Bescheidenheit für den Sommer: Der kleinste Motor des neuen
Golf Cabrio ist der 1.2 TSI mit 105 PS. Laues Lüftchen oder steife Sommerbrise? AUTO BILD hat sich aufgemacht zur Testfahrt und die Cabrio-Talente des Golf gecheckt.
Unter dem dicken, dreilagigen Stoffhimmel lassen sich selbst fiese Winterstürme ertragen, wer braucht da noch ein Blechdach? Sprich: den Markenbruder
Eos?
Das Dach klappt serienmäßig elektrisch und in jeder Rotlichtphase. Der schicke Hebel dazu ist allerdings etwas unlogisch konzipiert: Drücken öffnet, ziehen schließt das Dach. In der Mitte befindet sich der Zentralheber für alle vier Fenster.
Die flache Frontscheibe endet vor dem Kopf – und nicht etwa darüber wie beim
Peugeot 308 CC. Bei versenkten Seitenscheiben fegt eine kräftige Luftdusche in den
VW und zerzaust garantiert jede Frisur. Ein Weichei-Cabrio ist das nicht.
Danke, VW, dass wir inmitten der Golf-Perfektion die Elemente spüren. Ab 120 km/h klappern lose Gurtschlösser an der Seitenwand, das oberste Dachteil bläht sich in seiner Ablage auf.
Bei geschlossenem Verdeck sollen Längsnähte als Regenrinne dienen, trotzdem läuft beim Türöffnen etwas Regenwasser auf den Sitz. Das Dach (von Webasto-Edscha) blieb in der Waschstraße vorbildlich dicht, erst der Dampfstrahler drückte ein paar Tropfen durch die Dichtlippen.
Ungewöhnlich, dass das Cabrio bei Tempo 100 genauso leise ist wie der geschlossene Golf. Auch ein Verdienst des 1.2 TSI, der in seiner dicken Kapselung so leise murmelt, dass man sich an der Ampel fragt, ob er überhaupt noch läuft oder Start-Stopp ihn schon abgeschaltet hat. Sein Turbo-Temperament ...
... macht im Alltag richtig satt, der Testwagen sprintet in 11,4 Sekunden auf Tempo 100 – das ist sogar schneller, als das Werk verspricht. Erst jenseits der 150 km/h geht ihm die Puste aus. Aber ist das noch Cabrio-Gangart?
Für Golf-Fahrer, die mit dem Offenen liebäugeln, haben wir verglichen. Als Cabrio wiegt der 1.2 TSI 144 Kilo mehr als die Limousine, ...
... beschleunigt genauso schnell und schluckt im Test 6,6 Liter (das sind 0,3 Liter mehr). Bei offenem Dach kommt nur ein halber Liter dazu. Da können sich Käufer die 875 Euro für den größeren 1.4 TSI mit 122 PS sparen, zumal der erst im Herbst 2011 kommen wird. Die Basisversion ...
... kostet mit 24.025 Euro aber auch schon 4950 Euro mehr als der Golf-Zweitürer. Und dann erst die Extras: Aluräder? Müssen sein, macht mindestens 445 Euro. Radio? Ab 655 Euro. Navi? 660 Euro. Windschott? 315 Euro. Metalliclack? Jaaa, wenn’s nicht die einzige Uni-Farbe Weiß sein soll, also 500 Euro. Und Textilfußmatten: 97 Euro (Frechheit!).
Ach ja, der Parkpilot für 540 Euro muss angesichts des hohen Hecks unbedingt dabei sein. Außerdem macht sich beim Schulterblick das Cabriodach breit – dahinter verschwinden ganze Radfahrer. Macht unterm Strich 3212 Euro – und könnte eine Alternative zu den Paketen sein, die VW empfiehlt. Teuer wird das Golf Cabrio also ganz schnell, aber das erklärt sich bei diesem Namen wie immer von selbst.
