Angriff aus Fernost: Der
Hyundai i40 (vordere Reihe, links) will die etablierte Kombi-Konkurrenz schlagen. Wo landet er im Vergleich mit
Peugeot 508 SW,
Volvo V60,
Mazda6 Kombi,
VW Passat Variant und
Skoda Superb Combi (von links)?
Der sechste Platz geht mit 333 von 500 Punkten nach Schweden: Als Wohlfühlkombi spielt der kleinere, teurere
Volvo V60 in einer anderen Liga als die Mittelklasse-Konkurrenz. Gut so.
Sehen so Verlierer aus? Ganz sicher nicht. Der V60 sammelt in diesem Vergleich zwar die wenigsten Punkte, was aber nicht heißt, dass er ein schlechtes Auto ist. Die meisten Zähler ...
... büßt er im Karosseriekapitel ein, weil er nun mal das kleinste Auto in diesem Feld ist.
Kofferraumgröße (430 Liter) und maximales Ladevolumen (1241 Liter) sortieren den Mittelklasse-Volvo etwa auf dem Niveau von einen halben Meter kürzeren Kleinwagen-Kombis ein.
Abgesehen vom Fassungsvermögen hat der Volvo mit seinem intelligenten Klappmechanismus und der ebenen Ladefläche durchaus Kombi-Talent, doch darum dürfte es den meisten V60-Interessenten gar nicht gehen, ...
... sie erfreuen sich etwa am nobel eingerichteten Interieur, der sauberen Verarbeitung und den bequemen Sesseln. Die sind allerdings mit rutschigem Leder bezogen (1230 Euro extra), ...
... sodass Volvo-Piloten wahrscheinlich schon deswegen selten den Kurvengrenzbereich aufsuchen. Tun sie es dennoch, ist der V60 ein milde untersteuerndes, sehr fahrsicheres Auto mit einer fein ansprechenden Lenkung.
Allerdings stellt der 115 PS starke 1,6-Liter-Diesel der Drive-Version das Fahrwerk vor keine allzu großen Herausforderungen. Der Motor ist zwar sparsam (Testverbrauch: 5,8 Liter Diesel), ...
... reagiert aber etwas zäh auf Gasbefehle und vermittelt so den Eindruck einer gewissen Behäbigkeit. Was auch die Messwerte widerspiegeln: Bis Tempo 100 braucht der V60 13,5 Sekunden, bei 190 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Immerhin: Der Motor ist mit einem sauber schaltbaren und passend gestuften Sechsganggetriebe zusammengesteckt.
Und da wir schon beim Loben sind: Das adaptive Fahrwerk, Four C genannt und 1540 Euro Aufpreis teuer, ...
... überzeugt mit weichem Ansprechen, gutem Federungskomfort und hoher Beladungssicherheit.
Als DRIVe in der Ausstattungslinie Momentum kostet der Volvo V60 stolze 35.260 Euro und ist damit das teuerste Auto des Vergleichs. Im Preis bereits eingerechnet sind das adaptive Fahrwerk (1540 Euro) und die 17-Zoll-Bereifung (320 Euro).
Mit 340 von 500 Punkten reicht es für den Franzosen im Testfeld zu Platz fünf: Mangelnder Federungskomfort, niedrige Zuladung, doch kultivierter Antrieb – dem
Peugeot 508 fehlt es an Ausgewogenheit.
Früher waren die Mittelklasse-Kombis von Peugeot eine Macht. Mit den halbherzigen 4er-Modellreihen der letzten zwanzig Jahre verblasste der Ruhm von 504 und 505 etwas, der 508 soll das besser machen.
Die Kombi-Talente können sich sehen lassen, denn groß ist er, der 508: über 2,8 Meter Radstand, ...
... 560 Liter Kofferraum, 1,6 Kubikmeter maximales Ladevolumen. Doch Intensivnutzer werden sich daran stören, ...
... dass sich die Fondsitze nicht zu einer ebenen Ladefläche falten lassen. Und da der 508 mit 1648 kg Leergewicht ein recht schwerer Brocken ist, ...
... dürfen nur 492 kg dazugepackt werden. Immerhin gewährt eine weit öffnende Klappe großzügigen Zugang zum Frachtabteil.
Zu den angenehmen Seiten des Peugeot zählt der kultivierte und kräftige Dieselmotor, der aus zwei Litern Hubraum 140 PS und 320 Nm Drehmoment holt.
Er ist drehfreudig, nur im Leerlauf akustisch als Selbstzünder wahrnehmbar, sein Testverbrauch liegt im Rahmen des Konkurrenzumfelds (6,0 Liter) ...
... und mit 10,6 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 sowie 210 km/h Spitze zeigt er den anderen das Heck.
Weniger schön: Das nicht überlang gestufte Sechsganggetriebe ist etwas unpräzise und hakelig zu schalten.
Die Fahrwerkabstimmung trifft auch nicht auf uneingeschränkte Zustimmung des Testteams. Der 508 rollt recht hölzern ab, ...
