Die Firma Rinspeed präsentiert mit dem microMAX auf dem
Autosalon in Genf 2013 eine intelligente Lösung für den Personennahverkehr der Zukunft.
Der Wagen ist nur 3,70 Meter kurz, jedoch ungewöhnliche 2,20 Meter hoch. Ähnlich wie in Bussen oder U-Bahnen erfolgt der bequeme Zustieg durch seitlich aufschwingende Türen. Durch die Hochdach-Architektur spart der microMAX Verkehrsfläche ...
... und schafft Bewegungsfreiheit im Innenraum. So finden inklusive Fahrer vier Personen ...
... in einer halbsitzend, halbstehenden Position bequem Platz. Sicherheit gewährt ...
... ein spezielles Gurtsystem. Zusätzlich ist Platz für einen entfalteten Kinder- oder Einkaufswagen.
Sogar ein Fahrrad lässt sich am äußeren Wagenheck an einer speziellen Halterung transportieren.
Für Vortrieb sorgt ein rein elektrischer Antrieb, der zum Schutz von anderen Verkehrsteilnehmern ein synthetisches Fahrgeräusch erzeugt. Die Elektro-Kompetenz stammt vom Gabelstapler-Hersteller "Linde Material Handling".
Technik und Aufbau der Studie bilden dabei aber nur die Basis für den eigentlichen Clou des microMAX. Das ausschließlich für den Nahverkehr erdachte Konzept soll nämlich die Vorteile ...
... von Taxen, Carsharing- und Fahrgemeinschaftskonzepten und des öffentlichen Nahverkehrs verbinden. Mittel zum Zweck ist eine umfassende Vernetzung, die über eine App von Automotive-Zulieferer Harman künftig allen Verkehrsteilnehmern offen stehen soll.
Wenn in baldiger Zukunft zahlreiche microMAX durch die Stadt sausen, kann man sich via Smartphone an die Harman-Cloud andocken und nach einer Mitfahrgelegenheit suchen.
Das System kennt Route, Ziel, Auslastung und Geschwindigkeit aller Fahrzeuge in Echtzeit und ermittelt mögliche Mitfahrgelegenheiten. Wenn nötig, werden auch Schnittpunkte zum Umsteigen berechnet. So könnten laut Rinspeed unter anderem schlecht ausgelastete Buslinien ersetzt werden.
Das Mobilitäts-Konzept soll gleichermaßen für Selbstfahrer, regelmäßige Pendler, aber auch für spontane Mitfahrten geeignet sein. Rinspeed-Chef Frank Rinderknecht ist überzeugt davon, dass sich die Idee des microMAX durchsetzen wird, "weil es äußerst bequem und unkompliziert ist".
An Bord erwartet die Passagiere ein lichtdurchflutetes und wohnliches Raumgefühl mit Lounge-Charakter. Neben Kaffeemaschine und gekühlten Erfrischungsgetränken steht den Mitfahrern ...
... mobile Elektronik zur Unterhaltung oder zum Arbeiten zur Verfügung. Die Düsseldorfer Unternehmensberatung A.T. Kearney hat berechnet, dass sich das ...
... Konzept des microMAX in 30 Monaten realisieren lässt. Auch der mögliche Preis wurde ermittelt: Abhängig von Ausstattung und Antrieb soll ein Fahrzeug zwischen 5000 und 10.000 Euro kosten.
Der Autosalon Genf ist für Rinspeed so etwas wie eine Hausmesse: Im März 2012 zeigten die Schweizer einen umgerüsteten
Smart fortwo samt Anhänger namens Dock+Go. "Zwei Achsen hat jeder. Nimm doch drei statt zwei, aber nur, wenn du es brauchst", erklärte Frank M. Rinderknecht sein Projekt.
Der Anhänger, den der Erfinder modisch "Pack" nennt, kann verschiedene Einsatzzwecke erfüllen.
Hauptidee: Das Pack dient als zusätzliche Energiequelle für den elektrischen Antrieb des Smart.
Wenn die rund 120 Kilometer Reichweite des City-Stromers nicht ausreichen, wird das "Energy-Pack" angehängt.
Wahlweise könnten dabei laut Rinspeed ein Verbrennungsmotor oder die Akkus einer Brennstoffzelle als Range Extender dienen, um zusätzliche Kilometer herauszuholen.
Die angedockte dritte Achse treibt die mitlaufende zweite an und lädt dabei den bordeigenen Akku des Stadtflitzers wieder auf. Wird das "Pack" nicht gebraucht, verschwindet es in der heimischen Garage. Auch eine Ladung per Induktion ist angedacht.
Dort soll es außerdem die Energiespeicher der Solarstromanlage auf dem Hausdach puffern oder unterstützen.
Eine durchaus smarte Idee. Der Rinspeed Dock+Go soll aber auch mit anderen Packs bestückt werden. Für Handwerker gibt's das Werkzeugkasten-Pack, für Reisende einen verlängerten Kofferraum ...
... der Pizza-Bringdienst liefert dank des Anhängsels warme italienische Kost ...