Der Kofferraum präsentiert sich als tiefe Schublade mit kleiner Luke – immerhin lassen sich lange Dinge durch eine Durchreiche hineinschieben.
So sieht das "Design & Style"-Paket (910 Euro extra) aus: unter anderem schwarzer Dekorstreifen im Cockpit, Drei-Speichen-Lenkrad, Pedale in Edelstahl und Sportsitze mit Mittelbahnen in Alcantara. Wirkt ein wenig trist, mehr Farbe zieht erst mit teurem Leder ein.
Die Sitze fahren zum Fondeinstieg nach vorn, doch hinten ist der Knieraum recht knapp.
Die Wertung in den einzelnen Kategorien. Karosserie: kompakter Viersitzer mit reichlich Platz vorn, im Fond deutlich knapper. Kofferraum mit unpraktisch kleiner Klappe, schlechte Rundumsicht. Verarbeitung und Stoffverdeck sind hochwertig, steife Karosserie mit bester Crash-Sicherheit. 4,5 von fünf Sternen.
Antrieb: kleiner, kräftig antretender TSI, der schneller anspricht als in früheren Testwagen. Die 105 PS schaffen souveräne Fahrleistungen bei annehmbarem Verbrauch. Bei offenem Dach 7,1 Liter im Durchschnitt. Für einen Benziner große Reichweite, exakte Schaltung. Vier von fünf Sternen.
Komfort: Ein Golf durch und durch: ausgewogene Federung, komfortable Sitze, Bedienung erklärt sich von selbst. Bestens dämmendes Stoffdach, VW-typisch magere Ausstattung ohne Radio, immerhin ist die Klimaanlage serienmäßig. Vier von fünf Sternen.
Fahrverhalten: Dieses Fahrwerk verträgt auch 200 PS problemlos. Exakte Lenkung, sicher und leichtfüßig in den Kurven, hellwaches ESP als elektronischer Rettungsanker. Hervorragende Bremsen, außerdem gute Traktion. 4,5 von fünf Sternen.
Kosten: Die Qualität hat ihren Preis, auch schon beim Basismodell und vor allem bei den verführerischen Extras. Der niedrige Verbrauch, die günstige Versicherung und ein guter Werterhalt senken die laufenden Kosten, doch bei der Wartung langt VW wieder zu. 2,5 von fünf Sternen. Gesamtwertung: vier von fünf Sternen.
Fazit von Redakteur Joachim Staat: "VW baut im alten Karmann-Werk wieder ein Auto, das sich in frühere Erfolgsmodelle aus Osnabrück einreiht. Wie der offene Käfer und das alte Henkel-Cabrio ist der Golf das solide, vielseitige Cabriolet für jedermann und alle Wetter. Sein Softtop macht Blechdächer überflüssig, geöffnet setzt er seine Insassen an die frische Luft. Dazu ...
... kommen typische Golf-Qualitäten: kompakter als die Hardtop-Konkurrenz, überlegenes Fahrwerk und souveräner Komfort, sparsamer Motor und moderne Technik. Dagegen stehen der hohe Preis und die magere Ausstattung – auch im Schlechten ist das Cabrio ein Golf."
Das Vergnügen, ein Cabrio zu fahren, kostet eine Stange Geld. Beim Golf sind es 5000 Euro, die VW als Aufschlag für den Offenen verlangt. Zugleich markiert der Volkswagen mit seinem Preis, den ein paar Extras schnell nach oben treiben, einen wichtigen Maßstab: Welche Cabrios gibt es für rund 25.000 Euro? Die Auswahl ist erstaunlich groß. Da hätten wir ...
... etwa das
Audi A3 Cabrio: 105 PS • Verbrauch 5,7 l Super • CO2 132 g/km • ab 25.100 Euro. Ob Platz oder PS – der offene A3 ist ein VW-Klon. Der kleine Unterschied: Er fährt sich agiler, federt straffer und kostet besser ausgestattet 1475 Euro mehr. Ein Ausweg, wenn Warten auf den Golf nervt. 4,5 von fünf Sternen.