... und die Federelemente sprechen eher zögerlich auf Unebenheiten an. Keine Spur also vom französischen Komfort früherer Tage.
Dafür ist der Peugeot ein sehr fahrsicheres Auto, dessen elektronische Fahrhilfen rigoros einschreiten.
Was am Ende noch an die großen Peugeot der Vergangenheit erinnert? Die elegante, unaufdringliche Formgebung zum Beispiel.
Preislich sortiert sich der Peugeot 508 SW HDi FAP 140 Allure mit 32.600 Euro (inklusive 450 Euro für die 18-Zoll-Breifung) im Mittelfeld der Testkonkurrenz ein.
Straffes, agiles Fahrwerk und lauter Motor, der
Mazda6 will ein Sportkombi sein. Ein gutes Familienauto ist er trotzdem und fährt deshalb mit 342 von 500 Punkten auf den vierten Platz.
Okay, bestimmt tut man dem wackeren Mazda-Kombi unrecht, aber vermutlich gibt es kaum ein Auto, das sich besser eignet, spurlos in der Menge zu verschwinden. Doch abgesehen vom idealen Dienstwagen für Privatermittler ...
... hat der 6er-Kombi auch handfeste Vorzüge: seine direkte, zielgenaue Lenkung und das knackige Fahrwerk beispielsweise, ...
... das jedoch andererseits ebenso für eingeschränkten Federungskomfort sorgt.
Auf der Haben-Seite verbucht der Mazda seinen lebendigen und sparsamen Motor. Der 2,2 Liter große Vierzylinder mobilisiert 129 PS und 340 Nm Drehmoment, ...
... die den 6er in 11,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf 193 km/h schieben. Im Testdurchschnitt gab sich der Mazda mit 5,9 Litern auf 100 Kilomter zufrieden.
Dass der Mazda das billigste Auto im Vergleich ist, merkt man etwa am unharmonischen Materialmix des Interieurs. Beachtlich ist das Raumangebot. Nur der Skoda hat deutlich mehr zu bieten, Passat, i40 und 508 liegen auf ähnlichem Niveau.
Unauffällig, aber gut: Die Sitze sind sehr bequem und bieten viel Halt.
Licht und Schatten: Mit 519 Litern Kofferraum belegt der Mazda6 nur den vorletzten Platz in diesem Vergleich, ...
... macht sich mit 1751 Litern Maximalvolumen aber am zweitgrößten. Auch die Zuladung fällt mit 551 Kilogramm ordentlich aus.
Kleine Kombi-Lehre: das intelligente und gute Klappsystem bei Mazda trägt den Namen Karakuri.
Unschlagbar günstig in diesem Vergleich: Für den Mazda6 2.2 MZR-CD Active werden 29.790 Euro fällig.
Der Herausforderer
Hyundai i40 schafft es mit 347 von 500 Punkten auf den dritten Rang – ein mehr als beachtliches Debüt für den koreanischen Kombi. Etwas besserer Federungskomfort stünde ihm gut.
Da haben sie ganze Arbeit geleistet in Rüsselsheim, wo Hyundai und Schwestermarke Kia seit 2003 ein Entwicklungszentrum betreiben. Am i40 ist wirklich nichts wacklig und klapprig. Vermutlich wird sich noch die ein oder andere
Wolfsburger Delegation durch den Hyundai arbeiten ...
... und sich dabei fragen, was die Koreaner alles können. Jedenfalls können sie einen stimmigen, qualitativ ansprechenden Mittelklasse-Kombi bauen. . Der landet in diesem Vergleichstest auf dem dritten Platz, ...
... mit deutlichem Respektabstand zu Passat und Superb. Woran das liegt? Die Fahrwerkabstimmung könnte komfortbetonter sein. Auf unebenem Terrain ...
... kommt der i40 hoppelig daher, die elektrische Servolenkung ist so leichtgängig wie rückmeldungsarm.
Do scheppert nix: Der muntere und sehr leise Vierzylinder-Diesel holt aus 1,7 Litern Hubraum 136 PS und 330 Nm Drehmoment, ...
... die für mehr als ordentliche Fahrleistungen reichen: In 10,8 Sekunden geht es im i40 von 0 auf Tempo 100, maximal sind 200 km/h drin. Der Verbrauch liegt bei glatten sechs Litern auf 100 Kilomter im Testdurchschnitt.
Abstriche muss der Hyundai-Pilot bei der Bedienbarkeit machen. Viele kleine Knöpfe und keine stringente Menüstruktur, das immerhin können andere besser.
Über das Design kann man geteilter Meinung sein, nicht aber über die Verarbeitungsqualität, die ist sehr beachtlich.
Platzangebot und Sitzkomfort sind kaum schlechter als bei der deutschen Konkurrenz. Für einen Kombi ist die hohe und aufrechte Sitzposition aber fast zu Van-artig.
