum Verwöhnaroma des ML, ...
... der Sparverbrauch macht etwa fehlende Laufkultur mehr als wett. Der ML 250 Bluetec kann Vorurteile abbauen – die gegen SUVs und gegen Vierzylinder im SUV. "
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