Daihatsu Copen: 87 PS • Verbrauch 6,0 l Super • CO2 140 g/km • ab 18.900 Euro. Ein kleines Hardtop-Cabrio mit riesigem Spaß-Potenzial: Sein Turbomotörchen dreht und schiebt, der Fronttriebler wieselt, der ganze Copen passt fast in die Einkaufstüte. Achtung, nur noch Restexemplare! 3,5 von fünf Sternen.
Fiat 500 C: 69 PS • Verbrauch 5,1 l Super • CO2 119 g/km • ab 14.200 Euro. Ist der nicht süß? Dem Knuddel-Bonus zum Trotz – der 500 C mit Rolldach ist nur ein halbes Cabrio. Gut, der hübsche Hintern bleibt erhalten, aber für das bisschen Frischluft sind 2800 Euro Aufpreis happig. 3,5 von fünf Sternen.
Mazda MX-5: 126 PS • Verbrauch 7,1 l Super • CO2 167 g/km • ab 22.290 Euro. Achtung, bissiger Roadster: tiefer als ein Cabrio, enger, härter – gebaut nach der Formel für Fahrvergnügen. Der Mazda ist leicht, stürmisch und hat den Antrieb hinten. Wer ihn einmal küsst, ist verloren. 4,5 von fünf Sternen.
Mini Cabrio: 98 PS • Verbrauch 5,7 l Super • CO2 133 g/km • ab 20.950 Euro. Mini-Mania in Open-Air-Version. Das Cabrio ist exklusiver und 2500 Euro teurer als der Zweitürer. Wichtig: Haltung zeigen! Es zieht kräftig, und die neidischen Blicke von draußen fliegen auch nur so herein. 3,5 von fünf Sternen.
Peugeot 308 CC: 120 PS • Verbrauch ab 6,9 l Super • CO2 155 g/km • ab 25.950 Euro. Hier stellt sich die Stilfrage: Der 308 CC spannt nicht Stoff, sondern ein Blechdach über seine vier Plätze. Das macht ihn steif und komfortabel, aber nicht hübscher. Eher ein Konkurrent des VW Eos. Vier von fünf Sternen.
Peugeot 207 CC: 120 PS • Verbrauch 6,4 l Super • CO2 149 g/km • ab 19.700 Euro. Er ist kurz, vielseitig und günstig – ein Freund der Frauen. Entblättert ein Luftikus, geschlossen dank des Hardtops vollwertiger Begleiter für schlechte Tage. Unter den Kleinen noch immer konkurrenzlos. Vier von fünf Sternen.
Renault Wind: 102 PS • Verbrauch 6,3 l Super • CO2 145 g/km • ab 19.900 Euro. Der kleine Franzose entblättert nur das Stückchen Dach überm Kopf – eher ein Targa als ein Cabrio. Entsprechend lau weht das Lüftchen innen, dafür ist der Zweisitzer steifer und sportlicher als ein 207 CC. Drei von fünf Sternen.
Renault Mégane CC: 110 PS • Verbrauch 7,6 l Super • CO2 175 g/km • ab 24.900 Euro. Ein Hardtop-Cabrio nach dem Vorbild des 308 CC: vier Plätze, flache Frontscheibe und ein Kofferraum, der bei offenem Dach stark schrumpft. Immerhin kaschiert Renault den notwendig dicken Hintern besser. Vier von fünf Sternen.
Smart Cabrio: 71 PS • Verbrauch 4,3 l Super • CO2 99 g/km • ab 13.840 Euro. So klein und schon Cabrio? Na ja, nicht richtig, wohl eher ein Rolldach-Auto, das mit 3090 Euro Aufpreis ähnlich hinlangt wie der Fiat 500. Etwas für Smart-Verliebte, die das Besondere suchen. 3,5 von fünf Sternen.
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