Hinter die Heckklappe des i40 passen minimal 553 Liter, ...
... durch Umklappen der Rücksitzlehne vergrößert sich das Gepäckraumvolumen auf 1719 Liter. Aber: Es entsteht keine ebene Ladefläche.
Für den i40 1.7 CRDi in der Ausstattungslinie Premium verlangt Hyundai 32.580 Euro – und landet damit preislich im Mittelfeld dieses Vergleichs.
Bei Raumangebot und Ladevolumen ist der
Skoda Superb Combi in dieser Klasse unschlagbar. Fahrwerk und Motor sind ebenfalls top. Das reicht am Ende zu Platz zwei mit 372 von 500 Punkten.
Womöglich ist das hier der ultimative Skoda. Der Superb Combi 2.0 TDI hat genügend Wums, geizt beim Verbrauch, ...
... mit seiner Verarbeitung und dem enormen Platzangebot beschämt er sogar die Luxusklasse. Holz möbelt hier das Cockpit auf, helle Farben wirken luftig. Die Bedienung ist einfach.
Vorne gibt es etwas hart gepolsterte Sitze, aber die besten Plätze sind im Skoda eh hinten.
Dass der Skoda bei vergleichbarer Ausstattung erheblich günstiger ist als der Passat, weiß inzwischen wirklich jeder. Kurz: Der Superb Combi ist viel besser, ...
... als er sein dürfte – zumindest aus VW-interner Sicht. So macht er seinem Wolfsburger Bruder das Leben schwer – klar: vor allem mit den Vorzügen seiner Karosserie. In den Kofferraum des Superb passen bei fünfsitziger Konfiguration zwar auch 603 Liter, ...
... liegt alles flach, schluckt er allerdings üppige 1835 Liter. Kleiner Nachteil: Das flache Heck mindert die Sperrguttauglichkeit.
Dass es für den Superb in diesem Vergleich nicht zum Sieg reicht, liegt an der bockigeren Federung, den harten Sitzen, dem müderen Handling ...
... und dem Motor, der weniger energisch beschleunigt und mit 5,9 Litern auf 100 Kilometer etwas mehr verbraucht als im VW. Der Zweiliter-TDI mit 140 PS und 320 Nm Drehmoment hat genug Kraft, ...
... um den Skoda auf einen der vorderen Plätze in Sachen Fahrleistungen zu schieben: Tempo 100 ist in 11,1 Sekunden erreicht, der Vortrieb stagniert bei 205 km/h.
Preis-Leistungs-Sieger: Skoda verlangt für den Superb Combi 2.0 TDI Elegance 31.350 Euro.
Das sensibel ansprechende Fahrwerk und der sehr sparsame Dieselmotor sind die auffälligsten Vorzüge des
VW Passat Variant. Als 2.0 TDI fährt er hier mit 375 von 500 Punkten auf den ersten Platz.
Ausgewogenheit ist ein gutes Rezept, um Vergleichstestsieger zu backen. Doch es ist nicht nur diese Eigenschaft, die den Passat zum Seriengewinner macht.
Gerade in der hier getesteten BlueMotion-Technology-Version kommt sein knauseriges Konsumverhalten bestens zur Geltung: 5,5 Liter Diesel Testverbrauch sind für einen 1,6 Tonnen schweren, ...
... 210 km/h schnellen Kombi, der in glatten elf Sekunden auf Tempo 100 stürmt, ein Wert, der vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Auch das ist Fortschritt, ...
... für den unter anderem der zwei Liter große TDI im Bug verantwortlich ist, der wie im Skoda 140 PS leistet und 320 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle wuchtet.
Was der Passat sonst noch kann? Sehr feinfühlig und ausgewogen federn, zumindest, wenn er – wie in diesem Fall – mit dem optionalen Adaptiv-Fahrwerk DCC (1085 Euro) ausgerüstet ist.
Recht leichtfüßig und kurvenfreudig zeigt sich der Variant obendrein. Zudem verfügt der Wolfsburger über die beste Lenkung im Vergleich.
Dass er darüber hinaus ein sehr guter Kombi mit viel Platz im Fond, großem Kofferraum (603 Liter) ...
... und reichlichem Maximalvolumen (1731 Liter) ist, gehört ohnehin zur Passat- Folklore.
Manche mögen es langweilig finden, doch beim VW Passat ist schlicht und einfach
alles am richtigen Platz.
Nichts Negatives also zu sagen über den Volkswagen? Doch, die lange Übersetzung des sechsten Gangs nervt, ...
... und die Preisgestaltung ist nur wenig volkstümlich. Eine Klimaautomatik beispielsweise – bei allen anderen serienmäßig an Bord – lässt sich VW mit 460 Euro extra bezahlen.
Apropos Preis: Der VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline kostet 33.340 Euro. Darin enthalten sind das DCC-Fahrwerk für 1085 Euro und die 17-Zoll-Bereifung für 705 Euro.
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