... und sorgt gleichzeitig für einen gewissen Werbeeffekt.
Eine rollende Disco? Kein Problem für den Dock+Go, der ...
... mit Hilfe des Partners Harman die optimale Beschallung auf Rädern liefert.
Mit dem Smart in Ski-Urlaub? Das war bisher eher eine theoretische Sache. Doch mit Anhänger ...
... wird der Trip in die Berge samt Snowboard durchaus realistisch.
Innen bleibt von den Serienarmaturen nicht viel übrig: Auf dem Lenkrad sitzt ein Display, in der Mitte ein weiteres Display im Mega-Format von Harman.
Ein Zusatzinstrument in der Decke infomiert über den Ladestand der Batterien – und sieht dazu sogar schick aus.
Innen sieht der Dock+Go rot, dazu wird das Interieur durch das Glasdach mit Muster aufgehellt.
Und hier nooch ein Blick in die Geschichte: Seit 1992 enthüllt Rinspeed-Chef Rinderknecht jedes Jahr eine neue Studie auf dem Genfer Salon. 2011 war der Schweizer beim Heimspiel wohl in Strandlaune, denn er präsentierte den
BamBoo, der ...
... teilweise aus Bambusfaser besteht. Er setzte einen klaren Konterpunkt zu den "technisch hochgerüsteten Blech-Boliden, die nur den schwarzen Asphalt unter die Räder nehmen wollen", argumentierte Rinspeed.
Die schweizer Holzklasse ist ein skurriler Technologieträger: Mit seinem Elektroantrieb kann der Bamboo auch mal durch die Dünen zuckeln, ohne dass Greenpeace gleich meckert.
Das puristische Armaturenbrett hat die Form eines riesigen Brotkastens. Die feine Abdeckung besteht aus geflochtenem Kunststoffmaterial des Polymerherstellers Ticona. Sie lässt sich ...
... aufschieben und gibt dann den Blick frei auf die ...
... Bedienelemente und das futuristische VDO-Anzeigeinstrument.
In der Mitte thront der Ausströmer der elektrischen Hochvoltheizung vom deutschen Zulieferer Eberspächer.
Ganz rechts im Handschuhfach ...
... hat das Siebenzoll-HTC-Tablet "Flyer" nebst Dockingstation Platz gefunden.
Auch das fest eingebaute Infotainment-Display kann offenbar mehr als Radiofrequenz und Landkarte darstellen.
Lüftungsdüse mal anders: Die poppige Prilblume wird auf Knopdruck zum ...
... Gesichtshäcksler. Wenn Sie also mal schnuppern möchten?
Retro trifft Tradition: Nostalgische Edelstahl-Kippschalter ersetzen die sonst üblichen Kunststoffarmaturen. Links oben steckt der "Zündschlüssel" – in Form eines Schweizer Taschenmessers.
Wer seiner Umwelt etwas mitzuteilen hat, nutzt das "Identiface": Die Bildschirm-basierende Fläche ersetzt den Kühlergrill. Aufspielen lassen sich via Internet eigene Facebook-Inhalte, Nachrichten aus aller Welt, das Hersteller-Logo – oder eben auch das Angebot, jemanden mit von A nach B zu nehmen.
Der Bamboo ist dem Wetter aber nicht komplett schutzlos ausgeliefert. Das von der Schweizer Firma Tecnotex entwickelte ...
... aufblasbare und wasserresistente Dach schützt das Interieur vor möglichem Morgentau. Auf der Oberseite wurde eine riesige Rizzi-Standszene verewigt, ...
... die Unterseite ist mit Garn aus echtem Bambus veredelt. "Wer mit dieser Matratze am Strand auftaucht, schlägt mit seinem Auftritt jedes noch so elegant klappbare Cabrio-Dach um Längen", schwärmt Rinsspeed. "Und er ist ...
... augenblicklich mit seiner Liege-Nachbarin im Gespräch." Apropos Liege-Nachbarin: Die farblich variablen ...
... Rizzi-Birds am Überrollbügel (grün = bin Single; blau = bin in Partylaune; orange = brauche eine Pause) bieten laut Rinspeed "eine völlig neue automobile Kommunikationsform jenseits lautstarker Verbalattacken".
Der Bamboo ist als Viersitzer ausgelegt.
Die Seitenteile der bordeauxroten Sitzbank zeigen das BamBoo-Logo und den allgegenwärtigen Rizzi-Bird.
Die Sitzflächen bestehen aus atmungsaktivem High Performance Synthetik "Laif"-Material und sind ebenfalls mit Rizzi-Zeichnungen verziert.
Die beiden Rücksitze sind aufblasbar und in zwei Alukoffern auf der offenen Ladefläche verstaut. Sie können auch mit zum Strand genommen werden.
Der vorne untergebrachte E-Antrieb stammt von der Firmengruppe Fräger (German e-Cars) und leistet 54 kW. Damit erreicht der 1090 Kilogramm schwere BamBoo eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Range-Extender mal anders: Das an Bord mitgeführte faltbare Zweirad ist für die "letzte Meile" gedacht.
