Mit dem
Range Rover Evoque erweitert
Land Rover seine Produktpalette – ein neuer Star im Segment der kompakten Premium-SUVs? Wie gut der edle Engländer ist, klärt ein erster Fahrvergleich mit seinem deutschen Konkurrenten
BMW X1.
Die kollektive Verzückung über den kompakten Land Rover erreicht in England ein Maß, wie es in letzter Zeit nur Mitgliedern des Königshauses gelang. Seit dem Debüt des New Mini 2001 ...
... hat kein anderes Auto einen ähnlichen Hype ausgelöst. Der X1 trifft auf der der Insel auf seinen womöglich härtesten Rivalen. Aber fährt er ihm wirklich hinterher?
Der Evoque basiert auf dem
Land Rover Freelander, doch die Techniker änderten 70 Prozent der Teile. Auch Ex-Spice-Girl Victoria Beckham half als Stilberaterin bei der Entwicklung, ...
... ohne größeren Schaden zu hinterlassen. Die Aufgabe war ja auch so schwer genug. Immerhin sollten die Land-Rover-Burschen das Design der
Studie LRX (Bild) in die Serie retten und dabei das traditionelle Klettertalent erhalten.
Vor allem muss sich der Evoque (sprich "Iwouhg") wie ein echter Range Rover anfühlen. Daran besteht kein Zweifel: Er trägt den grimmigen Blick, den ein Auto draufhaben sollte, will es in die Range-Rover-Dynastie aufgenommen werden.
Innen kleidet sich er sich mit markentypisch sicherer Eleganz und setzt damit einen neuen Stil in seiner Klasse, ...
... das fällt erst recht beim Blick in den X1 auf, den BMW mit wenig anmutigem grobem Kunststoff möbliert. Das wirkt etwas lieblos.
Beim Platzangebot liegen die SUVs eng beieinander. Die zehn Zentimeter Vorteil bei Radstand und Länge des X1 braucht seine lange Schnauze auf, weil der Motor darunter längs sitzt, im Fond reisen hier wie dort besser nur zwei als drei, ...
... den Bonus, den sich der X1 durch die dreigeteilte Rücksitzlehne verschafft, ...
... kontert der Evoque mit mehr Innenbreite. Die erweist sich auch vorn als bedeutend, ...
... denn während Pilot und Co im BMW eng beieinander sitzen, ...
... reisen sie im Evoque unbedrängt. Weniger geglückt ist die Rundumsicht: Fette D-Säulen, schmale Seitenfenster und die winzige Heckscheibe bringen den Fahrer in eine rücksichtslose Situation. Der BMW ist deutlich übersichtlicher.
Bedienkonzepte: Der Evoque bietet ein eher umständliches Touchscreen-Infotainment (hier das Bild der empfehlenswerten Heckkamera), ...
... im BMW ist das leicht zu bedienende iDrive-System an Bord.
Bei den Kofferräumen herrscht Gleichstand: Sowohl X1 als auch Evoque verpacken mindestens 420 Liter. Beim Engländer fällt das Maximalvolumen mit 1445 Litern größer aus ...
... als im BMW, der 1350 Liter fasst, wenn die Rücklehnen flachliegen.
Der BMW X1 ist das wendigere und handlichere Auto. Seine schwergängige, aber präzise und rückmeldungsintensive Lenkung leitet ihn exakt durch Kurven, ...
... freundlich unterstützt vom niedrigen Schwerpunkt und der Gewichtsbalance. Die hohe Agilität wird auch durch die stramme Fahrwerkabstimmung gefördert. Doch schlagen kurze Unebenheiten fies durch.
Obwohl ihn Land Rover als besonders dynamisches Modell preist, verzichtet der Evoque auf Härte. Mit adaptiven Dämpfern (1230 Euro) bietet er selbst im straffen Dynamic-Mode ordentlichen Restkomfort, ...
... wobei die Taste für das Sport-Programm – es reduziert gleichzeitig die Servounterstützung der rückmeldungsärmeren Lenkung – nur da ist, damit die Kunden für ihr Geld etwas zum Herumspielen haben. Schon der ausgewogene Normal-Modus ...
... wählt bei Bedarf automatisch eine straffere Kennung – was ja Sinn adaptiver Dämpfer ist. Sie verbinden fixe Agilität mit sattem Komfort. Dass sich der Range auf verschlängelten Sträßchen trummiger fährt, liegt an seiner Breite.
Zum lässigen Wesen des Evoque passt der 2,2-Liter-Turbodiesel (150 PS, 400 Nm). Knurrig im Unterton, schwächelt er kurz beim Anfahren, schiebt danach beherzt voran. In 10,8 Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 185 km/h drin.
Der Zweiliter-Vierzylinder im X1 18d (143 PS, 320 Nm) selbstzündet nageliger, ...
... sprintet eiliger, wirkt dabei aber angestrengt. Tempo 100 erreicht der BMW bereits nach 10,1 Sekunden, auch mit 195 km/h Spitze fährt er dem Engländer davon. Das Bild kehrt sich um, ...
... sobald es ins Gelände geht. Wobei das Duell da keines mehr ist. SUV erscheint ein mutiger Begriff für den X1 mit niedriger Bodenfreiheit und knappen Böschungswinkeln. Offroad fährt ihm selbst ein
Skoda Octavia Scout um die Außenspiegel.
Dagegen ist ein Range ein Geländewagen, der es als freudige Verpflichtung versteht, sich durch die Weltgeschichte zu wühlen. Und während der Evoque über Feldwege schottert, Berge erklimmt oder Wälder durchforstet, ...
... stakst der X1 unbeholfen durchs Unterholz, voller Furcht, sich den Unterboden zu verrenken. Dem BMW war Herumgematsche eben nie wichtig, ...
... doch nach dem ersten Treffen scheinen quirliges Handling und bessere Übersicht zu wenig, ...
... um gegen den vielseitigeren und ausstattungsbereinigt gut 1300 Euro günstigeren Evoque zu bestehen
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Sebastian Renz: "Das wird eine Rangelei in der Klasse der kompakten Premium-SUVs. Mit dem Range Rover Evoque bekommt der X1 nicht den sportlichsten, ...
... wohl aber einen der vielseitigsten und wahrscheinlich den geländegängigsten Gegner. Zudem hat es Land Rover nicht nur geschafft, das Design der Studie LRX fast komplett in die Serie zu retten, ...
... der Evoque bringt darüber hinaus den oberklassigen Range-Stil in dieses Segment. Und der dürfte für viele Kunden viel wichtiger sein als die anderen Stärken des Evoque, denn X1 und Q3 können da nicht mithalten."
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