Wer macht hier wen nass? Bisher hat der
Nissan GT-R (rechts) vier Siege gegen den
Porsche 911 (997) eingefahren. Der legt sich nun als
GT3 RS 4.0 noch mal mächtig ins Zeug, um den zähen japanischen Widersacher in die Schranken zu weisen.
Mehr Kraft, mehr Grip, mehr Tempo, weniger Masse – das ist die Botschaft des GT3 RS 4.0 an den GT-R. Trotz ähnlicher Eckdaten liegen die beiden sonst auf völlig unterschiedlichen Wellenlängen. Konkret: Turboaufladung, variabler Allradantrieb und reichlich regelnde Elektronik aus Japan ...
... treten gegen einen hoch drehenden Saugmotor, mechanische Hinterachssperre und reinrassiges Rennzubehör aus Zuffenhausen an. Hier prallen Welten und Ideologien aufeinander, ...
... auch preislich: Der Porsche ist fast doppelt so teuer wie der GT-R. Uns interessiert dennoch nur eines: Wer ist schneller?
Der GT-R holt seine Kraft aus einem 3,8 Liter großen, doppelt aufgeladenen Sechszylinder. Die Maschine schickt 530 PS und satte 612 Nm Drehmoment in den Allradantrieb, ...
... was für 3,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 315 km/h Spitze reicht.
Klebrig: Sind die Reifen warm, wirkt das Gummi wie ein Magnet, ...
... und sorgt zusammen mit den Brembo-Zangen für hervorragende Bremswerte. Aus Tempo 100 steht der GT-R bereits nach 33,7 Metern.
Kantig: Das Cockpit soll eher informieren als entspannen, ...
... über drei Wippschalter werden Fahrwerk, Antrieb und Fahrhilfen scharf geschaltet. Scharf heißt, ...
... das Doppelkupplungsgetriebe reißt die Gänge besonders schnell herein, das Fahrwerk ist auf knochentrockene Härte justiert, die elektronische Stabilisierungshilfe lässt Drifts oder leichte Abweichungen von der Ideallinie zu.
Derart auf Angriff getrimmt, nimmt der Nissan das hohe Tempo der Proberunden sofort wieder auf. So viel vorab: Er schafft den Parcours ...
... in sensationellen 1:30,73 Minuten. Nur als Vergleich: Ein
BMW M3 schießt auf der Contidrom-Handlingstrecke erst fünf (!) Sekunden später durchs Ziel. Der GT-R scheint dabei einer unsichtbaren Verzahnung im Boden zu folgen, ...
... so stabil bleibt er in der Spur. Anbremsen vor der schnellen Rechts, Herausbeschleunigen aus der Kehre, Korrekturen in der langen Links, ...
... der GT-R nimmt sich die einzelnen Sektionen vor wie programmiert. Dabei hat der Fahrer nicht einmal die optimale Rückmeldung ...
... aus der Lenkung, die Rückstellkräfte sind gering. Egal, der Japaner rennt hier äußerst effektiv, die Zeiten stimmen.
Schade nur: Den zu hoch im Auto montierten Sitzen fehlt Seitenhalt, ...
... und für furioses Klangspektakel fühlt sich die früh in den Begrenzer stotternde Turbomaschine nicht unbedingt zuständig.
Auf Drehen und Kreischen ist eben traditionell ein GT3 abonniert, ...
... ein bis in die Achttausender tourender Saugmotor (500 PS, 460 Nm) übernimmt die Sound-Aufgabe. Und das mit Inbrunst. Im Stand rasselt und rumort der vier Liter große Sechszylinder-Boxer nervös und ungestüm, ...
... im mittleren Drehzahlbereich schlürft und sägt der Boxer furchteinflößend, um im hohen Tourenbereich schmerzhaft laut zu brüllen. Geil!
Passend zum Sound die Fahrleistungen: In 3,8 Sekunden schießt der GT3 RS 4.0 aus dem Stand auf Tempo und erreicht maximal 310 km/h. Längsdynamisch liegt er damit leicht hinter seinem Konkurrenten.
Feine Gaben: Zentralverschluss für die Räder, Sportreifen für den Grip und ...
... Keramik für die Bremsscheiben. Mit warmen Ankern steht der Elfer aus Tempo 100 nach 33,4 Metern!
Roter Faden: Instrumente wie in jedem Elfer, allerdings mit rotem Drehzahlbereich ab 8500. Dazu: griffiges Lenkrad mit Mittenmarkierung.
Im RS reicht eine lockere Einstimmungsrunde, schon rauscht Adrenalin in Sturzbächen. Die extrem direkte Lenkung übermittelt kribbelnd den Asphaltzustand, ...
... starre Sitzschalen klemmen den Fahrer ein wie in einer Kirmesgondel.
Trotz Hinterradantrieb verliert der mit einer mechanischen Hinterachssperre bestückte Porsche nur in einer engen, im zweiten Gang gefahrenen Kehre kurz die Haltung, ...
... ansonsten kleben die 325er-Hinterreifen bombenfest am Asphalt. Der Motor reagiert auf kleinste Gaspedalbewegungen mit brachialem Antritt, ...
... die wahnwitzige Seitenführung der breiten Räder treibt die Kurvengeschwindigkeiten hoch. Das Minus an Leistung kompensiert der GT3 durch weniger Gewicht, ...
... fehlenden Turbodruck durch Drehfreude, variable Dämpferhärte durch knallharte Federraten. Am Ende steht die Zeit. 1:29,30 – über eine Sekunde schneller als der GT-R. Eine Welt in dieser Klasse. Und eine neue Rangordnung.
Einen kleinen Haken hat die Sache natürlich: Die atemberaubende Performance des 911 GT3 RS 4.0 lässt sich Porsche mit mindestens 178.569 Euro bezahlen.
Quasi ein Schnäppchen: In der Ausstattungslinie "Premium Edition" kostet der Nissan GT-R 90.900 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Rund eine Sekunde trennt Porsche und Nissan auf unserer Teststrecke. Damit ist die Sache glasklar, ...
... der 911 GT3 RS 4.0 ist der neue König nach Stoppuhr. Aber um welchen Preis? Der Nissan schafft das beinahe genauso gut – und kostet die Hälfte."
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