Leichtbau hilft: Das Stahlchassis mit liegenden Stoßdämpfern trägt eine stabile Composite-Karosserie verbunden mit dem Einsatz von Polymer-Kunststoffmaterialien. Passend dazu lieferte Henkel Strukturschäume sowie Dicht- und Klebemittel. Das Ganze steht auf ...
... 17-Zoll-Dreispeichen-Alus von AEZ mit lackierten Inserts und Energiesparreifen von Goodyear.
Frank M. Rinderknecht dachte 2011 über eine Serienproduktion nach: "Ja, es laufen bereits seit einiger Zeit konstruktive Gespräche mit einigen potenziellen Herstellern." Die Düsseldorfer Beratungsfirma A.T. Kearney hat zumindest schon ein Produktions- und Firmenkonzept für die Serienfertigung in der Schublade liegen.
Der Akku des BamBoo reicht für 105 Kilometer. Genug für den Nahverkehr zwischen Hotel, Strand und abendlichem Restaurantbesuch, meint Rinspeed. Apropos tanken: Rinderknecht hat den Energieriesen RWE mit an Bord genommen, der mit einer ...
... intelligenten Ladesäule zeigen soll, "wie ein innovativer Infrastrukturspezialist das Thema E-Mobilität angeht". Der moderne Stromspender kommuniziert mit dem Auto über alle Grenzen hinweg.
Und hier ein Rückblick auf Rinspeeds Schaffen der vergangenen Jahre: 2010 präsentierte die Ideenschmiede auf dem Genfer Salon das kleine
Elektroauto UC?, das für Langstrecken in einen speziellen Eisenbahnwaggon verfrachtet werden kann. Es sieht einem Smart fortwo zum Verwechseln ähnlich.
2009 zeigte Rinderknecht den Elektro-Sportler
iChange, der als "1-2-3-Sitzer" für Aufmerksamkeit sorgen sollte. Im Gegensatz zu anderen Autos, die stets ihr ganzes Blechkleid mit sich herumtragen, setzt der iChange auf eine adaptive Karosserie, die ihre Form auf Knopfdruck verändern soll.
Der Entwurf
sQuba ging auf Tauchstation. Erster Einsatz: der Genfer Salon 2008. Die Atemluft für die maximal zwei Passagiere kommt aus dem bordeigenen System. Da der "sQuba" ohne Dach konstruiert auf Tauchstation ging, ist ein feucht-fröhliches Treiben garantiert. Und es funktioniert wirklich!
Das 30. Rinspeed-Firmenjubiläum beging Rinderknecht mit einer riesigen, transparenten Zigarre. Der
Rinspeed sXasis stand auf dem 77. Genfer Salon 2007. Zwei Personen finden in dem gläsern anmutenden Gefährt hintereinander Platz, gefertigt ist es aus dem Hightech-Kunststoff Makrolon.
2006 zeigte Rinspeed mit dem
zaZen die luftig leichte Interpretation eines Sportlers auf Porsche-Basis. Kernstück der Studie sind speziell entwickelte Werkstoffe, die es Rinspeed-Chef Rinderknecht erlaubten, im Automobilbau völlig neue Wege zu beschreiten. So ist es gelungen, ein komplett durchsichtiges und einteiliges Dach herzustellen.
Flache Sache: 2005 hatte sich Rinspeed ebenfalls den Porsche Cayenne vorgenommen und auf amerikanische Art "gechopt". Dabei wurde die Dachpartie tiefer gelegt, um eine gedrungene Linienführung mit bulligem Auftritt zu schaffen. Das Ergebnis hieß
Chopster.
Mit dem
Senso wollte Rinspeed auf dem Genfer Salon 2005 zeigen, dass er dem Auto das Fühlen beigebracht hat. Die technische Möglichkeit dazu eröffnete eine Folie, die den Innenraum des Cabrios auskleidet und die Passagiere mit Leichtreizen umschmeichelt.
Der
Rinspeed Splash schaffte 2004 zum Genfer Salon in kürzester Zeit, wofür andere Spezies Jahrtausende brauchten. Er wurde zum Amphibium. Fährt er mit seiner Carbon-Karosserie ins Wasser, klappt zunächst ein unscheinbarer Heckdeckel nach oben. Dahinter wartet schon ein Schiffsantrieb auf seinen Einsatz. Der Splash ist aber auch straßentauglich.
Au Backe! 2003 kam der Wüstenkombi für schräge Scheichs! Rinderknecht zeigte in Genf ein Auto aus Tausendundeiner Nacht: den
Rinspeed Bedouin. Der Wüstenrenner basiert auf dem Porsche Turbo, soll Sportwagen und Lastesel in einem sein.
2002 feierte der Presto in Genf Premiere, ein Auto mit Ziehharmonika-Effekt. Der Presto lässt sich in weniger als zehn Sekunden per Knopfdruck von einem knapp drei Meter kurzen offenen Zweisitzer in einen 3,70 Meter langen geräumigen Viersitzer verwandeln.
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